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Unabsichtlich manipulativ?

Wie du andere dazu bringst, nach deiner Nase zu tanzen

Bild Foto: maria lysenko / unsplash
Foto: maria lysenko / unsplash

Vielleicht bringst du jeden Tag deine Kollegen und Kolleginnen unbewusst dazu, das zu tun, was du für das Beste hältst. Oft reicht schon der Tonfall oder die Art, wie du deine Bitte und Vorschläge formulierst oder die Kombination aus beidem. Diese ganz spezielle Art der subtilen Manipulation geschieht oft, weil wir Beziehungen aufrechterhalten wollen und versuchen, den Anschein zu erwecken, dass alles gut ist, auch wenn das nicht der Fall ist. Du möchtest vielleicht durch deine Art verhindern, dass sich jemand schlecht oder unwohl fühlt. Oder du möchtest damit einfach nicht unfreundlich erscheinen. In vielen Fällen sind unsere manipulativen Interaktionen das Ergebnis unseres Versuchs, dass sich jemand nicht unwohl fühlen soll. Klingt erst einmal nicht so schlimm und eigentlich positiv, aber trotzdem ist dieses Verhalten der anderen Person gegenüber nicht fair. Wir beeinflussen sie und lenken ihre Gedanken in eine bestimmte Richtung.

Für einen achtsamen Umgang mit Kollegen, Kolleginnen und anderen Menschen in deinem Umfeld solltest du darauf achten, wie du bestimmte Dinge formulierst. Wir haben ein paar manipulative Formulierungen zusammengefasst, die du deinen Kollegen und Kolleginnen gegenüber vermeiden solltest. 

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Unabsichtlich manipulativ? Foto: ovan / Pexels

"Wir alle denken ..." oder "Wir sind alle der Meinung, dass ..."

Besonders Vorgesetzte machen häufig den Fehler, in ihren Formulierungen alle einzubeziehen und ihre Aussagen so zu formulieren, als ob alle mit ihrer Meinung übereinstimmen. Hat jemand viele Dinge mit anderen gemeinsam und es herrscht Sympathie, geraten Menschen leicht in die Falle des falschen Konsenses. Schnell werden dann Annahmen darüber getroffen, welche Meinung das Team zu bestimmten Dingen hat oder was es präferiert. Diese Annahmen beruhen in diesem Fall aber nur auf den eigenen Präferenzen. Klarheit darüber, was alle denken, gibt es nur, wenn das Team tatsächlich zur eigenen Meinung und Einstellung befragt wurde. 

Den eigenen Aussagen wird durch Sätze wie "Wir sind alle der Meinung, dass ..." mehr Gewicht verliehen und es wird der Anschein erweckt, dass alle anderen auch hinter dieser Meinung stehen – was in Wirklichkeit vielleicht nicht stimmt. Diese subtile Manipulation ist gefährlich. Die Person, der diese Aussage gegenüber geäußert wird, verspürt den Druck, der allgemeinen Meinung zuzustimmen, um einen Konflikt mit dem Team zu vermeiden. 

"Hast du eine Minute Zeit?"

Dieser Satz klingt im ersten Moment nach einer höflichen Frage. Stellst du diese Frage aber einer anderen Person ohne jeden Kontext, führt das dazu, dass die Person ein schlechtes Gewissen bekommt und sich verpflichtet fühlt, ja zu sagen und sich die Zeit zu nehmen. Natürlich haben die meisten Menschen kurz eine Minute Zeit. Deshalb ist es in diesem Fall schwer, dem Fragesteller eine Absage zu erteilen. Es ist zwar eine Ja-oder-Nein-Frage, aber dein Gegenüber denkt, auf diese Frage mit Ja antworten zu müssen. Du bist auch eigentlich nicht daran interessiert, ob die Person wirklich eine Minute Zeit hat, du möchtest wissen, ob dein Gegenüber dir bei etwas helfen kann. 

Versteck dich hier nicht hinter dieser subtilen Manipulation. Stelle deine Frage oder Bitte nach Hilfe einfach direkt. Das ist rücksichtsvoller. Formuliere deine Sätze freundlich und gib der Person die Möglichkeit, dir später zu helfen oder nein zu sagen. Formulierungen wie "Hätten Sie einen Moment Zeit, mir dabei zu helfen, oder soll ich jemand anderen fragen, oder möchten Sie lieber später mit mir reden?" bieten der Person die Option, Nein zu sagen oder sich später die Zeit für dich und dein Anliegen zu nehmen. 

"Ich sage nicht, dass du dieses oder jenes tun sollst, aber ..."

Diese Art der Formulierung wird auch häufig im Verkauf eingesetzt. Du sagst einer Person etwas, indem du ihr sagst, dass du es ihr nicht sagst. Formuliert jemand Sätze auf diese Weise, verarbeitet das Gehirn das kleine Wort "nicht" nicht wirklich und du hörst "du sollst das tun". Trotzdem wirkt die Person nicht aufdringlich oder bestimmend. 

Das Ganze ist manipulativ. Der Satz bietet Distanz von der Entscheidung der Person und einen Ausweg, unabhängig davon, ob der Rat befolgt wird oder nicht. Du solltest eine konkrete Haltung einnehmen und die Verantwortung für deinen Rat übernehmen. 

Unter diese Kategorie fallen ebenfalls Sätze wie "Du kannst tun, was du möchtest, aber ...". Diese Sätze gehören zur subtilen Manipulation durch bestimmte Formulierungen, denn Sie wecken Zweifel bei der Person, ob sie sich wirklich dafür entscheiden sollte und machen die Person anfälliger für einen anderen Weg. 

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Hast du eine Minute Zeit? Foto: pixabay / Pexels

"Verbringen Sie nicht die ganze Nacht damit."

Klingt zunächst danach, dass jemand das Wohlbefinden der Person im Sinn hat. Leider folgt auf diesen Satz häufig eine Forderung oder unmittelbare Frist für den Abschluss der Aufgabe. "Ich brauche das bis morgen früh um 9 Uhr." 

Oft erkennen Manager, die Sätze wie diese fallen lassen, nicht, wie viel Zeit die aufgetragene Aufgabe wirklich in Anspruch nimmt oder sie haben nicht klar kommuniziert, welchen Umfang die Aufgabe wirklich haben soll. Eventuell denkt ein Mitarbeiter, er soll einen kompletten, ausführlichen Report erstellen und eigentlich möchte der Manager nur eine kurze Übersicht. 

Formulierst du Sätze wie diese, kannst du schnell jemandem das Wochenende oder den Feierabend vermiesen. Teile der Person lieber mit, was genau zu tun ist und warum. Und frag dich, ob die Aufgabe auch bis morgen warten kann. Kommuniziere klar und deutlich, wie lange die Aufgabe voraussichtlich dauert und stimme dich mit der Person und ihren Einschätzungen ab. Stellt zusammen klar, wie und wann das Ziel erreicht werden soll. 

"Ist das nicht das Beste" oder "Sind Sie nicht einverstanden?" oder "Sind Sie nicht auch der Meinung?"

Diese Art der Sätze lehnen eine offene Diskussion oder Meinungsverschiedenheiten direkt ab. Leute, die Sätze so formulieren, möchten einfach nur, dass ihr Gegenüber zustimmt. Oft werden Beschäftigte dadurch in eine unangenehme Lage gebracht. Sie haben das Gefühl, eine Konfrontation zu provozieren, wenn sie hier nicht derselben Meinung sind. 

Manipulative Formulierungen wie diese solltest du deshalb vermeiden und besser offene Fragen stellen. Sätze wie "Sehen Sie die Dinge anders?" sind hier die bessere Option.

Fazit

Bestimmte Sätze können Menschen dazu bringen, das zu tun, was Kollegen und Vorgesetzte wollen. Die subtile Manipulation durch Formulierungen geschieht in den meisten Fällen unbewusst. Trotzdem solltest du darauf achten, dass du diese Sätze vermeidest, um Kollegen und Kolleginnen gegenüber fair zu handeln und ihnen keine Meinung aufzuzwingen. 

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