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Ungelesene Nachrichten – Die Hölle oder komplett egal?

Warum Menschen damit so unterschiedlich umgehen

Bild Foto: alex green / Pexels
Foto: alex green / Pexels

Hast du keine ungelesenen Nachrichten in deinem Postfach oder 1.652? Fast wie mit einem neuen Persönlichkeitstest können Menschen durch diese Frage in zwei Gruppen eingeteilt werden. Aber was sagt die Psychologie, die hinter diesen Verhaltensweisen steckt, über die zwei Arten von Menschen aus? Und kann dein Verhalten zu Problemen führen?

Typ 1: Benachrichtigungen über ungelesene Nachrichten: die Hölle für manche Menschen

Die eine Art von Menschen würde sich lieber einer Wurzelbehandlung unterziehen, als eine Zahl neben dem Posteingang zu sehen – erst recht keine hohe. Auch Benachrichtigungen über ungelesene Nachrichten lösen in vielen Menschen Genervtheit oder andere negative Gefühle aus. Dafür kann es verschiedene Gründe geben.

Soziale Ängste oder deine Introvertiertheit können Gründe dafür sein, dass du ungelesene Nachrichten nicht ausstehen kannst.  Ob Telefon, E-Mail oder Face-to-Face, viele Menschen haben Angst vor dem Umgang und der Kommunikation mit anderen. Benachrichtigungen über ungelesene Nachrichten führen in diesem Fall dazu, dass diese Menschen den Druck verspüren, antworten zu müssen und es kommt in vielen Fällen zum Overthinking. Was wurde bis jetzt gesagt? Habe ich etwas Falsches gesagt? Was soll ich antworten? Diese ganzen Gedanken und der Druck führen häufig zum Gefühl, dass die soziale Batterie leer ist und keine Energie mehr für die Interaktion mit anderen übrig bleibt. 

Alles muss für dich immer perfekt sein, es darf keine Fehler oder Unregelmäßigkeiten geben. Wenn du dir selbst extrem hohe Ziele und Standards setzt, alles immer so gut, wie es nur geht, erledigt werden muss und du eine Fehlerlosigkeit anstrebst, gehörst du wahrscheinlich zu den Perfektionisten. Natürlich ist in diesem Fall eine Zahl neben deinem Postfach und ungelesene Nachrichten auf der einen Seite ein Trigger für dich, schließlich ist nicht alles erledigt und die Perfektion ist nicht erreicht. Auf der anderen Seite kann Schamgefühl ins Spiel kommen. Hast du hohe Erwartungen an dich selbst, fühlst du dich schnell wie ein schlechter Freund oder Mitarbeiter, wenn du nicht sofort auf Nachrichten reagierst und antwortest. Selbstkritische Menschen wie Perfektionisten neigen dazu, sich selbst die Schuld an allem zu geben und sich als Versager zu sehen, wenn sie den unrealistischen Standards, die sie an sich selbst stellen, nicht gerecht werden können. 

Ein dritter Grund für dein Unbehagen gegenüber ungelesenen Nachrichten könnte sein, dass du einen Drang verspürst, Dinge zu erledigen. Ein paar Menschen verspüren einen Kick, wenn sie etwas von ihrer To-do-Liste abhaken können. Das Überprüfen und Abarbeiten von Benachrichtigungen über ungelesene Nachrichten kann für viele das gleiche Gefühl auslösen. Zusätzlich kann es damit zusammenhängen, dass du dich durch die Benachrichtigungen überwältigt fühlst. Jede ungelesene Nachricht ist eine weitere Aufgabe auf dem Aufgabenstapel, den du bereits auf deiner Liste hast. Das kann dazu führen, dass du dich unter der Last der unerledigten Aufgaben und ungelesenen Nachrichten erdrückt fühlst. 

Die Sucht nach deinem Telefon kann ein weiterer Grund dafür sein, dass du jede Benachrichtigung sofort checkst und auf Nachrichten direkt reagierst. Studien haben gezeigt, dass Smartphone-Sucht zu einem Ungleichgewicht in der Gehirnchemie führen kann, so werden Menschen nach und nach immer abhängiger von ihrem Smartphone. Legst du dein Handy fast nie aus der Hand und checkst minütig deine Nachrichten, Apps und andere Dinge auf deinem Smartphone, solltest du dir über das Problem und dessen negative Auswirkungen bewusst sein. Leidest du unter einer Smartphone-Sucht, kann dies unter anderem zur Ablenkung von wichtigen Aufgaben, Zeitverschwendung und Frustration führen.

Ein weiterer möglicher Grund ist eine Zwangsstörung des Typs OCD. In diesem Fall führen ungewünschte Gedankenmuster oder Ängste zu sich wiederholenden Verhaltensweisen. Diese Zwangsstörungen sind durch Zwangsvorstellungen, Zwangshandlungen oder beides gekennzeichnet. Bist du von OCD (Obsessive Compulsive Disorder) betroffen, leidest du unter dem Zwang und der Besessenheit, dass alles genau so ist, wie es sein soll.  Aus diesem Grund sind unorganisierte oder unaufgeräumte Handybildschirme oder Benachrichtigungen über ungelesene Nachrichten eine große Herausforderung für das OCD-Hirn. Leidest du unter diesen Zwängen oder verspürst Symptome, die deinen Alltag beeinträchtigen, solltest du hier den Rat eines Therapeuten oder einer Therapeutin aufsuchen. 
 

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Ungelesene Nachrichten – dem einen Freud, des andren Leid / Foto: torsten dettlaff / Pexels

Typ 2: Die andere Seite: die 1.652 ungelesenen Nachrichten beunruhigen dich nicht

Den anderen Typ Mensch stört dieses Benachrichtigen über die ungelesenen Nachrichten und die Zahlen neben dem Postfach nicht. Vielleicht bist du in deiner Freundesgruppe auch als die Person bekannt, die nie antwortet. Aber warum ist das so? Es kann verschiedene Gründe haben, warum du die ganzen ungelesenen Nachrichten einfach ignorierst. 

Vielleicht ist der Grund dafür, dass dein Gehirn auf diese Weise am besten funktioniert. Du bleibst anders organisiert und bei der Sache als andere. Du gehörst eventuell zu den Menschen, die sich mental organisieren und deshalb mit Notizen, Terminkalendern und Benachrichtigungssystemen nicht gut zurechtkommen. Du bist mit diesem Verhalten vielleicht weniger gestresst und kannst deine Zeit und Energie besser auf die wichtigen Dinge konzentrieren. Das kann so aussehen, dass du dir die wichtigen Nachrichten markierst und bewusst planst, den Rest zu ignorieren. 

Ein anderer Grund kann sein, dass du nicht diese Dringlichkeit und Notwendigkeit verspürst wie andere. Möglicherweise empfindest du keinen Druck und keine Eile, ungelesene Nachrichten direkt zu beantworten. Du findest es in Ordnung, ein paar Tage zu brauchen oder dir ein paar Tage Zeit zu nehmen, auf Nachrichten zu reagieren. Du gehst mit dem Strom und lässt dich nicht wie andere vom Perfektionismus unter Druck setzen. Du siehst einen leeren Posteingang nicht als Priorität und das Ignorieren von ungelesenen Nachrichten gibt dir kein schlechtes Gefühl. Du fühlst dich nicht beschämt oder schuldig, wenn du auf ungelesene Nachrichten nicht sofort reagierst. 

Ein dritter Grund könnte sein, dass du dich nicht mit den ungelesenen Benachrichtigungen befasst, weil es dich stresst. Vielleicht löst es in dir Angst aus, auf Nachrichten zu antworten und du vermeidest es deshalb. Oder du bist zu gestresst, um dich mit den Nachrichten zu befassen. Leider kann die Anhäufung dieser Nachrichten aber dazu führen, dass die Angst und das negative Gefühl noch schlimmer werden. Wenn dich das Beantworten von Nachrichten stresst und dir ein unbehagliches Gefühl gibt, solltest du herausfinden, vor welchem Ergebnis du Angst hast und dir überlegen, wie du damit umgehen kannst.

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Manchmal so, manchmal anders/ Foto: michael burrows / Pexels

Manchmal so, manchmal anders

Nicht immer trifft nur eine Möglichkeit zu. Manche Menschen haben tausende ungelesene Nachrichten in ihrem E-Mail-Postfach, aber antworten auf alle Nachrichten im Messenger direkt. Es muss also nicht nur in eine Richtung gehen, sondern kann sich auch innerhalb einer Person unterscheiden. Hier spielt es eine entscheidende Rolle, was dich beunruhigt und was deine Vorlieben sind. Außerdem hängt es davon ab, wie viel Energie, Zeit und Stress du investieren musst, um dich mit der ungelesenen Nachricht zu beschäftigen und diese zu beantworten. Zudem hat das Umfeld, in dem die Nachrichten empfangen werden (Arbeit oder privat) einen Einfluss darauf, wie wir mit den Nachrichten umgehen.

Fazit

Wir gehen unterschiedlich mit ungelesenen Nachrichten um. Die einen beantworten jede Nachricht sofort und reagieren auf jede Benachrichtigung. Andere haben tausende ungelesene Nachrichten in ihrem Postfach. Beide Verhaltensweisen können verschiedene Gründe haben. Außerdem trifft nicht immer nur eine Verhaltensweise auf eine Person zu. Der Aufwand an Stress, Energie und Zeit ist in der Regel entscheidend dafür, wie du dich verhältst. Ein schnelles “Super, das passt für mich!” ist schneller getippt als eine lange Antwort an den fordernden Kunden. 

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