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Vaterschaftsurlaub

so beantragt ihr die Elternzeit und das Elterngeld

Foto: kelly sikkema / unsplash
Foto: kelly sikkema / unsplash

Wusstet ihr, dass laut "Väterreport" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (kurz: BMFSFJ) immer mehr Papas in den Vaterschaftsurlaub gehen? Während nach der Einführung des Elterngeldes knapp 20 % der anspruchsberechtigten Väter die Arbeitszeit verkürzten oder gar eine komplette Auszeit für die Kinderbetreuung nahmen, waren es 2015 schon über 36 %. Ein Grund mehr, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Falls auch ihr mit dem Gedanken spielt, findet ihr in unserem Ratgeber alle wichtigen Details.

Vaterschaftsurlaub: Die rechtlichen Aspekte

Jeder Arbeitnehmer oder jede Arbeitnehmerin hat Anspruch auf Elternzeit, wenn das eigene Kind selbst betreut und erzogen wird. Hier gibt es natürlich noch eine Vielzahl an zusätzlichen gesetzlichen Regelungen, beispielsweise was bei adoptierten Kindern geschieht oder wenn die Großeltern die Betreuung des Enkels übernehmen. Die rechtliche Grundlage dafür ist immer das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (kurz: BEEG).

Wichtiges zur Kündigung rund um den Vaterschaftsurlaub

Es existiert gemäß § 18 BEEG ein eingeschränktes Kündigungsverbot, nachdem ihr eurem Betrieb mitgeteilt habt, dass ihr in Elternzeit gehen wollt. Hierbei ist zu beachten, dass der Kündigungsschutz frühestens 8 Wochen vor der Elternzeit gewährleistet wird und mit Ablauf der Elternzeit endet. Der Kündigungsschutz gilt übrigens auch, wenn ihr euch noch in der Probezeit befindet. 

Um willkürliche Kündigungen zu verhindern, wird gesetzlich ebenso auch die Zeit nach der Elternzeit geschützt. Im Wortlaut des § 16 BEEG steht dazu geschrieben, dass automatisch, mit Ablauf der Elternzeit, eine Kündigungsfrist von drei Monaten festgelegt wird.

Insgesamt besteht laut § 15 BEEG ein Anspruch bis zum vollendeten dritten Lebensjahr des Kindes. In der Regel teilen sich Eltern die Elternzeit auf und rechnen selbst, was sich lohnt und was nicht. Denn das ausgezahlte Elterngeld berechnet sich zum einen am vorangegangenen Verdienst und zum anderen an der Länge der Elternzeit. Im Übrigen ist es auch Studenten und Auszubildenden gestattet, in Elternzeit zu gehen. Dies hat keine rechtlichen Konsequenzen, allerdings sollten einige Dinge beachtet werden:

Für Auszubildende, Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen:

  • Ihr müsst euch spätestens sieben Wochen vor Eintritt in den Vaterschaftsurlaub schriftlich beim Betrieb melden und ebendiesen beantragen. In den Antrag gehört auch unbedingt eine Angabe darüber, wie lange ihr in Elternzeit gehen werdet. Dazu gleich noch mehr.
  • Hinweis für Auszubildende: Mit Eintritt in den Vaterschaftsurlaub ruht das Ausbildungsverhältnis und wird fortgesetzt, wenn die Elternzeit endet. Damit verlängert sich die Ausbildungszeit um die Dauer der Elternzeit. Um das Ausbildungsziel zu erreichen, solltet ihr euch dringend mit dem Ausbildenden oder eurem Ausbilder auseinandersetzen und nach Lösungen und einer individuellen Planung der Ausbildung suchen. 
  • Tipps: In dem Fall muss euer Ausbildungsbetrieb einen individuellen betrieblichen Ausbildungsplan für eure Ausbildung erarbeiten. Sollte es irgendwelche Probleme mit eurem Ausbildungsbetrieb geben, könnt ihr euch an den Ausbildungsberater eurer zuständigen Kammer (z. B. Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer) wenden.

Für Studenten:

  • Im Grunde gelten hier auch alle schon genannten Regelungen, allerdings ist die finanzielle Frage eine etwas andere. Viele Studierende erhalten BAföG. Wenn ihr trotz Vaterschaftsurlaub weiter studiert und beispielsweise den Mindestbetrag Elterngeld erhaltet, wird dieser Betrag nicht angerechnet. Solltet ihr euch aber für die Vollzeitbetreuung und gegen das Studium entscheiden, entfällt meist auch der Bafög-Anspruch und ihr müsstet gegebenenfalls mit Arbeitslosengeld 1 oder 2 aufstocken. Da das alles sehr individuell ist, empfehlen wir euch ein Gespräch mit einer Beratungsstelle (z. B. Studentenwerk oder pro familia), um eure jeweilige Situation mit einem Experten zu analysieren und zu schauen, welche Fördermöglichkeiten es in eurem speziellen Fall gibt.
  • Eine genaue Regelung ist auch hier Ländersache. Allerdings ist der Ablauf in der Regel folgender: Ihr könnt euch aufgrund der Elternzeit bzw. Kinderbetreuung vom Studium beurlauben lassen. Hier gelten gleichermaßen alle Regelungen des BEEG. Die Beurlaubung kann bis zu sechs Semester erfolgen. Am besten sprecht ihr diesbezüglich direkt mit dem Studentensekretariat.

Vaterschaftsurlaub als Schüler:

  • Schüler haben keinen rechtlichen Anspruch auf Elternzeit. Der Grund: Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist ein bestehendes Arbeitsverhältnis. Hier solltet ihr allerdings beachten, dass die Bundesländer nochmal unterschiedliche Regelungen auf Landesebene haben. So ist es in Niedersachsen beispielsweise typisch, dass Schüler für die Kinderbetreuung von der Schulpflicht befreit werden. Wenn es keine genauen Regelungen gibt, können Schüler einen Antrag auf Aussetzung der Schulpflicht beantragen, falls das Kind nicht anders betreut werden kann. Solchen Anträgen, die ihr am besten direkt an die Schule richtet, wird oft stattgegeben – Voraussetzung  ist jedoch ein triftiger Grund.
  • Seit einigen Jahren gibt es hierzu eine Neuregelung: Denn die Eltern des Schülers können, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen, in Elternzeit ("Großelternzeit") gehen und dort auch Elterngeld erhalten.

 

Vaterschaftsurlaub: Wissenswertes zu Elternzeit + Elterngeld / tim mossholder / unsplash

Vaterschaftsurlaub: Wissenswertes zu Elternzeit + Elterngeld / tim mossholder / unsplash

Berechnung des Elterngeldes im Vaterschaftsurlaub

Der monatliche Mindestbetrag beträgt aktuell 300,00 Euro. Wie hoch das Elterngeld unter dem Strich sein wird, hängt von eurem Verdienst der letzten 12 Monate ab. Es wird ein sogenanntes "Elterngeldnetto" berechnet:

  • Zunächst wird der Bemessungszeitraum gewählt, dieser betrifft in der Regel die letzten 12 Monate.
  • Alle Brutto-Beträge des Bemessungszeitraumes werden addiert und dann durch zwölf geteilt.
  • Von dieser Monatssumme werden pauschale Beträge für Versicherung, Steuern und Ähnlichem abgezogen. Je nachdem, was für den Antragsteller gilt.
  • Unterm Strich steht dann eine monatliche Summe, die als Grundlage dient. Es werden aktuell allerdings maximal 2.770 Euro berücksichtigt.

Die rechtlichen Grundlagen findet ihr unter § 2b (Bemessungszeitrum) und den folgenden Paragrafen im Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz.

Beispielrechnung: Wenn ihr durchschnittlich 900,00 Euro monatlich netto verdient, beträgt das Elterngeld ungefähr zwischen 620 Euro und 650 Euro im Monat. Wichtig ist hier das alles, was ihr zusätzlich dazu verdient, angerechnet wird. Solltet ihr im Vaterschaftsurlaub also noch einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen, die 400,00 Euro netto bringt, reduziert sich das Elterngeld auf circa 300,00 Euro.

Tipp: Wollt ihr direkt wissen, wie hoch euer Elterngeld vermutlich sein wird? Dann könnt ihr auf der offiziellen Webseite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nachsehen. Auf der Webseite findet ihr nicht nur einen Online-Rechner, sondern habt auch die Möglichkeit, sofern euer Bundesland das zulässt, online den Antrag zu stellen.

 

Vaterschaftsurlaub: Die rechtlichen Aspekte / Foto:kelli mcclintock / unsplash

Vaterschaftsurlaub: Die rechtlichen Aspekte / Foto:kelli mcclintock / unsplash

Zwei unterschiedliche Anträge: Elternzeit und Elterngeld

Bevor ihr den Vaterschaftsurlaub antreten könnt, sind zwei Anträge notwendig: Zum einen handelt es sich um den sogenannten Elternzeitantrag, welcher direkt beim Arbeitgeber gestellt wird. Zum anderen um den Elterngeldantrag, den ihr bei der zuständigen Stelle stellt (dazu gleich mehr).

Elternzeit kann nur beim Arbeitgeber beantragt werden, wobei das Wort "Antrag" hier verwirrt. Es ist eher eine Elternzeitanzeige - da sich der Arbeitgeber bei Rechtmäßigkeit nicht dagegen sträuben kann. Beachtet hier unbedingt Folgendes:

  • Der Antrag muss schriftlich erfolgen und entweder persönlich oder mit Nachweis zugestellt werden. Am besten ist ein persönliches Gespräch inklusive einer Empfangsbestätigung.
  • Ihr müsst direkt angeben, für welchen Zeitraum der Vaterschaftsurlaub geplant wird. Eine spätere Änderung ist möglich.
  • Es gibt keine Formvorschrift. Das bedeutet, ihr könnt diesen Antrag formlos stellen, solange die wichtigen Inhalte vorhanden sind (ab wann, wie lange).

Um dann auch das Elterngeld zu erhalten, müsst ihr den entsprechenden Elterngeldantrag eures Bundeslandes verwenden und an die zuständige Stelle senden. Wo bzw. wer genau die Elterngeldstelle ist könnt ihr online recherchieren oder beim Bürgertelefon unter 115 erfragen. Dank der Digitalisierung bieten viele Bundesländer zudem auch schon einen Online-Antrag an.

Wann ist der Vaterschaftsurlaub sinnvoll?

Ihr kennt nun alle wichtigen Fakten zum Thema Elterngeld und Elternzeit. Eine wichtige Frage bleibt allerdings noch: Ob nun der Kindsvater, die Kindsmutter oder auch beide in Elternzeit gehen, ist sehr individuell und hängt von euch und eurer Situation ab. 

Falls ihr unsicher seid, möchten wir euch im Folgenden noch zwei Hinweise geben:

1. Beide Eltern können parallel in Elternzeit gehen und Elterngeld beantragen. Dabei ist zu beachten, dass sich der Leistungsanspruch entsprechend halbiert. Wenn ihr beide also die ersten 6 Monate im Vaterschaftsurlaub bzw. im Mutterschaftsurlaub seid, sind 12 Monate des Leistungsanspruchs abgegolten.

2. Grundsätzlich gibt es Elterngeld nur in den ersten 12 Monaten nach der Geburt. Dies kann um zwei Monate verlängert werden, wenn der Papa in Vaterschaftsurlaub geht. Weiterhin verlängert sich der Leistungszeitraum, wenn die Bezüge entsprechend gekürzt werden. Wenn ihr beispielsweise 24 Monate in Elternzeit gehen möchtet und den monatlichen Mindestbeitrag von 300,00 Euro erhaltet, reduziert sich die Zahlung auf 150,00 Euro im Monat.

Fazit

Der Trend geht dahin, dass immer mehr Väter die Elternzeit teilweise oder vollständig übernehmen. Das ist toll, denn so wird die Bindung zwischen Papas und ihrem Nachwuchs vertieft. Falls ihr auch mit dem Gedanken spielt, lasst euch von etwaigen unqualifizierten Kommentaren eurer Mitmenschen nicht abbringen. Wichtig ist, dass ihr euch als Paar einig seid und Papa das gern macht. Dank Elterngeld werden die finanziellen Einbußen abgefedert, wodurch einem Vaterschaftsurlaub nichts mehr im Wege steht.

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