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Warum der klassische 9-to-5-Job längst überholt ist

Kreativitäts- und Produktivitätskiller

Foto: vlada karpovich / Pexels
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Das Warten auf den heißersehnten Feierabend

Sicher wirst du schon einige Male die Erfahrung gemacht haben, wie schwierig es ist, einen Arzttermin zu vereinbaren, wenn die Öffnungszeiten der Praxis mit deinen Arbeitszeiten kollidieren. Schweren Herzens musst du einen Urlaubstag opfern, um eine Stunde beim Arzt zu warten. Ärgerlich, denn mit flexibleren Arbeitszeiten wäre es kein Problem gewesen, an einem Arbeitstag den Termin wahrzunehmen. Gerade seit mehr Arbeitnehmer im Zuge der Corona-Pandemie im Home-Office arbeiten, scheint der klassische 9-to-5-Job zugunsten der häufig gewünschten Work-Life-Balance immer mehr verdrängt zu werden. Warum der 9-to-5-Job überholt ist und welche Alternativen es zum 9-to-5-Job gibt, erfährst du in diesem Beitrag.

Definition: 9-to-5-Job

"Punkt 17 Uhr fällt der Hammer. Was danach passiert, interessiert mich nicht." So könnte es bei einem 9-to-5-Job heißen. Der Begriff bezieht sich auf die klassische Regelarbeitszeit vieler Angestellter in den USA, die den Arbeitstag um 9 Uhr beginnen und um 17 Uhr beenden. Hinter dieser typischen Arbeitszeit steckt eine Forderung der Arbeiterbewegung aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Demnach sollte ein Tag in drei Einheiten zu je acht Stunden eingeteilt werden. 8 Stunden davon gelten jeweils der Arbeit, der Freizeit und dem Schlaf.

Drei Stunden Arbeit pro Tag

Ein 9-to-5-Job verlangt acht Stunden durchgängiges Arbeiten. Über so einen langen Zeitraum hinweg konzentriert zu arbeiten, ist allerdings unmöglich. Die Folge ist, dass viele Menschen innerhalb der Arbeitszeit vermehrt kleine Pausen einlegen. Eine britische Studie kam zu dem Ergebnis, dass Mitarbeiter im Büro durchschnittlich drei Stunden pro Arbeitstag produktiv arbeiten. Dies liegt nicht an der Faulheit der Angestellten, sondern an der Konzentrationsfähigkeit des Menschen. Je mehr Leistung die Tätigkeit verlangt, desto kürzer ist die Zeitspanne, in der sich ein Mensch darauf konzentrieren kann. Ist die maximale Kapazität ausgeschöpft, muss eine Erholungsphase folgen. Da keiner während dieser Erholungsphase den Arbeitsplatz verlassen kann, vertrödeln Angestellte am Arbeitsplatz ihre Zeit.

Der 9-to-5-Job - Droht das Aus für die Routine-Arbeit? / Foto: william fortunato / Pexels

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Ergebnisorientierte Arbeit

Eine effizientere Methode, als nach Zeit zu arbeiten, ist ein Arbeiten nach To-do-Liste. Führst du To-do-Listen, kennst du sicher das stolzerfüllte Gefühl, die Punkte nach dem Verrichten der Arbeit von deiner Liste zu streichen. Dieses Gefühl motiviert. Mit jedem Punkt näherst du dich einer Pause oder dem Feierabend mehr. Du bestimmst, wann du die Arbeit beendest, statt alle fünf Minuten auf die Uhr zu blicken, um zu sehen, wie nah du dem Feierabend bist. Die Länge eines Arbeitstages kann so länger oder auch kürzer sein. Fest steht, dass du nach einem Arbeitstag die zu erledigende Arbeit bewältigt hast, während du nach einem Achtstundentag Arbeiten vor dir herschieben kannst oder länger als nötig auf der Arbeit bist.

Flexibilität bringt weitere Schlüsselkompetenzen mit sich

Jeden Tag zu jeder Zeit der gleiche Ablauf – Routine ist bequem, aber ein wahrer Kreativitätskiller. Flexibilität und sich ändernde Strukturen sorgen für Kreativität – eine Kompetenz, die viele Arbeitgeber in Angestellten suchen. Flexible Arbeitszeiten fordern außerdem ein hohes Maß an Eigeninitiative und Engagement. Wer sich selbst organisieren kann und Aufgaben ohne zeitlichen Rahmen selbstständig bearbeitet, ist als Arbeitnehmer attraktiv.

Arbeitnehmer wünschen sich Flexibilität

Im Rahmen der Studie "Resetting Normal: Defining new era of work" wurden Beschäftigte in Büros weltweit zu den Umständen ihrer Arbeit befragt – Mitarbeiter und Führungspersonen. Das Ergebnis: Beschäftigte wünschen sich Flexibilität beim Arbeiten. So gaben 49 Prozent der Befragten an, gerne im Home-Office arbeiten zu wollen. 69 Prozent wünschen sich Arbeitsverträge auf ergebnisorientierter statt auf stundenorientierter Basis.

Zahlreiche Alternativen zum 9-to-5-Job

Der klassische 9-to-5-Job konkurriert mit immer mehr alternativen Arbeitsmodellen. Individuelle Bedürfnisse der Arbeitnehmer führen zur Entwicklung zahlreicher Arbeitszeitmodelle. Zudem ermöglicht die Digitalisierung das Arbeiten von zu Hause. Im Folgenden stellen wir die beliebtesten Arbeitsmodelle vor.

Home-Office

Die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, musste pandemiebedingt insbesondere im Jahr 2020 vermehrt angeboten werden. Im Rahmen der Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie verlegten 33 Prozent der Befragten laut einer Studie der Hans Böckler Stiftung ihre Arbeit ganz oder teilweise ins Home-Office. Vor Ausbruch der Pandemie waren es lediglich vier Prozent. Die Arbeit im Home-Office ermöglicht die ortsunabhängige Arbeit. Zudem geht das Home-Office oft mit einer freieren Zeiteinteilung einher. Dadurch wird die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben erleichtert. Das vereinfacht die Wahrnehmung von Terminen oder Erziehungsaufgaben.

Teilzeit

Teilzeitarbeit gibt es in unterschiedlichen Formen. Manche Arbeitnehmer in Teilzeit reduzieren ihre täglichen Stunden, andere gehen statt 5 Tagen nur 4 oder weniger Tage in der Woche arbeiten. Einige Branchen arbeiten saisonabhängig und lassen ihre Mitarbeiter zur entsprechenden Saison Vollzeit arbeiten. Den Rest des Jahres sind sie freigestellt.

Job Sharing

Beim Job Sharing wird eine Vollzeitstelle auf zwei oder mehr Mitarbeiter aufgeteilt. Es gibt zwei Varianten des Job Sharing: Job Splitting und Job Pairing. Beim Job Splitting arbeiten zwei oder mehr Mitarbeiter unabhängig voneinander an ähnlichen Aufgabenbereichen. Sie teilen sich die Arbeitszeit selbstständig ein. Beim Job Pairing arbeiten zwei Mitarbeiter zusammen. Anders als beim Job Splitting arbeiten sie nicht unabhängig voneinander. Sie treffen Entscheidungen gemeinsam und bei der Leitung von gemeinsamen Projekten sind sie gleichermaßen verantwortlich.

Vertrauensarbeit

In Anlehnung an die bereits erwähnte ergebnisorientierte Arbeit besteht bereits das Modell der Vertrauensarbeit. Dabei werden im Voraus Ziele festgelegt. Diese sind zu erreichen. Wie viel Arbeitszeit zum Erreichen dieser Ziele benötigt wird, spielt keine Rolle. Es ist nur wichtig, dass die vorgegebenen Aufgaben zur Deadline erledigt sind.

Definition: 9-to-5-Job / Foto: burst / Pexels

Definition: 9-to-5-Job / Foto: burst / Pexels

Manchmal ist der 9-to-5-Job unumgänglich

Dass 9-to-5-Jobs komplett aussterben, ist nicht vorstellbar. In einem geringen Umfang werden sie immer vertreten sein. Es gibt Berufe, die nach geregelten Arbeitszeiten verlangen und bei denen mehr Flexibilität für Beschäftigte nicht realisierbar ist. Beschäftigte im sozialen und im medizinischen Bereich sowie im Einzelhandel müssen zu den vorgegebenen Öffnungszeiten am Arbeitsplatz sein. Die Hauptaufgabe dieser Jobs wäre von zu Hause aus oder zu selbstständig festgelegten Arbeitszeiten nicht möglich.

Fazit

Auch wenn diverse Arbeitszeitmodelle beliebter werden, werden 9-to-5-Jobs vermutlich nie vollständig aus unserer Arbeitswelt verschwinden. Manche Berufe sind nicht dazu geeignet, sie nachts oder online auszuführen. Doch gerade in Berufsfeldern, die sich vorrangig vor dem Computer abspielen, wird die Möglichkeit, flexibler zu arbeiten, steigen. Durch die immer besser werdende Vernetzung und die fortschreitende Digitalisierung wird es zum Kinderspiel, Mitarbeiter miteinander zu vernetzen, sodass das Arbeiten im Team weiterhin möglich bleibt. Wichtig ist, dass du auf deine Bedürfnisse hörst. Sieh dich bei deiner nächsten Bewerbung nach einem Job um, der mit deinen Vorlieben und deinem Arbeitsrhythmus übereinstimmt.

 

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