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Warum Menschen freiwillig aufs Gehalt verzichten

Gründe, Infos & Konsequenzen

Bild Foto: tima miroshnichenko / Pexels
Foto: tima miroshnichenko / Pexels

Freiwillig aufs Gehalt zu verzichten, hört sich im ersten Moment beängstigend an und ist für viele wahrscheinlich unvorstellbar. Wir erklären dir, was ein Gehaltsverzicht ist, wann er eintreten kann und welche Vor- und Nachteile dieser hat. Außerdem erfährst du, mit welchen Konsequenzen du rechnen musst.

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Wissenswertes rund um den Gehaltsverzicht / Foto: edmond dantes / Pexels

Gehaltsverzicht – Definition

Beim Gehaltsverzicht verzichtet der Mitarbeiter für einen festgelegten Zeitraum freiwillig auf einen Teil seines Gehalts. Wichtig zu wissen ist, dass das Geld zu keinem Zeitpunkt nachgezahlt wird, das heißt, der Lohnanspruch erlischt völlig. 

Beim Gehaltsverzicht wird der Bruttolohn gekürzt, d. h., dass du zum Beispiel statt deiner im Vertrag festgelegten 2.500 Euro für eine Zeit nur 1.800 Euro bekommst. Das Gute ist, dass du dann weniger Lohnsteuer zahlen musst, was bedeutet, dass der Verzicht netto weniger ins Gewicht fällt. 

Ein Gehaltsverzicht kann beispielsweise eintreten, wenn ein Unternehmen wirtschaftliche Schwierigkeiten hat. Verzichten Mitarbeiter freiwillig auf ihr Gehalt bzw. einen Teil davon, können sie helfen, Personalkosten einzusparen, damit keine Arbeitsplätze abgebaut werden müssen. Eine Garantie für einen sicheren Arbeitsplatz ist das nicht – das Unternehmen kann trotz aller Rettungsversuche am Ende scheitern.

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Alternativen zum Gehaltsverzicht / Foto: andrea piacquadio / Pexels

Alternativen zum Gehaltsverzicht

Ein Gehaltsverzicht ist eine radikale und endgültige Lösung. Folgende Alternativen gibt es:

  • Gehaltsstundung: Du verzichtest nur vorübergehend auf einen Teil des Gehalts, zu einem festgelegten Zeitpunkt erhältst du das gesamte Geld zurückgezahlt. Ein Risiko besteht, wenn es dem Unternehmen bis dahin nicht besser geht und es zahlungsunfähig ist.
     
  • Gehaltsverzicht mit Besserungsklausel: Auch bei der Besserungsklausel wird dir die Nachzahlung deines Gehalts zugesichert. Im Gegensatz zur Gehaltsstundung gibt es dafür aber keinen festen Zeitpunkt. In der Theorie zahlt der Chef das Gehalt nach, sobald das Unternehmen dazu wieder imstande ist. Auch hier ist das Risiko, dass es dem Unternehmen nicht besser gehen wird und du dein Gehalt nicht mehr bekommst.
     
  • Neuer Job: Bist du nicht damit einverstanden, für eine Zeit lang auf dein Gehalt zu verzichten bzw. kannst du es dir finanziell nicht leisten, ist es leichter, du suchst nach einem neuen Job. Damit umgehst du das Risiko, dass du das Geld trotz bester Absichten des Unternehmens zu keinem Zeitpunkt wiederbekommst. Außerdem hast du dann schon einen neuen Job für den Fall, dass das Unternehmen doch bankrott geht und alle von Jobverlust betroffen sind.

Gehaltsverzicht vom Arbeitnehmer

Es gibt übrigens auch Situationen, in denen der Arbeitnehmer anbietet, auf Gehalt zu verzichten. Wichtig: Hier geht es nicht darum, die gleiche Arbeit für weniger Geld zu machen. Überlegst du, deine Arbeitszeit zu reduzieren, kannst du mit deinem Arbeitgeber über ein entsprechend niedrigeres Gehalt verhandeln, alternativ beispielsweise über unbezahlten Urlaub. 

Manche lassen sich auch auf einen Deal – Firmenwagen gegen niedrigeres Bruttogehalt – ein. Eine weitere Form des Gehaltsverzichts durch den Arbeitnehmer sind Arbeitgeberdarlehen. So hast du die Möglichkeit, jeden Monat einen Teil deiner Schulden zu tilgen, und verzichtest im Gegenzug auf einen Teil deines Gehalts. 

Das solltest du beim Gehaltsverzicht bedenken

Beim Gehaltsverzicht kannst du auf unterschiedliche Teile deines Lohnanspruchs verzichten: Dein Bruttogehalt kann gekürzt werden (zum Beispiel um zehn Prozent), du kannst auf Boni und Prämien oder auf Zusatzleistungen verzichten (beispielsweise Urlaubsgeld/Weihnachtsgeld).

Selbst wenn du ehrenwerte Absichten hast und dich gerne auf den Gehaltsverzicht einlassen möchtest, solltest du vorher ausrechnen, ob das finanziell für dich machbar ist. Schließlich musst du trotzdem Miete, eventuelle Kredite und vieles weitere weiterhin bezahlen, auch wenn du weniger Geld bekommst.

Wichtig für dich zu wissen ist, dass du, wenn du weniger Gehalt bekommst, weniger Steuern zahlen musst. Bei der Sozialversicherung kann das aufgrund des Entstehungsprinzips anders sein. Solltest du nach dem Gehaltsverzicht deinen Job verlieren und arbeitslos werden, bekommst du weniger Arbeitslosengeld. Denn dieses berechnet sich nach dem durchschnittlichen Bruttogehalt der letzten zwölf Monate. 

Prüfe vorher, ob der Gehaltsverzicht zulässig ist: Der Mindestlohn darf nicht unterschritten werden, bei Tarifverträgen ist ein Gehaltsverzicht außerdem nur möglich, wenn dieser eine Öffnungsklausel enthält. Arbeitest du in Teilzeit, muss geprüft werden, ob der Verzicht gegen die Vorschriften des Teilzeit- und Befristungsgesetzes verstößt. Am besten holst du dir einen Anwalt und lässt dich beraten. Außerdem solltest du darauf bestehen, den sogenannten Erlassvertrag schriftlich zu bekommen. Hier sind Höhe und Dauer des Gehaltsverzichts schriftlich geregelt.

Fazit

Geht es deinem Unternehmen schlecht und wird dir ein Gehaltsverzicht vorgeschlagen, solltest du genau überlegen, ob du dich darauf einlässt oder nicht. Zwar kann es dein Unternehmen ggf. vor der Insolvenz bewahren, doch du riskierst dabei einiges. Zum einen verzichtest du auf einen Teil deines monatlichen Einkommens, was du vorher genau kalkulieren solltest. Zum anderen ist nicht sicher, ob das Unternehmen die Krise überlebt und du deinen Job deshalb wirklich behalten kannst – oder dein Gehalt am Ende zurückgezahlt bekommst. Verlierst du am Ende deinen Job, erhältst du wegen des Gehaltsverzichts ein niedrigeres Arbeitslosengeld. Überlege dir daher vorher genau, ob du dich auf den Verzicht einlassen möchtest oder nicht. Hole dir dafür am besten einen Anwalt.

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