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Wie ich mich am besten auf ein Online-AC vorbereite

Tipps & Tricks

Wir kennen alle, nicht erst seit der Pandemie, die weit verbreiteten Online-Tests, auch Online-Assessments genannt (verschiedene mögliche Varianten von Online-Assessments). Wir wissen, wo wir uns vorher informieren können und finden problemlos Übungsaufgaben im Netz, um uns vorzubereiten. Und weil wir uns so gut vorbereitet haben, kommen wir einen Schritt weiter und werden zum digitalen Assessment Center eingeladen. Und nun? Kann ich das genauso üben?

 

Was verbirgt sich überhaupt hinter dem Begriff „Assessment Center“?

Zuerst einmal sei der Begriff erklärt: Assessment (engl.) = Bewertung, Einschätzung, Beurteilung. Assessment-Center (AC) = Methode zur Einschätzung von Personen, vorrangig im Bereich der Personalauswahl und -entwicklung. Kleiner Hinweis am Rande: In den Zwanzigerjahren wählte das deutsche Militär mit solchen ACs seinen Offiziersnachwuchs aus. Ein AC besteht i.d.R. aus verschiedenen Tests (meist Fach-, Leistungs- und/oder Persönlichkeitstests) sowie Simulationen. Das kann bspw. ein Kurzvortrag, eine Gruppendiskussion oder -aufgabe, ein Rollenspiel oder eine berufs- bzw. ausbildungsbezogene Postkorbübung sein. Ein AC wird immer durch ein Gespräch (offenes oder strukturiertes Interview) ergänzt. Ein AC kennzeichnet aus, dass es immer eine Gruppe von Personen gibt, die mich über die Dauer des AC hinweg beobachtet. In der Natur der Sache liegt es auch, dass die Personen meist einen eher neutralen Blick haben, also wenig Reaktion auf Gesagtes zeigen, um eine maximale Objektivität des Verfahrens sicher zu stellen. Zudem schreiben sie viel, weil nur notierte Beobachtungen hinterher zu einer Bewertung führen können.

Die Hürde der Online-Tests haben wir ja schon übersprungen, nun stehen wir vor der – vermeintlichen – Hürde Online-AC. Zuerst einmal müssen wir uns bewusst machen, was das Ziel eines ACs im Vergleich zu „nur“ einem Vorstellungsgespräch ist: Bei einem AC lässt sich zuverlässiger bspw. die Eignung für einen bestimmten Beruf/eine Arbeitsstelle überprüfen, denn man erfasst Kompetenzen, Fähigkeiten und Stärken und bekommt die Möglichkeit zu sehen, ob die Person im Sinne des „cultural fit“ in die Organisation passen könnte.

Wichtigste Erkenntnis daraus: Es hilft keiner Seite, sich zu verstellen, zu schauspielern oder den Versuch zu unternehmen, seine vermeintlich schlechten Seiten zu verstecken! Selbst wenn am Ende ein Stellenangebot dabei herauskommt, ist die Gefahr sehr groß, dass es nicht passt und man sich nach kurzer Zeit wieder trennt.

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Foto: Unsplash / Sergey Zolkin

 

Auf was bereite ich mich also wie vor?

Wir müssen uns bewusst machen, dass wir uns zwar über die verschiedenen Übungen und Anforderungen in einem AC informieren können, auch können wir das ein oder andere trainieren, aber wir kennen nicht das Anforderungsprofil, das hinter einem AC steht (stehen muss!). Denn: Wenn eine Organisation nicht weiß, was sie messen will, kann sie auch aufs Messen verzichten.

Das bedeutet in der Folge für mich (den/die Einzelne/n), dass ich so ehrlich wie möglich versuche, ein Selbstbild von mir zu bekommen: Was sind meine Stärken, was meine Schwächen (oder besser: Lernfelder)? Kann ich diese mit Beispielen aus meinem bisherigen Leben verständlich machen? Wie sehe ich mich/meine Rolle in unterschiedlichen Teams – also in der Klasse, in meinem Studiengang, an meiner Arbeitsstelle, in der Familie, im Freundeskreis, im Ehrenamt, im Sportverein, im/in…? Was zeichnet mich als Mensch aus? Was für ein Lerntyp bin ich? Wie kommunikationsstark bin ich und warum schätze ich das so ein? Was motiviert mich Tag für Tag? Was ist meine Motivation, mich genau bei dieser Organisation/für diese Stelle/Ausbildung zu bewerben? Inwieweit passt das zu meinem bisherigen Lebenslauf? – Fragen über Fragen, über dich ich mir selbst klar werden sollte. Dabei empfiehlt es sich, gerne mal ins Detail zu gehen. Aber nicht nur das:

Es hilft auch enorm, zu einem gewissen Teil der Fragen – bspw. Rolle im Team – ein Fremdbild einzuholen, also eine oder mehrere Personen aus dem jeweiligen „Team“ zu fragen, in welcher Rolle und mit welchen Eigenschaften diese mich erleben. Über mögliche Diskrepanzen zwischen dem Selbst- und dem Fremdbild sollte ich mir klar werden, denn diese Reflexion ist die beste Vorbereitung für ein AC (egal ob online oder digital).

Eine weitere durchaus schwierigere Möglichkeit ist es, sich in den potentiellen Arbeitgeber hineinzuversetzen und zu überlegen, welche Kompetenzen für den Beruf notwendig sind und diese genauer zu definieren. Welche Aspekte gehören zu jeder Kompetenz? Was zeichnet eine hervorragende Leistung bei den einzelnen Kompetenzen aus? Gibt es prominente best-practice Beispiele? Zwar werden die eigenen Ergebnisse zu diesen Fragen nicht denen des potentiellen Arbeitgebers entsprechen, jedoch ist eine Schnittmenge wahrscheinlich. Anhand dieser Vorbereitungsarbeit ist es möglich, die bisher aufgezählten Möglichkeiten zu vertiefen.

 

Wie kann ich mich denn konkret auf einzelne Aufgaben vorbereiten?

Ein mehr oder weniger langes, digitales Assessment Center (AC) besteht aus unterschiedlichen Aufgaben. I.d.R. fallen Übungen wie Gruppendiskussion oder Fallstudie weg, das muss aber nicht sein. Eine Gruppe von Kandidat*innen kann auch digital eine gemeinsame Aufgabe lösen, diese hat nur eine andere Dynamik. Wichtigste Voraussetzung, um zum Erfolg zu kommen: Spielregeln (bspw. Melden per Hand oder elektronischer Hand) kurz klären, evtl. eine*n Moderator*in benennen. Dazu kommt, dass in der digitalen Gruppendiskussion nicht so einfach ein Flipchart o.ä. zur Visualisierung genutzt werden kann – wie also tragen wir Ideen und Ergebnisse zusammen, ohne das etwas verloren geht? Und für mich selbst: Wie gehe ich mit der anderen Kommunikationsweise um, denn mir fehlt ein Großteil der nonverbalen Kommunikation, die ich sonst „nebenbei“ wahrnehme? Die sinnvollste Vorbereitung ist, mit einer Gruppe von Freund*innen eine solche Gruppendiskussion zu simulieren und sich selbst und möglicherweise Methoden der Visualisierung auszuprobieren.

So gut wie immer gibt es eine Selbstpräsentation bzw. eine persönliche Vorstellung. Hier kommen viele der Fragen, die im vorherigen Teil „Selbstreflektion“ erwähnt wurden, zum Tragen. Was ich unbedingt vermeiden sollte, ist, einen fertig ausformulierten Lebenslauf am Bildschirmrand befestigt zu haben, um diesen dann abzulesen! Stichwörter ja, damit ich in der Aufregung auch nichts vergesse, ansonsten freie Rede und Blickkontakt zu den Beobachter*innen. Außerdem wird auch gerne mal als Aufgabe gestellt, dass ich mich auf zwei oder drei Schwerpunkte in meinem CV beschränken soll – die muss ich natürlich kennen, um dann nicht verunsichert zu werden. Daher gilt: „Übung macht den Meister“, also eine persönliche Vorstellung vor vertrauten Menschen üben. Und Feedback einholen, nur Kritik bringt mich weiter.

Die Vorbereitung auf ein Rollenspiel (bspw. konfliktive Gesprächssituation) ist schon etwas schwieriger, da recht offen ist, was einen erwartet. Die meisten Organisationen testen hier, wie man sich in einer bestimmten Arbeits-/Konfliktsituation verhält. Das bezieht sich auf das Kommunikationsverhalten (welches digital vermutlich ein anderes ist als sonst), das Einfühlungsvermögen, eventuell das Verhandlungsgeschick oder mögliche weitere Dimensionen, je nach Anforderungsprofil. Wichtig ist vor allem eines: Ruhig bleiben! Und vorherige Übung im vertrauten Kreis hilft, selbstbewusster in die Situation zu gehen.

Fazit zu den Beispielen der inhaltlichen Vorbereitung: Sie ist ähnlich wie die Vorbereitung auf ein Präsenz-AC, was meine Selbstreflektion und Fremdbild angehen. Aber: Ich muss mir auch meiner digitalen Wirkung bewusst werden, muss mein Wissen über Vor- und Nachteile des digitalen ACs ausbauen (wie im Beispiel oben geschrieben zum Thema Visualisierung).

 

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Foto: Pexels / Fauxels

 

Und wenn ich technisch nicht so versiert bin?

Kein Problem – einfach Üben! Keines der Tools, mit denen ein AC durchgeführt wird, ist ein Hexenwerk. Alle Tools lassen sich auch kostenfrei zum Testen nutzen, also gilt: Vertraut machen mit dem Tool.

Dazu kommt aber noch die Technik auf „meiner“ Seite: Habe ich einen PC mit Kamera und Lautsprecher/Mikro? Brauche ich eine externe Kamera, ein externes Mikrofon? Wenn ja, wie schließe ich es an, wie funktioniert es, wie richte ich es ein…? Wie ist der Raum, in dem ich selbst sitze? Auf folgendes muss ich dabei achten: Beleuchtung von vorne; möglichst keinen wirren Hintergrund (ansonsten im Konferenz-Tool den Hintergrund verändern, geht in jedem Tool); Ruhe im Raum sicher stellen. Und nicht vergessen: Die Tatsache, dass ein Bewerbungsgespräch/AC digital durchgeführt wird bedeutet nicht, dass der Dresscode ein anderer ist!

Gute Vorbereitung und Information hilft, die so ganz andere Situation gut zu überstehen, auch wenn es meist noch ungewohnt ist. Entspann dich, den anderen Teilnehmer*innen geht es auch nicht besser. ;)

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Übrigens: Wenn du noch gar nicht weißt, in welche berufliche Richtung es für dich gehen soll, hilft dir vielleicht unser innovativer Online-Orientierungstest BIZZY weiter. Viel Spaß!

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