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Workaholic

daran erkennt ihr die Arbeitssucht

Foto: bruce mars / unsplash
Foto: Bruce Mars / Unsplash

Im Allgemeinen wird Arbeit in unserer Gesellschaft als etwas Positives angesehen. Wer arbeitet, ist ein gewinnbringender Teil der Gesellschaft. Wer arbeitet, kann in der Regel seinen Lebensunterhalt selbst bestreiten. Arbeit steht auch für Struktur und dafür, dass man aktiv am Leben teilhaben kann. Auch wenn wir viel Positives mit der Arbeit verknüpfen, heißt das nicht, dass mehr Arbeit auch immer besser ist. Wer zu viel arbeitet, kann krank werden. Arbeit kann süchtig machen. Wenn es kaum mehr Ruhepausen gibt, man 60 Stunden die Woche arbeitet, ständig erreichbar ist und immer noch "Ja" sagt, wenn wieder ein neuer Auftrag auf dem Schreibtisch landet, dann ist man ein Workaholic. Ihr fragt euch, ob ihr arbeitssüchtig seid und zu den Workaholics gehört? Wir verraten euch, woran ihr einen Workaholic erkennt.

Workaholic – mehr ist nicht immer besser

Menschen, die arbeitssüchtig sind, werden Workaholics genannt. Sie messen ihrer Arbeit häufig einen zu hohen Wert bei und verlieren dabei das Gefühl für die richtige Verhältnismäßigkeit. Viele Arbeitssüchtige definieren sich zum größten Teil über ihre Arbeit. Ihre Arbeit bildet die Basis ihres Selbstwertgefühls. In der Sucht nach Arbeit ist auch eine Flucht zu sehen. Betroffene nutzen die Arbeit, um sich von Gefühlen oder eigenen Problemen abzulenken.

Oftmals wird die Arbeitssucht belächelt. Der Begriff Workaholic wird viel zu schnell gebraucht. Dabei handelt es sich hier wirklich um eine Sucht, die mit der Sucht nach Alkohol, Glücksspiel oder Drogen vergleichbar ist. Ein Workaholic hat das zwanghafte Bedürfnis nach Arbeit, Perfektion und Leistung. In der Regel ist das Krankheitsbild des Workaholics durch verschiedene Stadien gekennzeichnet. Das Interesse an Familie, Freunden und Freizeitaktivitäten lässt immer mehr nach, während in die Arbeit immer mehr Zeit und Mühe investiert wird. Die Arbeit wird mit nach Hause genommen, am Abend werden E-Mails beantwortet und am Wochenende ist auch nicht frei. Wenn dem Umfeld so langsam auffällt, dass hier etwas nicht stimmen kann, findet der Betroffene immer neue Gründe, warum er gerade jetzt keine Zeit für Pausen und Abstand zur Arbeit hat. Der Workaholic nimmt immer noch mehr Arbeitsaufträge an und gerät irgendwann in einen Erschöpfungszustand. Überfordert man sich dauerhaft und wird die Sucht nach Arbeit chronisch, drohen Erkrankungen wie Burn-Out, Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Konzentrationsstörungen. Im Idealfall wird die Erkrankung möglichst frühzeitig erkannt. Je früher mit der Behandlung begonnen wird, desto besser sind die Chancen auf Erfolg.

 

Workaholic – daran erkennt ihr die Arbeitssucht / Foto: kevin bhagat / unsplash

Workaholic – daran erkennt ihr die Arbeitssucht / Foto: kevin bhagat / unsplash

Wie erkenne ich einen Workaholic?

Arbeit kann zu einer Sucht werden. Allerdings ist nicht jeder, der viel arbeitet und 60 Stunden oder mehr im Büro verbringt, gleich ein Workaholic. Macht ihr hin und wieder Überstunden und liebt ihr euren Job, macht euch das noch nicht zu einem Workaholic. Vielmehr muss euer Leben insgesamt aus der Balance geraten sein. Das heißt, ihr verspürt im Privatleben eine gewisse Leere und versucht diese mit Arbeit zu füllen. Eure Arbeit soll euch ablenken. Eure Freizeit könnt ihr gar nicht richtig genießen. Feierabend und Wochenenden könnte man eigentlich aus eurem Kalender streichen. Manchmal arbeitet ihr sogar heimlich, während ihr eure Freunde anlügt und sagt, dass ihr zum Sport geht. Spätestens jetzt sollten alle Alarmglocken angehen. Auf diese fünf Anzeichen solltet ihr achten:

Bei euch dreht sich alles nur noch um den Job. Alles was ihr macht, sagt oder denkt, hat mit eurer Arbeit zu tun. Euer Fokus liegt immer auf der Arbeit.

  • Ihr verliert langsam aber sicher die Kontrolle. Immer und überall geht es nur um die Arbeit. Die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen zusehends und ihr habt keinen Ausgleich mehr.
  • Ihr kommt nur noch im Doppelpack. Euch gibt es nur mit Arbeit oder gar nicht. Ihr packt eure Arbeit im Urlaub, am Wochenende, nach Feierabend und sogar am Kaffeetisch mit der Oma aus. Ihr kennt keine Grenzen mehr. Und warum auch nicht? E-Mails kann man schließlich auch bei Kaffee und Kuchen checken.
  • Ohne Arbeit seid ihr auf Entzug. Ihr bekommt Schweißausbrüche, Herzrasen und Atemnot, wenn ihr nicht arbeiten könnt.
  • Höher, schneller, weiter. Es ist nie genug. Ihr wollt immer noch mehr erledigen in noch kürzerer Zeit. Ihr müsst euer Arbeitspensum steigern, um noch den richtigen Kick zu bekommen.
     
    Workaholic – mehr ist nicht immer besser / Foto: andrew neel / unsplash

    Workaholic – mehr ist nicht immer besser / Foto: andrew neel / unsplash

Workaholic – warum ist Arbeitssucht so gefährlich?

Häufig bleibt dieses Krankheitsbild zunächst unerkannt. Wer arbeitssüchtig ist, gilt in der Firma vielleicht als fleißig oder besonders engagiert. Engagement und Fleiß werden in unserer Gesellschaft sehr geschätzt, weshalb Betroffene womöglich zunächst Anerkennung erfahren. Ein weiterer Punkt ist, dass wir heute ständig erreichbar sind. Dank Smartphone, Tablet und Computer können wir rund um die Uhr arbeiten, Anrufe entgegennehmen und E-Mails beantworten. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen. Wir können uns kaum noch abgrenzen. Diese ständige Erreichbarkeit wird heute zudem in vielen Firmen vorausgesetzt. Chef, Kunden und Teamkollegen wollen euch ständig erreichen können. Durch diesen Fokus auf die Arbeit werden Beziehungen zu Freunden und Familie vernachlässigt. Und am Ende steht die Gesundheit auf dem Spiel. Wenn Körper und Seele keine Entspannung erfahren, dann kann es zu Burn-Out, Schlafstörungen und Herzbeschweren kommen. Auch Angstzustände und Depressionen können eine Folge von chronischem Stress sein. In manchen Fällen zieht die Sucht nach Arbeit andere Süchte nach sich. Alkohol und Schlaftabletten sollen beim Einschlafen und Abschalten helfen und Aufputschmittel sollen dafür sorgen, dass man weit über die eigenen Grenzen gehen kann.

Was kann ich gegen die Arbeitssucht unternehmen?

Wenn ihr den Verdacht habt, ein Workaholic zu sein, dann hilft oftmals der Blick in die eigene Vergangenheit. Die Wurzeln für diese Sucht können in der Kindheit liegen. In solch einem Fall ist der Besuch eines Psychotherapeuten hilfreich. Er kann euch helfen, euer Verhalten zu verstehen und gegebenenfalls zu verändern. Auch Selbsthilfegruppen sind gute Anlaufstellen.

Der wichtigste Schritt zur Genesung ist, dass ihr erkennt, dass ihr ein Workaholic seid. Ihr müsst erkennen, dass ihr ein Problem habt und euch fragen, ob ihr euer Leben so weiterleben wollt. Welche Werte sind euch wichtig? Wie soll euer Leben in Zukunft aussehen? Der nächste Schritt zur Genesung ist, dass ihr auch wirklich gesund werden wollt. Ihr müsst die Veränderung wirklich wollen. Wie bei anderen Süchten auch ist eine Veränderung nur möglich, wenn ihr dahintersteht. Dennoch müsst ihr Geduld mit euch haben. Veränderungen brauchen Zeit und ihr müsst euch Schritt für Schritt an neue Strukturen gewöhnen. Sucht euch zudem Alternativen zu eurer Arbeit. Treibt Sport, arbeitet an der Beziehung zu euren Kindern, eurem Partner oder euren Freunden und sucht euch Hobbys, die euch entspannen. Macht Musik, Yoga, lernt zu malen oder sucht euch andere Tätigkeiten, die euch guttun. Ihr könnt auch einen Kollegen einbinden und diesen bitten, euch bei der Einhaltung regelmäßiger Pausen zu unterstützen. Wenn euch der Kollege dann zum gemeinsamen Mittagessen abholt, ist ein "Nein" nicht so schnell gesagt.

Fazit

Fleißige, engagierte Mitarbeiter, die auch gerne einmal mehr Arbeit übernehmen und Überstunden machen, sind in jedem Unternehmen gerne gesehen. Vor diesem Hintergrund wirkt die Sucht nach Arbeit gar nicht so bedrohlich. Da heute aber zunehmend Mitarbeiter durch psychische Erkrankungen wie Burn-Out und Depressionen ausfallen, gilt es, zukünftig verstärkt auf einen Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit zu achten. Die Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben verschwimmen immer mehr. Hier tut es gut, sich bewusst Auszeiten zu schaffen und das Privatleben nicht zu stark vom Job bestimmen zu lassen. Wenn ihr den Verdacht habt, ein Workaholic zu sein, geht den Gründen eurer Arbeitssucht auf die Spur und sucht euch Hilfe. Seid ihr irgendwann ausgebrannt, könnt ihr euren Job womöglich lange Zeit gar nicht mehr ausüben. Hier gilt wie in vielen anderen Bereichen: Zieht besser rechtzeitig die Reißleine und achtet auf euch.

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