Das sind die Bewerbungstrends 2022

Wenn der Arbeitnehmer zum König wird

Foto: nsey benajah / unsplash
Foto: nsey benajah / unsplash

Suchst du einen neuen Job oder eine berufliche Veränderung? Überlegst du dir, dich neu zu bewerben? Wir zeigen dir die Bewerbungstrends 2022, die du jetzt kennen musst. Denn eines ist sicher: Wie bereits das vergangene Jahr wird auch 2022 jobtechnisch sehr spannend werden.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt im Jahr 2022

Experten sagen, dass der Fachkräftemangel auch während Corona nicht abgenommen hat. Es findet ein Krieg der Talente statt. Einige Stellen sind unbesetzt und Unternehmen suchen neue Mitarbeiter. Das sind positive Nachrichten für alle Jobwechsler und -wechslerinnen. Durch die Pandemie denken viele Leute darüber nach, ihre Karriere zu ändern. Die Bereitschaft, den Job zu wechseln, ist aktuell um einiges höher als vor der Pandemie.

Bewerbungstrends 2022 – das musst du wissen / Foto: george milton / Pexels

Bewerbungstrends 2022 – das musst du wissen / Foto: george milton / Pexels

1. Anreize gibt es in Hülle und Fülle

Da die Arbeitssuchenden derzeit die Nase vorn haben, tun die Unternehmen alles, um die idealen Kandidaten zu gewinnen. Viele Unternehmen fokussieren sich darauf, alle Vergünstigungen, Anreize und Annehmlichkeiten hervorzuheben. Doch Arbeitnehmer sollten vorsichtig sein: Gute Vergünstigungen sind nicht immer gleichbedeutend mit einer positiven Unternehmenskultur, daher solltest du unbedingt Fragen stellen. 

Viele Unternehmen setzen Tischkicker, kostenloses Obst und kostenlose Heißgetränke als Zeichen einer guten Unternehmenskultur ein. Und warum auch nicht? Der Attraktivitätsfaktor ist sehr hoch, wenn es um Dinge geht, die so offensichtlich Spaß machen. Allerdings entsteht die Unternehmenskultur nicht dadurch, dass du mit deinen Kollegen Kicker spielst, gemeinsam mit ihnen zu Mittag isst und dich dank Heißgetränken super mit deinen Führungskräften verstehst. Die Unternehmenskultur entsteht durch die Art und Weise, wie du behandelt wirst, und nicht durch die Anzahl der Nickerchen, die du machen kannst. Stelle dir folgende Fragen: 

  • Wie handhabt das Unternehmen die Work-Life-Balance?
  • Wie geht es mit Burnout um?
  • Fühlen sich die Mitarbeiter psychologisch sicher?
  • Welchen Stellenwert misst das Unternehmen der Schaffung einer Kultur bei, die sicherstellt, dass sich alle Mitarbeiter gesehen, gehört und wertgeschätzt fühlen? 

2. Anpassungsfähigkeit

Die Fähigkeit, die Richtung zu ändern, wird sowohl für Arbeitsuchende als auch für Arbeitgeber weiterhin wichtig sein. Dies könnte bedeuten, dass Manager sich an persönliche Tagesabläufe und neue COVID-Einschränkungen anpassen. Um für Bewerber attraktiv zu sein und als Arbeitsplatz begehrt zu werden, erfinden Unternehmen den Arbeitsplatz neu. Hybridarbeit und flexible Arbeitszeiten sind nur zwei Beispiele dafür, wie Arbeitsplätze neu strukturiert werden. Arbeitssuchende werden ihre Flexibilität unter Beweis stellen wollen, wenn sie sich um eine Stelle bewerben.

3. Asynchrones und mobiles Arbeiten

Wir haben gelernt, wie wir selbstständig und zu einer für uns passenden Zeit arbeiten können. Die Einführung der asynchronen Arbeit wird sich weiter ausbreiten und neue Möglichkeiten eröffnen, Dinge zu erledigen, an die wir bisher nicht gedacht haben. Wir müssen nicht mehr im selben Raum und zur selben Zeit zusammen sein, um Probleme zu lösen und Arbeit zu erledigen.

Regelmäßiges Arbeiten von zu Hause aus ist für viele Menschen nichts Neues mehr. Fernarbeit wird zum Standard. Das bedeutet mehr Flexibilität, kann aber auch als Nachteil angesehen werden. Führungskräfte sollten darauf achten, wie sie den Teamgeist stärken. Die Pendelkosten steigen, und das könnte für einige Arbeitnehmer zu einem Hindernis werden. Wer nicht in einer Großstadt, sondern in einer kleineren Stadt oder in einer ländlichen Region lebt, ist auf den Individualverkehr angewiesen. Dies könnte sich auf die Beschäftigungsmöglichkeiten auswirken.

4. Personalsuche: virtuell und via Social Media

Geografische Beschränkungen sind für ein Unternehmen kein Problem mehr. Viele Firmen stellen auf "virtuelle Teams" um, indem sie Mitarbeiter aus der Ferne einstellen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer können von der virtuellen Personalbeschaffung profitieren:

  • Die Arbeitgeber erhalten Zugang zu einem größeren Talentpool,
  • während die Arbeitnehmer von der beruflichen Flexibilität profitieren.

Es wird erwartet, dass sich die virtuelle Personalbeschaffung und andere digitale Rekrutierungstrends bis ins Jahr 2022 fortsetzen werden.

Die Nutzung sozialer Medien zum Suchen, Finden und Anwerben von Kandidaten wird als Social Recruiting bezeichnet. Viele Unternehmen und Personalvermittler nutzen soziale Medien zur Veröffentlichung von Stellenanzeigen, was die wachsende Attraktivität der Plattform als Rekrutierungsinstrument zeigt. Potenzielle Mitarbeiter nutzen soziale Medien ausgiebig und geben sie sogar als einen der Gründe an, warum sie zu ihrem derzeitigen Unternehmen gekommen sind. 

5. Gehälter werden offen(er) diskutiert

Unternehmen sollten offener mit Gehältern umgehen. Menschen verdienen es zu wissen, wie viel sie verdienen, bevor sie sich für eine Stelle bewerben. Diese Informationen helfen ihnen, eine fundierte Entscheidung zu treffen. Bislang sind Unternehmen damit eher vorsichtig und rücken die Information erst gegen Ende des Bewerbungsprozesses raus. Da sich viele Arbeitnehmer durch die Pandemie aber mehr Gedanken um ihren Job und ihren Marktwert machen und teils sehr genau wissen, wie viel sie wert sind, haben sie keine Lust, lange um den heißen Brei herumzureden. 

6. Diversity wird immer wichtiger

Fast jeder möchte für ein Unternehmen arbeiten, das Vielfalt fördert. Doch bei der Förderung von Vielfalt hinken deutsche Unternehmen hinterher. In Deutschland haben sich nur wenige Unternehmen bisher bemüht, Vielfalt zu fördern, indem sie aktiv Frauen und Menschen mit unterschiedlichem ethnischen Hintergrund anwerben. Die Mehrheit der Unternehmen rekrutiert Frauen und Minderheiten immer noch nicht aktiv.

Unternehmen, die vielfältige Talente anziehen wollen, sollten Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass sie eine vielfältige Belegschaft haben. Sie können damit beginnen, sicherzustellen, dass sie eine klare Politik in Bezug auf die Gleichstellung der Geschlechter, gleichen Lohn und Antidiskriminierungsgesetze haben. Sie sollten auch prüfen, wie sie das Arbeitsumfeld verbessern können, damit die Mitarbeiter Bedenken äußern können. Sie könnten zum Beispiel Führungskräfte zu unbewussten Vorurteilen schulen und sie ermutigen, sich ihres eigenen Verhaltens bewusst zu werden.

Personalsuche: virtuell und via Social Media / Foto: mike von 3 / unsplash

Personalsuche: virtuell und via Social Media / Foto: mike von 3 / unsplash

7. Online-Bewerbung, Bewerbung ohne Anschreiben und Bewerbungsvideos

Online-Bewerbungen sind der aktuelle Standard bei der Suche nach einem neuen Job. Bewerbungen können per E-Mail eingereicht oder auf die Website eines Unternehmens hochgeladen werden. Das ist schneller und billiger als das Versenden einer Mappe mit gedruckten Exemplaren.

Dem Lebenslauf sollte ein Anschreiben beigefügt werden. Manche Unternehmen bevorzugen neuerdings Bewerbungen ohne Anschreiben. Stattdessen sollst du ein Bewerbungsvideo einreichen. Das hat Vor- und Nachteile: Unternehmen entgehen so möglicherweise wichtige Informationen aus dem Anschreiben, in dem du deinen bisherigen Werdegang interpretierst und einordnest. Andererseits kannst du dich durch deine persönliche Vorstellung von anderen Bewerbern abheben. Bewerbungsvideos können deine Motivation zum Ausdruck zu bringen und zeigen, wie du kommunizierst.

Fazit

Die Chancen auf einen neuen Job stehen im Jahr 2022 gut. Unternehmen suchen teils händeringend nach neuen Mitarbeitern und bieten bedingt durch die Corona-Pandemie zum Teil mehr Flexibilität als jemals zuvor. Die Trends fürs Jahr 2022 betreffen Recruiting, Bewerbung und die Unternehmen sowie Arbeitnehmer selbst: Einiges hat sich bisher schon abgezeichnet, einiges wird sich noch weiter verändern. Wie geht's weiter? Es bleibt spannend!

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