Schlechtes Arbeitszeugnis

Verschweigen oder begründen?

Bild Verschweigen oder begründen?

Cholerischer Chef, miese Stimmung im Team oder fehlende Strukturen: es gibt viele Gründe, einer Arbeitsstelle den Rücken zu kehren und sich nach einem neuen Job umzusehen. Doch was tun, wenn das Zeugnis der letzten Arbeitsstelle negativ ausgefallen ist? Wird es sich bei der Bewerbung um eine neue Stelle möglicherweise als Karrierekiller erweisen? Erfahrt, wie man auch mit einem schlechten Arbeitszeugnis Bewerbung und Vorstellungsgespräch erfolgreich meistert.

Wie wichtig ist das Arbeitszeugnis für die Bewerbung?

Wenn in Stellenausschreibungen von "vollständigen Bewerbungsunterlagen" die Rede ist, setzen Chefs und Personaler grundsätzlich voraus, dass das Zeugnis der letzten Arbeitsstelle enthalten ist. Ihr könnt außerdem davon ausgehen, dass sich das Unternehmen dieses Schriftstück genau durchlesen wird - schließlich will der potenzielle neue Chef zum einen etwas über euren beruflichen Werdegang erfahren, zum anderen will er sich ein Bild darüber machen, ob ihr euch in eurem vorherigen Job bewährt habt. Gibt es mehrere geeignete Bewerber für eine Position, kann es mitunter vorkommen, dass das Arbeitszeugnis den Ausschlag dafür gibt, sich für oder eben gegen einen Kandidaten zu entscheiden. Ihr solltet die Bedeutung des Arbeitszeugnisses daher nicht unterschätzen.

Handelt es sich wirklich um ein schlechtes Arbeitszeugnis?

Bevor ihr eure berufliche Laufbahn in düsteren Farben malt, solltet ihr prüfen lassen, ob es sich tatsächlich um ein schlechtes Arbeitszeugnis handelt. Denn: Für Laien ist es meist gar nicht so einfach, die klassischen Formulierungen in Arbeitszeugnissen richtig zu deuten. Mitunter entpuppt sich ein schlechtes Arbeitszeugnis zumindest als ganz okay. Personaler hingegen sind in der Lage bestimmte Codes auf den ersten Blick zu erkennen und ihre Schlüsse daraus zu ziehen. Im Internet findet ihr die gängigen Formulierungen und ihre Übersetzung. So erhaltet ihr zumindest eine grobe Vorstellung davon, mit welcher Gesamtnote euch Euer Ex-Chef bewertet hat. Wer auf Nummer sicher gehen will, zieht einen Profi hinzu, zum Beispiel einen Personaler oder einen Anwalt für Arbeitsrecht. Idealerweise kümmert ihr euch darum, unmittelbar nachdem euch das vermeintlich schlechte Arbeitszeugnis vorliegt.

 

Schlechtes Arbeitszeugnis: Verschweigen oder begründen? / Foto: brooke-cagle / unsplash

Schlechtes Arbeitszeugnis: Verschweigen oder begründen? / Foto: brooke-cagle / unsplash

Darf man ein schlechtes Arbeitszeugnis in der Bewerbung weglassen?

Ein schlechtes Arbeitszeugnis in der Bewerbung einfach zu unterschlagen, ist keine besonders gute Idee. Verlangen Arbeitgeber in der Stellenausschreibung explizit nach "vollständigen Bewerbungsunterlagen" (womit auch alle Arbeitszeugnisse gemeint sind) und das letzte Arbeitszeugnis fehlt, wird ein cleverer Personaler diese Lücke sofort entdecken. Eure Bewerbung wandert höchstwahrscheinlich direkt in den Papierkorb. Spätestens im Vorstellungsgespräch wirft das fehlende Arbeitszeugnis peinliche Fragen auf.

Das schlecht bewertete Arbeitsverhältnis war nur von sehr kurzer Dauer? In so einem Fall raten Bewerbungs-Experten dazu, das schlechte Arbeitszeugnis unter den Tisch fallen zu lassen - und das unglückliche Zwischenspiel unbedingt auch aus dem Lebenslauf zu streichen. Für den einen oder anderen mag das vielleicht eine Option sein. Gleichwohl gilt im Job immer noch "Ehrlich währt am längsten".

Sollte man ein schlechtes Arbeitszeugnis in der Bewerbung thematisieren?

Wenn ihr über einen längeren Zeitraum bei einem Arbeitgeber beschäftigt wart, der euch ein schlechtes Zeugnis ausgestellt hat, kommt ihr nicht drumherum, es euren Bewerbungsunterlagen beizulegen. Damit es nicht dazu führt, dass eure Bewerbung sofort aussortiert wird, empfehlen Personal-Profis, schon im Anschreiben mit offenen Karten zu spielen. Das ist sicher nicht jedermanns Ding, dennoch kann diese offensive Vorgehensweise unter Umständen doch noch zu einer Einladung zum Vorstellungsgespräch führen. Ihr könnt die eher negativen Stellen im Arbeitszeugnis direkt ansprechen und zumindest ein wenig "geraderücken". Allerdings solltet ihr euch dabei nicht in Rechtfertigungen ergehen oder gar in eine Opferrolle verfallen. Schlecht über den ehemaligen Chef zu sprechen, ist ebenfalls tabu!

Wie geht man mit einem schlechten Arbeitszeugnis ins Bewerbungsgespräch?

Ihr habt eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten. Gratulation! Ein schlechtes Arbeitszeugnis ist damit natürlich noch nicht aus der Welt, aber zumindest gibt euch eure Wunschfirma die Chance, euch persönlich vorzustellen und die negative Bewertung gerade zu rücken. Stellt euch in jedem Fall darauf ein, dass euer Gesprächspartner erfahren will, was es mit dem schlechten Arbeitszeugnis auf sich hat. Gute Vorbereitung ist daher das A und O!

Strategie 1: Mit anderen guten Leistungen und Referenzen punkten

Im Bewerbungsgespräch solltet ihr versuchen, das schlechte Arbeitszeugnis mit guten Leistungen abzuschwächen. Verweist auf ältere positive Arbeitszeugnisse. Trumpft mit erfolgreichen Projekten auf, die ihr für frühere Arbeitgeber oder vielleicht sogar in eurer letzten Firma erfolgreich umgesetzt habt. Ihr könnt euch auch Referenzen von Kunden oder Lieferanten einholen, die euch die gute Zusammenarbeit bestätigen.

Strategie 2: Ein schlechtes Arbeitszeugnis erklären

Findige Personaler werden ein schlechtes Arbeitszeugnis mit ziemlicher Sicherheit erkennen und euch auch darauf ansprechen. In diesem Fall solltet ihr mit offenen Karten spielen und erklären, wie es dazu gekommen ist. Ihr solltet euch allerdings nicht dazu hinreißen lassen, über euren ehemaligen Arbeitgeber oder Vorgesetzten herzuziehen. Das wird von den meisten Personalern als schlechter Stil eingestuft. Ihr könnt aber durchaus erläutern, dass es zum Beispiel in eurer alten Firma an Strukturen mangelte oder ihr vom Aufgabengebiet andere Vorstellungen hattet als die Geschäfts- oder Abteilungsleitung.

Strategie 3: Den Ahnungslosen spielen

Wer über schauspielerisches Talent und ein Pokerface verfügt, kann so tun, als ob er nicht gewusst habe, dass das Arbeitszeugnis tatsächlich so schlecht ist. Versichert glaubhaft, dass ihr das schlechte Arbeitszeugnis noch einmal prüfen und gegebenenfalls korrigieren lasst. Diese Strategie ist etwas für Fortgeschrittene, denn gewiefte Personaler könnten den Bluff durchschauen - und dann war's das mit dem neuen Job.

 

Fazit: Schlechtes Arbeitszeugnis - ärgerlich, aber kein Drama / Foto: energepic / unsplash

Fazit: Schlechtes Arbeitszeugnis - ärgerlich, aber kein Drama / Foto: energepic / unsplash

Fazit: Schlechtes Arbeitszeugnis - ärgerlich, aber kein Drama

Ein schlechtes Arbeitszeugnis kann sich manchmal als Stolperstein für das weitere Berufsleben erweisen - Personaler sortieren eure Bewerbung direkt aus und auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch könnt ihr lange warten. Am besten also, es kommt erst gar nicht so weit und ihr lasst euer Arbeitszeugnis direkt nach Erhalt von einem Experten überprüfen und gegebenenfalls korrigieren.

Habt ihr das versäumt, bleibt euch nichts anderes übrig als offen und ehrlich damit umzugehen - im Anschreiben, im Lebenslauf und im Bewerbungsgespräch. Versucht nicht, das schlechte Arbeitszeugnis unter den Tisch fallen zu lassen. In den meisten Fällen kommt das ans Tageslicht, zum Beispiel, weil der Personaler im Vorstellungsgespräch nach dem Arbeitszeugnis fragt oder sich sogar bei eurem Ex-Arbeitgeber danach erkundigt. Stellt stattdessen eure Vorzüge und beruflichen Erfolge ins Rampenlicht. Dann ist oft auch ein schlechtes Arbeitszeugnis kein Drama mehr.

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