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Karrierebooster oder Geldverschwendung

lohnt sich ein teures Vollstudium im Ausland?

Foto: jp valery / unsplash
Foto: jp valery / unsplash

Habt ihr Mal darüber nachgedacht, im Ausland zu studieren? Möchtet ihr nach dem Abschluss der Schule andere Länder kennenlernen? Wollt ihr weitere Sprachen lernen und damit im Beruf unabhängiger sein? Könnt ihr euch sogar vorstellen, euer gesamtes Studium in einem anderen Land zu absolvieren? Die einen sehen in einem Vollstudium im Ausland den entscheidenden Karriereboost. Andere zweifeln, ob sich die hohen Kosten eines vollständigen Auslandsstudiums später wirklich rentieren. Hier erfahrt ihr, welche Chancen und Risiken, welche Vorteile und Nachteile mit einem Vollstudium im Ausland verbunden sein können. 

Bonuspunkt im Lebenslauf

Ein Vollstudium im Ausland wertet euren Lebenslauf auf. Denn in der Regel hat nur ein geringer Anteil der Bewerber das Studium komplett im Ausland absolviert. In vielen Branchen sind die Unternehmen international ausgerichtet. Die Erfahrungen und Kontakte von Fachkräften, die eine lange Zeit im Ausland verbracht haben, sind für solche Arbeitgeber wertvoll. Daher werdet ihr euch nach dem Abschluss maßgeblich von der Konkurrenz absetzen, wenn ihr euch für ein Vollstudium im Ausland entscheidet. 

Fremdsprachenkompetenzen erwerben und ausbauen

Wenn ihr euch für ein Vollstudium im Ausland entscheidet, werdet ihr nach eurem Abschluss über fundierte Fremdsprachenkenntnisse verfügen. Wer über mehrere Jahre täglich in einer Fremdsprache kommuniziert, schreibt und Fachliteratur liest, beherrscht die Sprache und kann diese authentisch anwenden. Damit haltet ihr euch die Option offen, im Ausland oder an einem dortigen Standort eines deutschen Unternehmens zu arbeiten. In vielen Berufen ist es ein besonderes Qualitätsmerkmal, den fachspezifischen Wortschatz in einer Fremdsprache zu beherrschen, zum Beispiel Business Englisch. Damit steigert ihr euren Marktwert. 

 

Karrierebooster oder Geldverschwendung – Vollstudium im Ausland / Foto: alvin balemesa / unsplash

Karrierebooster oder Geldverschwendung – Vollstudium im Ausland / Foto: alvin balemesa / unsplash

Interkulturelle Kompetenzen aufbauen

Wer ein Vollstudium im Ausland absolviert, stellt damit unter Beweis, aufgeschlossen, weltoffen und tolerant zu sein. Potenziellen Arbeitgebern wird damit signalisiert, dass ihr mit ausländischen Kunden, Kollegen und Kooperationspartnern souverän zusammenarbeiten, korrespondieren oder verhandeln könnt. Dies kann bereits den Berufseinstieg erheblich erleichtern. Auch der Aufstieg innerhalb des Unternehmens kann euch dann schneller gelingen, da euch mehr Verantwortung übertragen wird. 

Internationales Netzwerk bilden

Wenn ihr euer Studium komplett im Ausland absolviert, knüpft ihr dabei Kontakte zu weiteren Studierenden, Dozenten, Forschern, Fachkräften oder Unternehmern. Ein solches grenzüberschreitendes Netzwerk ist persönlich und beruflich sehr wertvoll. Aufgrund der digitalen Medien ist es heute sehr leicht, in Verbindung zu bleiben und auf Kontakte zurückzugreifen. In Vorstellungsgesprächen werden Bewerber oft gefragt, ob sie über ein Netzwerk verfügen. Wer dann auf internationale Kontakte verweisen kann, erwirbt Pluspunkte. 

Numerus clausus umgehen

Da in Deutschland viele Hochschulen die Studienplätze nach dem Kriterium der Abiturnote vergeben, liegt in einem Vollstudium im Ausland die Chance, diese Hürde zu umgehen. Denn außerhalb Deutschlands werden die Bewerber häufig durch einen Eignungstest ausgewählt. Insofern habt ihr größere Freiräume bezüglich der inhaltlichen Ausrichtung eures Studiums, wenn ihr auch ausländische Hochschulen in die Auswahl einbezieht. 

Studienzeit ist eine gute Gelegenheit, ein anderes Land kennen zu lernen

Das Ziel, ein anderes Land kennenzulernen, kann nicht ohne Weiteres aufgeschoben werden. Wer schon in den Beruf eingestiegen ist oder eine Familie gegründet hat, ist meist an den aktuellen Wohnort gebunden. Daher ist die Ausbildungszeit die optimale Gelegenheit, in ein anderes Land zu gehen und weitere Kulturen kennenzulernen. 

In vielen Ländern fallen hohe Studiengebühren an

In vielen Ländern ist das Studieren gebührenpflichtig. Zum Teil sind diese erheblich. In 2017 beliefen sich beispielsweise die Studiengebühren für den Studiengang Medizin an der Universität in Budapest auf 7.200 Euro pro Semester (Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 03.09.2017). Hochschulen in Übersee und Ozeanien erheben Studiengebühren von durchschnittlich mehr als 6.000 Euro pro Jahr (Quelle: www.bachelor-and-more.de). Die Studiengebühren der ausländischen Hochschule werden vom BAföG-Amt nur im ersten Jahr nach Studienbeginn und nur bis zu einer Höchstgrenze von 4.600 Euro übernommen.

Hoher organisatorischer Aufwand

Wer sich entschließt, im Ausland zu studieren, hat zunächst viele organisatorische Angelegenheiten zu regeln. Hierzu zählen neben der Bewerbung vor allem die Finanzierung, eine Wohnung und weitere bürokratische Angelegenheiten. Wenn ihr die Sprache noch nicht ausreichend beherrscht, müsst ihr außerdem hierfür zeitliche Ressourcen einplanen, die eure Kapazitäten, in das Studium einzusteigen, erst einmal reduzieren. 

 

Die Entscheidung für ein Vollstudium im Ausland sollte gut überlegt sein / Foto: tamara bellis / unsplash

Die Entscheidung für ein Vollstudium im Ausland sollte gut überlegt sein / Foto: tamara bellis / unsplash

Anerkennung ausländischer Studienabschlüsse nicht immer gegeben

Es ist nicht immer möglich, nach dem Abschluss eines Vollstudiums im Ausland in Deutschland zu arbeiten. Dies gilt insbesondere für Studiengänge, die für den öffentlichen Sektor qualifizieren. Absolventen eines Jura-Studiums an einer Hochschule in einem Nicht-EU-Land erhalten in Deutschland keine Zulassung als Rechtsanwalt. Auch Lehramtsstudenten müssen sich auf Barrieren einstellen, wenn sie nach einem Vollstudium im Ausland in Deutschland tätig sein wollen. Denn der Abschluss und die Lehrbefähigung müssen zunächst in Deutschland anerkannt werden. Bei privaten Arbeitgebern ist es dagegen in der Regel unproblematisch, sich mit einem ausländischen Abschluss zu bewerben. Unternehmen sind die Kenntnisse der Bewerber meist wichtiger als der Ort des Abschlusses. Auch Ärzte und Psychologen dürfen in Deutschland praktizieren, wenn sie ihre Ausbildung in einem EU-Land erworben haben. 

Fortsetzung des Studiums in Deutschland nicht ohne weiteres möglich

Wer das im Ausland begonnene Studium später an einer deutschen Hochschule fortsetzen möchte, muss mit Hindernissen rechnen. Die Entscheidung, welche Prüfungsleistungen anerkannt werden, liegt im Ermessen der deutschen Universität. Unter Umständen müssen Prüfungen ein zweites Mal absolviert werden. Wer sich spontan für die Rückkehr nach Deutschland entscheidet, muss also mit einem Zeitverlust rechnen. 

Fazit: Die Entscheidung für ein Vollstudium im Ausland sollte gut überlegt sein

Wenn ihr euch für ein Vollstudium im Ausland interessiert, solltet ihr die Vorteile und Nachteile gründlich abwägen. Vor allem drei Fragen sollten vor eurer Entscheidung geklärt sein. Auf diese Weise könnt ihr das Risiko, Zeit oder Geld zu verschwenden, deutlich minimieren. Erstens sollte die Finanzierung über das gesamte Studium gesichert sein. Zweitens solltet ihr in Erfahrung bringen, welche Studienleistungen von deutschen Hochschulen anerkannt werden, falls ihr euch zwischendurch entscheidet, nach Deutschland zurückzukehren. Wenn ihr euch die Option offenhalten wollt, in Deutschland zu arbeiten, solltet ihr euch drittens genau informieren, ob und unter welchen Umständen der von euch angestrebte Studienabschlusses in Deutschland anerkannt wird.

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