Hat das noch Zukunft? – Aussterbende Berufe

Hat das noch Zukunft? – Aussterbende Berufe

Bild
© lightpoet - Fotolia.com

Jedes Mal wenn das Ende der Schulzeit in greifbare Nähe rückt, stellen sich Schüler die Frage: "Was mache ich nach der Schule?". Eine Ausbildung zur Industriekauffrau, zum Kaufmann im Einzelhandel, vielleicht auch zum Mechatroniker oder zur medizinischen Fachkraft. Diese und andere moderne Berufe stehen seit langem ganz oben auf der Liste der meist gewählten Ausbildungsberufe.

Selten, bis fast gar nicht, lassen sich traditionelle Handwerks-Berufe in den Listen der beliebtesten Ausbildungsberufe finden.

Böttcher, Buchbinder, Imker, Hufschmied, Glockengießer, Maßschuhmacherin und einige andere traditionelle Handwerke werden kaum noch gelehrt bzw. gelernt. Diese klassischen Berufe sind, so könnte man sagen, vom Aussterben bedroht.

Doch woran liegt es, dass die altehrwürdigen Berufe des Handwerks immer mehr verschwinden? Ein Grund ist der Wandel der Gesellschaft zur Wegwerfgesellschaft. Die Qualität und die Arbeit, die sich hinter einem von Handgemachtem Gegenstand verbergen, werden nur noch selten erkannt und anerkannt, wodurch auch nur wenige bereit sind, den angemessenen Preis zu zahlen. Die Auftragslage ist zu gering, um eine gesamte Industrie aufrecht zu erhalten.

Die Studie „Nachwuchsmangel im baden-württembergischen Handwerk“1 sollte Aufschluss geben, warum Junge Menschen keine Handwerksberufe mehr lernen wollen. Diese kam zu folgenden Ergebnissen: Von den Befragten glauben 64%, dass Handwerksberufe nicht gut bezahlt sind, 89% denken, es wäre keine saubere Arbeit und 57% sind der Meinung, dass keine guten Aufstiegsmöglichkeiten gegeben sind. Ein weiterer Hauptgrund ist, dass Jugendliche keinerlei Berührungspunkte zu handwerklichen Tätigkeiten in ihrem Alltag haben.

Doch auch wenn sich ein junger Mensch für einen traditionellen Handwerksberuf begeistert, ist es mitunter gar nicht mehr möglich, diesen zu erlernen, denn es gibt nur noch wenige Meister, die ausbilden. In den ungefähr 110 Berufen des Handwerks, gibt es in 22 praktischen Handwerksberufen schon keine Lehrlinge mehr. NK

Böttchermeister Peter Stauch aus Bollstedt arbeitet schon lange nicht mehr hauptberuflich als Böttcher. Seit die handgefertigten Holzfässer und Bottiche durch industriell gefertigte Aluminium Behälter abgelöst wurden, arbeitet er in der Holzverarbeitung. Nur zu Hause in seiner Hobby-Böttcherwerkstatt geht er seinem alten Meisterberuf noch nach.

Auch als Glockengießerin kann man vom Beruf nicht mehr leben. Das weiß Glockengießermeisterin Cornelia Mark-Maas aus Brockscheid. Ihre Firma stellt hauptsächlich Vogelschutzgitter und Turmuhren her oder wartet alte Produkte. Glockengießen ist nur noch ein kleiner Teil der Aufgaben.

Lydia Weise absolviert eine Ausbildung zur Maßschuhmacherin. Sie sagt, sogar ihr Chef habe sie vor den schlechten Zukunftsaussichten gewarnt. Sie entschied sich dennoch für die Ausbildung, unter anderem weil sie das Handwerk vor dem Aussterben bewahren will.
Aber geht das noch, oder haben diese Berufe einfach ihre Daseinsberechtigung verloren?
Kaum jemand lässt sich Schuhe anfertigen oder kauft einen Schirm beim Schirmmacher. Die Nische für handgefertigte Qualitätsware ist klein und schwindet immer mehr. Die Nachfrage ist gering, aber auch das Angebot wird immer kleiner. Die Auszubildenden fehlen, die

Meister sterben aus. Es muss ein schnelles Umdenken in der Gesellschaft erfolgen, was die handwerklichen Berufe wieder lohnenswert macht, um diese Entwicklung aufzuhalten.
Es werden also nicht die letzten Berufe sein, die aussterben. Auch in Handwerksbäckereien gehen die Zahlen der Auszubildenden zurück. Wer weiß, wie lange wir morgens noch frische, handgemachte Brötchen kaufen können. Die Arbeitswelt wandelt sich stetig – einige Berufe sterben aus, aber es entstehen auch neue!

Die Gesellschaft - und mit ihr einhergehend der Arbeitsmarkt - wandelt sich dahingehend, dass Dienstleistungen, Wissen und Informationen eine größere Bedeutung zugeschrieben wird. Es ist also nur logisch, dass sich auch in diesen Bereichen neue Berufe entwickeln werden.

Alte Berufe werden um neue Aspekte, zum Beispiel aus dem kaufmännischen oder dem IT-Bereich, erweitert. Schließlich verlangen innovative Produkte nach modernen beruflichen Fertigkeiten. Zurzeit sind verschiedene Ausbildungsberufe und Ausbildungsformen in der Erprobung. Man kann zum Beispiel eine Ausbildung zum Speiseeishersteller, Werksfeuerwehrmann oder Musikfachhändler absolvieren.

Glaubst Du, ein Beruf im Handwerk oder einer der neuen Berufe wäre das Richtige für Dich?- Dann mach Dich darüber schlau!

Wenn Du noch nicht weißt, in welche Richtung Du gehen sollst, nutze den Berufsscout auf www.aubiplus.de, um Dir Vorschläge einzuholen, die zu Deinen Neigungen und Interessen passen.

Denn das Wichtigste ist und bleibt, dass man seinen Job gerne ausübt.

Betriebe in Baden-Württemberg:
Maßschuhmacher
Glockengießer
Hufschmied
Buchbinder

Betriebe in Rheinland-Pfalz:
Dachdecker/-in – Zorn
Steinmetz/-in – Meisterschule für Handwerker
Tischler/-in – Kluwig Treppen
Schreinerei Luxemberger

Autorin:  Annika Tiedemann

1 http://www.handwerk-bw.de/fileadmin/user_upload/Servicebereich/Publikati...
2 Quelle: http://www.iris-henning.de/2010-03-19-der-letzte-boettcher/
3 Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/archiv/glockengiesser--stockmacher-oder-b...
4 http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/aussterbende-handwerksberufe-...