Selbstoptimierung

So findet ihr das richtige Maß

Foto: ian stauffer / unsplash
Foto: ian stauffer / unsplash

Steckt ihr fest im Selbstoptimierungswahn? Mindestens 5000 Schritte am Tag laufen, ein Buch pro Woche lesen, zwei Mal am Tag meditieren...viele Millenials tun genau das und streben nach dem besseren Ich. Doch die ständige Selbstoptimierung hat auch Schattenseiten. Wir beleuchten, ob das Streben nach Perfektion wirklich besser und glücklicher macht.

Perfect Life: Generation Selbstoptimierung

Von Buch-Bestsellerlisten bis Social Media, das Thema Selbstoptimierung boomt. Ob in Sachen Aussehen, Beruf, Ernährung, Elternsein, Partnerschaft - die Botschaft ist immer gleich: da geht noch was, es gibt Verbesserungspotenzial. Und diese Botschaft trifft auf fruchtbaren Boden, denn wer täglich an perfekt gefilterten Fotos vorbei durch seinen Instagram- oder Facebook-Feed scrollt, fragt sich sowieso schon oft, ob sein Leben richtig läuft. Warum sehen auf Insta alle Fotos kreativer aus? Und wieso haben auf Facebook alle einen spannenderen Job? Begleitet von diesem Gefühl der Unterlegenheit hört man einen Selbstoptimierungspodcast, sichtet im nächstbesten Onlineshop die Selbstverbesserungsliteratur und klickt kurzerhand auf "Kaufen".

Aber was genau ist mit Selbstoptimierung gemeint? Dahinter steckt ein Prozess mit dem Ziel, in einem oder mehreren Bereichen das absolute Maximum zu erreichen. Die Optimierung kann sich auf den Körper, die Karriere, konkrete Skills oder ein allgemein erfolgreiches Leben beziehen. Typische Titel aus dem Segment könnten lauten "Perfektionieren Sie Ihr Leben", "In sieben Schritten durchstarten" oder "Gesetze des Erfolgs". Auch Tech-Tools sollen bei der Optimierung des Ichs helfen. Denkt an Schlaf-Apps oder Smartwatches für den Sport. Das Streben nach einer besseren Version von sich selbst soll aber nicht nur die objektive Leistung steigern, man hofft auch, sich wohler zu fühlen und glücklicher zu sind. Doch ohne Gefahr ist das Selbstverbesserungsstreben nicht, warnen Psychologen.

Viele, die bereits Erfahrung mit angewandter Selbstoptimierung haben, stimmen zu. Setzt man sich nämlich selbst zu sehr unter Druck und rutscht verbissen in einen Optimierungswahn, entsteht Stress, der zu Ohrensausen, Schlaflosigkeit, Versagensängsten und sogar zum Burn-out führen kann. Besonders Berufsanfänger sind dafür anfällig. Aber auch erfahrene Ärzte sind nicht immun, berichtet das Ärzteblatt. Konstruktiv mit dem Wunsch nach Selbstoptimierung umzugehen heißt, das richtige Maß zu finden.

 

Selbstoptimierung - So findet ihr das richtige Maß / Foto: thomas griesbeck / unsplash

Selbstoptimierung - So findet ihr das richtige Maß / Foto: thomas griesbeck / unsplash

Selbstverbesserung: Weniger ist manchmal mehr

Überall wird man zur Selbstoptimierung angehalten. Dabei sind viele von euch schon gut und müssten gar nicht unbedingt besser werden. Wer sich dennoch steigern möchte, sollte den gesunden Mittelweg wählen. So findet ihr die richtige Balance:

#1: Zielsetzungen reflektieren

Dient die Selbstoptimierung einem höheren Ziel oder wird sie nur ihrer selbst wegen betrieben, etwa weil das Streben nach dem besten Ich gerade boomt? Könnt ihr kein klares Ziel identifizieren, besteht die Gefahr, dass es sich um eine Dauerbeschäftigung handelt, die euch am Ende eher schadet, als nützt.

#2: Freizeit Freizeit sein lassen

Es gibt Optimierungsapps, die vor allem eure Freizeit aufzeichnen und regeln. Getreu dem Motto: "Die Freizeit muss als Erholung von der Arbeit effektiv genutzt werden." Sogar in Jobinterviews wird inzwischen gezielt danach gefragt, was Bewerberinnen und Bewerber für ihre eigene Erholung tun. Dass jemand darauf mit "Chillen" antwortet, ist in unserer kapitalistischen Gegenwartsgesellschaft undenkbar, derzeit ist Passivität doch eher verpönt. Dabei weiß man aus der Kreativitätsforschung, dass gerade Muße und Nichttuns Katalysatoren für die besten Ideen sind. Befreit euch von diesen Apps!

#3: Cheat Days einbauen

Verbissenheit führt zu Frust. Geht die Dinge bewusst lockerer an und gönnt euch Schummel Tage, an denen es nicht um Selbstoptimierung geht. Das wirkt entlastend und motiviert.

#4: Realistischere Haltung entwickeln

Das Streben nach dem besten Ich darf nicht zur Belastung werden oder suggerieren, dass der Jetztzustand von Nachteil ist. Das Hier und Jetzt zählt und ihr seid bereits gut genug. Außerdem solltet ihr euch stets auf die Optimierung einer Kompetenz/Sache fokussieren und diese zu Ende bringen, ehe ihr zum nächsten Ziel hetzt. Zusätzlich kann eine Fremdeinschätzung helfen, eine realistischere Haltung zum Thema Selbstverbesserung zu entwickeln.

Fazit

Selbstoptimierung kann der Grundstein eures beruflichen oder persönlichen Glücks sein. Wichtig ist nur, dass das ständige Streben nicht zur Sackgasse wird. Setzt euch durch die Jagd nach Topleistungen nicht unter Druck, denn das macht weder besser, noch gesünder oder glücklicher.

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