So solltet ihr nie auf Schwächen im Vorstellungsgespräch antworten

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Habt ihr schon mal "Schwächen, die eigentlich Stärken sind" gegoogelt? Viele Standardantworten aus der Suchmaschine ziehen im Bewerbungsgespräch nicht mehr. Wir verraten euch, wie ihr Schwächen im Vorstellungsgespräch präsentiert, ohne schlecht dar zu stehen und ohne die Personalverantwortlichen abzutörnen.

Klassiker im Vorstellungsgespräch: Frage nach den Schwächen

Die Frage nach den Schwächen kommt in fast jedem Interview vor und macht viele Bewerber nervös. Wer sich nicht sicher ist, welche Antworten passend sein könnten, befragt gerne die Suchmaschine - und findet so Floskeln und Standardantworten, die viele andere Bewerber und Bewerberinnen auch auswendig lernen. Personalverantwortliche sind zunehmend davon genervt und wollen vor allem eins nicht mehr hören: Stärken, die als Schwächen im Vorstellungsgespräch ausgegeben werden. Denn genau dazu raten viele Ratgeberseiten im Internet.

Neues No-Go: Perfektionismus

Die bevorzugte Stärke, die als vermeintliche Schwäche von vielen Bewerbern genannt wird, ist Perfektionismus. Viele glauben, es handele sich um eine Eigenschaft, die Personaler gerne hören und als positiv bewerten. Doch in vielen Berufen und Branchen ist Perfektionismus überhaupt keine Stärke. Arbeitnehmer, die immer alles perfekt erledigen wollen, sorgen womöglich für unnötige Verzögerungen und kosten das Unternehmen zusätzliches Geld. Vielmehr wünschen sich die Arbeitgeber Mitarbeiter, die selbst entscheiden können, in welchen Fällen 80 Prozent ausreichen, und in welchen Fällen man sich voll reinhängen und 100 Prozent (oder 120 Prozent, wie Ex-Soundcloud und jetzige N26-Personalerin Noor van Boven sagt) geben sollte. Diese Flexibilität passt deutlich besser in den modernen Arbeitsplatz als strikter Perfektionismus.

 

So solltet ihr nie auf Schwächen im Vorstellungsgespräch antworten Foto: mimi thian / unsplash

So solltet ihr nie auf Schwächen im Vorstellungsgespräch antworten Foto: mimi thian / unsplash

Schwächen im Vorstellungsgespräch: Selbstreflexion als Grundlage

Statt auswendig gelernte Standardfloskeln wiederzukäuen, rät van Boven dazu, den eigenen Charakter zu reflektieren und ehrlich zu sein. Das hat vor allem zwei Vorteile:

#1: Selbstreflexion ist die Basis für persönliches Wachstum.

Wer weiß, was er kann und was nicht, kann sich gezielt neue Herausforderungen suchen und entsprechend weiterentwickeln. Besonders wichtig dabei ist, die eigenen Stärken zu schärfen und die Schwächen nicht auszureizen. Denn wer etwas nur unterdurchschnittlich kann, wird sich auch mit Anstrengung in der Regel höchstens auf ein Mittelmaß weiterentwickeln können. Wer aber eine Stärke gezielt fördert, kann in genau dem Bereich überdurchschnittliche Leistungen erreichen. Selbstreflexion ist die Basis dafür.

#2: Teams können effizienter zusammengestellt werden.

Mitarbeiter, die ehrlich mit ihren Stärken und Schwächen im Vorstellungsgespräch umgehen, können in Teams untergebracht werden, die eben diese Schwächen ausgleichen und Stärken gebrauchen können. Dadurch wird die Qualität der Arbeit besser. Wer es aber mit Standardantworten und Floskeln durchs Bewerbungsgespräch schafft, kommt womöglich in ein unpassendes Team, in dem die Arbeit nicht rund läuft, weil die Teammitglieder nicht optimal zueinander passen.

Frage nach Schwächen im Vorstellungsgespräch richtig beantworten

Wenn ihr bei der Frage nach euren Schwächen ehrlich bleibt, signalisiert ihr den Personalverantwortlichen, dass ihr selbstreflektiert und kritikfähig seid. Dass niemand perfekt ist und jeder gewisse Schwächen mitbringt, ist allen Beteiligten klar. Ihr könnt eure Schwächen im Vorstellungsgespräch dadurch abmildern, dass ihr direkt einen Lösungsansatz anbietet (zum Beispiel: "Ich habe Schwäche X und habe mir deshalb angewöhnt, X anders zu machen. Und zwar so:..."). Ebenso lassen sich Schwächen im Vorstellungsgespräch mit einer Frage abfedern ("Meine Schwäche ist X und ich arbeite gerade daran, mich zu verbessern. Gibt es einen Weg in Ihrem Unternehmen, das Arbeitsumfeld entsprechend anzupassen?"). Wichtig dabei ist, dass der Personaler sieht, dass ihr eure Schwächen erkennt und euch weiterentwickeln wollt. Ins schlechte Licht rückt ihr euch, wenn ihr sagt, keine Schwächen zu besitzen oder Dinge wie cholerisch, unmotiviert oder unzuverlässig nennt. Solche Dinge lassen sich nicht relativieren und wirken einfach nur negativ.

Fazit

Die Frage nach Schwächen im Vorstellungsgespräch hat durchaus ihren Sinn, auch wenn sie nervig ist und nervös macht. Haltet euch lieber von Standardantworten und Floskeln fern und bleibt ehrlich. Mit ein oder zwei Nachsätzen könnt ihr eure Schwachpunkte relativieren und den Personalverantwortlichen zeigen, dass ihr euch selbst kennt und weiterentwickeln wollt. Das hebt euch von der Masse ab und bringt Pluspunkte.

Weiterführende Links

Hier könnt ihr euch den zusammengefassten Beitrag anhören:

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