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Auszeit gönnen mit Sabbatjahr

Gründe für ein Sabbatjahr

Bild Gründe für ein Sabbatjahr

Ein Sabbatjahr, oder auch Sabbatical (hebräisch schabat: ruhen, aufhören), ist ein Jahr mit einer Auszeit vom stressigen Berufsalltag. Der Begriff stammt aus der Tora, dort sollte nach sechs Jahren intensiver Landwirtschaft ein Jahr der Ruhe folgen, damit sich die Ressourcen der Erde in diesem Jahr erholen können, das Sabbatjahr. Von amerikanischen Professoren wurde dieser Begriff später als Synonym für ein Forschungs-oder Freisemester verwendet. Heute bezeichnet es generell die Möglichkeit für eine bestimmte Zeit aus dem Berufsleben auszusteigen, entweder in Teilzeit oder vollständig. Dabei ist die Bezeichnung Sabbatjahr etwas irreführend, da diese Auszeit zwischen drei Monaten und einem Jahr dauern kann. Im Detail hängt dies von der Bereitschaft des Unternehmens und der finanziellen Situation ab. Für viele Menschen ist ein Sabbatical mittlerweile Teil ihrer Lebensplanung. In diesem Artikel erfahrt ihr alle wichtigen Rahmenbedingungen für solch eine Auszeit.

Gründe für ein Sabbatjahr

Die Gründe für ein Sabbatical sind vielfältig. Für einige ist es eine Möglichkeit aus der Tretmühle des Alltags auszubrechen und neue Kräfte zu sammeln. Andere sind unzufrieden mit der aktuellen Arbeitssituation, haben vielleicht das Gefühl zu viel zu arbeiten oder wollen sich gar beruflich neu orientieren. Auch als vorbeugende Maßnahme, um Überlastungen wie Burnout vorzubeugen, kann ein Sabbatjahr eine gute Idee sein. Wieder andere wollen die Zeit nutzen, um lange Reisen durchzuführen, sich um Kinder zu kümmern oder sozial tätig zu sein. Weitere Gründe können privater Natur sein oder auch mit beruflichen Weiterbildungswünschen in Verbindung stehen. In den seltensten Fällen ist eine solche Auszeit mit reiner Untätigkeit verbunden, meist führt die Zeit durch die Abwechslung zu mehr Energie und mehr Ausgeglichenheit. Auch ein Grund warum dies so viel Anklang findet.

Auszeit gönnen mit Sabbatjahr / Foto: andres ochoa / unsplash

Auszeit gönnen mit Sabbatjahr / Foto: andres ochoa / unsplash

Rechtliche Randbedingungen

Das ursprüngliche Sabbatical im beruflichen Sinne bezog sich auf den Hochschulbereich. Heutzutage kann prinzipiell jeder Arbeitnehmer eine solche Auszeit nehmen, es besteht aber kein genereller gesetzlicher Anspruch. Nur für Lehrer, Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes und Beamte gibt es Gesetze, welche die Durchführung eines Sabbatical erleichtern.
Aber auch für alle anderen sind arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen vorhanden, wie Gesetze zur Teilzeitarbeit und zur Behandlung befristeter Verträge. Daher ist auch für alle anderen Angestellten ein Sabbatjahr nicht unmöglich. Der Arbeitgeber kann allerdings ein Sabbatical aus dienstlichen Gründen ablehnen. In diesem Fall ist eine Realisierung schwierig und ihr müsst auf andere Lösungen, wie Beurlaubung oder Teilzeitarbeit zurückgreifen. Aber auch hiermit lässt sich schon einiges an Träumen realisieren.

Generell ist es in größeren Unternehmen einfacher ein Sabbatical genehmigt zu bekommen, als in kleineren. Der Grund liegt einfach in der komplexeren Struktur und der höheren Mitarbeiterzahl. Ausfälle lassen sich hier leichter kompensieren. Etwa 15 Prozent der deutschen Firmen, wie die Deutsche Bank, Siemens und BMW, bieten sogar einen Anspruch auf ein Sabbatical. In den meisten Fällen ist aber eine dreijährige Betriebszugehörigkeit Grundvoraussetzung. Da die weiteren Bedingungen von Unternehmen zu Unternehmen sehr unterschiedlich sind, solltet ihr die Vorgaben vor einer Beantragung genau erfragen, um eure Möglichkeiten zu kennen.

Inhaltliche und finanzielle Planung des Sabbatjahres

Ein Jahr Auszeit aus dem Berufsleben ist eine organisatorische Herausforderung und muss gut geplant sein. Dabei solltet ihr zunächst klären, wozu ihr das freie Jahr nutzen wollt. Das kann von einem langen Auslandsaufenthalt oder einer Weltreise bis zu einer Teilzeitarbeit reichen. Die verschiedenen Lösungen erfordern auch unterschiedliche Planungen bezüglich der Finanzierung.
Auch für eure Auszeit werdet ihr Ausgaben haben, die es zu begleichen gilt. Das sind insbesondere Mietzahlungen oder auch Kreditraten. Überlegt euch, welche Kosten während des Jahres weiterlaufen müssen und welche Ausgaben ihr für euer Vorhaben reduzieren könnt. Zusammen mit den eventuellen zusätzlichen Kosten wie Aufwände für Reisen könnt ihr eine Abschätzung treffen, mit welchen Kosten das Sabbatical verbunden ist. Da die wenigsten Menschen dieses Geld vorrätig haben, muss für die Kostendeckung eine Lösung gefunden werden. Eine übliche Variante ist ein sogenannter Jahresarbeitsvertrag, der ein festes Einkommen garantiert und den sozialversicherungstechnischen Schutz absichert. Hierbei werden die notwendigen Stunden über ein Zeitkonto aufgebaut und während des Sabbaticals verbraucht.

Eine mögliche Lösung ist das Fünf-Jahres-Modell, bei welchem in vier Jahren durch Vollzeit-Arbeiten in einem Teilzeitvertrag eine ausreichende Menge an Überstunden aufgebaut wird, welche dann für das Sabbatical verwendet werden können. Von Vorteil ist bei dieser Lösung, dass durch das Aufrechterhalten des Vertrages auch weiterhin die Sozialversicherungsbeiträge vom Unternehmen übernommen werden.

Auch ein Sabbatical auf Teilzeit kann eine gute Lösung sein, vor allem, wenn eine vollständige Auszeit nicht möglich ist. Von Vorteil sind hierbei der Erhalt des Arbeitsplatzes und der konstante Kontakt zum Unternehmen. Ihr müsst aber sehr gut aufpassen, dass der Erholungseffekt durch die Parallelität von Beruf und privater Auszeit nicht verloren geht. Eine Teilzeitlösung ist daher vor allem dann zu empfehlen, wenn ihr den Kontakt zum Beruf nicht vollständig abbrechen wollt, aber euch mehr sozial engagieren wollt oder lang gehegte Träume erfüllt werden sollen, die mehr Zeit erfordern. Auch in diesem Fall könnt ihr über einen längeren Zeitraum ein Polster an Überstunden aufbauen, so dass ihr im Sabbatjahr trotz Teilzeitarbeit eure privaten Kosten decken könnt.

Neben euch selbst beeinflusst solch eine Auszeit allerdings auch euer Umfeld. Der Arbeitgeber muss planen, wie er eure Abwesenheit kompensiert, aber auch Freunde und die Familie müssen sich mit dieser neuen Situation erst anfreunden. Es ist daher sinnvoll vor der Beantragung ein wenig Zeit mit der Planung zu verbringen.

 

Inhaltliche und finanzielle Planung des Sabbatjahres / Foto: bethany laird / unsplash

Inhaltliche und finanzielle Planung des Sabbatjahres / Foto: bethany laird / unsplash

Sabbatjahr beantragen

Habt ihr euch entschieden und die Details durchdacht, muss der Arbeitgeber gefragt werden. Bei Beamten und Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes ist das wieder einfacher, da sie auf klare Regeln vertrauen können. In allen weiteren Berufen gibt es keine klaren Regeln und die Details müssen in mehreren Gesprächen mit dem Arbeitgeber geklärt werden.

Dafür steht als erstes das Gespräch mit eurem Chef an. Und auch, wenn das erste Gespräch zunächst der Auslotung der Möglichkeiten dient, solltet ihr dieses Gespräch nicht unvorbereitet suchen. Um den Chef zu überzeugen, ist eine gute Strategie notwendig. Es ist von Vorteil, wenn ihr bereits im Vorfeld des Gespräches herausfinden könnt, welche Meinung euer Chef über Auszeiten und flexible Arbeitszeitmodelle hat. Darauf könnt ihr dann eure Argumentationsstrategie aufbauen. Zusätzlich ist es wichtig, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Denn ist der Chef gerade äußerst gestresst, wird er solch einer Vorstellung sicher nicht zugeneigt sein.

Das erste Gespräch dient in den meisten Fällen erst einmal der grundsätzlichen Abklärung, ob solch ein Vorhaben überhaupt realisierbar ist. Ihr solltet offen in dieses Gespräch gehen, aber auch eine gute Vorstellung der verschiedenen Möglichkeiten haben und verschiedene Optionen als Diskussionsgrundlage mitbringen. Argumente für solch eine Auszeit können sein, dass ihr euch ausruhen und mit neuem Elan zurückkehren möchtet, das Jahr zur Burnout-Prävention nutzen wollt, die Zeit für Weiterbildung nutzen möchtet, euch sozial engagieren wollt oder mehr Zeit mit der Familie verbringen möchtet. Zusätzlich können Argumente helfen, die die Außenwirkung betonen, also darstellen, dass solch ein Sabbatical eine gute Marketingmaßnahme für das Unternehmen darstellt oder auch, dass damit Lohnkosten gespart werden können.

Ist dieses Gespräch gut gelaufen und die Zustimmung scheint möglich, müssen die Detailfragen geklärt werden. Das sind zunächst Dauer und Startzeitpunkt des Sabbatjahres, Finanzierung und Zeitkontomodell, Umgang mit Krankheitstagen während des Sabbatjahres, Kündigungsschutz während der Auszeit und Kontakt zum Arbeitgeber. Aber auch über die Art und Weise der Rückkehr sollte gesprochen werden. Sind all diese Dinge geklärt und vereinbart, steht dem Sabbatical nichts mehr im Weg.

Fazit

Ein Sabbatjahr kann ein wertvoller Bestandteil des Berufslebens sein und erfreut sich immer größerer Beliebtheit. In Zeiten flexibler Arbeitszeitmodelle und Work-Life-Balance haben viele Menschen den Wunsch aus den verschiedensten Gründen eine Pause im Berufsleben einzulegen und neue Kraft zu tanken. Aufgrund des hohen finanziellen Aufwandes sollte ein Sabbatical gut durchdacht und geplant sein. Da es keinen gesetzlichen Anspruch gibt, muss auch der Arbeitgeber davon erst überzeugt werden. In vielen Firmen wird aber Wert darauf gelegt eine gute Lösung für alle Beteiligten zu finden.

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