Eine Frau sitzt im Schneidersitz vor ihrem Couchtisch
Artem Podrez / pexels
Eine Frau sitzt im Schneidersitz vor ihrem Couchtisch
Berufliche Weiterbildung

Darum ist lebenslanges Lernen so wichtig

Berufliche Weiterbildung ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Zukunft. Welche Möglichkeiten gibt es? So nutzt ihr die verschiedenen Angebote für eure Karriere.

Sind Fortbildungen im Berufsleben zwingend erforderlich?

Ihr glaubt, ihr habt in der Schulzeit und an der Uni bereits alles gelernt, was ihr für euren späteren Job wissen müsst? Von wegen. In den meisten Berufen benötigt ihr ständig frisches Know-how, weil sich Prozesse, Soft- und Hardware sowie rechtliche Bestimmungen immer wieder verändern. Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt von Grund auf. Chefs erwarten von ihren Mitarbeitern heute, dass sie ihr Fachwissen stets aktuell halten. Höchste Qualifikation ist ein Muss. Lebenslanges Lernen ist daher keine leere Floskel, sondern in der Berufswelt überlebenswichtig. Dank betrieblicher Weiterbildung bleibt ihr fit für die Wissensgesellschaft.

Wer beruflich vorankommen möchte, für den zahlt sich berufliche Weiterbildung aus. Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer sind der Meinung, dass Fortbildungen im Berufsleben zwingend erforderlich sind. Knapp drei Viertel gehen außerdem davon aus, dass berufliche Weiterbildung in den nächsten zehn Jahren noch an Bedeutung gewinnen wird. Dies ergab eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Universität für Weiterbildung (DUW).

Eine Schreinerin in der Werktstatt
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Eine Schreinerin in der Werktstatt

Darum lohnt sich die berufliche Weiterbildung

Ihr wollt im Berufsleben hoch hinaus, strebt gar Führungsverantwortung an? Dann müsst ihr euch selbst kontinuierlich weiterbilden. Denn mit jeder Weiterbildung verbessert ihr eure Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Außerdem habt ihr bessere Chancen in Gehaltsverhandlungen mit eurem Chef und stärkt euer Selbstbewusstsein. Laut einer Umfrage des ILS Instituts für Lernsysteme fühlen sich 80 Prozent der Menschen mit Weiterbildungserfahrung kompetenter und selbstbewusster in ihrem Job. Immerhin 45 Prozent konnten direkt im Anschluss an die Fortbildung in eine höhere Position aufsteigen.

Außerdem gibt es im Berufsleben immer wieder die Chance, sich zu spezialisieren oder bestehende Kompetenzfelder auszubauen. Hier kann euch Weiterbildung einen ganz neuen Job einbringen. Soll in eurem Unternehmen beispielsweise die Kundenbindung über Social Media vorangetrieben werden? Dann kann eine Fortbildung zum Social Media Manager euer Schlüssel zu einer spannenden neuen Position sein. Oder ihr möchtet zu eurer Tätigkeit als Sachbearbeiter noch verantwortungsvollere Aufgaben übernehmen? Ein Kurs zum Thema Projektmanagement liefert euch die Grundlagen, mit denen ihr euch das neue Aufgabenfeld erschließen könnt.

Allerdings ist eine Fortbildung nicht nur für den aktuellen Job wichtig. Auch wenn der Job noch so sicher scheint: Heutzutage ist niemand vor Arbeitslosigkeit sicher. Wenn ihr eine unfreiwillige Auszeit nehmen müsst und den Weg zurück ins Berufsleben finden wollt, kommt ihr um Weiterbildungen nicht herum. Denn die Welt dreht sich so schnell, dass einmal erworbenes Wissen rasch veraltet ist oder zumindest nicht mehr ausreicht. Nutzt daher während der Phase ohne Job die Weiterbildungsangebote der Agentur für Arbeit oder sucht selbst aktiv nach Fortbildungen, die euch beim Wiedereinstieg helfen. Das ist übrigens auch sinnvoll, wenn ihr aus anderen Gründen eine Pause eingelegt habt – etwa eine längere Elternzeit oder ein Sabbatical.

Jemand läuft eine Treppe nach oben
Lindsay Henwood / Unsplash
Jemand läuft eine Treppe nach oben

Interne und externe Fortbildung

Es gibt verschiedene Formen für die berufliche Weiterbildung. Falls sie direkt über den Betrieb erfolgt, wird sie betriebliche Weiterbildung genannt. Solche Angebote werden vom Arbeitgeber entweder vollständig mit eigenen Ressourcen organisiert oder mit Hilfe externer Kompetenz umgesetzt. Im ersten Fall übernehmen beispielsweise Fachkräfte aus den einzelnen Bereichen die Lehrtätigkeit und geben Kurse zu ihrem  Spezialgebiet. Auch Mentor-Programme sind denkbar: Dabei nimmt ein erfahrener Mitarbeiter einen Junior unter seine Fittiche. Im zweiten Fall werden Dozenten ins Unternehmen geholt, um dort die Fortbildungsmaßnahme durchzuführen. Ein Vorteil solcher internen Schulungen ist die Tatsache, dass größere Gruppen von Mitarbeitern gleichzeitig geschult werden können und somit alle Betroffenen auf demselben Stand sind.

Mögliche Themenbereiche für die betriebliche Weiterbildung sind beispielsweise die Ausbildung von Führungskräften, Projektleitung oder fachliche Kenntnisse. Manche Unternehmen ziehen es jedoch vor, die Mitarbeiter nicht In-House zu schulen, sondern sie auf externe Workshops und Kurse zu schicken. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass einzelne Personen sehr gezielt in Hinblick auf die benötigten Kompetenten geschult werden können. Auch für kleine Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern ist dies oft das zielführendere Vorgehen.

Durch solche Maßnahmen wird sichergestellt, dass eure Fähigkeiten dauernd an die Anforderungen der Wirtschaft angepasst werden. Zum Beispiel wenn sich die Gesetze in einem Fachgebiet geändert haben. Bietet ein Unternehmen Weiterbildungskurse für seine Mitarbeiter an, hat dies den Vorteil, dass ihr die Kosten nicht selbst tragen müsst.

Allerdings wird diese Möglichkeit in Deutschland von den Unternehmen noch viel zu selten genutzt. In einer Studie der Hochschule für angewandtes Management und der Vodafone-Stiftung aus dem Jahr 2016 erklärte die große Mehrheit der Arbeitnehmer, dass ihr Vorgesetzter keinen ausreichenden Wert auf Fortbildungsmöglichkeiten legt. Nur bei etwa einem Viertel ist die berufliche Fortbildung Teil des Mitarbeitergesprächs. Zudem gab die Mehrheit an, dass im Unternehmen nur wenig strukturierte Bildungsangebote zur Verfügung stehen.

Ein Notizbuch
Estée Janssens / Unsplash
Ein Notizbuch

Eigeninitiative ist also gefragt. Überlegt euch, welche Fortbildung für euch aus beruflicher Sicht sinnvoll ist und legt euch einige stichhaltige Argumente zurecht. Habt ihr viel mit englischsprachigen Kunden oder Geschäftspartnern zu tun? Dann kann ein Kurs in Business-Englisch die Zusammenarbeit womöglich erleichtern. Müsst ihr häufig Präsentationen vor großem Publikum halten? Dann ist ein Seminar zu Präsentationstechniken womöglich hilfreich. Bittet euren Chef um ein Mitarbeitergespräch und stellt ihm eure Idee vor. In den meisten Fällen sehen die Unternehmen eine derartige Initiative als positives Zeichen und unterstützen solche konkreten Vorschläge.

Und nicht nur ihr habt etwas davon: Mit einer umfassenden betrieblichen Weiterbildung sichert sich ein Unternehmen die Fachkräfte von morgen. Verschiedene Studien gehen davon aus, dass spannende Fortbildungsmöglichkeiten die Mitarbeiterbindung um bis zu 70 Prozent erhöhen. Zudem profitieren auch andere Mitarbeiter durch den internen Austausch vom neuen Know-how.

 

Wer übernimmt die Kosten der Weiterbildung?

Weiterbildung ist nicht billig. Bereits für einen mehrtägigen Sprachkurs können mehrere hundert Euro fällig werden. Doch allein des lieben Geldes wegen müsst ihr nicht auf eine Weiterbildung verzichten, die euch beruflich weiterbringt.  Euer Chef sowie Bund und Länder finanzieren euer Engagement – sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Gut zu wissen: Bildet ihr euch auf eigene Kosten weiter, könnt ihr Steuern sparen. Denn der Aufwand für Weiterbildung lässt sich bei der nächsten Steuererklärung geltend machen. 

Förderung vom Chef

Wenn ihr eine Weiterbildung besucht, profitiert davon auch euer Chef. Viele Unternehmen unterstützen daher den Einsatz ihrer Mitarbeiter und gewähren Bildungsurlaub oder fördern die Fortbildung ganz individuell. Fragt euren Arbeitgeber, ob er eine Weiterbildung ganz bezahlt, oder sich zumindest teilweise an den Kosten hierfür beteiligt. Vielleicht dürft ihr auch eure Arbeitszeit verringern oder Bildungsurlaub nehmen. Ein Recht auf Sonderurlaub zum Zwecke der Berufsbildung, allgemeinen und politischen Bildung gibt es in allen Bundesländern außer Bayern und Sachsen. Ihr könnt euch je nach Bundesland bis zu fünf Arbeitstagebezahlt freistellen lassen – zum Beispiel für eine Sprachreise. Dieses Recht wird allerdings derzeit nur von ein bis zwei Prozent der Arbeitnehmer in Anspruch genommen.

Manche Unternehmen bilden ihre Mitarbeiter auch intern weiter. Aber: Ganz ohne Gegenleistung wird euer Chef das Geld für die Weiterbildung vermutlich nicht locker machen. So kann es sein, dass euer Kündigungsrecht dann für einige Jahre eingeschränkt ist. Denn wenn euer Chef in euch investiert, will er auch etwas von den erworbenen Kompetenzen haben. Andernfalls müsst ihr, falls ihr die Firma vorzeitig verlasst, die entstandenen Kosten erstatten.

Förderung vom Staat

Gibt’s vom Chef kein Geld oder reicht es nicht aus, bestehen Fördermöglichkeiten, damit ihr trotzdem an der Fortbildung teilnehmen könnt.

  • Bildungsprämie: Das Bildungsministerium unterstützt mit der Bildungsprämie Menschen, die weniger als 20.000 Euro zu versteuerndes Einkommen im Jahr haben. Dafür müsst ihr euch zuvor beraten lassen und dürft auch nur Kurse bei einem anerkannten Träger absolvieren.

 

  • Aufstiegs-Bafög: Anspruch auf das Meister-Bafög habt ihr, wenn ihr euch zum Meister, Betriebswirt oder Techniker weiterbilden wollt. Es werden insgesamt mehr als 700 Fortbildungsabschlüsse gefördert. Dafür müsst ihr lediglich die Voraussetzungen für die entsprechende Prüfungszulassung oder die Vorqualifikation für die angestrebte fachschulische Fortbildung erfüllen. Nicht berechtigt seid ihr, wenn ihr bereits über einen Master-Abschluss oder einen vergleichbaren Hochschulabschluss verfügt.
     
  • Bildungsgutschein: Mit dem Bildungsgutschein fördert die Bundesagentur für Arbeit die Weiterbildung von Arbeitnehmern, Arbeitslosen und Berufsrückkehrern. Geld gibt es aber nur, wenn das Arbeitsamt die Maßnahme für notwendig erachtet. Es werden nur Kurse gefördert, die von der Arbeitsagentur anerkannt sind. Ob ihr für einen Bildungsgutschein in Frage kommt, müsst ihr in einem Beratungsgespräch vor Ort klären lassen.
     
  • Weiterbildungsstipendium: Ihr verfügt über eine abgeschlossene Berufsausbildung, seid unter 25 Jahre alt und könnt besondere Leistungen in Ausbildung oder Beruf nachweisen, z. B. einen Abschluss mit Note 1,8 oder besser? Dann könnt ihr mit einem Weiterbildungsstipendium bis zu drei Jahre fachliche Weiterbildungen finanzieren. Dieses dient dazu, neue berufliche Möglichkeiten bis hin zur Selbständigkeit zu entdecken.
Eine Frau schaut sich Unterlagen an und freut sich
Anna Shvet / pexels
Eine Frau schaut sich Unterlagen an und freut sich

Fortbildung Checkliste: So findet ihr den passenden Kurs

Zielfindung

Findet heraus, was ihr beruflich erreichen möchtet und was euch dafür fehlt. Plant ihr einen Jobwechsel oder möchtet ihr befördert werden? Oder wollt ihr euch mit den erworbenen Kompetenzen einmal selbständig machen? Je besser ihr euer Ziel kennt, desto besser könnt ihr auch einen geeigneten Kurs oder Studiengang aus dem Dschungel der Weiterbildungsangebote auswählen. Wenn ihr euch damit schwer tut, könnt ihr eine kostenlose Bildungsberatung in Anspruch nehmen. 

Lernform

Wenn ihr ein Ziel definiert habt, müsst ihr euch als nächstes darüber klar werden, in welcher Form ihr euch weiterbilden wollt. Es gibt Präsenzkurse, die beim Anbieter vor Ort stattfinden. Daneben findet man auch Fernlehrgänge sowie E-Learning-Angebote.

Kursangebot

Verschafft euch mithilfe des Internets einen Überblick über das Kursangebot. Dabei helfen euch Seiten wie semigator.de

Informieren

Wenn ihr Kurse in die engere Auswahl genommen habt, vergleicht die Angebote verschiedener Anbieter: Wie hoch sind die Preise? Wie unterscheiden sich die Kurse inhaltlich? Außerdem solltet ihr euch von den Anbietern auch beraten lassen, ehe ihr euch für eine (teure) Weiterbildung entscheidet.

Damit ihr auch tatsächlich einen guten Kurs für eure Weiterbildung erwischt, solltet ihr noch auf einige Dinge achten. Werden wirklich alle relevanten Informationen zu Kursinhalten, Dauer, Vorkenntnissen und Kosten beantwortet? Fragt beim Anbieter nach, ob die Dozenten nicht nur fachlich, sondern auch didaktisch geschult sind. Wird in kleinen Gruppen mit praktischen Übungen gearbeitet? Last but not least: Erhaltet ihr zum Abschluss des Kurses ein aussagekräftiges Dokument, das ihr bei künftigen Bewerbungen vorzeigen könnt? 

Fazit: Lebenslanges Lernen ist unverzichtbar

Auch wenn ihr vielleicht gerade keine Lust darauf habt, wieder die „Schulbank“ zu drücken – für eure berufliche Zukunft ist die kontinuierliche Weiterbildung ein Muss. Das müssen nicht immer Schulungen und Seminare sein. Auch Fachbücher, Podcasts und Whitepaper von Experten helfen euch dabei, auf dem neuesten Stand zu bleiben. Und immerhin gab im IIR Weiterbildungsindex aus dem Jahr 2015 immerhin knapp die Hälfte der Befragten als Grund für die Weiterbildung an: „Es macht Spaß!“.

  • Berufliche Weiterbildung ist die Basis für höhere Gehälter und bessere Positionen.
  • In den Unternehmen werden häufig noch nicht genug Möglichkeiten geboten.
  • Schlagt eure Fortbildungs-Ideen im Mitarbeitergespräch aktiv vor.
  • Auch das Unternehmen profitiert von der Weiterbildung seiner Mitarbeiter.
  • Es gibt staatliche Fördermöglichkeiten für die Fortbildung.
  • Bis auf Bayern und Sachsen bieten alle Bundesländer Sonderurlaub für Bildungsmaßnahmen.
  • Die Seminare sollten sorgfältig ausgewählt und fachlich sowie didaktisch hochwertig sein.