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Handwerk: Zwischen Fakten und Mythen

Wir klären die größten Vorurteile auf!

Foto: emily morter / unsplash
Foto: emily morter / unsplash

Rund um das Handwerk in Deutschland und die handwerklichen Berufe kursieren zahlreiche Gerüchte und Mythen. Das hat die Folge, dass das Handwerk nicht immer gut dasteht und in den Köpfen der Menschen einige Vorurteile ihr Unwesen treiben. Dabei ist das Handwerk ein solider Wirtschaftsbereich, der jungen Menschen eine große Vielfalt an Berufen und gute Zukunftsaussichten zu bieten hat. Höchste Zeit also, mit Mythen, Vorurteilen sowie Gerüchten aufzuräumen und ein paar Fakten auf den selbst gezimmerten Tisch zu packen.

Handwerk in Deutschland – Motor der Wirtschaft

Das Handwerk ist einer der vielseitigsten Wirtschaftsbereiche Deutschlands. Hier sind hauptsächlich kleine und mittlere Betriebe vertreten. Etwa eine Million Betriebe sind in den Handwerksrollen und handwerksähnlichen Gewerben vertreten. Mehr als fünf Millionen Menschen arbeiten in Handwerksberufen und mehr als 360.000 Auszubildende werden dort in den unterschiedlichsten Handwerksberufen ausgebildet. Das Handwerk in Deutschland bietet dir mit rund 130 Ausbildungsberufen zahlreiche Möglichkeiten, deine berufliche Zukunft zu gestalten. 650 Milliarden Euro betrug der Umsatz im Handwerk im Jahr 2020.

Handwerker bieten ihre Dienstleistungen und Waren dem Handel, der Industrie, öffentlichen Einrichtungen und Privatpersonen an. Auch individuelle Kundenwünsche werden kreativ und flexibel erfüllt. In Deutschland ist das Handwerk eine der umfangreichsten Branchen, aber aufgrund verschiedener Vorurteile und Gerüchte kämpft diese Branche um Anerkennung und damit auch um Nachwuchs.

Dabei wird übersehen, wie wichtig Handwerksberufe sind. Du musst dir nur einmal bewusst machen, wie oft du im Alltag einen Handwerker braucht. Da muss der Anzug von der letzten Feier gereinigt, das Auto repariert, die Wände neu gestrichen und die neue Brille angepasst werden. Es gibt zahlreiche Berufe, die dem Handwerk zugeschrieben werden. Junge Leute sollten sich den Zugang zu diesen vielfältigen Berufen nicht verbauen, indem sie Gerüchten und Mythen Glauben schenken. Schauen wir uns die Mythen und Gerüchte einmal näher an.

Handwerk in Deutschland – Handwerksberufe sind krisensicher / Foto: pixabay / Pexels

Handwerk in Deutschland – Handwerksberufe sind krisensicher / Foto: pixabay / Pexels

Handwerk – einmal ordentlich in der Gerüchteküche gerührt

Wer in einem Handwerksberuf arbeitet, hat es nicht immer leicht. Denn im Arbeitsalltag und auch privat begegnet Handwerkern das eine oder andere Vorurteil. Die beste Reaktion, wenn man mit Mythen und Gerüchten rund um das Handwerk konfrontiert wird? Am besten mit Humor nehmen und den Vorurteilen mit den richtigen Argumenten den Wind aus den Segeln nehmen. Und so geht es:

  • Handwerker hinterlassen nur Dreck und Arbeit. Wenn der Handwerker an der Tür klingelt, muss er sich erst einmal die Schuhe ausziehen und beweisen, dass er sauber arbeitet. Natürlich können handwerkliche Tätigkeiten Spuren hinterlassen, im Idealfall hinterlässt man seinen Arbeitsort besenrein. Dann gibt's auch nichts zu meckern.
  • Handwerker sind ausschließlich körperlich tätig, Denkarbeit müssen sie nicht leisten. Ja, natürlich und alle Lehrer tragen Brille und jeder Polizist verfolgt Bankräuber im Streifenwagen. Jeden Tag. Für viele Berufe existieren Klischees. In zahlreichen Handwerksberufen brauchst du Kreativität sowie technisches und naturwissenschaftliches Verständnis. Außerdem darfst du in Berufen wie Friseur/in nicht auf den Mund gefallen sein. Deine Kunden wollen nicht nur eine schicke Frisur, sie wollen auch ein Schwätzchen halten.
  • Handwerker trinken andauernd Bier. Da steht er, der Maurer, oberkörperfrei, Kippe im Mundwinkel und ein kaltes Bier in der Hand. Gegen ein Feierabendbier ist nichts einzuwenden, wer aber mit schweren Maschinen und Werkzeug umgeht, braucht einen klaren Kopf und keinen Brummschädel.
  • Das Handwerk hat keine Zukunft. Das ist wahrscheinlich einer der größten Irrtümer. Gerade im Handwerk werden Leute gesucht und gerade hier sind die Zukunftschancen sehr gut, denn die Aufträge werden immer mehr und auch die Umsätze steigen seit Jahren.
  • Handwerksberufe schaden der Gesundheit. Schon einmal davon gehört, dass das Sitzen das neue Rauchen ist? Stundenlanges Sitzen am Schreibtisch kann so schädlich sein, als würdest du rauchen. Im Bürojob mangelt es an Bewegung, im Handwerk hast du je nach Beruf vielleicht zu viel davon. Für beide Seiten gilt: Du musst für Ausgleich sorgen, wenn du deine Gesundheit erhalten möchtest.
  • Handwerker verlangen zu hohe Preise. Du hast dir einen Handwerker ins Haus geholt und als du die Rechnung siehst, treibt dir das die Tränen in die Augen? Im Idealfall gestalten Handwerker ihre Preise transparent und machen den Kunden einen Kostenvoranschlag. Dann lässt sich das Risiko einer bösen Überraschung minimieren.
  • Handwerker kommen immer zu spät. Es ist nicht unüblich, dass Handwerker ein Zeitfenster angeben, in welchem sie den Kunden besuchen wollen. Kommt es häufiger dazu, dass dieses Zeitfenster weit überschritten wird, dann kann dieser Eindruck entstehen. Allerdings ist nicht jeder Handwerker gleich. Am besten nennt man dem Kunden ein möglichst genaues Zeitfenster und hält sich daran.
  • War der Handwerker im Haus, dann ist anschließend mehr kaputt als vorher. Das sollte natürlich nicht passieren und Pfusch ist nirgendwo gern gesehen. Wenn etwas kaputt geht, einfach mitteilen und den Schaden beheben.
  • Für Handwerksberufe muss man nicht studiert haben und wer als Handwerker arbeitet, hat garantiert kein Studium absolviert. Handwerker haben oftmals beides: Sie haben nach ihrer Ausbildung ein Studium absolviert und sind fit in Theorie und Praxis. Viele jüngere Chefs in den Handwerksbetrieben verbinden Ausbildung und Uni-Abschluss.
  • Handwerkliche Berufe sind Knochenjobs und werden schlecht bezahlt. Noch bevor man in Rente geht, hat man sich kaputt gearbeitet und davon leben kann man auch nicht. Das Gehalt kann sich im Handwerk zwar deutlich unterscheiden, aber es gibt auch unter den Handwerkern Top-Verdiener und jeder kann viel dafür tun, immer weiter aufzusteigen. Mit Weiterbildungen zum Techniker oder Meister ist in den meisten Fällen auch ein höheres Gehalt verbunden.

Handwerksberufe – diese Fakten sprechen dafür

Du überlegst noch, ob du deine Ausbildung in einem Handwerksbetrieb beginnen sollst? Folgende Fakten sprechen für einen Job im Handwerk:

  • Die Jobauswahl ist vielfältig. Du kannst dich zum Friseur/zur Friseurin, aber auch zum Kfz-Mechatroniker/zur Kfz-Mechatronikern ausbilden lassen. Zu den Handwerksberufen gehören unter anderem bekannte Berufe wie Maurer/in, Bäcker/in, Koch/Köchin und Dachdecker, aber auch seltenere Berufe wie Geigenbauer.
  • Du arbeitest in kleinen bis mittleren Betrieben und kannst aus einer Vielzahl attraktiver Arbeitgeber wählen. Mehr als eine Million Handwerksbetriebe gibt es in Deutschland. Handwerksberufe gelten als zukunftssicher und dir stehen mit dem Techniker, Meister oder Betriebswirt zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten offen. Und du kannst dich als Handwerksmeister/in mit deinem eigenen Betrieb selbstständig machen.
  • Im Handwerk wird mehr als ein Viertel der Auszubildenden ausgebildet. Das Handwerk gilt damit als Ausbilder Nummer eins.
  • Das Handwerk in Deutschland hat zum Teil Nachwuchsprobleme. Das wiederum bedeutet, gute Chancen für Berufseinsteiger.
  • Im Juni 2019 gab es mehr als 161.000 freie Stellen im Handwerk. Talente werden hier gesucht.
  • Besonders gefragt sich Nachwuchstalente für handwerkliche Berufe in den Bereichen Elektronik, Mechatronik, Fahrzeugbau, Klempnerei und im Ausbau.
  • Einige sehr starke Berufsgruppen gibt es im Handwerk. Dazu gehören das Ausbaugewerbe (zum Beispiel Fensterbau, Malerarbeiten, Klempnerarbeiten) sowie das Bauhauptgewerbe (zum Beispiel Maurer, Estrichleger und Straßenbauer). Auf persönliche Dienstleistungen hat sich etwa ein Viertel der handwerklichen Betriebe spezialisiert.
  • Beim Handwerk handelt es sich um einen wachsenden Wirtschaftsfaktor. Der Umsatz ist im Handwerk in den letzten Jahren deutlich gestiegen.
  • Handwerksberufe sind für Frauen und Männer interessant. Frauen ergreifen besonders häufig Berufe wie Konditorin, Augenoptikerin, Zahntechnikerin und Friseurin. Männer sind häufig in Berufen wie Elektroniker, Kfz-Mechatroniker und Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik zu finden. Aber diese Verteilung muss keinesfalls so bleiben. Die verschiedenen Handwerksberufe stehen allen offen.
  • Deutsche Handwerksbetriebe exportieren ihre Waren und Dienstleistungen. Diese werden besonders häufig in den europäischen Nachbarländern in Anspruch genommen.

 

Handwerk in Deutschland – Motor der Wirtschaft / Foto: kateryna babaieva / Pexels

Handwerk in Deutschland – Motor der Wirtschaft / Foto: kateryna babaieva / Pexels

Handwerkliche Berufe bieten viele Vorteile

Statt uns auf die Vorurteile im Handwerk zu konzentrieren, sollten wir uns die Vorteile genauer anschauen. Machst du dich mit einem Handwerksbetrieb selbstständig, genießt du echte Freiheit im Denken und Handeln. Viele Handwerker lieben es, dass ihr Beruf so abwechslungsreich ist und sie immer wieder neue Erfahrungen machen können. Und ohne Handwerk in Deutschland geht es nicht. Ohne Handwerker wären wir in vielen Situationen aufgeschmissen.

Und wichtig zu wissen: Während der Coronazeit haben sich viele Jobs als nicht besonders krisensicher erwiesen. Handwerker konnten sich in dieser Zeit vor Aufträgen kaum retten und das Handwerk in Deutschland hat sich behauptet.

Fazit

Mit Vorurteilen gegenüber dem Handwerk in Deutschland muss man vorsichtig sein. Dieser Wirtschaftsbereich stellt einen wichtigen Motor dar und hat sich auch in der Krisenzeit bewährt. Trotz Digitalisierung und technischem Fortschritt werden manuelle Fähigkeiten in den unterschiedlichsten Bereichen gebraucht. Wenn du also gerade auf der Suche nach einer Ausbildung bist oder dich beruflich neu orientieren möchtest, die verschiedenen Handwerksberufe sind mehr als einen Blick wert.

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