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Hör auf, zu nett zu sein!

Wie zu nett sein deinen Erfolg und dein Glück ruiniert

Foto: michael afonso / unsplash
Foto: michael afonso / unsplash

Nett sein wird uns seit Kindertagen beigebracht, zu nett sein kann dich aber in Schwierigkeiten bringen. Warum, zeigen wir dir hier. Übrigens: Weniger nett sein heißt nicht, dass du ein schlechter Mensch werden musst!

Kann man zu nett sein?

In jedem Wohlfühlfilm wird die nette Hauptfigur irgendwann fertiggemacht. Ob es der Chef ist, der direkt aus "Der Teufel trägt Prada" stammen könnte, oder ob der Bruder als Äquivalent von Scar versucht, den König des Dschungels zu stürzen – der Punkt ist, dass zu nett sein dich in Schwierigkeiten bringen kann.

Nett zu sein ist etwas, das uns von Geburt an beigebracht wird. Mit drei Jahren hat noch keine:r begriffen, dass es unhöflich ist, jemanden aus dem Weg zu drängen, um den blauen Roller zu bekommen. 20 Jahre später kannst du dir Ärger einhandeln, wenn du zu nett bist. Es kann dich sogar davon abhalten, ein gutes Gehalt zu verdienen, die wahre Liebe zu finden oder etwas zu erfinden, an das du glaubst. 

Hast du einmal etwas getan, was du nicht wolltest? Wahrscheinlich, weil du niemanden enttäuschen oder im Stich lassen wolltest, oder weil du dir Sorgen gemacht hast, was die Leute denken würden, oder weil es dir einfacher erschien, als zu diskutieren. Ob du wirken wolltest wie ein Teamplayer oder dich nicht getraut hast zu sagen "Das sieht gefährlich aus, ich fühle mich damit nicht wohl", oder ob du schlichtweg in die Person verliebt warst, die dich darum gebeten hat – im Endeffekt hast du etwas getan, weil du zu nett warst, obwohl du es nicht wolltest. Und das muss aufhören.

 

Warum Nettigkeit deinen Erfolg und dein Glück ruiniert / Foto: kai pilger / unsplash

Warum Nettigkeit deinen Erfolg und dein Glück ruiniert / Foto: kai pilger / unsplash

Was ist falsch daran, zu nett zu sein?

Es gibt viele Gründe, warum wir nett sind. Meistens ist das eine gute Sache. Aber wusstest du, dass nette Menschen mit größerer Wahrscheinlichkeit weniger Geld verdienen? Wusstest du, dass du gestresster bist, seltener befördert wirst, eher unter Burnout leidest, psychisch und physisch krank wirst und nicht mehr in der Lage bist, deine Aufgaben zu erledigen, wenn du zu nett bist?

Musst du also ein Mistkerl sein, um bei der Arbeit gut zu sein? Die gute Nachricht ist, dass du nicht aufhören musst, nett zu sein. Du musst deine Nettigkeit nur kontrollieren und verstehen, wie sie sich auf deine Leistung und die Art und Weise auswirkt, wie du von anderen wahrgenommen wirst.

1. Keine Beförderung in Sicht

Es kann sein, dass du, obwohl du hart an deiner Karriere arbeitest oder gearbeitet hast, dennoch nie für eine Beförderung in Betracht gezogen wirst. Warum? Möglicherweise liegt es daran, dass du zu nett bist. Deine Tür steht für Kollegen immer offen, du nimmst dir Zeit für andere, egal, wie beschäftigt du bist. Die Kehrseite kann sein, dass du als nicht aggressiv genug angesehen wirst, als nicht hungrig genug, deine Karriere voranzutreiben, weil du glücklich und zufrieden scheinst und damit die falsche Besetzung für eine Führungsposition wärst.

Sieh dir an, wie Personen sind, die du für "knallhart" hältst. Beispielsweise könntest du solche Menschen als dynamisch wahrnehmen, sie könnten deiner Meinung nach kein "Nein" als Antwort akzeptieren, alles überwinden und würden auch dann von anderen Menschen gemocht werden, wenn sie unliebsame Nachrichten oder Jobs verteilten. Versuche, diese Eigenheiten, den Kommunikations- und Führungsstil etc. auch in dein Verhalten zu integrieren. Dabei geht es nicht darum, deinen Chef nachzuahmen, sondern dir schlichtweg heimlich ein paar Sachen zu kopieren.

Dann siehst du dir Menschen an, die du bewunderst und das haben, was du im Leben willst. Diese Menschen lieben vielleicht Sport und geben niemals auf. Vielleicht nimmst du sie dir als Vorbild und entscheidest spontan für dich selbst, ab jetzt dreimal pro Woche Sport zu treiben. Das könnte dir das Gefühl geben, unbesiegbar zu sein und alles erreichen zu können. 

2. Ein Kollaborateur ist kein Ja-Sager

Manchmal fühlt es sich unmöglich an, im Leben das zu bekommen, was du willst. Das Problem ist, dass wir Menschen gemocht werden wollen und daher oft über etwas schweigen, um den Frieden zu wahren. Machst du dir Sorgen, zu nett zu sein und deshalb nicht zu bekommen, was du willst? Keine Angst, du musst kein schlechter Mensch werden, um zu erreichen, was du willst! Aber beachte folgende Punkte: 

  • Setze dich an oberste Stelle.
  • Sage, was du willst.
  • Setze Grenzen.
  • "Nein" ist dein Freund.
  • Plane, was du willst, und setze es um.

Stellst du fest, dass es dir schwerfällt, deine Meinung zu äußern, ändere deine Sichtweise und frage dich: "Wenn ich mich nicht zu Wort melde, wozu stimme ich dann zu? Was bedeutet das für andere Menschen, mit denen ich zusammenarbeite/lebe und die ebenfalls damit zu kämpfen haben?" Und wenn es schmerzt, die Dinge so zu lassen, wie sie sind, ändere sie.

3. Nobody is perfect

Manchmal fällt es dir vielleicht schwer, Fiktion und Realität zu unterscheiden. Wir leben in einer Welt des Perfektionismus und bestimmt kennst auch du jemanden, der augenscheinlich das perfekte Leben hat: perfektes Haar, perfektes Zuhause, perfekter Job, perfekte Beziehung. Die Wahrheit ist: Niemandes Leben ist perfekt. Und du solltest anfangen, das zu erkennen. 

Erinnere dich daran, dass jeder Mensch eine Toilette, Nahrung und Wasser braucht und dass jeder ein Herz und ein Gehirn hat. Führe dir eure Gemeinsamkeiten statt der Unterschiede vor Augen. Denn insgeheim hat jede:r sein Päckchen zu tragen. Die, die sich perfekt verhalten, kämpfen innerlich vielleicht mit sich und sagen Dinge wie "Ich kann nicht zulassen, dass Leute dieses Chaos sehen" oder "So würde ich nie hinausgehen". Überhöhte Ansprüche zu haben und die Erwartungen aller zu erfüllen, führt dazu, dass die Person erschöpft ist, sich unwohl fühlt (körperlich und/oder geistig), überfordert ist und sich oft ungeliebt fühlt.

Nobody is perfect / Foto: roland hechanova / unsplash

Nobody is perfect / Foto: roland hechanova / unsplash

Fazit: Ich bin zu nett, was tun?

Setze dich selbst an erste Stelle und mache dich selbst zur Priorität. Kommuniziere klar, was du willst, setze Grenzen und lerne, Nein zu sagen. Plane, was du willst und setze es um. So einfach es klingt, aber das sind die Hauptzutaten auf dem Weg, das zu bekommen, was du willst. Alles, was du tun musst: nicht zu nett sein und nicht zu gutmütig sein.

Das heißt nicht, dass du von jetzt auf gleich ein schlechter Mensch werden musst. Aber frage dich einmal: Ist es rechthaberisch, wenn du fragst? Oder ist es durchsetzungsfähig? Ist es egoistisch oder ist es Selbsterhaltung? Lerne, selbstbewusst auszudrücken, was du möchtest, statt damit zu rechnen, ignoriert oder überstimmt zu werden. So verfolgst und erreichst du deine Ziele.

Und wenn du dann noch einsiehst, dass an dem Sprichwort "Nobody is perfect" ein Quäntchen Wahrheit dran ist und dass du, nur weil du versuchst, mit anderen klarzukommen, kein Ja-Sager werden musst, hast du für dich selbst einiges erreicht.

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