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Kündigungsschutzklage: Ihr seid gekündigt worden? Das könnt ihr dagegen tun

Kündigungsschutzklage: Adressat ist das Arbeitsgericht

Bild Kündigungsschutzklage: Adressat ist das Arbeitsgericht
Kündigungsschutzklage: Adressat ist das Arbeitsgericht / Foto: caique silva / unsplash
Kündigungsschutzklage: Adressat ist das Arbeitsgericht / Foto: caique silva / unsplash

Für die Mehrheit der Studenten und einen großen Teil der Schüler gehört der Nebenjob zum Alltag - ihr kennt die Situation. Ohne die bezahlten Stunden neben der Ausbildung würde das Geld kaum oder gar nicht ausreichen, um das eigene Leben so zu führen wie gewollt. Wenn dann auf einmal die Kündigung kommt, sitzt der Schock meisten tief. Doch ganz wehrlos seid ihr nicht, das deutsche Arbeitsrecht bietet einen gewissen Schutz gegen unberechtigte Kündigungen. Erster Schritt ist normalerweise die sogenannte Kündigungsschutzklage. Was diese bedeutet und wie ihr vorgeht, erklären wir euch in diesem Beitrag.

Kündigungsschutzklage: Adressat ist das Arbeitsgericht

Mit dem Tag, an dem ihr eure Kündigung erhalten habt, beginnt die Uhr zu ticken. Gesetzlich vorgegeben ist eine Dreiwochenfrist. Sie bedeutet: Wenn innerhalb von drei Wochen kein offizieller Protest gegen die Beendigung des Arbeitsverhältnisses geäußert wurde, wird sie automatisch gültig. Es geht hierbei nicht um das Datum, das euer letzter Arbeitstag sein soll. Es dreht sich rechtlich alles um den Tag, an dem ihr die Kündigung gelesen habt. Falls Euch das Schreiben am Arbeitsplatz übergeben wurde, ist das Datum unstrittig. Wenn ihr die Kündigung hingegen per Post bekommen habt, dürfte das Datum des Poststempels plus ein, zwei Tage maßgeblich sein. Ihr habt jetzt drei Wochen Zeit, Kündigungsschutzklage zu erheben. Das könnt ihr selbst oder per Anwalt oder am Arbeitsgericht direkt tun.

Warum ist die Frist mit drei Wochen so kurz bemessen?

Ursprünglicher Sinn einer Kündigungsschutzklage war, bei fehlerhaften oder unberechtigten Kündigungen den Arbeitnehmer schnell wieder an seinen Arbeitsplatz zu bringen und ihm das psychologisch belastende Gefühl zu nehmen, dass er bald ohne Arbeit dasteht. Heute aber endet eine Kündigungsschutzklage in den allermeisten Fällen damit, dass ihr unter Vermittlung des Gerichts eine einvernehmliche Einigung mit dem Arbeitgeber findet. Diese beinhaltet üblicherweise Punkte wie finanzielle Abfindung, ein positives Arbeitszeugnis und gegebenenfalls weitere Boni. Macht euch lieber keine Hoffnung darauf, dass die Kündigung aufgehoben wird. Der Arbeitgeber hat schon seine Gründe, warum er euch nicht weiterbeschäftigen will. Auf der anderen Seite scheut er aber oft das Risiko, sich in einen langwierigen Rechtsstreit zu verwickeln und schafft das Thema lieber vom Tisch, indem er einmal zusätzlich bezahlt. Um ein möglichst positives Ergebnis für euch zu erreichen, ist ein Fachanwalt empfehlenswert. Vereinbart also schnell einen Termin, das erste Beratungsgespräch ist manchmal sogar kostenlos. Fragt im Freundeskreis herum, wer schon Erfahrung mit einer Kündigung hat und vielleicht einen Anwalt empfehlen kann. Alternativ hilft eine Suche im Internet oder ein Anruf bei der Anwaltskammer.

Kündigungsschutzklage: Ihr seid gekündigt worden? Das könnt ihr dagegen tun Foto: allef vinicius ig seteales

Kündigungsschutzklage: Ihr seid gekündigt worden? Das könnt ihr dagegen tun Foto: allef vinicius ig seteales

Welche Dokumente sind bei der Kündigungsschutzklage wichtig?

Wer gar kein Geld hat, kann auch direkt zum nächsten Arbeitsgericht gehen. Dort ist eine Abteilung dafür verantwortlich, Klagen aufzunehmen. Unabhängig davon, ob ihr nun einen Anwalt beauftragt oder selbst tätig werdet - die Fachleute möchten einige Dokumente sehen, aus denen sich Gründe für eine Kündigungsschutzklage ergeben können. Guckt also in euren Dokumenten nach und stellt eine Handakte zusammen. Darin befinden sich auf jeden Fall:

- das eigentliche Kündigungsschreiben mitsamt Briefumschlag (wegen Datum und Adresse)
- der bisherige Arbeitsvertrag und gegebenenfalls alle schriftlich fixierten Änderungen dazu
- eventuelle Abmahnungen oder andere Schriftwechsel (auch E-Mails), die das Arbeitsverhältnis betreffen
- Gehaltsabrechnungen der vergangenen drei Monate
- falls vorhanden: eure Rechtsschutzversicherung
- bei größeren Betrieben die Kontaktdaten des Betriebsrats

Es ist gut möglich, dass der Anwalt oder das Arbeitsgericht noch nach mehr Dokumenten fragen. Seit kooperativ, es geht um euer Geld und gutes Recht.

Kündigungsschutzklage: Adressat ist das Arbeitsgericht / Foto: caique silva / unsplash

Kündigungsschutzklage: Adressat ist das Arbeitsgericht / Foto: caique silva / unsplash

Was macht der Anwalt bei einer Kündigungsschutzklage?

Der Rechtsanwalt wird nun aufgrund der vorgelegten Dokumente prüfen, welche Strategie sich bei der Kündigungsschutzklage empfiehlt. Es kommt beispielsweise viel häufiger als gedacht vor, dass die Kündigung schon aus formalen Gründen nicht gültig ist. Ein falscher Briefkopf, eine fehlende Unterschrift, eine fehlerhaft berechnete Kündigungsfrist - der Anwalt weiß, nach welchen Formfehlern er zuerst sucht. Doch auch wenn er diese nicht findet, wird er meist eine Kündigungsschutzklage empfehlen. Dahinter verbirgt sich der Gedanke, den Arbeitgeber unter Druck zu setzen und damit Kompromissbereitschaft zu provozieren. Der Arbeitgeber erfährt durch das Gericht oder den Anwalt von der Klage. Ihr selbst verhandelt von jetzt an besser nicht mehr direkt mit dem ehemaligen Vorgesetzten.

Der Gütetermin nach einer Kündigung

Das Arbeitsgericht ist angehalten, sehr schnell einen sogenannten Gütetermin anzusetzen. Dieser soll dazu dienen, eine Einigung herbeizuführen. Beide Seiten können plädieren, in der Praxis wird eher über die Modalitäten der Kündigung verhandelt. Wie gesagt: Dass eine Kündigungsschutzklage wirklich in einem Prozess mündet, bei dem das Gericht eine Entscheidung fällt, ist die Ausnahme. Wesentlich wahrscheinlicher bleibt, dass ihr eine Abfindung erhaltet und dafür im Gegenzug die Kündigung anerkennt. Es gibt keine rechtlich verbindlichen Vorgaben zur Höhe der Abfindungszahlung. Als Faustregel hat sich aber die Formel etabliert: Pro Jahr der Betriebszugehörigkeit ein Monatsgehalt als Abfindung. Bei besonderen Umständen, also wenn der Arbeitgeber ganz klar etwas falsch gemacht hat, kann die Summe mit einer Art Risikozuschlag multipliziert werden. Der Anwalt wird euch spätestens nach dem Gütetermin eine Zahl nennen, die er für die Abfindungszahlung als realistisch erachtet. Akzeptiert ihr diese, war es das normalerweise und der Fall wird abgeschlossen.

Was kostet eine Kündigungsschutzklage?

Der Anwalt wird euch schon beim ersten Gespräch erklären, welche Kosten mit seiner Arbeit verbunden sind. Er beruft sich dabei auf den Streitwert, der sich aus euren letzten drei Monatsgehältern ergibt, und das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz. Für die Erstberatung ist eine Pauschale üblich. Zusammengerechnet ergeben sich daraus schnell Kosten von mehr als 1.000 Euro, die allerdings in der zu erwartenden Abfindung "eingepreist" werden. Falls ihr knapp bei Kasse seit, vereinbart ihr mit dem Anwalt eine Anzahlung und begleicht den Rest der Rechnung dann, wenn die Abfindung ausgezahlt wurde. Der Gütetermin des Gerichts an sich ist kostenlos und vor dem Arbeitsgericht zahlen die Prozessparteien ihre Kosten selbst. Die Erfahrung zeigt, dass sich das Einschalten eines Rechtsanwalts lohnt. Seriöse Vertreter ihres Faches werden auch schon beim ersten Termin klar und deutlich sagen, wenn sie keine Aussichten darauf sehen, dass euer Fall finanziell positiv für euch endet.

Alternativen zur Kündigungsschutzklage

Es gibt natürlich Situationen, in denen eine Kündigungsschutzklage wenig Sinn macht. Falls euch etwa wegen groben und nachweisbaren Fehlverhaltens wie Diebstahl, Drogen am Arbeitsplatz oder vergleichbaren Vorfällen gekündigt wurde, kann auch der beste Anwalt nicht mehr viel machen. Ähnlich düster sieht es aus, wenn ihr noch in der Probezeit wart, also nur kurz durch den Arbeitgeber beschäftig gewesen seid und sich deshalb keine nennenswerte Abfindungssumme errechnet. Ein Dilemma kann sich dann ergeben, wenn die Kündigung aus betriebsbedingten Gründen wie Auftragsflaute und Umstrukturierung ausgesprochen wird und ihr euch die Chance offenhalten wolltet, später einmal wieder beim gleichen Arbeitgeber einzusteigen. Der Anwalt wird euch individuell beraten, die letzte Entscheidung müsst ihr aber immer selbst fällen.

Fazit: auf eine Kündigung schnell und überlegt reagieren

Fassen wir zusammen: Rein formell klagt ihr mit einer Kündigungsschutzklage darauf, dass die Kündigung unwirksam wird und ihr durch das Arbeitsgericht Kündigungsschutz erhaltet. In der Praxis aber zielt ihr darauf ab, die Trennung mit einer Abfindung und positivem Arbeitszeugnis abzufedern. Damit sich dabei eure Chancen erhöhen, ist die anwaltliche Vertretung angeraten. Unbedingt berücksichtigen müsst ihr die dreiwöchige Frist, die für eine Kündigungsschutzklage gilt und mit der Zustellung der Kündigung beginnt. Später gibt es keine Möglichkeit mehr, Klage zu erheben und so auf eine gütliche Einigung hinzuwirken. Also ordnet eure Gedanken nach dem unerfreulichen Moment der Kündigung, sammelt die relevanten Dokumente zusammen und geht zum Anwalt oder notfalls direkt zum Arbeitsgericht. Ihr müsst dabei kein schlechtes Gefühl haben - zumindest in größeren Betrieben rechnet der Arbeitgeber sogar damit, dass es juristischen Prozess geben wird.

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