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Remote-Recruiting

Personalbeschaffung aus der Ferne

Foto: windows / unsplash
Foto: windows / unsplash

In Zeiten von Corona arbeiten wir überwiegend im Home-Office. Und auch wenn die Welt dank Corona zuweilen stillzustehen scheint, ganz still steht sie nicht. Für viele Unternehmen geht der berufliche Alltag und damit die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern weiter. In manchen Unternehmen wird auch jetzt neues Personal gebraucht, andere wollen für die Zeit nach der Krise vorbereitet sein. Aber wie soll man neue Mitarbeiter finden, wenn die Kontakte reduziert werden und persönliche Gespräche möglichst nicht stattfinden sollen? Wie kann man Bewerbern einen Einblick ins eigene Unternehmen und die Arbeitsatmosphäre geben, wenn dieser gar nicht vor Ort sein kann? Remote-Recruiting heißt das Zauberwort. Die Bewerberauswahl erfolgt jetzt per Telefon- und Videokonferenz.

Was ist Remote-Recruiting eigentlich?

Remote-Recruiting könnte in etwa mit "Personalbeschaffung aus der Ferne" übersetzt werden. Die einzelnen Begriffe stammen aus dem Englischen. "Remote" kann mit "fern" übersetzt werden und Recruiting mit "Suche nach Arbeitskräften". Remote-Recruiting wird also geprägt durch die Suche nach Arbeitskräften aus der Ferne. Beide Parteien lernen sich per Telefon- oder Videokonferenz kennen. Es kommt nicht zu einem persönlichen Kontakt. Beim klassischen Bewerbungsverfahren kommt es in der Regel irgendwann zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch, wenn Interesse auf beiden Seiten besteht. Wird aus der Ferne rekrutiert, gibt es dieses persönliche Gespräch nicht. Diese Art von Bewerbungsverfahren gibt es nicht nur seit Corona, auch schon davor mussten Unternehmen darauf zurückgreifen. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn Unternehmen mehrere Standorte haben und für jeden Standort fähige Mitarbeiter suchen möchten, ohne jedoch anreisen zu müssen.

Remote-Recruiting - Personalbeschaffung aus der Ferne / Foto: helena lopes / unsplash

Remote-Recruiting - Personalbeschaffung aus der Ferne / Foto: helena lopes / unsplash

Bewerbungsgespräch per Videochat – welche Vor- und Nachteile hat das?

Bewerbungsgespräche per Videochat haben insbesondere in Zeiten von Corona zahlreiche Vorteile. Ihr müsst euch nicht persönlich begegnen, sondern könnt sicher von zu Hause aus mit potenziellen Arbeitgebern beziehungsweise Bewerbern kommunizieren. Neben der Sicherheit während einer Pandemie hat das Remote-Recruiting noch weitere Vorteile:

  • Bewerber sind umgehend verfügbar. Ihr müsst keine lange An- oder Abreise in Kauf nehmen. Der Bewerber befindet sich bereits im Home-Office und kann problemlos per Videochat erreicht werden. Zeit- oder Standortprobleme stellen sich kaum.
  • Unternehmen müssen keine Kosten für An- und Abreise von Bewerbern erstatten.
  • Personalentscheider können mehr Bewerber innerhalb kurzer Zeit erreichen und auch Menschen, die nicht mobil oder bewegungseingeschränkt sind, können erreicht werden.
  • Die Bewerber befinden sich zu Hause und damit in einer gewohnten Umgebung. Sie sind in der Regel weniger nervös.
  • Man kann den Video-Chat auch mit mehreren Bewerbern gleichzeitig abhalten.
  • Wenn Bewerber bereit sind, den potenziellen Arbeitgeber per Videochat kennenzulernen, spricht das für deren Offenheit und Flexibilität. Zudem lässt sich daran auch erkennen, dass ein gewisses technisches Basiswissen vorhanden ist.

Das Remote-Recruiting kann jedoch auch Nachteile haben:

  • Manchmal schwächelt die Technik. Nicht alle Tools und Verbindungen funktionieren wie gewünscht. Testet am besten vorab wie alles funktioniert, und ob euer Laptop, Smartphone oder Tablet die notwendigen technischen Voraussetzungen hat.
  • Gestik und Mimik gehen durch das Kennenlernen am Bildschirm etwas unter.
  • Ein unruhiger Hintergrund sowie private Gegenstände können vom eigentlichen Kern des Gesprächs ablenken.
  • Unternehmen haben es schwer, authentische Einblicke in den Arbeitsalltag vor Ort und die Arbeitsatmosphäre zu vermitteln.

 

Bewerbungsgespräch per Videochat – welche Vor- und Nachteile hat das? Foto: magnet me / unsplash

Bewerbungsgespräch per Videochat – welche Vor- und Nachteile hat das? Foto: magnet me / unsplash

So lässt sich Remote-Recruiting gestalten

Ihr möchtet das Remote-Recruiting in eurem Unternehmen einführen? Folgende Tipps können hilfreich sein:

  • Sucht euch einen schönen Platz im Büro oder Home-Office. Achtet auf einen ruhigen, neutralen Hintergrund. Im Idealfall ist der Platz ruhig und ihr werdet nicht gestört.
  • Ihr könnt dem Bewerber leider keinen direkten Eindruck vom Unternehmen vor Ort vermitteln. Nutzt Bilder und Videos, damit sich der Bewerber ein Bild machen kann. Ein Link zur Unternehmens-Webseite oder ein Flyer sind hier weniger geeignet. Nutzt persönliche Bilder und Videos.
  • Lockert die Atmosphäre durch ein nettes Gespräch zum Einstieg.
  • Macht euch auch für das Bewerbungsgespräch per Video-Chat einen strukturierten Ablauf. Was möchtet ihr vom Bewerber wissen? Wie wollt ihr euch präsentieren? Was müssen Bewerber über euch und euer Unternehmen wissen?
  • Nutzt eine geeignete Software wie Zoom oder Skype, um das Gespräch zu führen. Vorab solltet ihr alle technischen Anwendungen testen. Ihr wollt euch und euer Unternehmen von der besten Seite präsentieren.
  • Lasst den Bewerber vorab wissen, welche Software ihr für das Gespräch nutzen wollt und schickt gegebenenfalls eine Anleitung mit. Technische Pannen rauben Zeit und gehen auf die Nerven.

Remote-Recruiting – hat das Zukunft?

Dank der Coronakrise verbringen wir alle einen Großteil unserer Zeit zu Hause. Wir arbeiten von zu Hause aus, treffen Freunde und Verwandte im Video-Chat und schalten uns in ein Meeting mit unserem Team. Diese Krise war ein enormer Rückenwind für die Digitalisierung. Es mussten für viele Bereiche schnell digitale Lösungen gefunden werden, um Menschen auch ohne persönlichen Kontakt vernetzen zu können. Auch das Remote-Recruiting hat sich in der Krisenzeit weiterentwickelt und an Bedeutung gewonnen. Unternehmen, die auf der Suche nach Auszubildenden und Berufseinsteigern sind, müssen sich in der jetzigen Zeit mit anderen Formen der Bewerbersuche beschäftigen. Digitale Lösungen sind für viele zum Alltag geworden. Es kann jedoch eine Umstellung sein, wenn man Bewerber nicht mehr im Gespräch von Angesicht zu Angesicht kennenlernt, sondern aufgrund der Pandemie einen digitalen Umweg gehen muss.

Allerdings ist das auch eine Investition in die Zukunft. Auch in Zukunft profitieren Unternehmen von den Erkenntnissen und Erfahrungen, die sie im Umgang mit den digitalen Werkzeugen machen konnten. Es wird zukünftig noch eher möglich sein, für sein Unternehmen effizient im Home-Office zu arbeiten und dennoch am aktuellen Geschehen teilzuhaben. Das gilt auch für das Recruiting aus der Ferne. Das Recruiting aus der Ferne bietet Unternehmen noch mehr Möglichkeiten nach passenden Bewerbern in der ganzen Welt Ausschau zu halten. Bis zum Ende der Coronakrise werden wir uns daran gewöhnt haben und es eröffnen sich zahlreiche neue Perspektiven.

Remote-Recruiting – so geht ihr vor

Ihr habt eine Bewerbung geschrieben und jetzt geht um ein Vorstellungsgespräch aus der Ferne? Zunächst einmal ist das für alle eine neue, recht ungewohnte Situation. Auch viele Unternehmen haben sich vor der Coronakrise nicht mit dieser Art des Recruitings beschäftigt. Beide Seiten betreten also Neuland und es ist in Ordnung, sich erst einmal vorzutasten. Wenn ihr zu einem digitalen Bewerbungsgespräch eingeladen werdet, solltet ihr folgende Dinge beachten:

  • Sucht euch für das Gespräch einen guten Platz zu Hause. Bedenkt, dass auch der Hintergrund im Bildausschnitt zu sehen ist. Eine weiße Wand oder ein ruhiger Hintergrund ohne viele privaten Gegenstände ist ideal.
  • Achtet darauf, dass ihr während des Gesprächs ungestört seid. Es sollten keine Familienmitglieder oder Mitbewohner ins Gespräch platzen können.
  • Setzt euch so, dass ihr eine Lichtquelle vor oder neben auch habt. Euer Gesicht sollte nicht im Schatten liegen oder zu dunkel sein. Euer Gegenüber darf sich auch nicht geblendet fühlen.
  • Nutzt für den Chat am besten ein Headset. So stellt ihr sicher, dass ihr die anderen Gesprächsteilnehmer gut versteht und selbst gut verstanden werdet.
  • Richtet den Platz für das Vorstellungsgespräch so her, dass ihr dort bequem eine Stunde oder länger sitzen könnt. Achtet auf einen bequemen Stuhl und etwas zu trinken. Notwendige Unterlagen legt ihr in Reichweite bereit.
  • Zieht euch so an, als würde das Bewerbungsgespräch vor Ort stattfinden. Und das gilt für das komplette Outfit. Oben Anzug, unten Boxershorts oder Jogginghose ist unangemessen. Eventuell müsst ihr während des Gesprächs auch mal aufstehen und das wäre dann etwas peinlich. Ihr fühlt euch auch besser und agiert professioneller, wenn ihr angemessen gekleidet seid.

Fazit

Remote-Recruiting ist jetzt in der Krise das Mittel der Wahl, wenn es um die Bewerbersuche geht. Diese Art der Personalbeschaffung wird auch in Zukunft an Bedeutung gewinnen, denn der Trend hin zum Home-Office und zu Computerarbeitsplätzen setzt sich fort. So ist denkbar, dass in Zukunft immer mehr Menschen orts- und zeitunabhängig an ihrem Wunscharbeitsplatz arbeiten und sich aus der Ferne neuen Arbeitgebern empfehlen.

Mehr Infos findet ihr hier:

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