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Schöpferische Zerstörung

Innovationen haben Sprengkraft!

Foto: ramon salinero / unsplash
Foto: ramon salinero / unsplash

Schöpferische Zerstörung klingt erst einmal ziemlich hart. Doch was hat es damit auf sich? Der Begriff geht auf den österreichischen Ökonom Joseph Schumpeter zurück. Er hat ihn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt. Der Ökonom war der Ansicht, dass die schöpferische Zerstörung die Basis von unternehmerischem Wachstum, Wohlstand und Innovation ist. Dass Innovationen wichtig sind für das wirtschaftliche Wachstum, bezweifelt vermutlich kaum jemand. Aber wie kann eine Innovation überhaupt entstehen? Und was passiert, wenn die Innovation da ist? Das Alte wird zerstört, muss untergehen und dem Neuen Platz machen. Joseph Schumpeter bezog sich zwar auf Volkswirtschaften, das Modell der schöpferischen Zerstörung lässt sich jedoch auch auf viele andere Bereiche anwenden. Die Entwicklung von Dienstleistungen, Produkten, Technologien und Methoden kann durch dieses Modell erklärt werden.

Schöpferische Zerstörung – Innovationen haben Sprengkraft! Foto: matt palmer / unsplash

Schöpferische Zerstörung – Innovationen haben Sprengkraft! Foto: matt palmer / unsplash

Schöpferische Zerstörung – was bedeutet das eigentlich?

Der Begriff "schöpferische Zerstörung" wurde von dem Ökonom Joseph Schumpeter geprägt. Unter der schöpferischen Zerstörung versteht man die Zerstörung alter Märkte und jenen, die hier aktiv sind, durch Innovationen. Dabei kann es sich um neue Technologien, Methoden, Geschäftsmodelle, Dienstleistungen oder Produkte handeln. Es folgen einige Beispiele für die schöpferische Zerstörung:

  • Der Plattenspieler wurde von Kassetten, Kassetten von CDs und CDs von digitalen Angeboten abgelöst
  • Automobile haben Kutschen verdrängt
  • Die Analogfotografie wurde fast vollständig durch die Digitalfotografie ersetzt
  • In Zukunft werden Autos mit Benzin oder Diesel möglicherweise durch Elektroautos und autonomes Fahren ersetzt

Häufig verschwinden nicht nur die alten Produkte vom Markt, sondern auch deren Hersteller. Es gibt jedoch auch immer wieder Unternehmen, welche die aktuellen Strömungen erkennen und sich entsprechend anpassen. Wem eine solche Anpassung gelingt, dem gelingt es häufig auch, sich weiterhin Marktanteile zu sichern. Joseph Schumpeter kam in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu dem Schluss, dass sich die Märkte und Volkswirtschaften nicht statisch entwickeln, sondern eine dynamische Entwicklung stattfindet. Einzelne Produkte oder Dienstleistungen werden also nicht in kleinen Schritten verbessert und verfeinert, sondern innovative Ideen sind der Brennstoff der Marktwirtschaft. Innovationen und Risikofreude können für Unternehmen wichtige Schlüssel zum Erfolg sein. Die schöpferische Zerstörung ist laut Schumpeter die treibende Kraft des Kapitalismus. Die schöpferische Zerstörung sorgt dafür, dass es weiterhin Wachstum und Fortschritt geben kann und wir nachhaltigen Wohlstand generieren können. Daraus kann man Folgendes schließen:

  • Wenn Unternehmen bereit sind, ihr Geschäftsmodell immer wieder zu hinterfragen und gegebenenfalls anzupassen, haben sie bessere Chancen auf dem Markt aktiv zu bleiben.
  • Neu gegründete Unternehmen und Start-Ups sollten ganz besonders gefördert werden, da innovative Ideen häufig von neuen Marktteilnehmern stammen. Diese müssen keine Rücksicht auf bereits etablierte Produkte und bestehende Märkte nehmen.

Innovationen bedeuten Chance und Risiko

Innovationen und Veränderungen werden von vielen Menschen nicht immer freudig begrüßt. Wir bleiben gerne beim Bewährten. Wir mögen Gewohnheiten und verharren gerne, wenn es sich soweit gut anfühlt. Allerdings gibt es ohne Entwicklung kein weiteres Wachstum und darauf baut der Kapitalismus auf. Wenn ein Unternehmen ein Produkt hat, das eigentlich auf dem Markt gut läuft und sich dann darauf ausruht, kann es schnell von Wettbewerbern überholt werden. Das Produkt des Konkurrenten bietet etwas völlig Neues. Ob das gut ankommt, weiß der Konkurrent natürlich nicht. Aus diesem Grund sind Innovationen auch immer ein Risiko. Sie gehören zu den unternehmerischen Risiken, die man eingehen muss, wenn man als Unternehmen langfristig bestehen möchte. Wenn ein Unternehmen Kutschen herstellt und seien es die besten, schönsten und sogar günstigsten Kutschen, die überhaupt zu bekommen sind, nutzt das diesem Unternehmen überhaupt nicht, wenn der Konkurrent Autos auf den Markt bringt. Der Kutschenhersteller kann noch so viel in Werbung und Marketing investieren, er wird vom Autohersteller einfach überrannt. Für Führungskräfte ist es daher wichtig, immer wieder auch Innovationen zuzulassen und Risiken einzugehen. Dabei gehört es nicht zum unternehmerischen Denken und Handeln, einfach jedes Risiko in Kauf zu nehmen, sondern diese zu analysieren und möglichst kontrolliert vorzugehen. In unserer heute so schnelllebigen Zeit, in der Veränderungen zur Tagesordnung gehören, müssen sich auch Unternehmen anpassen. Entweder sie reagieren lediglich auf diese Veränderungen oder sie versuchen den Markt aktiv mitzugestalten. Das Konzept der schöpferischen Zerstörung ist für moderne Unternehmen also so aktuell wie noch nie zuvor.

Schöpferische Zerstörung – was bedeutet das eigentlich? Foto: martin widenka / unsplash

Schöpferische Zerstörung – was bedeutet das eigentlich? Foto: martin widenka / unsplash

Schöpferische Zerstörung – beschleunigt durch Corona?

Joseph Schumpeter hat das Konzept der schöpferischen Zerstörung bereits vor vielen Jahrzehnten entwickelt. Derzeit sieht es so aus, als könne die Corona-Krise diesen Prozess noch zusätzlich beschleunigen. Insbesondere die digitale Entwicklung wurde durch die Corona-Krise und den Aufruf zur Vermeidung von Kontakten regelrecht befeuert. Es hat fast den Anschein, als befänden wir uns in dem dynamischen Chaos, welches der Ökonom Joseph Schumpert beschrieben hat. Viele von uns befinden sich seit Monaten ganz oder teilweise im Home-Office, gelernt und studiert wird aus der Ferne und wir befassen uns täglich mit Podcasts, Videocalls und Webinaren. Die Corona-Krise hat sich bereits in vielen Bereichen bemerkbar gemacht. Zeitweise ist von einer "neuen Normalität" die Rede. Wie genau diese "neue Normalität" aussehen mag, ist vielleicht ungewiss, aber es scheint sicher zu sein, dass es kein "back to normal" mehr gibt. Zumindest nicht in absehbarer Zeit. Der Wandel von offline zu online wird jetzt noch mehr beschleunigt. Teamwork, Informationsaustausch und Beschaffung von Informationen erfolgen vermehrt online und selbst Beratungs- und Verkaufsgespräche finden zunehmend online statt. Die ersten Geschäfte in den Innenstädten schließen und laden zum Räumungserkauf. Dagegen boomt der Onlinehandel. Wer hier nicht mithalten kann, wird schnell abgehängt. Die schöpferische Zerstörung scheint derzeit in vollem Gange zu sein.

Fazit

Die schöpferische Zerstörung lehrt uns, dass wir in unserer Wirtschaft allgemein mehr auf Wettbewerb und Marktmechanismen setzen sollten. Eine Überregulierung durch die Politik gilt es zu vermeiden. Unternehmen sollen sich entwickeln können. Innovationen sind immer ein Risiko, aber sie bieten auch eine große Chance, die zukünftigen Märkte mitzugestalten. Wer sich nicht weiterentwickelt, keine Risiken eingeht und sich nicht an Innovationen traut, wird langfristig wahrscheinlich nicht bestehen können.

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