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Unsichtbare Behinderung

Alltagstipps, wie ihr den Schul- und Unialltag trotz Asperger Syndrom meistert

Bild Alltagstipps, wie ihr den Schul- und Unialltag trotz Asperger Syndrom meistert

Eine unsichtbare Behinderung wie das Asperger-Syndrom muss eurer erfolgreichen Schul- oder Unikarriere nicht im Wege stehen. Allerdings habt ihr es als von dieser psychischen Erkrankung Betroffene in verschiedener Hinsicht schwerer als eure Schulkameraden und Kommilitonen. Im Folgenden geben wir euch ein paar Tipps, die euch den Lernalltag erleichtern können.

Das Asperger-Syndrom - eine ernste psychische Erkrankung und unsichtbare Behinderung

Das Asperger-Syndrom stellt eine Form von Autismus dar. Die unsichtbare Behinderung ist angeboren und tritt familiär gehäuft auf. Sie geht weder mit einer Einschränkung der Intelligenz noch mit einer Minderung der Sprachkompetenz einher. Die unsichtbare Behinderung ist gemäß dem heutigen Stand der Wissenschaft nicht heilbar. Nach seriösen Schätzungen ist weniger als ein halbes Prozent der Bevölkerung in modernen Industriegesellschaften von dieser Autismus-Erkrankung betroffen. Dabei leiden wesentlich mehr Männer als Frauen am Asperger-Syndrom.

Dass Kinder ein Asperger-Syndrom haben, zeigt sich meist erst nach der Vollendung ihres dritten Lebensjahres. Dann fallen sie vor allem durch Probleme bei der sozialen Interaktion mit anderen Menschen auf. Die Mädchen und Jungen gehen weder verbal noch nonverbal in angemessener und altersentsprechender Weise auf ihr Gegenüber ein. Sie sind nicht in der Lage, die Emotionen ihrer Mitmenschen richtig zu verstehen oder passend auf deren Gefühle zu reagieren. Sie können die Mimik ihrer Gesprächspartner nicht richtig deuten, eine Änderung des Tonfalls bekommen sie ebenso wenig mit wie verschiedene Körperhaltungen. Außerdem besteht bei Personen mit Asperger Syndrom häufig ein Mangel an Empathie, weil es ihnen nicht gelingt, sich in andere hineinzuversetzen.

Diese Schwierigkeiten sind auch durch eine Reizüberflutung bedingt. Die unsichtbare Behinderung führt häufig dazu, dass Betroffene bei einem Übermaß an Außenreizen komplett dicht machen und vorübergehend gar nicht mehr mit der Außenwelt agieren. Am Asperger-Syndrom Erkrankte bevorzugen klare Regeln und strukturierte Abläufe, jede Störung empfinden sie als außerordentlich belastend. Man kann diese unsichtbare Behinderung in vielen verschieden starken Ausprägungen haben, von einem leichten Asperger-Syndrom, das sich im Alltag kaum als störend erweist, bis hin zu einer schweren seelischen Erkrankung, die die Teilnahme am normalen Leben stark erschwert.

Unsichtbare Behinderung - Den Alltag trotz Asperger Syndrom meistern / Foto: estee janssens / unsplash

Unsichtbare Behinderung - Den Alltag trotz Asperger Syndrom meistern / Foto: estee janssens / unsplash

Typische Probleme von Asperger-Betroffenen in Schule und Uni

Menschen mit Asperger-Syndrom brauchen Routinen, die sich täglich wiederholen. Nur durch das Wiederholen der stets gleichen Aktionen fühlen sie sich sicher und selbstbewusst. Diese Punkte sind dabei besonders wichtig:

  • Gleicher Tagesablauf
  • Gewohnte Nahrungsmittel und Getränke
  • Gleiche Bekleidung

Aus diesem Grund haben sie große Schwierigkeiten, in einer Umgebung zu Recht zu kommen, die sich ständig verändert. So bevorzugen Mädchen und Jungen mit dieser autistischen Erkrankung zum Beispiel den Schulunterricht in festem Klassenverband. Die Studienstufe oder Projekt-Unterricht bedeuten deswegen eine große Herausforderung, da sie sich kaum auf neue Menschen und andere Lernformen einstellen können. Als genauso schwierig empfindet ihr bestimmt die Teilnahme an Klassenausflügen oder Exkursionen: Dabei könnt ihr den gewohnten Tagesablauf, wie beispielsweise das Aufstehen zur immer gleichen Uhrzeit, die Zubereitung eurer Mahlzeiten nach euren Vorstellungen oder eure bevorzugten Freizeitbeschäftigungen kaum durchhalten. Außerdem bewirkt die unsichtbare Behinderung, dass euch alle interaktiven Lernformen nicht besonders liegen, da ihr dabei intensiv mit anderen kommunizieren müsst. Dementsprechend stoßt ihr bei den folgenden Lernformaten regelmäßig an eure Grenzen:

  • Diskussionen
  • Referate, bei denen ihr auch Fragen der Zuhörer beantworten müssen
  • Gruppenarbeit

Häufig haben Betroffene auch Schwierigkeiten mit Lehrern und Professoren: Sie können ihr Anliegen mit diesen Lehrkräften nicht so besprechen, dass sie ihre Interessen durchsetzen. Nicht zuletzt seid ihr als Asperger-Erkrankte auch oft im Nachteil, weil eure Intelligenz unterschätzt wird. Aufgrund eurer Defizite im Kommunikationsbereich unterstellen euch viele Mitmenschen, dass ihr eine Lernbehinderung habt. Das ist jedoch regelmäßig nicht der Fall - im Gegenteil, viele Asperger-Autisten besitzen sogar eine Spezialbegabung, beispielsweise im mathematischen oder musischen Bereich.

So gestaltet ihr euren Alltag optimal

Berücksichtigt eure Erkrankung bei der Wahl des Studienfachs - alle Fächer, die ein hohes Maß an Sozialkompetenz voraussetzen oder die auf entsprechende Berufe vorbereiten, sind eher ungeeignet, dazu gehören beispielsweise:

Als Student, der das Asperger-Syndrom als unsichtbare Behinderung hat, solltet ihr nach Möglichkeit alleine wohnen. So habt ihr einen Rückzugsort, an dem alles genau nach euren Regeln funktioniert und ihr keinen Stress durch das scheinbar chaotische Verhalten von Mitstudierenden erlebt. Studenten-Wohnheime oder -Wohngemeinschaften sind für euch eher ungeeignet. Das Gleiche gilt auch für Schüler - um zur Ruhe zu kommen, hilft es euch sehr, nach der Schule erst mal eine gewisse Zeit alleine in eurem eigenen Reich zu verbringen. Regelmäßig betriebener Sport kann euch als Ventil dienen, um Ängste, Aggressionen und andere negative Emotionen wieder los zu werden. Hier solltet ihr Einzelsportarten unbedingt den Vorzug geben.

Natürlich solltet ihr stets ein paar grundlegende Regeln im Umgang mit anderen beachten, nicht nur an der Uni oder Schule, sondern bei jeder Aktion. Besonders wichtig sind diese Grundsätze:

  • Kontrolliert die Länge eurer Redebeiträge, endlose Monologe kommen bei anderen Menschen nicht gut an.
  • Auch wenn es schwerfällt, guckt eurem Gegenüber in die Augen.
  • kritisiert andere Menschen so wenig wie möglich. Wahrscheinlich seid ihr sehr wahrheitsliebend, aber denkt daran: Schweigen ist kein Lügen.
  • Haltet gesellschaftliche Gepflogenheiten und Konventionen unbedingt ein, wie zum Beispiel eine freundliche Begrüßung oder Verabschiedung.

Falls ihr an einer schweren Ausprägung des Asperger-Syndroms leidet, kommt für euch eventuell auch eine Schul- oder Studienbegleitung in Frage.

Das Asperger-Syndrom - eine ernste psychische Erkrankung und unsichtbare Behinderung / Foto: clarisse meyer / unsplash

Das Asperger-Syndrom - eine ernste psychische Erkrankung und unsichtbare Behinderung / Foto: clarisse meyer / unsplash

So können euch die Mitmenschen besser verstehen

Niemand muss sich schämen, das Asperger-Syndrom zu haben: Der eine Mensch kommt farbenblind oder kleinwüchsig zur Welt und ihr eben mit dieser besonderen Form des Autismus. Für eure Umwelt ist diese Einschränkung aber nicht erkennbar. Schließlich ist das Asperger-Syndrom eine unsichtbare Behinderung. Sie vermuten bei Begegnungen mit Asperger-Betroffenen häufig vielmehr, dass es sich um besonders unhöfliche oder rücksichtslose Menschen handelt, die sonderbare Lebensgewohnheiten haben, anderen ständig ungefragt die Meinung sagen und nicht richtig zuhören können. Aus dieser negativen und unverdienten Bewertung resultieren leider nur allzu oft Ablehnung und Ausgrenzung, die euch das Leben schwer machen. Dies könnt ihr nur verhindern, indem ihr eure Umwelt frühzeitig über eure Erkrankung informiert. Zum Glück ist das Asperger-Syndrom durch die Medien heute allgemein bekannt, sodass in vielen Fällen ein Verweis darauf ausreicht. Sagt Mitschülern, Kommilitonen und erst recht Freunden, dass sie euch aktiv helfen können. Insbesondere mit den folgenden Verhaltensweisen machen sie euch das Leben leichter:

  • Verabredungen und Zusagen unbedingt einhalten
  • Nicht lügen
  • Nach Möglichkeit wenig spontane oder überraschende Aktionen durchführen
  • Den von euch gewünschten körperlichen Abstand stets einhalten

Bittet die Menschen in eurer Umgebung, diese Grundsätze einzuhalten, damit eure unsichtbare Behinderung für euch leichter zu bewältigen ist. Dabei müsst ihr nicht befürchten, Außenseiter zu werden. Ihr besitzt Qualitäten und Tugenden, die in der heutigen oberflächlichen und schnelllebigen Zeit besonders wertvoll sind. Ihr seid absolut zuverlässig und ehrlich - darauf könnt ihr stolz sein!

Fazit

Als Asperger-Betroffene könnt ihr ohne weiteres einen guten Schulabschluss machen, ein Studium mit Erfolg absolvieren und euch später auf einen tollen Job bewerben. Indem ihr die Rahmenbedingungen so gestaltet, dass ihr euch wohlfühlt, schafft ihr die optimalen Bedingungen dafür. Außerdem solltet ihr beim Umgang mit Menschen stets gewisse Regel einhalten und ihnen mitteilen, dass ihr am Asperger-Syndrom als unsichtbare Behinderung leidet.

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