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Zu schlecht für Netflix?

Wer gehen oder bleiben darf, entscheidet dieser Test

Foto: cameron venti / unsplash
Foto: cameron venti / unsplash

Die meisten Unternehmen prahlen nicht mit ihrer Art, Mitarbeiter aus dem Unternehmen zu kicken. Beim Streaming-Riesen Netflix sieht das anders aus. Dieses Unternehmen funktioniert nicht wie eine große Familie, in der schwächere Mitglieder aufgefangen werden. Der Streaming-Dienst ist eher mit einer Sportmannschaft zu vergleichen. Wer nicht auf der Höhe ist und keine Bestleistung bringt, darf auf der Ersatzbank Platz nehmen beziehungsweise das Team verlassen. Für die Mitarbeiter heißt das: Egal, wie hart sie arbeiten und für wie gut sie ihre Leistungen halten, keiner ist sicher. Wer gehen muss, entscheidet der Keeper Test.

Netflix Keeper Test – knallharte Auslese und maximale Freiheit

Netflix setzt als Streaming-Dienst neue Maßstäbe, ist aber auch mit seiner Management-Kultur in die Schlagzeilen eingegangen. Reed Hastings hat es geschafft, mit seinem Streaming-Dienst zu einem Pionier in der Branche zu werden. Möglicherweise hat das mit seiner ungewöhnlichen Art der Mitarbeiterführung zu tun. Das Unternehmen setzt auf eine hohe Transparenz und gewährt seinen Mitarbeitern ein hohes Maß an Freiheit. So trägt das Buch des Managers den passenden Titel "Keine Regeln: Warum Netflix so erfolgreich ist". In diesem Buch geht es unter anderem um die Unternehmenskultur des Streaming-Dienstes. Mitarbeiter müssen sich beim Streaming-Riesen wohl bei der Anzahl der Urlaubstage, bei Reisen sowie bei Spesen nicht an spezielle Vorgaben halten. Auch größere Entscheidungen müssen nicht mit den Vorgesetzten abgesprochen werden. So habe ein langjähriger Programmchef beispielsweise die Entscheidung für die Erfolgsserie "House of Cards" ganz ohne Absprache mit Reed Hastings getroffen. Auch bei Anschaffungen wie Laptops schiebt das Unternehmen keinen Riegel vor.

Allerdings hat diese maximale Freiheit auch eine Kehrseite. Das Unternehmen feuert jedes Jahr etwa 12 Prozent seiner Mitarbeiter. Wer zu diesen bedauernswerten 12 Prozent gehört, entscheidet der Keeper Test.

Keeper Test – so läuft das bei Netflix / Foto: tech daily / unsplash

Keeper Test – so läuft das bei Netflix / Foto: tech daily / unsplash

Wie funktioniert der Keeper Test?

Der Netflix Keeper Test entscheidet darüber, wer im Unternehmen bleiben darf und wer seine Sachen packen muss. Mit diesem Führungsstil orientiert sich Reed Hastings an Jack Welch, dem ehemaligen Chef von General-Electric. Jack Welch, auch genannt Neutronen-Jack, galt als bester Manager aller Zeiten. Auch er war der Ansicht, dass es sich positiv auf das Unternehmen auswirke, wenn jährlich die schlechtesten 10 Prozent der Mitarbeiter gekündigt würden. Er betonte, dass es dabei immer nur um Low Performer und unzufriedene Mitarbeiter gehe.

Bei Reed Hastings läuft das so ähnlich ab. Hier dient der Keeper Test dazu, regelmäßig zu prüfen, ob ein Mitarbeiter im Unternehmen gehalten werden soll oder nicht. Führungskräfte werden angehalten, sich regelmäßig zu fragen, ob sie diesen Mitarbeiter halten wollen würden, wenn dieser ein Jobangebot von einem anderen Unternehmen bekäme. Wie stark würde sich die Führungskraft für Mitarbeiter XY einsetzen, um diesen im Unternehmen zu halten? "Halten oder Behalten" bedeutet im Englischen "to keep". Darauf bezieht sich die Bezeichnung des Tests. Die Manager sollen sich fragen, wie sehr sie sich einsetzen würden, um diesen Mitarbeiter zum Bleiben zu überreden. Oder ist es einfach, ihn gehen zu lassen?

Fällt es dem Manager nicht schwer, einen Mitarbeiter gehen zu lassen, dann gilt der Test als nicht bestanden und der jeweilige Mitarbeiter muss das Unternehmen tatsächlich verlassen. Fällt die Antwort dagegen positiv aus, bleibt der Mitarbeiter im Unternehmen. So ist es bei dem Streaming-Dienst wohl Gang und gäbe, dass gute Mitarbeiter entlassen werden, um Platz für herausragende Mitarbeiter zu schaffen. Ziel ist es, ein Team aus High Performern zusammenzustellen. Dass selbst Freunde des Gründers Reed Hastings nicht sicher sind und beim Keeper Test durchfallen können, zeigt das Beispiel von Neil Hunt. Er musste das Unternehmen nach 18 Jahren verlassen.

Wie funktioniert der Keeper Test? Foto: nicolas / Pexels

Wie funktioniert der Keeper Test? Foto: nicolas / Pexels

Kultur von Höchstleistungen wird gepflegt

Der Streaming-Dienst wird zuweilen heftig für dieses Vorgehen kritisiert. Ehemalige Mitarbeiter berichten zum Teil darüber, dass ein Klima der Angst herrsche. Für gefeuerte Mitarbeiter gibt es zwar ein großzügiges Abfindungspaket, allerdings könne man auch häufig Mitarbeiter beobachten, die weinend ihren Schreibtisch räumen würden. Das Management des Streaming-Dienstes sagt dazu, dass eben eine Kultur der Höchstleistungen gepflegt würde. Die Mitarbeiter genießen maximale Freiheit und hätten so die idealen Voraussetzungen, um Bestleistungen zu erbringen. Der Erfolg spricht für dieses Vorgehen und der Netflix Keeper Test scheint dazu beizutragen.

Fazit

Reed Hastings setzt bei seinem Unternehmen auf eine klare Mission und pflegt eine Unternehmenskultur, die von klaren Werten geprägt ist. Neben dem Netflix Keeper Test gehören zur Netflix-Kultur noch viele weitere Bausteine. Wer mehr über die Unternehmensführung von Reed Hastings wissen möchte, findet mehr Informationen in seinem Buch.

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