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Stärken & Schwächen im Vorstellungsgespräch richtig präsentieren

Zeig', was Du drauf hast!

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„Welche Stärken zeichnen Sie aus?“, „Was sind Ihre größten Schwächen?“ Auch wenn diese Fragen laut Ansicht von Experten mittlerweile nicht mehr zeitgemäß sind und wenig bis nichts über einen Bewerber verraten: Wenn ihr euch auf eine Stelle bewerbt, könnt ihr mit diesen Fragen im Bewerbungsgespräch rechnen wie mit dem Amen in der Kirche. Und solltet darauf möglichst eine kluge Antwort parat haben. Wer dabei möglichst authentisch und ehrlich bleibt, erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Jobangebots.

Ihr habt die erste Hürde auf der Suche nach einem Job genommen und seid zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden? Glückwunsch! Dann solltet ihr jetzt im persönlichen Gespräch nachlegen, damit euer Traumjob in greifbare Nähe kommt. Natürlich könnt ihr euch nicht auf jede Frage im Jobinterview penibel vorbereiten – und außerdem kommen auswendig gelernte Antworten aus dem Bewerbungsratgeber auch nicht so gut. Dennoch solltet ihr euch auf gewisse Situationen und Fragen, die zum Standardrepertoire jedes Bewerbungsgesprächs zählen, vorbereiten. Dazu zählt auch die bei Personalern so beliebte Frage nach den eigenen Stärken und Schwächen.

Die eierlegende Wollmilchsau – der Traum eines jedes Arbeitgebers

Klar, am liebsten hätte jeder Arbeitgeber eine eierlegende Wollmilchsau bei sich im Unternehmen, die teamfähig, führungsstark, belastbar, flexibel, mobil, kommunikativ, verantwortungsbewusst, engagiert und noch vieles mehr ist. Aber: Nobody is perfect- das wissen auch Personaler. Vor allem, wenn ihr erst euren Schul- bzw. Hochschulabschluss in der Tasche habt. Bei dieser Frage geht es auch weniger um den Inhalt der Antwort als vielmehr darum, ob ihr spontan und souverän seid.

Außerdem will der Personaler herausfinden, ob ihr euch für einen Alleskönner hält, der alle anderen in die Tasche steckt. Dann seid ihr für die Stelle vermutlich nicht geeignet. Ebenso wenig wie jemand, der zu schüchtern ist und sich den Job eigentlich gar nicht zutraut. Wenn ihr aber die Anforderungen an die neue Arbeit und eure eigene Arbeitsleistung realistisch einschätzen könnt, seid ihr willkommen im Unternehmen.

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Foto: cydonna / photocase.de

Damit ihr bei der Frage nach euren Stärken und Schwächen im Jobinterview nicht ins Stottern geratet, ist Vorbereitung alles. Unterzieht euch im Vorfeld des Bewerbungsgesprächs einer gründlichen Selbstanalyse. Wer seid ihr, was könnt ihr und was wollt ihr? Passt aber auf, dass ihr eure persönlichen Eigenschaften nicht nur dem Stellenprofil anpasst. Wenn ihr euch falsch einschätzt, nur um dem Personaler zu gefallen, landet ihr schnell im falschen Beruf. Wie ihr eure Fähigkeiten und Vorlieben am besten herausfindet? Werft einfach einen Blick in euren Lebenslauf! Denn frühere Stationen und Aktivitäten geben bereits einen Hinweis darauf, was man schon immer gern gemacht hat und worin man besonders gut war. Fragt auch Familie, Freunde und Bekannte, damit euer eigenes Bild durch einen Blick von außen ergänzt wird.

Merke: Es gibt keine schlechten und guten Eigenschaften. Es gibt nur solche, die auf eine bestimmte Aufgabe passen oder nicht.

 

Beginnt selbstbewusst mit euren Stärken…

Und wo sollt ihr nun anfangen, wenn der Personaler die Standardfrage nach den Stärken und Schwächen aufwirft? Natürlich beginnt ihr erst einmal mit euren Stärken. Beschreibt selbstbewusst eure Stärken anhand von Beispielen aus dem Privat- und Berufsleben. Verknüpft eure Stärken gleich mit den Anforderungen für die neue Stelle. Wichtig hierbei: Bleibt immer ehrlich! Denn setzt ihr die Erwartungen eures Gegenübers zu hoch, so steht ihr hinterher in der Arbeit schlimmstenfalls vor einem Berg aus Überforderung und selbst auferlegtem Leistungsdruck – was euch nicht gut tut und den Arbeitgeber verärgert.

 

…und steht auch zu euren Schwächen

Bei der Frage nach den Schwächen gibt es eine wichtige Regel: Niemals mit „Ich habe keine“ antworten. Allergisch reagieren Personaler zudem auf Antworten von der Stange wie „Ich bin perfektionistisch veranlagt“. Solche Antworten haben Personaler gefühlt hunderte Male gehört und sind langweilig und fantasielos. Eine selbstbewusste Persönlichkeit steht nicht nur zu ihren Stärken, sondern auch zu ihren Schwächen.

Bei einer Studie gaben nur 23 % der Bewerber echte Schwächen zu, die Mehrheit verkleidete ihre Schwäche in positive Worthülsen. Bei der Befragung der Personaler kam heraus, dass diese zu 80 % jene Kandidaten einstellen würden, die sich ihre Schwächen ehrlich eingestanden hatten.

Um eure Schwächen herauszufinden, beantwortet bitte ehrlich folgende Fragen:

  • Welche Tätigkeiten fallen mir schwer?
  • Wofür wurde ich in Vergangenheit kritisiert?
  • Welche Art von Tätigkeiten schiebe ich immer auf und warum?
  • Wie komme ich in der Arbeit mit Chef und Kollegen zurecht?

Nehmt die Antworten auf diese Fragen genau unter die Lupe und filtert diejenigen heraus, die einen Bezug zur ausgeschriebenen Stelle haben.

Wichtig: Nennt nur Schwächen, die euch bei der Auswahl für die freie Stelle nicht im Weg sind. Trotz der Schwächen solltet ihr für die Arbeit immer noch mehr als geeignet erscheinen. Ihr wollt in einer Buchhaltungskanzlei arbeiten, hasst aber Zahlen? Damit seid ihr sicher raus aus dem Bewerberrennen. Aber mal ehrlich – sollte das der Fall sein, hättet ihr sicherlich auch kein Interesse an diesem Beruf.

Gebt zwei authentische Schwächen an: Die erste Schwäche ist eine, die man „ausbügeln“ kann, die zweite hat nichts mit der Arbeit zu tun. Mit einem kleinen Trick macht ihr aus einer Schwäche ganz einfach einen Vorteil für euch. Und diesen könnt ihr in einer Gegenüberstellung mit „aber das bedeutet auch“ erwähnen. Im Klartext: Ruhig offen eine Schwäche zugeben, aber gleich auch erklären, wie ihr damit letztlich bei der Arbeit konstruktiv umgeht.

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Foto: hannesleitlein / photocase.de

Beispiele für die Präsentation von Schwächen im Vorstellungsgespräch

  • Ich bin manchmal ungeduldig, aber das bedeutet auch, dass ich, wenn ich mir ein Ziel gesetzt habe, dieses beharrlich verfolge.

 

  • Ich reagiere manchmal gereizt und bin zu direkt zu Kollegen, wenn ein Fehler immer wieder gemacht wird aber die Kollegen nach keiner Lösung für das Problem suchen. Mittlerweile stelle ich mich der Situation und helfe den Kollegen. Später suche ich dann noch einmal das Gespräch, um gemeinsam eine Lösung zu finden.

 

  • Ich bin manchmal etwas unorganisiert, da ich mehrere Dinge gleichzeitig machen will, anstatt sie nacheinander abzuarbeiten. Allerdings habe ich herausgefunden, dass To-Do-Listen mir bei der Arbeitsorganisation enorm helfen, mich sinnvoll zu strukturieren.

 

  • Wenn ich Präsentationen vor einem größeren Publikum halten soll, bin ich meist sehr aufgeregt. Aber ich habe für mich herausgefunden, dass es mir hilft, wenn ich die Präsentation vor dem Spiegel übe.

 

  • Ich kann nur schwer „Nein“ sagen und anderen einen Gefallen abschlagen. Aber bei Dingen, die die Firma betreffen, habe ich gelernt, hart zu bleiben, denn da betrifft es ja nicht nur mich.

 

Achtung: Vermeintlich „witzige“ Antworten wie  "Meine größte Schwäche ist Nuss-Nugat-Schokolade", "Ich kann mir schlecht Namen merken" oder "Mein Englisch ist nicht fließend" haben in einem Bewerbungsgespräch nichts zu suchen.

 

Im Trend: Indirekte Fragen nach Schwächen

Mittlerweile gehen die Personaler aber anders vor, um eure charakterliche Eignung für den ausgeschriebenen Job auf die Probe zu stellen. Denn schließlich kennen sie alle die Bewerbungsratgeber im Internet und in den Buchläden, die euch die Antworten auf eure Stärken und Schwächen auf dem Silbertablett servieren. Direkte Fragen wie „Nennen Sie mal 3 Schwächen von sich, die wir kennen sollten“ kommen mittlerweile nur noch selten vor. Manche Personaler versuchen daher, euch mittels indirekter Fragetechnik eure Schwächen zu entlocken.

So fragt man euch dann nach Schwächen von Vorgesetzten, Kollegen oder Kunden, woraus sich Rückschlüsse auf eure eigene Persönlichkeit ziehen lassen.

Rechnet daher im Vorstellungsgespräch auch mit Fragen dieser Art:

  • Wie würden Ihre Freunde Sie charakterisieren?
  • Welches Verhalten regt Sie in der Zusammenarbeit mit anderen Menschen auf?
  • Welche Eigenschaft würden Sie gerne an sich ändern?
  • Welche Eigenschaften mögen Sie an Ihren Kollegen?

 

Auch Skalenfragen sind möglich, d. h. ihr werdet gefragt, welche Note ihr euch in puncto Konfliktfähigkeit/Teamfähigkeit/Durchsetzungsvermögen auf einer Skala von 1 bis 10 geben würdet. 1 steht dabei für den schwächsten und 10 für den höchsten Wert. Hier solltet ihr nicht übertreiben, aber auch nicht tiefstapeln. 

Gibt sich der Bewerber für seine Fähigkeit Konflikte zu lösen einen Wert zwischen 1 und 4, wird das vom Arbeitgeber als Schwäche gedeutet. Aber auch die Stufen 5, 6 oder 7 könnten als Schwäche ausgelegt werden, wenngleich als weniger gravierende.

Nachfragen könnten beispielsweise wie folgt aussehen:

  • Wie sind Sie in der Vergangenheit in Ihrem Berufsfeld mit dieser Schwäche umgegangen?
  • Wie haben Sie an dieser Schwäche gearbeitet?
  • Konnten Sie die Schwäche korrigieren oder zumindest die Auswirkungen der Schwäche etwas abmildern?
     

Fazit: Bei der Frage nach den Stärken & Schwächen immer ehrlich und authentisch bleiben

Bei der Frage nach den Stärken und Schwächen gibt es eine goldene Regel: Seid ehrlich zu euch selbst und auch bei eurer Präsentation im Vorstellungsgespräch. Denn Schönfärberei im Bewerbungsgespräch nutzt niemandem: Weder euch, noch eurem zukünftigen Arbeitgeber. Denn der echte Schaden tritt erst dann ein, wenn ihr in einem Job beginnt, der gar nicht zu euch passt. Findet lieber das Unternehmen, in dem eure „Schwächen“ eure Stärken sind und eifert keinem Idealbild nach, das in den Stellenanzeigen verbreitet wird.
 

Die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • Die Frage nach den Stärken & Schwächen im Vorstellungsgespräch gibt Aufschluss über eure charakterliche Eignung für den Job.
  • Unterzieht euch im Vorfeld eines Jobinterviews einer gründlichen Selbstanalyse.
  • Die persönlichen Eigenschaften sollten nicht nur an das Stellenprofil angepasst werden.
  • Verknüpft eure Stärken mit den Anforderungen für die neue Stelle.
  • Antworten von der Stange und „witzige“ Kommentare sind nicht zu empfehlen.
  • Steht selbstbewusst zu euren Schwächen und erklärt, wie ihr mit diesen bei der Arbeit konstruktiv umgeht.
  • Indirekte Fragen nach Stärken und Schwächen sind bei Bewerbungsgesprächen im Kommen.
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