Universität Master Studium Studentin Absolvent
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Lohnt sich der Abschluss für die Karriere?

Masterstudium: Notwendig für die Karriere?

Ihr habt den Bachelor in der Tasche? Ihr seid euch aber unsicher, ob ihr den Master dranhängen sollt? Wir gehen der Frage auf den Grund – unsere Antwort: jein!

Drei Jahre Studium, den Bachelor in der Tasche. Glückwunsch, ihr seid bereit für die Arbeitswelt. Oder doch nicht? Wie viele Studenten fühlt ihr euch verunsichert. „Bachelor: Nichts Halbes und nichts Ganzes“, war in der Vergangenheit in der deutschen Presse zu lesen. Lieber noch einen Master dranhängen? Immerhin hält euer Abschluss dann zumindest dem Prädikat „vollwertig“ stand. Doch allen Unkenrufen zum Trotz muss die Frage erlaubt sein: Lohnt sich der Masterabschluss überhaupt? Habe ich Aussicht auf mehr Gehalt? Oder sind zwei Jahre zusätzlich an der Uni vergebene Liebesmüh? Eines vorweg: Bildung ist nie umsonst. Sie zahlt sich immer aus. Die Frage nach mehr Gehalt können wir aber nur mit einem klaren JAIN beantworten. Auf die Fächerkombination kommt es an. Und darauf, in welcher Branche ihr Fuß fassen wollt beziehungsweise wie groß das Unternehmen ist, das euch den späteren Karriere-Einstieg ermöglicht.

Bachelor: Und die Skepsis-Spirale dreht sich

1999, Bologna, Italien: Das Geburtsjahr transnationaler Bestrebungen, einen europäisch-einheitlichen Bildungsraum zu schaffen. 29 europäische Bildungsministerien unterzeichneten damals im italienischen Bologna eine Erklärung zur Schaffung eines zweigliedrigen Hochschulsystems. Bachelor und Master waren geboren. Ziel war es, mehr Mobilität und Chancengleichheit zu schaffen. Während mache Länder einfach nur die Bezeichnungen ändern mussten, da es ein zweigliedriges System ohnehin schon gab, bedeutete die Bologna-Reform in Deutschland vor allem eines: Umbruch. Die Umstrukturierung stellte deutsche Universitäten vor große Herausforderungen. Skepsis machte sich breit. In den Medien, unter den Studenten und unter Professoren ebenso.

Studenten
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2002 wurden an den ersten deutschen Universitäten Bachelor- und Masterabschlüsse eingeführt. Zuvor konnten Studenten an staatlichen Universitäten nur nach fünf Jahren einen Abschluss erwerben. Der Magister für sämtliche Geisteswissenschaften und das Diplom für BWL, Naturwissenschaftlichen und technischen Studiengänge. Beide Abschlüsse galten als gleichwertig und waren in Grund- und Hauptstudium unterteilt. Daher auch die anfängliche Skepsis von Seiten der Medien und Bildungseinrichtungen ein Bachelor sei nicht mehr wert als ein erweitertes Grundstudium. Hinzu komme laut Experten der erhöhte Grad der Verschulung. Studenten reproduzierten nur Wissen und lernten damit nicht, sich wirklich wissenschaftlich mit dem Stoff auseinanderzusetzen. Doch müssen Studenten das, wenn sie sich lieber mit der Praxis als mit der Theorie auseinandersetzen wollen? Dies ist schlicht und ergreifend eine Frage der Persönlichkeit des Berufseinsteigers.

Master: Willkommen in der Mythos-Schleife

Das Bildungssystem wurde umstrukturiert. In der Folge meldeten sich Unternehmen zu Wort und beklagten öffentlich, dass Bachelor-Absolventen nicht genügend auf das Arbeitsleben vorbereitet seien. Verunsichert kehrten viele Studenten in die Hörsäle zurück und rafften sich zu zwei Jahren Masterstudium auf. Mit Erfolg für die einen, Ernüchterung bei den anderen. Woran lag es? Wir räumen mit den vier größten Mythen um den Master auf.

Masterstudium: Ein Muss für die Karriere?

JAIN! Ob der Masterabschluss von Personalverantwortlichen als wichtigstes Einstellungskriterium angesehen wird, hängt in erster Linie von der Branche ab. In vielen wird er zwar gern gesehen und steigert mitunter die Chancen, wenn es um das Zünglein an der Waage geht. Doch erfahrungsgemäß wird er nur für eine Laufbahn in der Forschung oder an der Universität. Wer den Doktor machen möchte, eine Karriere in der universitären Forschung anstrebt, muss auf dem Master aufbauen können. Zugang zu Branchen wie Naturwissenschaften oder technischen Berufen erhaltet ihr oftmals ebenso nur über den Master. Von Vorteil ist er auch in Bereichen, die umfassende betriebswirtschaftliche Kenntnisse verlangen.

In kreativen Berufen wie Werbung, Marketing oder Journalismus/ Redaktion reicht häufig schon der Bachelor. Eben solche Branchen, in denen meist Geisteswissenschaftler arbeiten. Solchen Studiengängen sind Unternehmen ohnehin gegenüber skeptisch eingestellt. „Und was macht man damit?“, ist die populärste Frage, der Studenten immer wieder Rede und Antwort stehen müssen. Der Master macht es leider auch nicht besser.

Ein Masterstudium dient der Spezialisierung und Vertiefung. Wer von „nur einem Titel“ spricht, unterschätzt, dass der Master in einigen Bereichen unverzichtbar ist:

  • Lehramt: Die Lehrbefähigung an öffentlichen Schulen wird erst durch einen konsekutiven Master of Education und das anschließende Referendariat erreicht. Ein Bachelor allein berechtigt nicht zum Unterrichten. Der Master of Education ist also die Pflichtvoraussetzung für das Lehramt.
  • Psychotherapie: Wer Psychotherapeutin werden will, muss einen Master in Klinischer Psychologie und Psychotherapie absolvieren. Der Masterstudiengang „Klinische Psychologie und Psychotherapie (KliPP)“ bildet die Grundlage für die Approbation als Psychotherapeutin; zusätzlich muss eine staatliche psychotherapeutische Prüfung bestanden werden. Ohne diesen Master gibt es keine Approbation.
  • Höherer öffentlicher Dienst: Für die Laufbahn des höheren Dienstes ist ein abgeschlossenes Hochschulstudium mit Masterabschluss oder gleichwertigem Studiengang Pflicht. Beim Auswärtigen Amt zum Beispiel dürfen sich nur Bewerberinnen und Bewerber bewerben, die mindestens einen Master oder ein fünfjähriges Studium mit Masterabschluss vorweisen.

Diese Pflichtfälle zeigen klar: In bestimmten Bereichen führt am Master kein Weg vorbei. In anderen Branchen kann er „nice to have“ sein, muss aber nicht zwingend sein.

Business Frau Telefonieren
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Masterstudium: Mehr Gehalt?

Auch an dieser Stelle heißt es: Kommt drauf an. Unzählige Studien haben zwar gezeigt, dass Einstiegsgehälter von Master-Absolventen um durchschnittlich 15 Prozent höher ausfallen als die ihrer Bachelor-Kollegen. Doch auch hier gibt es deutliche Unterschiede. Während Einstiegsgehälter in der Automobil- und pharmazeutischen Industrie fast schon vergleichsweise astronomische Höhen erreichen, sieht es andernorts wesentlich bescheidener aus.

Bachelor-Absolventen haben allerdings den Vorteil, dass sie zum Zeitpunkt des Berufseintritts jünger sind. Sie sammeln Berufserfahrung bis der Master-Kollege einsteigt und liegen dann bereits mit ihm im Gehaltsspiegel gleich auf. Berufserfahrung ist in vielen Unternehmen gern gesehen. Oftmals wichtiger als die beste Abschlussnote. So kommt ihr auch mit Bachelor-Abschluss auf der Karriere-Leiter weiter nach oben.

Bessere Aufstiegschancen mit Masterstudium

In einigen Branchen öffnet sich die Tür erst mit Master als Schlüssel. Andere sind wiederum bereits für Bachelor-Absolventen geöffnet. Habt ihr die Möglichkeit und ihr seid in Letzterem gelandet – Glückwunsch. Mit Fleiß und Motivation lassen sich sicherlich Hürden auf der Karriereleiter nehmen. In kleineren Unternehmen oder in so genannten Startups sind die Perspektiven aussichtsreicher. Gutes Personal kostet. Besitzt ihr noch nicht so viel Berufserfahrung, so könnt ihr genau dort eure Fähigkeiten ausloten und weiterentwickeln. Kurzum: Training on the job.

Die Karriere-Aussichten in einem Unternehmen, in dem Absolventen ihre Masterarbeit geschrieben haben, sind hingegen definitiv höher als die des Bachelor-Kollegen. Der Master-Absolvent kennt sich mit der Routine des Betriebs aus und weiß Problemstellungen auf wissenschaftlichem Niveau zu betrachten. Fertigkeiten, die jeden Chef erfreuen. Noch besser: Der Vorgesetzte besitzt einen Doktortitel. Eine Dissertation im selben Unternehmen wäre somit nicht ausgeschlossen. In Bereichen wie Chemie oder Medizin ist die Promotion ein wichtiger Karriere-Baustein.

Bücher Student Lernen
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Bachelor geschafft – jetzt kommt der Master

Wer den Bachelor in der Tasche hat, ist nicht zwangsläufig für den Master geeignet. Der Nachteil früherer Magister- und Diplom-Studenten: Die Erkenntnis kam häufig zu spät, sodass viele sich regelrecht durch die neun bis zehn Semester quälen mussten. Wer für ein theorielastiges Studium einfach nichts übrig hat, sollte es lassen. Das führt nur zu unnötigen Frust.

So mancher Professor ist ohnehin davon überzeugt, dass das „richtige“ Studieren in der Masterphase beginnt. Es wird also noch theoretischer, das wissenschaftliche Anforderungsniveau somit noch höher. Solltet ihr die Eignungsprüfung nicht schaffen, dann ist das sicherlich kein Zeugnis eures unzureichenden Intellekts. Wissenschaftliches Arbeiten erfordert Motivation und strikte Selbstdisziplin. Nicht jede Persönlichkeit ist dafür gemacht. Ihr wollt in die Praxis? Dann geht diesen Weg, bevor ihr euch in falschen Zielen verrennt.

Wann lohnt sich der Verzicht auf den Master?

Es gibt gute Gründe, direkt nach dem Bachelor in den Beruf einzusteigen:

  • Praxisnähe: Wer während des Studiums gemerkt hat, dass Theorie nicht zu den eigenen Stärken gehört, sollte den Master nicht erzwingen. Berufserfahrung ist in vielen Branchen wichtiger als akademische Titel.
  • Geringer Mehrwert: In Fächern wie Marketing, Kommunikationswissenschaft oder Sozialer Arbeit fällt der Gehaltsunterschied zwischen Bachelor und Master gering aus. Zwei Jahre zusätzliches Studium verzögern den Einstieg – und erst später im Berufsleben amortisiert sich der Aufwand.
  • Karriere im Unternehmen: In Start‑ups oder kleineren Betrieben können Bachelorabsolventen schnell Verantwortung übernehmen. Leistung, Motivation und Teamfähigkeit sind hier entscheidender als ein zusätzlicher Titel.

Viele Berufsfelder honorieren Erfahrung stärker als akademische Titel. Ein Bachelorstudium kombiniert mit Praktika und engagiertem Netzwerken kann der Schlüssel zu einer erfolgreichen Karriere sein.

Fazit: Masterstudium und Karriere

Nicht die Eltern oder die Freunde entscheiden, welchen Weg ihr einschlagt. Wichtig ist, zu erkennen, wie ihr tickt. Alles andere macht euch nur unzufrieden und zerrt an eurer Motivation – ein absoluter Karriere-Killer. Wenn Ihr für eine Sache im Job brennt und das auch im Einstellungsgespräch überzeugend vermitteln könnt, habt ihr schon gewonnen. Auch ohne Master-Abschluss. Solltet Ihr euch für einen Master entscheiden, achtet auf die Praxis-Nähe eurer Studieninhalte. Ihr wollt dennoch unbedingt Philosophie oder Romanistik studieren? Tut das! Allerdings erhöht ein praxisnahes Nebenfach wie BWL eure Karriere-Aussichten. Dennoch: Auch ein Unternehmen, das nur aus BWL-Studenten besteht, ist nicht lebensfähig. Denn letztlich macht Vielfalt den Erfolg aus.

Checkliste
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Checkliste

Checkliste: Master – ja oder nein?

  • Branchencheck: Recherchiert die Anforderungen eures Wunschberufs. Braucht ihr einen Master oder reicht der Bachelor?
  • Gehaltsvergleich: Prüft reale Gehaltsunterschiede zwischen Bachelor und Master in eurer Branche.
  • Lust auf Wissenschaft: Seid ihr bereit, euch wissenschaftlich zu vertiefen? Ohne Motivation wird ein Masterstudium zur Belastung.
  • Zeit und Geld: Kalkuliert die Kosten und den Zeitaufwand. Zwei Jahre Studium bedeuten auch zwei Jahre ohne volles Gehalt.
  • Persönliche Ziele: Wollt ihr promovieren oder in den höheren öffentlichen Dienst? Dann ist der Master Pflicht.

Ob der Master für euch Pflicht oder Kür ist, hängt also von eurer beruflichen Planung ab. Bildung zahlt sich immer aus – aber auf die richtige Mischung aus Theorie und Praxis kommt es an.

FAQ: Häufige Fragen zum Masterstudium

Brauche ich ein Masterstudium für die Karriere?

Ob ein Masterstudium notwendig ist, hängt von der Branche ab. In Bereichen wie Lehramt, klinischer Psychologie und höheren Beamtenlaufbahnen ist ein Masterstudium notwendig. In vielen anderen Feldern könnt ihr mit einem Bachelor erfolgreich starten und euch mit Berufspraxis weiterentwickeln.

Ist ein Masterstudium notwendig für den höheren Dienst im öffentlichen Dienst?

Ja. Für den Einstieg in die Laufbahngruppe des höheren Dienstes ist ein Masterstudium notwendig: der öffentliche Dienst verlangt laut Auswärtigem Amt einen Master oder einen gleichwertigen Abschluss.

Welche Studiengänge erfordern zwingend einen Master?

Es gibt Studiengänge, für die ein Masterstudium notwendig ist. Pflichtfächer sind der konsekutive Master of Education im Lehramt, der Master in Klinischer Psychologie und Psychotherapie für die Approbation und Masterstudiengänge für den höheren Dienst in Behörden wie dem Auswärtigen Amt. Darüber hinaus können in bestimmten Ingenieur‑ und Naturwissenschaften sowie in spezialisierten Rechtsgebieten Masterprogramme Voraussetzung für Führungspositionen sein.

Wie groß ist der Gehaltsunterschied zwischen Bachelor und Master wirklich? 

Untersuchungen zeigen, dass Masterabsolventen im Median rund 3.000 Euro mehr pro Jahr verdienen als Bachelorabsolventen. Dieser Unterschied variiert jedoch stark nach Branche. In kreativen Berufen ist der Abstand gering, in technischen und wirtschaftlichen Bereichen größer. Ein Masterstudium ist also nicht immer notwendig, kann aber je nach Fach den Einstiegslohn steigern.

Lohnt sich ein Masterstudium finanziell?

Ob ein Masterstudium notwendig ist, lässt sich finanziell nicht pauschal beantworten. Lohnend ist ein Master, wenn euer späterer Beruf das zusätzliche Wissen honoriert – etwa in Jura oder Wirtschaftswissenschaften. In anderen Fächern gleicht Berufserfahrung den Unterschied schnell aus. Wichtig ist eine individuelle Kosten‑Nutzen‑Analyse: Einkommenssteigerung, Leidenschaft für das Fach und das berufliche Ziel sollten einbezogen werden. Ein Masterstudium ist finanziell nicht immer notwendig, kann aber der entscheidende Karriereschritt sein.