So wird künstliche Intelligenz im Bewerbungsprozess genutzt
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So wird künstliche Intelligenz im Bewerbungsprozess genutzt
KI im Recruiting

So wird künstliche Intelligenz im Bewerbungsprozess genutzt

Entdecke, wie KI Recruiter:innen heute schon hilft – und was du dir zunutze machen kannst. Tipps, Tricks und alles, was du wissen musst, jetzt lesen!

Wer sich derzeit mit dem Arbeitsmarkt beschäftigt, könnte meinen, dass es derzeit genau drei Themen gibt, die alle beschäftigen: Junge Menschen haben keinen Bock mehr auf Arbeit, Fachkräfte gibt es in Deutschland auch keine mehr, aber all das ist sowieso egal, weil uns Künstliche Intelligenz in fünf Jahren ohnehin alle ersetzt haben wird. Klar soweit?

Tatsächlich hat vor allem KI das Potenzial, den Arbeitsmarkt und auch die Suche nach Arbeitskräften nachhaltig zu prägen. Insbesondere im Recruiting spielt KI eine immer größere Rolle und soll Personaler:innen dabei unterstützen, die besten Talente für die zu besetzenden Stellen zu finden. Wir zeigen dir ein paar Möglichkeiten, wie Künstliche Intelligenz schon heute in Bewerbungsprozessen eingesetzt wird.

Risiken des KI-Einsatzes im Recruiting
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Risiken des KI-Einsatzes im Recruiting

KI soll Bewerbungsprozesse effektiver gestalten

KI ist für Recruiter:innen nicht nur ein nettes Gadget, sondern ein echtes Power-Tool im Bewerbungsprozess. Wenn du gerade Anschreiben und Lebenslauf perfekt vorbereitet hast – vielleicht ja sogar selbst mithilfe von KI – und deine Bewerbung abgeschickt ist, heißt es aktuell noch oft: Warten, warten und nochmals warten. Im besten Fall kriegst du eine automatische Antwort, dass deine Bewerbung eingegangen ist – es kann aber auch vorkommen, dass du bis zu Einladung zum Erstgespräch oder zur Absage tage- oder wochenlang gar nichts hörst.

Hier liegt ein erster Ansatzpunkt von KI: Viele Unternehmen setzen Künstliche Intelligenz ein, um Bewerbungen schneller und effizienter zu sichten. Dabei hilft KI vor allem in der Vorauswahl. Algorithmen analysieren deinen Lebenslauf und gleichen deine Skills und Erfahrungen mit den Anforderungen der Stelle ab. So wird zum einen sichergestellt, dass dein Profil nicht in einem riesigen Stapel verschwindet und übersehen wird, zum anderen kann schon früh zumindest eine Vorauswahl der präferierten Bewerber:innen getroffen werden. Selbst wenn ein Mensch danach noch die Empfehlungen der KI prüft, kann das den ersten Schritt der Bewerbung wesentlich beschleunigen. Intelligentere digitale Lösungen im Recruiting zielen darauf ab, mehr Fairness und Objektivität zu schaffen – Maschinen kennen keine Vorurteile und arbeiten faktenbasiert, während Menschen – oft unbewusst – subjektiv entscheiden. Eine neutrale Analyse durch KI verhindert somit Vorurteile. Dies macht den Rekrutierungsprozess transparenter und vorurteilsfreier.

Ein weiterer wichtiger Punkt: KI-basierte Chatbots. Diese kleinen Helferlein können vor allem bei Unternehmen mit eigenen Bewerbungsplattformen häufige Fragen rund um den Bewerbungsprozess beantworten und dir dabei helfen, den Überblick zu behalten. Hast du jemals darauf gewartet, dass ein:e Personaler:in auf deine E-Mail antwortet? Das kann dauern. Ein KI-Chatbot hingegen ist sofort da und kann dir – wenn er gut trainiert ist – in Echtzeit Auskunft geben. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch Nerven.

Auch im Bereich der Stellenanzeigen ist Machine Learning besonders effektiv einsetzbar. Das Erstellen und Veröffentlichen von neuen Jobangeboten ist normalerweise zeitaufwendig, lässt sich aber durch Automatisierung deutlich vereinfachen. KI kann schnell aus wiederkehrenden Mustern lernen und sicherstellen, dass Bewerber:innen die Anzeigen mühelos finden. Darüber hinaus schlagen intelligente Systeme geeignete Jobkategorien und Keywords für neue Anzeigen vor – das ist besonders wichtig, wenn im Erstversuch etwa noch keine geeigneten Bewerber:innen gefunden wurden. Auch typische Floskeln in der Stellenanzeige, die sich vor allem bei Vorlagen schnell einschleichen, können so eliminiert werden, was den Text für dich und andere Interessierte attraktiver gestalten kann.

Risiken des KI-Einsatzes im Recruiting

Wie jede Innovation bringt auch der Einsatz von KI im Recruiting sowohl Chancen als auch Risiken mit sich. Bewerber:innen sind oft skeptisch, wenn sie erfahren, dass ihre Karriereentscheidungen von einer Maschine abhängen, die sie bewertet und möglicherweise aussortiert, ohne dass ein Mensch über die Unterlagen geschaut hat. Diese Sorge ist nicht unbegründet, da technische Fehler auftreten können, wenn Systeme nicht einwandfrei funktionieren. Daher ist es schon einmal ein gutes Zeichen, wenn KI-Entscheidungen nochmals final durch Menschen überprüft werden.

Gleichzeitig möchten Recruiter:innen Entscheidungen nachvollziehen und gegenüber Bewerber:innen begründen können. Daher sollte die KI darauf trainiert werden, Feedback zur jeweiligen Bewerbung zu geben und ihre Entscheidungen bzgl. der Eignung von Bewerber:innen zu begründen. Diese Aussagen – seien sie negativ oder positiv – können dann konkret geprüft und an die Bewerber:innen weitergegeben werden. Hier ergibt sich eine große Möglichkeit, die Candidate Experience, also die Erfahrung der Bewerber:innen im Recruitingprozess, nachhaltig zum Positiven zu beeinflussen – und das, ohne viel zusätzlichen Aufwand betreiben zu müssen.

Zudem besteht ohne Erklärungen zu den Entscheidungen das Risiko des Kontrollverlusts für die Recruiter:innen. Ein weniger menschlicher Auswahlprozess kann problematisch sein, besonders wenn es um die Bewertung von Soft Skills geht, die in der Bewerbung oft weniger prominent sind, für den persönlichen Fit von neu rekrutierten Mitarbeiter:innen in einem Unternehmen aber entscheidend sein können.

Auch der Datenschutz stellt eine Herausforderung dar. Die Umsetzung der DSGVO-Richtlinien in Verbindung mit KI im Recruiting kann sich als komplex und zeitaufwendig erweisen, und bei Nichteinhaltung drohen empfindliche finanzielle Strafen.

Fazit

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Recruiting bringt sowohl zahlreiche Vorteile als auch einige Herausforderungen mit sich. Auf der einen Seite ermöglicht KI eine effizientere und objektivere Bewerber:innenauswahl. Sie hilft dabei, Bewerbungen schnell und präzise zu sichten, beantwortet häufige Fragen mittels Chatbots, optimiert Job-Matching und unterstützt bei der Planung von Vorstellungsgesprächen. Dies verbessert die Transparenz und Fairness im Rekrutierungsprozess und kann die Chancen für bestimmte Gruppen von Bewerber:innen erhöhen.

Auf der anderen Seite gibt es auch Risiken und potenzielle Nachteile. Die Abhängigkeit von maschinellen Entscheidungen kann Bewerber:innen verunsichern, wenn der Einsatz von KI offensiv kommuniziert wird, und technische Fehler sind nicht auszuschließen. Recruiter:innen könnten Schwierigkeiten haben, KI-basierte Entscheidungen zu erklären und zu rechtfertigen, was die Candidate Experience beeinträchtigen könnte. Hier bietet sich dafür eine große Chance, durch präzise Erklärungen der Entscheidung für oder gegen eine:n Kandidat:in genau diese Candidate Experience zu verbessern.

Insgesamt bietet KI im Recruiting viele Möglichkeiten zur Verbesserung des Bewerbungsprozesses, erfordert jedoch einen sorgfältigen und verantwortungsvollen Einsatz, um sowohl die Chancen zu maximieren als auch die Risiken zu minimieren. Wenn du siehst oder erfährst, dass ein Unternehmen Künstliche Intelligenz im Recruiting nutzt, muss das kein Makel sein. Es lohnt jedoch, bei solchen Bewerbungen besonders aufmerksam zu sein und viel Wert auf die Erfüllung der formellen Kriterien an die Stelle zu legen und deine Unterlagen auf häufige Fehler in der Bewerbung zu prüfen.