Studium nicht gleich Job?

Warum ihr wahrscheinlich immer anders arbeiten werdet als vorgestellt

Bild Warum ihr wahrscheinlich immer anders arbeiten werdet als vorgestellt

Manchmal kommen die Dinge anders, als gedacht. Das gilt insbesondere für den Sprung vom Studium in den Job. Denn zwischen Uni und Berufsalltag klaffen enorme Unterschiede - in jedem Fach. Was Absolventen über den Berufsalltag annehmen, was sie im Job tatsächlich erwartet und wie ihr mit der Diskrepanz umgeht, haben wir für euch notiert.

Berufsalltag: Vorstellung vs. Realität

Nur noch ein Semester, nur noch ein paar Scheine, dann ist das Studium endlich geschafft und die Karriere kann starten. Diesen Gedanken hatten viele. Da hat der erste richtige Job noch wie das Licht am Ende eines langen Tunnels gewirkt. Da hat man noch gedacht, das im Studium erworbene Wissen sinnstiftend und karrierefördernd einsetzen zu können, dass man sich voll einbringen könnte, dass einem zugehört würde, dass die eigenen Ideen ernst genommen würden, dass die Perspektive eines jungen, frischen, unverbrauchten Talents wie euch wertgeschätzt würde. Träume, alles Träume. Der Realität entspricht das nicht.

In Wirklichkeit startet man in der Regel nicht mit einem gut dotierten Job, kann kaum eigenverantwortlich agieren, erledigt Aufgaben weit unter dem Niveau, das man von der Uni gewohnt ist und muss sich insbesondere in großen Unternehmen erst einmal weit unten in der Hierarchie einordnen. Die Kollegen sind keine kompetent-kollaborativen Mentoren, sondern wälzen die Dreckarbeit auf euch ab, weil ihr das neuste und damit schwächste Glied im Team seid. Kurzum: Der erste echte Job nach dem Studium ist meist unglamourös. Im schlimmsten Fall müsst ihr viel zu oft Kaffee holen, habt das Gefühl, ein dressiertes Hündchen könnte die Arbeit ebenso gut erledigen und hofft dennoch, dass euer befristeter Vertrag bald entfristet wird.

Diese oder ähnliche Erfahrungen machen viele Hochschulabsolventen, denn der Berufsalltag weicht unabhängig vom Fach deutlich vom Inhalt im Studium ab. An der Hochschule geht es um freies Denken, meist komplett losgelöst von Zwängen. Man wird ermuntert, das große Ganze zu sehen und Zusammenhänge kritisch zu hinterfragen. In der Praxis sind die Aufgaben viel kleinteiliger, kritisches Hinterfragen gilt bei vielen Vorgesetzten als störend und Zwänge spielen eine zentrale Rolle. Auf die eigentliche Realität im Job wird man in keinem Studium vorbereitet.

 

Studium nicht gleich Job? Warum ihr anders arbeiten werdet / Foto: baylee gramling / unsplash

Studium nicht gleich Job? Warum ihr anders arbeiten werdet / Foto: baylee gramling / unsplash

Mythos vs. Wirklichkeit: Diskrepanz verringern

Wer frisch von der Hochschule kommt und in den Beruf startet, ist oft desillusioniert. Dabei lässt sich falschen Vorstellungen und überzogenen Ansprüchen an das Leben nach der Uni aktiv vorbeugen:

Praktika

Durch Praktika lässt sich die Lücke zwischen Studium und Berufspraxis schließen. Gerade in Zeiten von immer stärker verschulten Studiengängen kann euch Erfahrung aus dem ein oder anderen Praktikum nicht nur die Augen für den Berufsalltag öffnen, sondern auch einen echten Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt bringen. Aber: Macht nur Praktika, die euch interessieren, euch Orientierung bieten oder euch beruflich weiterbringen. Konzertiert euch auf bezahlte Praktika und vermeidet es, euch unter Wert zu verkaufen (ein unbezahltes Praktikum kann sich im Einzelfall lohnen, darf aber nicht zu lange dauern). Wichtig: Listet im Lebenslauf nur wirklich relevante Praktika, zu viele unterschiedliche Stippvisiten würden Arbeitgebern signalisieren, dass ihr orientierungslos seid.

Recherche

Ehe ihr euch bei einer Firma verpflichtet, solltet ihr versuchen herauszufinden, was euch in diesem Unternehmen erwartet. Checkt Arbeitgeber-Bewertungsportale und sucht in Online-Netzwerken nach nützlichen Kontakten, die in eurer Wunschfirma arbeiten oder gearbeitet haben. Schickt kurze und freundliche Nachrichten mit konkreten Fragen (Work-Life-Balance, Aufstiegschancen, Fluktuation etc.), die meisten Menschen geben gerne Auskunft.

Fazit: Auf die Realität wird man nicht vorbereitet

Der Wechsel von Studium in den Job kann stressig sein und erfordert Geduld. Ihr werdet eine Arbeit finden, die euch gefällt, Perspektiven bietet und bei der das Geld stimmt. Aber vielleicht nicht auf Anhieb. Die meisten Absolventen absolvieren fünf Praktika und entwickeln so ein eigenes Profil - das hilft euch eine Stelle zu finden, die zu euren Ansprüchen passt. Im besten Fall führt ein Praktikum, das euch gefällt zu einer Festanstellung. Und währenddessen lernt ihr on the job, was wirklich im Berufsalltag zählt.

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