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Best Buddy mit dem Chef?

Warum ihr das lieber lassen solltet

Bild Warum ihr das lieber lassen solltet

Mit dem Chef auf "Du und Du" - das ist in vielen Unternehmen nichts Ungewöhnliches. Anders sieht es allerdings aus, wenn ihr eng mit dem Chef befreundet seid. Auf der einen Seite mag das durchaus seine Vorteile haben, ohne Zweifel. Andererseits könntet ihr damit aber auch ein gewisses Risiko eingehen, euch unternehmensintern sogar "ins Aus kicken". Denn nicht in jedem Team ist es gerne gesehen, wenn ihr zu eng mit dem Boss verbandelt seid - in welcher Form auch immer.

Mit dem Chef befreundet sein - für viele ein Dorn im Auge

Stellt euch die folgende Situation vor: Ihr sitzt mit den Kollegen in eurer Abteilung zusammen und haltet ein Meeting ab. Es geht um ein wirklich wichtiges Thema. Jeder will seinen Beitrag leisten und eigene Ideen, Verbesserungsvorschläge oder was auch immer zum Besten geben. Alle Team-Member kommen zu Wort, werden gehört - aber wieder einmal setzt der Chef letztlich nur das um, was sein "best Buddy", euer Arbeitskollege, präsentiert hat. Eine solche Situation kann über kurz oder lang zu Reibereien führen, weil andere Kollegen das Gefühl haben, dass ihre Leistungen oder ihr Engagement weniger geschätzt werden.

Der Idealzustand

Es ist sicherlich optimal, wenn die Hierarchien innerhalb eines Unternehmens klar abgegrenzt sind und jeder in der Firma weiß, wo sein Platz ist und welches seine Aufgabenbereiche bzw. die individuellen Kompetenzen sind. Kommt aber plötzlich ein "Neuer" ins Team, der auch noch mit dem Chef befreundet ist, können die zuvor so sorgfältig festgelegten Strukturen im schlimmsten Falle aus den Fugen geraten. Da gibt es zwar die uralte Weisheit "Neue Besen kehren gut", und "frischer Wind" bringt in der Tat oft viele Vorzüge mit sich. So gesehen sind positive Veränderungen durchaus von Vorteil. Der "Best friend" des Chefs könnte aber dennoch langfristig auch zu einem echten "Quertreiber" avancieren. Und das mit zum Teil verheerenden Konsequenzen.

Der perfekte Vorgesetzte

Ein guter Chef bringt idealerweise Führungsqualitäten mit, er ist fair, gerecht und kompetent. Außerdem solltet ihr von eurem Boss erwarten dürfen, dass er eine gute Beobachtungsgabe hat und dementsprechend weiß, was genau die Stärken und Schwächen seiner Mitarbeiter sind. Manch einer stellt sich den Vorgesetzten sicherlich auch als guten Freund vor. Sofern es eine freundschaftliche Ebene zwischen Chef und Arbeitnehmern gibt, macht es naturgemäß noch mehr Laune, geschlossen im Team zur After-Work-Party zu gehen oder auch mal gemeinsam Golf zu spielen. Andererseits ist es nicht wirklich empfehlenswert, dass ihr versucht, mit eurem Chef befreundet zu sein.

Hand aufs Herz: Wollt ihr wirklich eine enge Freundschaft mit einer Person haben, die buchstäblich "auf Gedeih und Verderb" über eure Karriere bestimmen kann? Im Falle möglicher Unstimmigkeiten bzw. bei Meinungsunterschieden ist es manchmal denkbar, dass eine solche Freundschaft auf den Prüfstand gestellt wird. Und wenn es "hart auf hart" kommt, ist euer Chef "am längeren Hebel". Er hat folglich in der Hand, ob ihr weiterhin im Unternehmen bleibt, wenn etwas einmal nicht so glatt läuft - oder nicht.

 

Best Buddy mit dem Chef? Warum ihr das lieber lassen solltet / Foto: priscilla du preez / unsplash

Best Buddy mit dem Chef? Warum ihr das lieber lassen solltet / Foto: priscilla du preez / unsplash

Viele gute Gründe, nicht mit dem Chef befreundet zu sein

Es gibt Situationen im Leben des "Best Buddys vom Chef", in denen ihm von neidischen Kollegen unterstellt werden könnte, er würde bevorzugt. Wer mit dem Chef befreundet ist, diesen beispielsweise um eine Gehaltserhöhung bittet und sie letztlich auch bewilligt bekommt, muss unter Umständen mit der Missbilligung des Teams rechnen. Freilich hängt die Reaktion der Kollegen aber stets auch von mehreren Faktoren ab, wie zum Beispiel:

  • Wie ist euer Team insgesamt aufgestellt?
  • Wie gut ist der Zusammenhalt unter den Mitarbeitern?
  • Wie fair geht der Chef mit seiner "Mannschaft“ um?
  • Ist der "Best Buddy" des Vorgesetzten generell eher ein Außenseiter?
  • Wie ist es um die Kollegialität des Kollegen bestellt, der mit dem Chef befreundet ist?

Diese und weitere Fragen nehmen hierbei einen hohen Stellenwert ein. Fakt ist aber auch, dass es Momente gibt, die den Argwohn der Kollegen selbst dann hervorrufen könnten, wenn innerhalb der Unternehmensstrukturen "eigentlich alles passt". Nämlich dann, wenn zuvor bereits ein anderer Kollege ein Gesuch um mehr Gehalt eingereicht hat, ihm aber dieser Wunsch verwehrt geblieben ist. Unter diesen Umständen ist der Freund des Chefs praktisch in einer Art "Beweispflicht". Das heißt, man erwartet von ihm gegebenenfalls, den anderen Kollegen im Team irgendwie deutlich zu machen, dass er die Gehaltserhöhung sehr wohl verdient hat. Wer jedoch keine Lust hat, sich zu rechtfertigen, der könnte möglicherweise "ins Abseits geraten". Immer wieder zeigen die Erfahrungen, wie schwierig es ist, aus einer solchen Situation wieder herauszukommen. Nicht selten sind derartige Vorkommnisse sogar der Beginn einer gehässigen Mobbing-Kampagne. Zudem verhindert eine Freundschaft mit dem Chef dann im Zweifel auch eine Freundschaft unter Kollegen. Und Freunde auf der Arbeit zu haben, kann einen vor allem in der täglichen Arbeit im Zweifelsfall mehr unterstützen, als es der Chef tut.

 

Mit dem Chef befreundet sein - für viele ein Dorn im Auge / Foto: alice donovan-rouse z371tcpqlii

Mit dem Chef befreundet sein - für viele ein Dorn im Auge / Foto: alice donovan-rouse z371tcpqlii

Was, wenn der Chef euch auflaufen lässt?

Als Freund des Chefs kann man häufig davon ausgehen, dass dessen laufende Projekte per se mit mehr Wohlwollen betrachtet werden. Das, was ihr vorschlagt, wird akzeptiert und oft sogar mit Beifall honoriert. Schon allein deshalb könnt ihr insgesamt mit mehr Gelassenheit zur Arbeit fahren. Es gibt jedoch auch die "berühmten" Tage, an denen etwas schiefläuft. Ihr präsentiert euren Vortrag oder eure neueste Entwicklung. Doch der Vorgesetzte springt so gar nicht darauf an. Im Gegenteil - er zerpflückt eure Arbeit vor dem gesamten Team "in der Luft" und kritisiert sie. Selbst wenn ihr solche Erlebnisse möglichst nicht als persönlichen Angriff werten solltet, so fühlt es sich mitunter doch an, wie ein "Schlag in die Magengegend". Objektiv betrachtet ist es zwar eine Stärke des Chefs, wenn er alle Kollegen im Team gleichbehandelt und bei Bedarf auch mal auf gewisse Schwächen hinweist. Nichtsdestotrotz wünscht man sich ein solches Verhalten von einem guten Freund nicht.

Diese und andere Begebenheiten können dazu beitragen, dass die Motivation, morgens zur Arbeit zu fahren, mehr und mehr schwindet. Da liegt es nahe, sich intensiver mit der Suche nach einer anderen beruflichen Tätigkeit zu befassen. Derartige Dinge bespricht man generell am besten mit guten Freunden. Dumm nur, wenn der Chef der "gute Freund" ist. Das macht das Ganze für euch auch nicht leichter.

Der entscheidende Schritt

Angenommen, die Unzufriedenheit und der Frust werden immer stärker und ihr entscheidet euch tatsächlich für die Kündigung. Wer mit dem Chef befreundet ist, muss unter Umständen in Kauf nehmen, dass auch die Freundschaft an einem solchen Schritt zerbricht. Frei nach dem Motto: "Kommunikation ist alles", können aber schwierige Situationen im beruflichen Alltag durchaus salopp gemeistert werden. Vor allem dann, wenn ihr mit dem Chef befreundet seid.

Fazit

Miteinander zu reden, kann erfahrungsgemäß so manche Unstimmigkeit aus dem Weg räumen. Diese "Weisheit" gilt nicht nur nach eurem Ausscheiden aus dem Unternehmen, sondern vielmehr hat sie in den unterschiedlichsten privaten und beruflichen Situationen Gültigkeit. Das bedeutet, dass etwaige Schwierigkeiten mit Kollegen schon im Vorfeld vermieden werden könnten, wenn ihr mit dem Chef befreundet seid und es zugleich versteht, die Gratwanderung zwischen Freund-sein und Kollegialität zu meistern.

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