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Das sind die krassesten Mythen und Vorurteile über Pflegeberufe

Foto: gustavo fring / Pexels
Foto: gustavo fring / Pexels

'Pflegeberufe Mythen': Stellt euch vor, das wäre der Titel eines gerade erschienenen Bestsellers. Würdet ihr zugreifen und darin lesen, wenn ihr euch für Pflegeberufe interessiert bzw. euch eine Ausbildung im Gesundheitsbereich vorstellen könnt? Mit Sicherheit!

Allein der Begriff „Mythos“ weckt Neugierde. In jedem Fall solltet ihr die Pflegeberuf-Mythen aber auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen. Das könnt ihr hier mit einer kompakten Lektüre tun, für die ihr euch nur wenige Minuten Zeit nehmen müsst.

Sechs häufige Vorurteile gegenüber Pflegeberufen bigKARRIERE / Foto: emil kalibradov / unsplash

Sechs häufige Vorurteile gegenüber Pflegeberufen bigKARRIERE / Foto: emil kalibradov / unsplash

Vorurteile bei Pflegeberufen: Was ist eigentlich ein Mythos?

Der Definition nach ist ein Mythos eine überlieferte Sage, die aus einer längst vergangenen Zeit stammt und einen legendären Charakter annehmen kann. Davon kann mit Blick auf Pflegeberufe in Deutschland keine Rede sein, denn der Bedarf ist aktueller und wichtiger als jemals zuvor. Mit Blick auf den Wahrheitsgehalt von Pflegeberuf-Mythen ist zu hinterfragen, von wem welche Information stammt und in welchem Kontext sie geäußert wurde. Eine mit ihrer Stelle unzufriedene Pflegefachkraft wird sich kaum positiv über ihren Arbeitgeber äußern. Wenn ihr eine entsprechend negative Bewertung auf einem Portal lest, sollte daraus kein Mythos werden! Schließlich ist immer der subjektiv gefärbte Hintergrund zu beachten, wie er mit Blick auf Vorurteile über Pflegeberufe typisch ist.

So kommt ihr der Wahrheit hinter Pflegeberufe Mythen auf die Spur

Am besten fragt ihr Menschen, die ihr gut kennt und die in der Pflege arbeiten. Solche Informationen aus erster Hand oder ein Praktikum sind definitiv besser geeignet, um sich bei Interesse ein persönliches Bild von den Zuständen in der Pflege zu machen. Zweifelsohne haben Pflegeberufe ein gewisses Imageproblem, was auch den Fachkräftemangel zum Teil erklären mag. Trotzdem zeigt euch ein Blick auf die folgenden Pflegeberuf-Mythen, dass viel (Entwicklungs-)Potenzial in der Pflege steckt.

Mythos 1: Pflegekräfte verdienen schlecht

Wenn es um häufig genannte Vorurteile bei Pflegeberufen geht, steht das Gehalt gerne an erster Stelle. Analysen auf Gehaltsportalen zeigen aber, dass Berufseinsteiger mit einem durchschnittlichen Gehalt von etwa 2.800 Euro rechnen können. Im dritten Lehrjahr der neu geregelten Berufsausbildung zur Pflegefachkraft liegt das Gehalt bei über 1.300 Euro. Das Einstiegsgehalt in der Pflege ist somit teils deutlich höher als in vielen Bürojobs. Und letztlich habt ihr es mit Verhandlungsgeschick und Weiterbildungen selbst in der Hand, euren Marktwert und damit Verdienstchancen in die Höhe zu treiben.

Mythos 2: In der Pflege werden die meisten Überstunden geleistet

Es stimmt, dass Pflegekräfte häufig Überstunden leisten. Das ist aber letztlich vor allem dem Fachkräftemangel in vielen Einrichtungen geschuldet. In vielen anderen Branchen werden mindestens genauso viele Überstunden geleistet. Letztlich seid ihr rechtlich auch nur in einem sehr begrenzten Rahmen dazu verpflichtet, Überstunden zu leisten. Wenn ihr beim Vorstellungsgespräch in einer Einrichtung auf die Themen Personalschlüssel und Dienstplanung eingeht, könnt ihr euch ein sehr konkretes Bild verschaffen. Das wird viele Pflegeberufe Mythen in den Schatten stellen. In diesem Zusammenhang könnt ihr auch das Thema Work-Life-Balance prüfen. Hier tut sich mittlerweile sehr viel. Immer mehr Arbeitgeber gehen neue Wege, um Fachkräfte für sich zu gewinnen.

So kommt ihr der Wahrheit hinter Pflegeberufe Mythen auf die Spur / Foto: ehimetalor akhere unuabona / unsplash

So kommt ihr der Wahrheit hinter Pflegeberufe Mythen auf die Spur / Foto: ehimetalor akhere unuabona / unsplash

Mythos 3: Pflegeberufe erlauben keine Entwicklung/Karriereperspektiven

Solche Vorurteile bei Pflegeberufen sind häufig zu hören. An solchen Einschätzungen ist aber ganz klar nichts dran, denn es gibt unzählige Möglichkeiten, um sich weiterzubilden bzw. fachlich zu spezialisieren. Denkbar wäre etwa für ausgebildete Pflegefachkräfte eine Weiterbildung zum Pflegemanager (Stationsleitung) oder eine Spezialisierung im Bereich Wundheilung. Mittlerweile gibt es sogar zahlreiche Studiengänge im Bereich der Pflege. Falls ihr einen akademischen Weg einschlagen wollt, stehen euch viele verschiedene Karrieremöglichkeiten offen. Sprecht ihr dieses Thema bzw. eure Wünsche bei Arbeitgebern in der Pflege an, rennt ihr eigentlich immer offene Türen ein. Den meisten ist sehr daran gelegen, über bestens qualifizierte Fachkräfte zu verfügen und diese langfristig zu binden.

Mythos 4: Pflegeberufe bieten keine Zukunft

Solche Pflegeberuf-Mythen lassen sich mit Blick auf die gesellschaftlichen Fakten schnell entkräften. Bereits Mythos 3 hat euch gezeigt, in welche Richtungen ihr euch (weiter)entwickeln könnt. In den kommenden Jahren wird es in Deutschland immer mehr Pflegebedürftige geben. Der Bedarf an Pflegefachkräften wird stark steigen, kein anderer Wirtschaftsbereich wird derart stark wachsen wie der Gesundheitssektor. Wenn ihr euch für einen zukunftssicheren Job mit hervorragenden Zukunftsperspektiven entscheiden wollt, werdet ihr ihn in der Pflege finden.

Mythos 5: Arbeit in der Pflege führt automatisch zu Rückenproblemen

Diese Vorurteile bei Pflegeberufen mögen eine gewisse Berechtigung haben, schließlich handelt es sich zum Teil um körperlich schwere Arbeit. Das ist aber in vielen anderen Berufen auch der Fall. Insofern kann es sich nicht um ein exklusives Ausschlusskriterium für diesen Beruf handeln. Dienst am Menschen könntet ihr auch in konzeptioneller Hinsicht am Schreibtisch leisten. Hinzu kommt, dass Pflegekräfte in der Ausbildung die richtigen Handgriffe lernen. Mit diesen kann die Arbeit maximal rückenschonend ausgeführt werden.

Bedenkt auch, dass moderne Technik jetzt und in Zukunft den Rücken entlastende Hilfsmittel zur Verfügung stellt. Mit speziellen Liften ist es jetzt schon möglich, Patienten schnell, sicher und rückenschonend zu heben. In naher Zukunft könnten auch Pflegeroboter zusätzliche Arbeitskraft liefern und für Entlastung sorgen. In Japan ist das zum Teil in der Pflege schon gelebte Realität.

Mythos 6: Durch Zeitmangel bleibt die Menschlichkeit in der Pflege auf der Strecke

Pflegeberuf-Mythen wie dieser halten sich besonders hartnäckig. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass durch den Fachkräftemangel vielerorts bei der Arbeit aufs Tempo gedrückt werden muss. Andererseits gibt es immer mehr Hilfsmittel, um in einer bestimmten Zeit für alle Beteiligten eine ansprechende Qualität der Pflege erreichen zu können. Der Faktor Mensch ist und bleibt aber alles entscheidend: Pflegefachkräfte sind die wichtigsten Bezugspersonen von Patienten im Lebensalltag, sie haben immer ein offenes Ohr. Selbst wenn die Zeit kurz bemessen ist, reicht sie doch für ein nettes Wort oder ein Lächeln. Ihr könnt als junge Fachkräfte in der Pflege den Gegenbeweis für diesen Mythos antreten und zeigen, wie Menschlichkeit im Umgang mit Patienten gelebt werden kann. Hier sind viele Formen vorstellbar...

Fazit: Viele Pflegeberufe Mythen kratzen nur an der Oberfläche

Welche häufigen Vorurteile bei Pflegeberufen gibt es? Hier konntet ihr euch einen Überblick verschaffen und typische Pflegeberufe Mythen genauer unter die Lupe nehmen. Am besten ist es, Berufserfahrungen zu sammeln, um die 'eigene' Wahrheit herauszufinden. Es gibt jedenfalls jetzt und in Zukunft viel zu tun und mit neuen Ausbildungsformen sowie Studiengängen stehen euch alle Türen offen. Es ist an euch, unterhalb der Oberfläche in die Tiefe zu gehen und euch eine eigene Meinung zu bilden. Schnell werden sich viele Vorurteile bei Pflegeberufen als zu undifferenziert erweisen.

Weitere Infos zum Thema:

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