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Embodiment

so wirkt der Körper auf die Psyche!

Foto: angello pro / unsplash
Foto: angello pro / unsplash

Ihr kennt sicher das Gefühl, wenn man sich mit hängenden Schultern und eingezogenem Kopf einfach nur im Bett verkriechen und seine Ruhe haben möchte. Und ihr habt es wahrscheinlich auch schon einmal erlebt, dass ihr mit stolzgeschwellter Brust und einem breiten Grinsen durch den Tag geht. Unsere Emotionen wirken sich auf unsere Körperhaltung aus. Und umgekehrt. Das ist keine neue Erkenntnis. Schon im alten Griechenland wusste Aristoteles, dass sich der Zustand der Seele auf das Aussehen des Körpers auswirkt. Und ändert man die Körperhaltung, so hat dies einen Einfluss auf den Zustand der Seele. Nice to know, denkt ihr, aber was soll ich jetzt mit der Information anfangen? Oder ihr wusstet vielleicht bereits, dass es da einen Zusammenhang gibt? Was ihr möglicherweise noch nicht wusstet, ist, dass ihr Embodiment zu eurem Vorteil einsetzen könnt. Wir verraten euch, was Embodiment ist und wie ihr es für euch nutzt.

Embodiment – was ist das eigentlich genau?

Embodiment kann mit "Verkörperung" übersetzt werden. Darunter versteht man, dass es zwischen der äußeren Wirkung unseres Körpers und unserem inneren Empfinden einen Zusammenhang gibt. Wenn wir einen Menschen anschauen, können wir dessen Gefühle oftmals schon allein anhand der Körperhaltung sehr gut einschätzen. Wenn jemand lächelt oder lacht, nehmen wir diesen Menschen als gut gelaunt wahr. Lässt jemand die Schulter hängen und wirkt verschlossen, erscheint uns dieser Mensch bedrückt. Tränen können als Traurigkeit gedeutet werden. Doch nicht immer ist der Zusammenhang zwischen der äußeren Wahrnehmung eines Körpers und dem inneren Empfinden so offensichtlich. Beim Embodiment geht es um wesentlich subtilere Zusammenhänge. Man geht hier davon aus, dass es ein sehr feines Wechselspiel zwischen Psyche und Körper gibt. Alles, was ihr fühlt, spiegelt sich im Körper wider. Mimik, Gestik und Körperhaltung geben wieder, wie ihr euch innerlich fühlt. Alle Gefühle und Stimmungen drücken sich auch durch den Körper aus. Daneben geht man auch davon aus, dass Erlebnisse und Erfahrungen im Körper gespeichert werden und sich auf unser Aussehen und unsere äußere Erscheinung auswirken.
 

Embodiment – Körper und Seele befinden sich in Wechselwirkung Foto: brooke cagle / unsplash

Embodiment – Körper und Seele befinden sich in Wechselwirkung Foto: brooke cagle / unsplash

Embodiment – das könnt ihr ausprobieren

Es gibt auch im Alltag zahlreiche Beispiele für Embodiment. Oft ist es uns nicht einmal bewusst, wenn wir unseren Körper durch Emotionen beeinflussen oder unsere Emotionen durch unseren Körper. Ein einfaches Beispiel für Embodiment ist ein Lächeln. Wenn ihr schlecht gelaunt seid und die Lippen dennoch zu einem Lächeln verzieht, kann sich das positiv auf eure Stimmung auswirken. Ihr seid umgehend besser gelaunt und eure Motivation steigt. Eine positive Mimik kann positive Emotionen herbeiführen. Dass positive Mimik zu positiven Emotionen führen kann, ist sogar wissenschaftlich bewiesen. In den 1980er Jahren gab es ein Experiment, das als Bleistiftexperiment bekannt wurde. Hier sollten die Versuchspersonen einen Bleistift quer in den Mund nehmen. Dadurch verzog sich der Mund wie bei einem Lächeln. Das Ergebnis war, dass sich allein durch das Anheben der Mundwinkel auch die Stimmung verbesserte. Außer der Veränderung der Mimik gab es keine Anreize, die die Stimmung positiv beeinflusst hätten. Man nennt diesen Zusammenhang auch Facial-Feedback-Hypothese.

Es gibt einige Gesichtsmuskelbewegungen und körperliche Haltungen, die ihr ausprobieren könnt, um deren Wirkung auf eure Emotionen zu testen:

  • Arme vor dem Körper verschränken: Wenn ihr eure Arme vor dem Körper verschränkt, so wird das von Außenstehenden in der Regel als Zeichen der Ablehnung wahrgenommen. Mit dieser Haltung verschließt ihr euch auch innerlich vor Ideen oder Menschen. Steht ein Meeting oder Treffen mit Freunden an und möchtet ihr anderen offen gegenübertreten, solltet ihr auf eine offene Körperhaltung ohne verschränkte Arme achten.
  • Wärme lässt euch sympathischer wirken: Äußerliche Faktoren wie Wärme oder Kälte beeinflussen den Körper und damit unsere Wahrnehmung. Halten wir ein warmes Getränk wie Tee oder Kaffee in den Händen oder haben wir ein kuscheliges Plätzchen in der Nähe der Heizung, dann macht uns die Wärme freundlicher und empathischer. Wir übertragen das körperliche Wohlbefinden durch die Wärme auf unser zwischenmenschliches Verhalten.
  • Schultern zurück: Mit eurer Körperhaltung könnt ihr auch eure innere Haltung beeinflussen. Wer sich unsicher, verletzlich und ängstlich fühlt, rollt die Schultern nach vorne oder zieht diese ein, um sich möglichst klein zu machen. Wir nehmen damit eine Schutzhaltung ein. Möchtet ihr euch dagegen selbstsicher und selbstbewusst fühlen, so solltet ihr die Schulter bewusst nach hinten ziehen. So strahlt ihr eine größere Sicherheit aus und die Körperhaltung wirkt sich auch auf euer Gefühlsleben positiv aus.
  • Aufrechte Haltung: Wenn ihr euch krumm hinsetzt oder lässig durch die Gegend schlurft, wirkt das entspannt. Ihr habt es gemütlich. Wollt ihr dagegen engagiert wirken und motiviert an die Sache gehen, so solltet ihr auf eine aufrechte Körperhaltung achten. Streckt den Rücken durch, macht den Nacken lang und geht aufrecht. Diese Körperhaltung erhöht eure Aufmerksamkeit und eure Motivation, Sachen anzupacken.

Körper und Seele beeinflussen sich gegenseitig

Gefühle und Stimmungen wirken sich also auf Körperhaltung, Mimik und Gestik aus. Das ist aber keine Einbahnstraße. Beim Embodiment geht es darum, dass es eine Wechselwirkung zwischen Psyche und Körper gibt. Das heißt, eure Gefühle beeinflussen nicht nur wie ihr euch bewegt und wie euer Körper nach außen hin wirkt. Ihr könnt umgekehrt durch Veränderungen eurer Mimik, Gestik und eurer Körperhaltung auch euren Körper beeinflussen. Gerade diesen Umstand könnt ihr euch zunutze machen. Ihr seid euren Emotionen nicht hilflos ausgeliefert, sondern könnt Einfluss darauf nehmen, indem ihr eure Körperhaltung verändert.

Embodiment – so wirkt der Körper auf die Psyche! Foto: john noonan / unsplash

Embodiment – so wirkt der Körper auf die Psyche! Foto: john noonan / unsplash

Embodiment nutzen – das sind eure Vorteile

Es ist Montagmorgen. Eure Kaffeemaschine hat sich vor einer halben Stunde mit einem elenden Röcheln für immer verabschiedet, ihr habt den Bus verpasst und müsst zu Fuß zur Arbeit gehen und zu allem Übel seid ihr auf dem Weg zur Arbeit in einen Hundehaufen getreten. Es gibt etwas Besseres als ein gründlich versauter Montagmorgen. Das ist sicher. Allerdings habt ihr in zwei Stunden ein wichtiges Meeting. Ihr wollt durch Selbstbewusstsein überzeugen und eine positive Stimmung erzeugen. Wer jetzt bereits im Embodiment geübt ist, hat gute Chancen, seine Stimmung deutlich über den Nullpunkt zu heben. Die Wechselwirkung zwischen Körper und Seele könnt ihr nutzen, indem ihr bewusst Körperhaltungen einnehmt und eure Mimik so verändert, dass sich eure Stimmung bessert. Das braucht zwar etwas Übung und vor allem am Anfang kommt ihr euch möglicherweise wie ein Idiot vor, wenn ihr euch einen Bleistift für ein künstliches Lächeln zwischen die Lippen klemmt. Aber diese Übungen können sich lohnen. So geht ihr vor:

  • Erst einmal macht ihr euch die Wechselwirkung zwischen Körper und Seele bewusst. Eure Emotionen drücken sich über den Körper aus und ihr könnt eure Emotionen durch euren Körper beeinflussen. Erinnert euch bewusst an diesen Zusammenhang.
  • Beobachtet euch selbst. Wie verändert sich euer Körper bei bestimmten Emotionen? Wie fühlen sich Gesicht, Hände, Schultern und Nacken an? Wie bewegt ihr euch, wenn es euch gut geht? Wenn ihr euch stark und selbstbewusst fühlt, wie fühlt sich das in eurem Körper an? Wenn ihr bewusst wahrnehmt, wie ihr euch in bestimmten Situationen fühlt, könnt ihr die entsprechende Körperhaltung und Mimik reproduzieren.
  • Lernt mehr über die Körpersprache. Beschäftigt euch mit dem Thema Körpersprache und beobachtet die Menschen in eurem Umfeld. Ihr habt einen Freund, der immer sehr selbstbewusst auftritt? Kopiert seine Körperhaltung, um euch ähnlich zu fühlen.
  • Trainiert Körperhaltung, Gestik und Mimik vor dem Spiegel. Ihr wollt, dass eure Körperhaltung möglichst natürlich und authentisch wirkt? Dann trainiert vor dem Spiegel, um das Risiko zu minimieren, dass ihr durch Veränderungen von Körperhaltung und Mimik zwar eure Stimmung positiv beeinflusst, nach außen hin jedoch unnatürlich wirkt.

 

Fazit

Embodiment könnt ihr auf vielfältige Weise für euren privaten und beruflichen Erfolg nutzen. Ob ihr beim Vorstellungsgespräch selbstbewusst und selbstsicher erscheinen, oder am ersten Tag in der Uni besonders offen und sympathisch wirken wollt, mit der richtigen Mimik, Gestik und Körpersprache wird euch das gelingen.

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