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Job Enlargement, Job Rotation und Job Enrichment

Als Arbeitgeber motivieren

Foto: fauxels von pexel / unsplash
Foto: fauxels von pexel / unsplash

Habt ihr euch schon mal gefragt, was einen attraktiven Arbeitsplatz ausmacht und was ein Arbeitgeber tun kann, um die Motivation seiner Mitarbeiter zu erhöhen? Vielleicht habt ihr mal die Begriffe Job Enlargement, Job Rotation und Job Enrichment gehört. Dann wisst ihr, dass dies Instrumente der Personalentwicklung sind. Alle drei Instrumente verfolgen ein bestimmtes Ziel, unterscheiden sich aber im Detail. Hier erfahrt ihr, was mit diesen drei Begriffen gemeint ist und inwiefern diese Job-Konzepte chancenreich sind. 

Personalentwicklung ist erforderlich, um Mitarbeiter an sich zu binden

In Zeiten knapper Fachkräfte müssen Arbeitgeber die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter fördern, um diese möglichst langfristig an sich zu binden. Ein positives, inspirierendes Betriebsklima ist eine Grundvoraussetzung, damit die Beschäftigten sich wohlfühlen und dem Arbeitgeber treu bleiben. Mit einer strategischen Personalentwicklung können wachsende Unternehmen außerdem neue Mitarbeiter gewinnen und sich als attraktive Arbeitgeber von der Konkurrenz absetzen. 

Mehr Abwechslung durch Variation der Aufgaben

Unter den Instrumenten zur Personalentwicklung stehen drei zur Auswahl, die besonders geeignet sind, die Abwechslung im Arbeitsalltag zu fördern und Monotonie zu verhindern. Die Konzepte Job Enlargement, Job Rotation und Job Enrichment haben gemeinsam, dass mit diesen das Aufgabenspektrum von Mitarbeitern im Zeitverlauf variiert wird. 

Training on the job

Außerdem zählen alle drei Instrumente zur Kategorie "Training on the job". Dies bedeutet, dass diese Konzepte während der Arbeit Anwendung finden. Dagegen finden Maßnahmen der Kategorie "Training off the job" außerhalb der Arbeitszeiten statt. Als "Training near the job" existiert eine weitere Kategorie. In diese werden Maßnahmen eingeordnet, die nicht direkt am Arbeitsplatz, aber innerhalb des aktuellen Unternehmens stattfinden. Die Konzepte Job Enlargement, Job Rotation und Job Enrichment werden demzufolge so eingesetzt, dass die Beschäftigten während ihrer täglichen Arbeit zu ihrer eigenen beruflichen Entwicklung beitragen.

 

Job Enlargement, Job Rotation und Job Enrichment / Foto: shayan / unsplash

Job Enlargement, Job Rotation und Job Enrichment / Foto: shayan / unsplash

Job Enlargement, Job Enrichment und Job Rotation

Diese drei Konzepte unterscheiden sich darin, in welcher Weise die neuen Aufgaben sich zu den bisherigen Tätigkeiten verhalten. Dabei spielen sowohl quantitative als auch qualitative Aspekte eine Rolle.

Job Enlargement (=Arbeitserweiterung)

Beim Job Enlargement werden dem Mitarbeiter weitere Aufgaben zugewiesen, die dieser zusätzlich zu den bisherigen wahrnimmt. Ziel dabei ist, dem Angestellten mehr Abwechslung im Arbeitsalltag zu ermöglichen. Motivation und Zufriedenheit der Arbeitnehmer werden auf diese Weise gefördert. Viele Arbeitskräfte sehen eine Herausforderung darin, sich auf neue Aufgaben einzustellen. Vom Anspruch her entsprechen die neuen Aufgaben beim Job Enlargement den bisherigen Aufgaben. Daher sind beim Job Enlargement Weiterbildungen nicht zwingend vorgesehen. Auch eine Beförderung ist nicht erforderlich. Die Auswirkungen auf den Arbeitszeitbedarf müssen aber beachtet werden. Anderenfalls können sich Mitarbeiter überfordert fühlen. Parallel zum Motivationseffekt kann es gelingen, den Abstimmungsbedarf zu reduzieren bzw. zu vermeiden. Wer beispielsweise bisher für den Internet-Auftritt verantwortlich war, könnte im Rahmen des Job Enlargement zusätzlich die Präsenz in den Sozialen Medien übernehmen. 

Job Enrichment (=Arbeitsanreicherung)

Auch beim Job Enrichment werden Mitarbeitern weitere Aufgaben zugewiesen. Dabei besteht aber ein wesentlicher Unterschied zum Job Enlargement: Beim Job Enrichment erfordern die zusätzlichen Aufgaben ein höheres Maß an Verantwortung. Damit drückt der Arbeitgeber seine Wertschätzung gegenüber dem Angestellten aus. Dieser arbeitet nun motivierter, da ihm anspruchsvollere Aufgaben zugetraut werden. Bei diesem Instrument ist in der Regel eine Weiterbildung erforderlich. Anderenfalls kann es zur Überforderung auf Seiten des Mitarbeiters kommen. Mit dem höheren Anspruch der Aufgabe ist eine Beförderung und damit der Aufstieg auf eine höhere Hierarchieebene verbunden. Wenn die zusätzlichen Aufgaben inhaltlich mit den bisherigen zusammenhängen, kann es dem Arbeitgeber außerdem gelingen, die Organisation zu optimieren und Schnittstellenprobleme zu verhindern. 

Job Rotation (=Arbeitswechsel)

Job Rotation bedeutet, dass die Arbeitsplätze bei einem Arbeitgeber systematisch getauscht werden. Somit werden den Mitarbeitern regelmäßig neue Aufgaben anstelle der bisherigen übertragen. Im Unterschied zum Job Enlargement und zum Job Enrichment gibt der Beschäftigte dabei jeweils Aufgaben ab, während er neue Funktionen übernimmt. Ziel dabei ist, die Flexibilität der Belegschaft zu fördern und ein Übermaß an Routine zu verhindern.

Ursprünglich wurde Job Rotation für die Fließbandproduktion entwickelt, da hier die Gefahr der Monotonie und Entfremdung besonders hoch ist. Auch bei Bürotätigkeiten kann Rotation die Motivation der Mitarbeiter steigern und dazu beitragen, dass diese sich verstärkt für die Aufgaben der Kollegen interessieren. Manche Arbeitnehmer wünschen sich, möglichst viele Arbeitsbereiche kennen zu lernen. Durch Job Rotation sind Mitarbeiter gefordert, sich immer wieder neu einzuarbeiten, und geben ihr Fachwissen fast automatisch an Kollegen weiter.

Oft ist mit dem Wechsel der Aufgaben auch ein neues Arbeitsumfeld verbunden, etwa eine andere Abteilung. Dadurch betrachtet die Arbeitskraft Sachverhalte aus einer neuen Perspektive. Das Erfahrungswissen gewinnt an Breite und der Arbeitnehmer gewöhnt sich daran, regelmäßig neue Aufgaben in Angriff zu nehmen. Gleichwohl muss der Arbeitgeber damit rechnen, dass mit jedem Wechsel zeitliche Ressourcen für die Einarbeitung gebraucht werden. Auch die fehlende Stabilität der sozialen Beziehungen innerhalb der Belegschaft kann ein Nachteil sein.

 

Personalentwicklung ist erforderlich, um Mitarbeiter an sich zu binden / Foto: fauxels / pexel

Personalentwicklung ist erforderlich, um Mitarbeiter an sich zu binden / Foto: fauxels / pexel

Job Enlargement, Job Rotation und Job Enrichment im Vergleich

Jedes der drei Instrumente der Personalentwicklung hat neben dem übergeordneten Motivationseffekt spezifische Vorteile, ist aber auch mit eigenen Risiken verbunden. Beim Job Enlargement steht der Vorteil eines geringeren Abstimmungsbedarfs dem Risiko der zeitlichen Überforderung auf Seiten des Beschäftigten gegenüber.

Beim Job Enrichment sind die spezifischen Vorteile die sachlogische Aufgabenzusammensetzung und die Aktivierung des Mitarbeiters durch mehr Verantwortung. Nachteile sind die Gefahr der Überforderung und die Kosten durch die erforderliche Weiterbildung.

Bei der Job Rotation ist die systematische Teilung von Fachwissen der wesentliche Vorteil, während die Einarbeitungen mit zeitlichen Verlusten verbunden sind und manche Mitarbeiter überfordern können.

Fazit: Stellenprofil und Situation des Unternehmens oft entscheidend

Es hängt vom Profil einzelner Stellen und von der Situation des Unternehmens ab, welches der Instrumente am besten geeignet ist. Einem hochspezialisierten Mitarbeiter im Rahmen der Job Rotation neue Aufgaben zuzuweisen, wird in der Regel nicht sinnvoll sein. Denn ein Experte kann nicht ohne weiteres von Kollegen ersetzt werden. Es ist auch zweifelhaft, ob die Motivation gefördert wird, wenn der Spezialist Aufgaben übernimmt, bei denen er seine Expertise nicht mehr wie gewohnt einbringen kann. In Zweifelsfällen sollten die individuellen Vorstellungen des Mitarbeiters berücksichtigt werden.

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