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Schicksalsschlag eines Kollegen?

Die Nogos im Büro

Foto: dave herring / unsplash
Foto: dave herring / unsplash

Ein schwerer Schicksalsschlag kann jeden treffen. Mal ist es eine Krankheit, die uns selbst oder Nahestehende trifft, mal ist es der Tod eines Angehörigen. Erleidet ein Kollege einen schweren Verlust oder erhält dieser eine schlimme Diagnose, ist das Fingerspitzengefühl der Kollegen und Vorgesetzten gefragt. Wie geht man mit trauernden, schwer getroffenen Kollegen um? Wie drückt man seine Anteilnahme aus? Hierzulande gelten Themen wie Krankheit und Tod weitgehend als Tabu. Vor allem im Job haben solche Schicksalsschläge scheinbar nichts zu suchen. Allerdings kann das Leben jeden einholen und dann befindet man sich selbst mitten im Albtraum. Wie ihr eurem Kollegen eure Anteilnahme und euer Mitgefühl zeigen könnt und welche No-gos ihr vermeiden solltet, verraten wir euch hier.

Schicksalsschläge – wie gehen wir unter Kollegen damit um?

Keine Frage, wenn ein anderer einen Schicksalsschlag verkraften muss, fällt auch uns der Umgang damit schwer. Bei engen Freunden oder Familienangehörigen ist es zumeist einfacher, seine Anteilnahme auszudrücken. Es gibt einen engen Kontakt, man steht sich nahe, das Reden fällt leichter und man kann zusammen weinen und dem Trauernden Trost und Halt geben. Kollegen stehen wir nicht unbedingt so nah und es fällt schwer, Anteilnahme auszudrücken. Viele fühlen sich in solch einer Situation überfordert. Auf der einen Seite möchte man den vom Schicksal schwer getroffenen Kollegen nicht ignorieren. Auf der anderen Seite möchte man der Person nicht zu nahetreten und möglicherweise eine Grenze überschreiten. Häufig kommt es in solchen Situationen zu Unsicherheiten. Es gilt jedoch ganz klar: Ignorieren dürft ihr euren trauernden Kollegen auf keinen Fall. Das Ignorieren von Schicksalsschlägen ist ein absolutes No-go.

 

Schicksalsschlag im Kollegenkreis – das solltet ihr nicht sagen / Foto: markus winkler / unsplash

Schicksalsschlag im Kollegenkreis – das solltet ihr nicht sagen / Foto: markus winkler / unsplash

No-Gos – das solltet ihr zu euren Kollegen lieber nicht sagen

Auch wenn das Patentrezept für den Umgang mit Trauernden nicht gibt, so gibt es doch einige Sachen, die ihr nicht sagen solltet. Folgende Aussagen solltet ihr euch und eurem Gegenüber ersparen:

  • Sätze wie "Das Leben geht weiter.", "Die Zeit heilt alle Wunden." Oder "Irgendwann bist du darüber hinweg." haben im Umgang mit einem Trauernden nichts verloren. Ihr wisst nicht, wie es eurem Kollegen nach dem Schicksalsschlag geht, und ob er darüber hinwegkommen wird. 
  • Kommt jetzt nicht mit Geschichten aus eurem Leben an. Versucht euer Gegenüber nicht mit lustigen Erzählungen von seiner Trauer abzulenken. Erst einmal ist aufrichtige Anteilnahme angesagt.
  • Macht nicht etwas krampfhaft Positives aus dem Unglück eures Kollegen. Auch wenn ihr glaubt, dass es die todkranke Mutter eures Kollegen nun besser hat. Sätze wie "Es war Gottes Wille." oder "Der Verstorbene ist nun an einem besseren Ort." solltet ihr euch verkneifen. Euer Kollege trauert und er hat ein Recht darauf, seine Trauer so zu auszuleben wie er möchte.
  • Wichtig ist auch, dass ihr in der jetzigen Situation keinen Druck aufbaut. Projekte und Aufgaben müssen vielleicht erst einmal warten oder an einen anderen Kollegen vergeben werden. 
  • Ihr könnt nicht einfach zum Tagesgeschäft übergehen und so tun, als wäre nichts passiert. 
  • Leere Worte und sinnlose Phrasen solltet ihr vermeiden.
  • Wenn ihr eure Hilfe anbietet und euer Kollege diese annimmt, solltet ihr euren Worten treu bleiben.
  • Die Frage "Wie geht es dir?" will euer Kollege sehr wahrscheinlich nicht jeden Tag hören. Schon gar nicht mehrmals am Tag.
  • Auch wenn ihr neugierig seid, fragt nicht nach den genauen Umständen des Schicksalsschlags. Euer Kollege wird darüber selber berichten oder eben gar nicht darüber sprechen wollen.
  • Zeigt euch euer Kollege Grenzen auf, so solltet ihr diese akzeptieren und nicht weiter nachbohren. Nicht jeder möchte über einen Schicksalsschlag sprechen. 

Es ist zudem ein No-go von eurem Kollegen beziehungsweise Mitarbeiter zu erwarten, dass er innerhalb kürzester Zeit wieder so funktioniert wie vorher. Wer einen Schicksalsschlag verkraften muss, braucht Zeit. Das heißt, euer Kollege bricht in schwierigen Situationen vielleicht unvermittelt in Tränen aus oder reagiert ungewöhnlich gereizt. Ihr solltet das Ereignis nicht runterspielen und auch nach Monaten oder Jahren nicht abfällig darüber sprechen. Jeder Mensch geht anders mit Trauer um und benötigt unterschiedlich viel Zeit, um damit klarzukommen. Auch wenn es euch total nervt, seid geduldig und verständnisvoll. Vor einem Schicksalsschlag ist niemand gefeit.

 

No-Gos – das solltet ihr zu euren Kollegen lieber nicht sagen / Foto: kinga cichewicz / unsplash

No-Gos – das solltet ihr zu euren Kollegen lieber nicht sagen / Foto: kinga cichewicz / unsplash

Wie gehe ich als Chef mit Schicksalsschlägen meiner Mitarbeiter um?

Ihr gehört zu den Führungspersönlichkeiten in eurem Unternehmen oder ihr leitet gar euer eigenes Unternehmen? Dann solltet ihr euch genau wie eure Mitarbeiter an die genannten No-gos halten. Ihr müsst jetzt aber noch eine weitere Herausforderung meistern. Von euch wird neben Menschlichkeit und Verständnis für den Schicksalsschlag des Mitarbeiters auch noch erwartet, dass ihr die wirtschaftlichen Unternehmensziele im Blick habt. Ihr könnt die Zeit nicht einfach anhalten. Im Showgeschäft würde man sagen "the show must go on". Im ersten Schritt solltet ihr Verständnis und Mitgefühl zeigen. Am besten führt ihr mit dem betroffenen Mitarbeiter ein Gespräch unter vier Augen und bietet auch eure Hilfe an. Ihr könnt beispielsweise anbieten, dass euer Mitarbeiter in Teilzeit arbeitet oder vorübergehend beurlaubt wird. Zudem müsst ihr Aufgaben umverteilen und euer Team auf die neue Situation briefen. Ihr müsst euer Team zusammenhalten, trotz der schwierigen Situation. Wenn ihr merkt, dass der betroffene Mitarbeiter gar nicht mehr auf die Füße kommt, solltet ihr ihn im Vieraugengespräch darauf ansprechen und eventuell zu professioneller Hilfe raten.

Fazit

Ein Patentrezept wie ihr mit trauernden Kollegen umgehen könnt, gibt es nicht. Manch einer verarbeitet einen Schicksalsschlag im Laufe der Zeit ganz gut. Andere stürzen dadurch in eine tiefe Lebenskrise und kommen kaum von selbst wieder auf die Füße. Wichtig ist, dass ihr euren trauernden Kollegen nicht ignoriert. Drückt eure Anteilnahme in eigenen Worten aus. Fällt euch das persönliche Gespräch schwer, könnt ihr das auch mit einer Karte tun. Vermeidet unbedingt leere Worte und zeigt euch verständnisvoll und geduldig.

 

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