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Umschulung angepeilt?

Alles zum beruflichen Tapetenwechsel

Foto: surface clsdjsvcy / unsplash
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Ob ihr euch aus gesundheitlichen Gründen beruflich neu orientieren müsst, einen Neustart in einem anderen Beruf wagen oder als Quereinsteiger Karriere machen wollt, eine Umschulung eröffnet euch viele neue Möglichkeiten. Umschulungen können privat finanziert oder staatlich gefördert werden. Für eine Förderung und Finanzierung von staatlicher Seite müsst ihr jedoch einige Voraussetzungen mitbringen. Hier erfahrt ihr mehr über die Voraussetzungen für Umschulungen und was ihr auf dem Weg zu einer neuen beruflichen Ausrichtung beachten müsst.

Umschulung - was ist das eigentlich?

Bei einer Umschulung handelt es sich um eine Möglichkeit, sich beruflich neu zu orientieren. Es ist eine Form der beruflichen Weiterbildung. Allerdings geht es bei einer Umschulung anders als bei einer Weiterbildung nicht darum, bereits vorhandene Kompetenzen auszubauen und zu erweitern, es sollen neue Kompetenzen erschlossen werden. Wer sich umschulen lässt, möchte die Voraussetzungen für einen Wechsel in einen anderen Job oder eine andere Position schaffen. Das Berufsbildungsgesetz regelt die Umschulung in §1, Absatz 5. Arbeitnehmer sollen dadurch die Möglichkeit haben, flexibel zu bleiben und sich an Veränderungen des Arbeitsmarktes anzupassen. Oftmals werden Umschulungen in Deutschland von der Bundesagentur für Arbeit oder der Rentenversicherung gefördert und bezahlt. Je nach den jeweiligen beruflichen Voraussetzungen können Umschulungen bis zu zwei Jahre dauern. Grundsätzlich können Umschulungen schulisch oder dual durchgeführt werden. Bei der dualen Variante gibt es schulische sowie betriebliche beziehungsweise überbetriebliche Bestandteile. In der Regel werden zusätzliche Praktika verlangt.

 

Umschulung angepeilt? – Alles, was ihr über den beruflichen Tapetenwechsel wissen müsst / Foto: antonio janeski / unsplash

Umschulung angepeilt? – Alles, was ihr über den beruflichen Tapetenwechsel wissen müsst / Foto: antonio janeski / unsplash

Umschulungen – es gibt verschiedene Arten

Umschulungen können in unterschiedlichen Formen durchgeführt werden:

  • Schulische Umschulungen: Diese Umschulungsmaßnahmen finden ausschließlich in Berufs- beziehungsweise Berufsfachschulen statt. Um auch etwas praktische Erfahrungen zu sammeln, müssen zusätzlich Praktika absolviert werden.
  • Duale Umschulungen: Bei dieser Form dieser Umschulungsmaßnahme gibt es ähnlich wie bei einer klassischen Ausbildung praktische und theoretische Teile. Den theoretischen Teil absolviert man in der Berufsschule, den praktischen Teil im Betrieb. Hier ist der Vorteil, dass Umschüler bei der dualen Variante ein Ausbildungsgehalt bekommen.
  • Überbetriebliche Umschulungen: Diese Umschulungsmaßnahme wird von privaten Bildungsträgern übernommen. Finanziert werden überbetriebliche Umschulungen beispielsweise von der Bundesagentur für Arbeit oder einem anderen Leistungsträger. Zu dieser Maßnahme gehören sowohl theoretische Teile an der Berufsschule als auch praktische Bestandteile. Die Kosten sind bei dieser Variante am höchsten.

Neben den oben genannten Varianten sind auch Umschulungen in Teilzeit möglich. Bei dieser Variante wird die normale Arbeitszeit etwas gekürzt. Die Berufsschule findet in Vollzeit statt. Das Teilzeit-Modell eignet sich beispielsweise für Eltern, die ihr Berufsfeld wechseln wollen, aber gleichzeitig die Kinderbetreuung gewährleisten müssen.

Warum entscheidet man sich für eine Umschulung?

Den meisten Menschen fällt die Entscheidung für eine Umschulung nicht leicht. Wer möchte nach fünf, zehn, 15 oder 20 Jahren in einem Job schon den Job, den Arbeitgeber und das Berufsfeld wechseln? Nicht jeder möchte immer wieder von vorne anfangen. Das ist kein leichter Schritt. Schließlich hat man mittlerweile Kontakte zu Kollegen geknüpft und das Einkommen sichert den eigenen Lebensstandard. Niemand verzichtet leichtfertig auf soziale Kontakte und das Gehalt. Hinzukommt, dass nicht alle Unternehmen Quereinsteigern ihre Türen weit öffnen. Dennoch können Umschulungsmaßnahmen sinnvoll sein. Sie können die eigenen Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Folgende Gründe können dazu führen, dass manch einer auch nach jahrzehntelanger Berufserfahrung den Job wechselt:

  • Krankheit: Häufig steht ein Jobwechsel aus gesundheitlichen Gründen an. Vielleicht hattet ihr einen Arbeitsunfall, vielleicht könnt ihr euren Job aufgrund einer Erkrankung nicht mehr ausführen. Krankheit ist ein häufiger Grund für Umschulungen.
  • Arbeitslosigkeit: Wer arbeitslos ist und in seinem erlernten Beruf einfach keine geeignete Stelle findet, möchte ebenfalls häufig umschulen. Durch Umschulungen können die Chancen auf einen Job verbessert werden.
  • Abwesenheit: Ihr seid aufgrund einer Erkrankung oder Elternzeit schon lange raus aus eurem Job. Auch hier können Umschulungen den Wiedereinstieg erleichtern.
  • Wunsch nach Jobwechsel: Euch gefällt euer alter Job nicht mehr. Ihr seid ständig gefrustet und sehnt euch nach etwas Neuem.

Warum man eine Umschulung macht, hat in der Regel keinen Einfluss auf die Maßnahme selbst. Es kann jedoch sein, dass ein Grund wie "Krankheit" oder "Arbeitslosigkeit" eure Chancen auf die Finanzierung einer solchen Maßnahme erhöht.

Umschulung - was ist das eigentlich? Foto: bantersnaps / unsplash

Umschulung - was ist das eigentlich? Foto: bantersnaps / unsplash

Welche Voraussetzungen muss ich für eine Umschulung mitbringen?

Wenn ihr euch für eine Umschulungsmaßnahme interessiert, können die Voraussetzungen hierfür sehr unterschiedlich sein. Bestimmende Faktoren können der aktuelle Beruf sowie der Arbeitgeber sein. Häufig interessieren sich Umschüler für die Voraussetzungen, die gegeben sein müssen, wenn die Maßnahme von der Bundesagentur für Arbeit gefördert werden soll. Grundsätzlich müsst ihr mindestens 18 Jahre alt sein. Ihr solltet bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen haben. Auch wenn ihr bereits eine Ausbildung begonnen habt, ist eine Umschulung möglich. Ohne vorherige Berufsausbildung gilt die Ausbildungsmaßnahme als Erstausbildung. Es gibt keinen Anspruch auf Umschulungen. Es handelt sich hierbei um eine sogenannte Kann-Leistung. Das heißt, der Sachbearbeiter im Jobcenter oder der Bundesagentur für Arbeit entscheidet von Fall zu Fall, ob eine Umschulungsmaßnahme gefördert und finanziert werden soll. Auch wer sich unbedingt eine berufliche Neuorientierung wünscht, kann nicht zwingend davon ausgehen, diese gewährt zu bekommen. Unter folgenden Bedingungen ist eine Förderung jedoch eher wahrscheinlich:

  • Ihr seid berufsunfähig. Wenn ihr euren erlernten Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben könnt, dann habt ihr gute Chancen, dass euch die Umschulungsmaßnahme bewilligt wird. Im alten Beruf könnt ihr zwar nicht mehr arbeiten, aber durch eine berufliche Neuorientierung steht ihr dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung.
  • In eurem aktuellen Job sind die Zukunftsaussichten schlecht. In manchen Branchen und Industrien stehen starke Umbrüche an. Nicht immer sind damit auch gute Jobaussichten verbunden. Vielleicht werden manche Tätigkeiten ins Ausland verlagert oder es kommt durch Digitalisierung und Globalisierung zum Wegfall einiger Jobs. Wenn ihr in naher Zukunft aufgrund solcher Entwicklungen arbeitslos werden könntet oder bereits arbeitslos seid, dann stehen eure Chancen gut, mit diesem Argument eine Umschulung bewilligt zu bekommen.
  • Nach der Umschulungsmaßnahme sehen eure Zukunftsaussichten glänzend aus. Ihr möchtet euer Berufsfeld wechseln und wollt zukünftig in einer boomenden Branche arbeiten? Ihr wollt in einen Bereich wechseln, in dem akuter Fachkräftemangel herrscht? Auch hier habt ihr ein gutes Argument für eine solche Maßnahme.

Diese Fehler solltet ihr bei einer Umschulung vermeiden

Umschulungen sind nicht von Haus aus mit Komplikationen verbunden, aber es gibt einige Bereiche, die Umschülern durchaus Sorge bereiten können. Folgende Fehler solltet ihr vermeiden:

  • Allzu naive Vorstellung vom Beratungsgespräch bei der Bundesagentur für Arbeit. Umschulungen sind teuer und werden nur gefördert, wenn ihr überzeugend seid. Bereitet euch mit passenden Argumenten für das Beratungsgespräch bei eurem Sachbearbeiter vor.
  • Umschulungen sollten nicht durch Kredite finanziert werden. Niemand möchte im Anschluss an Umschulungen durch Schulden belastet werden.
  • Ihr trefft eure Wahl zu schnell. Geht sorgfältig vor, wenn ihr umschulen wollt und wählt auch den Umschulungsanbieter sorgfältig aus.

Fazit

Eine Umschulung lohnt sich, wenn ihr mit eurem aktuellen Job nicht glücklich seid oder aufgrund einer Erkrankung nicht mehr in eurem erlernten Beruf arbeiten könnt. Auch bei einer länger andauernden Arbeitslosigkeit ist es sinnvoll, sich mit diesem Thema zu beschäftigen und den Horizont etwas zu erweitern. Wollt ihr eine Finanzierung durch die Bundesagentur für Arbeit, so befasst euch frühzeitig mit Argumenten für eine Umschulungsmaßnahme und bereitet euch auf das Gespräch vor.

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