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Urlaubsanspruch: Das steht dir zu

Diesen Irrtümern solltest du nicht glauben

Foto: ging ang / Pexels
Foto: ging ang / Pexels

Die schönste Zeit des Jahres steht an: die Urlaubszeit. Wir freuen uns auf eine Auszeit vom stressigen Arbeitsalltag und sehnen uns wahlweise nach etwas Ruhe oder Abwechslung. Allerdings können die Ferien schon im Vorfeld für gewaltigen Ärger sorgen. Du verkrachst dich mit deinem Boss, darfst deine Urlaubstage nicht so nehmen, wie du willst und überhaupt sind die Regelungen rund um die Auszeit vom Job kompliziert. Dabei steht dir Erholungsurlaub zu. Wie hoch dein gesetzlicher Urlaubsanspruch ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wir schauen uns das genauer an und gehen einigen Irrtümern rund um den Erholungsurlaub auf den Grund.

Was ist der gesetzliche Urlaubsanspruch?

Wenn du arbeitest, steht dir Zeit zu, um dich zu erholen. Viele Angestellte haben eine Fünf-Tage-Woche. Das heißt, an fünf Tagen in der Woche wird gearbeitet und zwei Tage dienen der Erholung. Der Gesetzgeber sieht vor, dass Beschäftigte vier Wochen im Jahr Erholungsurlaub haben. Grundsätzlich muss der Arbeitgeber jedem Mitarbeiter mindestens die vom Bundesurlaubsgesetz vorgeschriebene Anzahl an Urlaubstagen gewähren. Aus dem Tarifvertrag oder Arbeitsvertrag kann sich ein höherer Urlaubsanspruch ergeben, wenn vereinbart. Es ist allerdings nicht möglich, dass dir dein gesetzlicher Urlaubsanspruch nicht gewährt wird beziehungsweise dein Chef diese vier Wochen unterschreitet.

Nun klingt ein gesetzlicher Urlaubsanspruch von vier Wochen eigentlich nicht besonders kompliziert. Trotzdem ergeben sich zu diesem Thema zahlreiche Fragen. Darf ich Erholungsurlaub nehmen während der Probezeit? Darf ich meine gesamten Urlaubstage am Stück nehmen? Kann ich mir nicht in Anspruch genommene Urlaubstage auszahlen lassen? Muss ich mich krankschreiben lassen, wenn ich in den Ferien krank werde? In der Praxis tauchen viele Fragen zur Urlaubszeit auf. Und es gibt einige Irrtümer, die für Verwirrung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber sorgen.

Wichtig zu wissen: Der Mindestanspruch gilt für Voll- und Teilzeitbeschäftigte. Vorausgesetzt, sie arbeiten an fünf bis sechs Tagen die Woche. Anders sieht es aus, wenn Teilzeitkräfte weniger als fünf Tage in der Woche anwesend sind. In diesem Fall muss der Urlaubsanspruch entsprechend berechnet werden.

Die Irrtümer rund um den Urlaubsanspruch / Foto: david henrichs / unsplash

Die Irrtümer rund um den Urlaubsanspruch / Foto: david henrichs / unsplash

Gesetzlicher Urlaubsanspruch – was steht mir zu?

Wie hoch dein gesetzlicher Urlaubsanspruch ist, ist im Bundesurlausgesetz (BUrlG) geregelt. Hier gibt der Gesetzgeber an, wie hoch der jährliche Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub sein muss. Laut Gesetz gilt der Samstag in Deutschland nach wie vor als Werktag. Aus diesem Grund liegt der Mindestanspruch jährlich bei 24 Werktagen. Das bedeutet, dass ein Arbeitnehmer das Recht auf vier Wochen Urlaub hat. Wie hoch der tatsächliche Urlaubsanspruch mindestens ausfallen muss, hängt von der Länge der Arbeitswoche ab. So sieht der Mindesturlaubsanspruch aus:

  • Bei einer Sechs-Tage-Woche stehen dir mindestens 24 Urlaubstage zu
  • Bei einer Fünf-Tage-Woche stehen dir mindestens 20 Urlaubstage zu

Anspruch auf Urlaub hab ich erst nach der Probezeit

Das ist falsch. Es stimmt, das Bundesurlaubsgesetz sieht vor, dass einem Arbeitnehmer erst nach den ersten sechs Monaten am neuen Platz der volle Urlaubsanspruch zusteht. Das bedeutet jedoch nicht, dass du erst die sechs Monate ableisten musst und dir danach erst freinehmen kannst. In der Probezeit gilt: Für jeden Monat, den das Beschäftigungsverhältnis andauert, steht dir ein Zwölftel deines Urlaubsanspruchs zu. Für Arbeitgeber ist es von Vorteil, wenn neue Mitarbeiter einen Teil ihres Urlaubs während der Probezeit nehmen, so besteht nicht die Gefahr, dass der gesamte Urlaub in der zweiten Jahreshälfte genommen wird.

Wer im Urlaub krank wird, hat Pech gehabt

Du glaubst, wenn du während deines Erholungsurlaubs krank wirst, musst du dich nicht krankmelden? Schließlich bist du nicht bei der Arbeit. Das ist ein Irrtum. Du hast auch während deines Urlaubs die Pflicht, eine Arbeitsunfähigkeit deinerseits deinem Boss gegenüber anzuzeigen. Zudem muss dein Arbeitgeber die Tage, an denen du krank warst, deinem Urlaubskonto wieder gut schreiben. Warst du vier Tage krankgeschrieben, werden diese vier Tage deinem Urlaubskonto hinzugebucht.

Ich muss im Urlaub unbedingt erreichbar sein

Erholungsurlaub ist Freizeit und du musst nicht erreichbar sein. Das Bundesurlaubsgesetz sagt, dass die freien Tage der Erholung dienen. In dringenden Fällen darf dich dein Arbeitgeber trotzdem kontaktieren. Nur du weißt das supergeheime Passwort? Oder nur du kannst in einem Notfall weiterhelfen? Dann darf dich dein Chef kontaktieren. Die dadurch verlorene Urlaubszeit muss dir entsprechend vergütet werden.

Was ist der gesetzliche Urlaubsanspruch? Foto: eddy billard / unsplash

Was ist der gesetzliche Urlaubsanspruch? Foto: eddy billard / unsplash

Ich darf während des Urlaubs auf keinen Fall arbeiten

Viele gehen davon aus, dass sie während ihres Urlaubs nicht arbeiten dürfen. Das heißt, du darfst weder in deinem Hauptjob tätig sein noch einer anderen Arbeit nachgehen. Das stimmt nicht ganz. Du darfst während deines Urlaubs zwar keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, die dem Erholungszweck widerspricht, aber andere Tätigkeiten sind möglich. Familiäre Mithilfe ist beispielsweise erlaubt. Solange die Tätigkeiten hinsichtlich Art und Umfang die Erholung nicht behindern und die Wiederherstellung der vollen Leistungskraft nicht gefährdet ist, spricht nichts dagegen. Vorsicht ist geboten, wenn die Tätigkeit dem Hauptjob in Art und Umfang sehr ähnelt. Eine Nebentätigkeit musst du dem Arbeitgeber anzeigen und dir diese gegebenenfalls genehmigen lassen.

Der Arbeitgeber kann mir vorschreiben, wann ich meinen Urlaubsanspruch geltend mache

Deine Vorgesetzten müssen darauf achten, dass der laufende Betrieb das ganze Jahr über gewährleistet ist. Wenn der Betrieb nicht komplett über den Sommer für einige Wochen schließt, wird es überwiegend so sein, dass die Mitarbeiter ihre Urlaubstage zu unterschiedlichen Zeiten nehmen. Trotzdem kann es sein, dass dir deine Urlaubstage nicht wie gewünscht gewährt werden können. Eventuell gibt es betriebliche Gründe, die dagegen sprechen, oder deine Kollegen haben aufgrund sozialer Kriterien Vorrang bei der Urlaubsplanung. Es schadet jedoch nicht, deine gewünschte Urlaubszeit anzugeben.

Alle Mitarbeiter eines Unternehmens müssen gleich viele Urlaubstage haben

Es gibt kein Gesetz, das besagt, dass in einem Unternehmen jeder Mitarbeiter gleich viel Urlaub haben muss. Der gesetzliche Urlaubsanspruch muss gewährleistet sein. Was darüber hinausgeht, ist Verhandlungssache. Das heißt, hier hat jeder einzelne Mitarbeiter Verhandlungsspielraum und kann – sofern es seine Position erlaubt – einige Urlaubstage für sich rausschlagen. Statt der Gehaltserhöhung kann es beispielsweise ein paar Tage mehr Urlaub im Jahr geben. Das gilt allerdings nicht für Unternehmen, in denen Tarifverträge die Regeln vorgeben. Tarifverträge geben vor, welcher Urlaubsanspruch für welche Arbeitsgruppe gilt.

Nicht genommene Urlaubstage werden ausgezahlt

Das Gesetz sieht vor, dass Urlaubstage und Urlaub Freizeit sind. Sie dienen der Erholung. Werden Urlaubstage nicht in Anspruch genommen, kannst du sie dir nicht auszahlen lassen. Der Erholungszweck wäre nicht erfüllt. Eine Ausnahme kann gemacht werden, wenn das Arbeitsverhältnis beendet wird.

Fazit

Die schönste Zeit des Jahres ist komplizierter als gedacht. Wenn du Urlaubspläne hast und dafür freie Tage brauchst, solltest du deinen Vorgesetzten rechtzeitig deinen Urlaubswunsch mitteilen. Da es zahlreiche Irrtümer rund um das Thema Urlaubsanspruch gibt, solltest du dich im Vorfeld informieren. Ein Blick in deinen Arbeits- oder Tarifvertrag kann nicht schaden. 
 

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