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Zwischenzeugnis anfordern:

Darauf müsst ihr achten

Bild Darauf müsst ihr achten

Die richtige Vorgehensweise und das korrekte Einschätzen von Risiken hängen bei der Anforderung von einem Zwischenzeugnis zunächst von eurer Anstellungsart ab. Seid ihr als Werkstudent oder Vollzeitarbeitnehmer im Unternehmen tätig? Bei der Anfrage eines Zwischenzeugnisses als Werkstudent vermuten Vorgesetzte meist keine direkte Kündigungsabsicht. Bei Vollzeitangestellten sieht das ganz anders aus: Chefs nehmen eine derartige Anforderung meist als Kündigungssignal wahr. In beiden Fällen sollten triftige Gründe für die Anfrage vorliegen und Zwischenbeurteilung angemessen formuliert beantragt werden.

Ein Zwischenzeugnis anzufordern, ist besonders für Werkstudenten leicht

Wenn ihr als Werkstudent einen Vorgesetzten um ein Zwischenzeugnis bittet, ist diese Anfrage im Vergleich zu dauerhaft angestellten Arbeitnehmern oft relativ unproblematisch. In der Regel geht euer Chef nicht davon aus, dass ihr dem Unternehmen langfristig erhalten bleibt. Demzufolge dürfte das Beschäftigungsverhältnis im Falle einer Kündigung wenig belastet werden. Es kann aber sein, dass eine Werkstudententätigkeit mit der Aussicht auf eine spätere Festanstellung als Vollzeitkraft vereinbart wurde.

Auch wenn ihr im Anschluss an euer Studium demselben Unternehmen treu bleibt, wechselt ihr möglicherweise in andere Betriebsabteilungen oder bekommt neue Vorgesetzte. Obwohl der Jobwechsel unternehmensintern erfolgt, ist ein Arbeitszeugnis hierbei teilweise unverzichtbar. Dem zukünftigen Chef wird damit ein sehr wichtiges Gesamtbild zu eurer bisherigen Zeit im Betrieb vermittelt.

Das Zwischenzeugnis anfordern: Darauf müsst ihr achten / Foto: kelly sikkema / unsplash

Das Zwischenzeugnis anfordern: Darauf müsst ihr achten / Foto: kelly sikkema / unsplash

Anspruch auf Zwischenzeugnis erfordert triftigen Grund

Unabhängig davon, ob ihr ein Student mit Nebenjob oder ein Vollzeit-Arbeitnehmer seid, besteht vor dem Ende des Arbeitsverhältnisses kein unbegrenzter und bedingungsloser Anspruch auf die Ausstellung der Arbeitszeugnisse. Nur wenn triftige Gründe für die Anfertigung von einem Zwischenzeugnis vorliegen, hat der Arbeitgeber kaum die Möglichkeit, eure Anfrage einfach kommentarlos abzulehnen.

Gründe wären beispielsweise:

  • ein bevorstehender Jobwechsel innerhalb einer Firma
  • baldige Abschied des aktuellen Vorgesetzten
  • ihr seid schon relativ lange einem Unternehmen und habt bis dahin nie ein Arbeitszeugnis erhalten
  • sobald ungefähr drei Jahre vergangen sind, betrachten viele Experten die Bitte um neue Zwischenzeugnisse prinzipiell als legitim.
  • ihr bekommt bei einer Beförderung oder einer Versetzung einen anderen direkten Vorgesetzten
  • anstehende Elternzeit, da der Vorgesetzte nach der Rückkehr in den Beruf vielleicht gewechselt hat
  • ähnliche Bedingungen gelten, während ihr ein Sabbatjahr und vergleichbare Auszeiten

Angst vor Entlassung reicht als Anlass

Sobald eure Entlassung droht, liegt nahezu ausnahmslos ein Anlass zur Anfertigung von einem Zwischenzeugnis vor. Es ist zunächst entscheidend, ob sich diese Befürchtung sinnvoll begründen lässt. Nachdem euer Arbeitgeber einen betriebsbedingten Stellenabbau offiziell angekündigt hat, sind Arbeitszeugnisse in der Regel zwingend notwendig. Werden euch Angebote für Abfindungen und Aufhebungsverträge zugetragen, bleiben die Zwischenzeugnisse bei der anstehenden Jobsuche häufig unentbehrlich.

Wird das Unternehmen, in dem ihr aktuell tätig seid, durch einen anderen Konzern übernommen, genügt das oft als Begründung, um ein Zwischenzeugnis anzufordern. Viele Arbeitsplätze können im Rahmen einer Betriebsübernahme nicht mehr sicher sein. In solchen Situationen ist es ratsam, zusammen mit Kollegen um Zwischenzeugnisse für die ganze Abteilung zu bitten. Großer Vorteil: Die Aufmerksamkeit des Vorgesetzten richtet sich nicht ausschließlich auf eine Person. Diese Vorgehensweise verleiht eurem Anliegen als Gruppe zusätzliches Gewicht.

Tipps zur Formulierung und Häufigkeit der Beantragung einer Zwischenbeurteilung / Foto: jonathan borba / unsplash

Tipps zur Formulierung und Häufigkeit der Beantragung einer Zwischenbeurteilung / Foto: jonathan borba / unsplash

Auswirkungen einer Arbeitszeugnis-Anfrage auf den Arbeitsalltag beachten

Auch wenn ihr eindeutig triftige Gründe nennt, sind vor der Beantragung alle potenziellen Auswirkungen in eurem Arbeitsleben zu beachten. Insbesondere als Berufsanfänger besteht die größte Gefahr darin, dass ihr mit der Anforderung eines Zwischenzeugnisses Jobwechsel-Absichten erkennen lasst. Geht der Vorgesetzte von einer baldigen Kündigung aus, ist die Situation im Arbeitsalltag eventuell angespannt. Dadurch kommt es für euch intern schlimmstenfalls zu nachteiligen Entscheidungen.

Übrigens: Wer den Chef bei der Frage nach dem Arbeitszeugnis über die eigentlichen Absichten täuscht und dabei auffliegt, zieht aber noch viel mehr Ärger auf sich. Bevor ihr eine unglaubwürdige Geschichte erzählt, ist daher die Wahrheit fast immer die bessere Alternative.

Manche Arbeitgeber zeigen durchaus Verständnis dafür, dass ihr ehrgeizige Karrierepläne verfolgt und mit einem Zwischenzeugnis auf dem gesamten Arbeitsmarkt eure Möglichkeiten ausloten wollt. Falls ihr mit überdurchschnittlichen Leistungen überzeugt und für ein Unternehmen eigentlich unverzichtbar seid, geht die Arbeitszeugnis-Anfrage im Optimalfall sogar mit positiven Konsequenzen einher. Denn daraufhin befürchtet der Betrieb vielleicht euren Verlust und trifft Maßnahmen, um euch zu halten. Das beinhalt teilweise Gehaltserhöhungen oder Beförderungen. Es hängt stets von eurer individuellen Lage ab, ob der geäußerte Wunsch nach einem Zwischenzeugnis nachteilig, unproblematisch oder vorteilhaft ist.

Tipps zur Formulierung und Häufigkeit der Beantragung einer Zwischenbeurteilung

Zur Vermeidung von unangenehmen Folgen ist es entscheidend, wie ihr die Bitte um eine Zwischenbeurteilung formuliert. Indem ihr eurer Anliegen schriftlich vorlegt, verhindert ihr zahlreiche Missverständnisse, die durch eine falsche Wortwahl im direkten Gespräch manchmal entstehen. Außerdem werdet ihr dann nicht umgehend mit Fragen über eure Motive konfrontiert und bekommt meistens auf demselben Weg die Antwort. Der unmittelbare Vorgesetzte bleibt in vielen Unternehmen der richtige Ansprechpartner. In einigen Konzernen ist es aber üblich, bei Personalabteilungen das Zwischenzeugnis zu beantragen.

Wenn ihr momentan kaum einen Jobwechsel anstrebt und auch aus sonstigen Gründen aktuell kein Arbeitszeugnis braucht, ergibt eine regelmäßige Anfrage im Abstand von rund drei Jahren üblicherweise trotzdem Sinn. Dadurch wirkt es auf ein Unternehmen nicht mehr außergewöhnlich, sobald ihr die Zwischenzeugnisse tatsächlich benötigt. Weil die Ausfertigung mit einem beachtlichen Aufwand verbunden ist, verärgert ihr jedoch einen Vorgesetzten, falls ihr die Beurteilungen zu häufig ohne triftigen Anlass verlangt.

Fazit

Solange ihr Werkstudenten seid, ist die Frage nach einem Zwischenzeugnis für euch nur selten mit großen Risiken verbunden. Vollzeit-Angestellte müssen aber berücksichtigen, ob Vorgesetzte deshalb einen beabsichtigten Jobwechsel vermuten und es somit zu Konsequenzen am Arbeitsplatz kommt. Wer durch triftige Gründe über einen Anspruch verfügt und auf den Umgangston achtet, findet dennoch fast immer eine Lösung.

Weiterführende Links

Hier könnt ihr euch den zusammengefassten Beitrag anhören:

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