Schlechtes Arbeitszeugnis - Was tun?
Schlechtes Arbeitszeugnis bekommen? Wir verraten dir, wie du es erkennst, was du dagegen tun kannst und wie du damit in deiner nächsten Bewerbung umgehst.
Schlechtes Arbeitszeugnis bekommen? Wir verraten dir, wie du es erkennst, was du dagegen tun kannst und wie du damit in deiner nächsten Bewerbung umgehst.
Cholerischer Chef, miese Stimmung im Team oder fehlende Strukturen: Es gibt viele Gründe, einer Arbeitsstelle den Rücken zu kehren und sich nach einem neuen Job umzusehen. Doch was tun, wenn das Zeugnis der letzten Arbeitsstelle negativ ausgefallen ist? Wird es sich bei der Bewerbung um eine neue Stelle möglicherweise als Karrierekiller erweisen? Wir sagen dir, wie du erkennst, ob du wirklich ein schlechtes Arbeitszeugnis hast und wie du mit einem schlechten Arbeitszeugnis Bewerbung und Vorstellungsgespräch erfolgreich meisterst.
Als Arbeitnehmer:in hast du Anspruch auf ein Arbeitszeugnis, wenn deine Tätigkeit endet. Der Arbeitgeber muss dir laut Gesetz anschließend ein Arbeitszeugnis ausstellen und er hat die Pflicht, dieses wohlwollend und wahrheitsgemäß zu formulieren. Was darin zu stehen hat, ist nicht festgelegt. Auch bei der Vergabe der Noten sind Arbeitgeber:innen grundsätzlich frei. Ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts hat aber dazu geführt, dass Arbeitszeugnisse mindestens die Note "befriedigend" erhalten müssen. Für die Notenvergabe bei einem Arbeitszeugnis bedeutet das:
Es gibt verschiedene Merkmale, die auf ein schlechtes Arbeitszeugnis hinweisen können. Folgende Merkmale sollten dich aufhorchen lassen:
Da das Arbeitszeugnis positiv formuliert sein muss, verwenden Arbeitgeber:innen oft sogenannte Zeugniscodes, um subtile Kritik auszudrücken. Daher ist es entscheidend, auf die Wortwahl im Zeugnis zu achten. Einige Begriffe und Formulierungen, die stutzig machen oder negativ interpretiert werden könnten, sind:
1. Andeutungen von Konflikten oder Unzuverlässigkeit:
2. Mangelnde Teamfähigkeit:
3. Hinweise auf fehlende Motivation oder Disziplin:
4. Formulierungen, die auf Verhaltensprobleme hindeuten könnten:
5. Deutliche Hinweise auf eine problematische Beendigung des Arbeitsverhältnisses:
Wenn du in deinem Arbeitszeugnis verdächtige Worte oder Formulierungen entdeckst, solltest du dies nicht ignorieren. Ein Arbeitszeugnis sollte wohlwollend und objektiv formuliert sein. Fordere im Zweifel eine Überarbeitung, da dir ein negatives Zeugnis bei Bewerbungen schaden kann. Ein gutes Zeugnis spricht klar und eindeutig von deinen Stärken – ohne Raum für Interpretationen.
Ein Arbeitszeugnis unterliegt in Deutschland strengen Vorgaben. Es muss der Wahrheit entsprechen, aber gleichzeitig wohlwollend formuliert sein, um den beruflichen Werdegang nicht unnötig zu erschweren. Doch wie schlecht darf ein Arbeitszeugnis tatsächlich ausfallen?
Ein Arbeitszeugnis darf negativ ausfallen, wenn die Arbeitsleistung oder das Verhalten tatsächlich mangelhaft war. Allerdings muss diese Negativität in der Zeugnissprache verschlüsselt oder abgemildert sein. Direkte Kritik oder abwertende Bemerkungen sind unzulässig.
Beispiele für negative Bewertungen:
Ebenso darf ein Arbeitszeugnis das Verhältnis zu Vorgesetzten oder Kollegen nur erwähnen, wenn es positiv oder neutral ausfällt. Eine Auslassung in diesem Bereich wird oft als Kritik interpretiert.
Bevor du für deine berufliche Zukunft schwarz siehst, solltest du prüfen lassen, ob es sich tatsächlich um ein schlechtes Arbeitszeugnis handelt. Denn: Oft ist es nicht so einfach, die klassischen Formulierungen im Arbeitszeugnis verstehen und richtig deuten zu können. So manches vermeintlich schlechte Arbeitszeugnis entpuppt sich als ganz okay. Personaler:innen und Kanzleien für Arbeitsrecht hingegen sind in der Lage bestimmte Codes auf den ersten Blick zu erkennen und ihre Schlüsse daraus zu ziehen. Im Internet findest du zudem die gängigen Formulierungen und ihre Übersetzung. So erhältst du zumindest eine grobe Vorstellung davon, mit welcher Gesamtnote du bewertet wurdest. Wer auf Nummer sicher gehen will, zieht Profis hinzu, zum Beispiel die angesprochenen Personaler:innen oder Anwält:innen für Arbeitsrecht. Idealerweise kümmerst du dich darum, sobald dir das schlechte Arbeitszeugnis vorliegt.
Ja, du kannst gegen ein schlechtes Arbeitszeugnis Widerspruch einlegen. Der Widerspruch sollte schriftlich erfolgen und du solltest die Textstellen, die du anfechten willst, aufführen. Du kannst zudem alternative Formulierungen vorschlagen. Halte im Widerspruch fest, dass du zwei Wochen Zeit einräumst, die beanstandeten Passagen zu korrigieren. Hole dir Unterstützung von einer Anwaltskanzlei für Arbeitsrecht, wenn innerhalb der genannten Frist keine Korrektur erfolgt ist.
Wenn in Stellenausschreibungen von vollständigen Bewerbungsunterlagen die Rede ist, setzen Personaler:innen grundsätzlich voraus, dass das Zeugnis der letzten bzw. vorletzten Arbeitsstelle enthalten ist. Du kannst davon ausgehen, dass sich das Unternehmen dieses Schriftstück genau durchlesen wird – schließlich wollen die Menschen, die dich auf Taugnis für die ausgeschriebene Stelle überprüfen, zum einen etwas über deinen beruflichen Werdegang erfahren und sich zum anderen ein Bild darüber machen, ob du dich in deinem vorherigen Job bewährt hast. Gibt es mehrere geeignete Bewerber:innen für eine Position, kann es vorkommen, dass das Arbeitszeugnis ausschlaggebend dafür ist, sich für oder eben gegen bestimmte Kandidat:innen zu entscheiden. Unterschätze daher die Bedeutung des Arbeitszeugnisses nicht!
Ein schlechtes Arbeitszeugnis in der Bewerbung einfach zu unterschlagen, ist keine besonders gute Idee. Verlangen Arbeitgeber:innen in der Stellenausschreibung explizit nach vollständigen Bewerbungsunterlagen (womit alle Arbeitszeugnisse eingeschlossen sind) und das letzte Arbeitszeugnis fehlt, werden clevere Personaler:innen diese Lücke sofort entdecken. Deine Bewerbung wandert höchstwahrscheinlich direkt in den Papierkorb. Spätestens im Vorstellungsgespräch wirft das fehlende Arbeitszeugnis peinliche Fragen auf.
Das schlecht bewertete Arbeitsverhältnis war nur von sehr kurzer Dauer? In einem solchen Fall raten einige Bewerbungs-Expert:innen dazu, das schlechte Arbeitszeugnis unter den Tisch fallen zu lassen – und das unglückliche Zwischenspiel sogar aus dem Lebenslauf zu streichen. Allerdings: Entsteht dadurch eine signifikante Lücke im Lebenslauf, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass danach gefragt wird. Und stimmt dein angegebener Lebenslauf z. B. nicht mit deinem Profil in Karrierenetzwerken überein, kann das für dich und deine Bewerbung ebenfalls schon ein frühes K.-o.-Kriterium sein. Diese Option solltest du also wirklich nur verwenden, wenn das Arbeitsverhältnis nur maximal einige Monate gedauert hat und zwischen zwei längeren Phasen der Beschäftigung liegt.
Du hast eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten – Gratulation! Ein schlechtes Arbeitszeugnis ist damit noch nicht aus der Welt, aber zumindest gibt dir deine Wunschfirma die Chance, dich persönlich vorzustellen und die negative Bewertung geradezurücken. Stell dich darauf ein, dass dein:e Gesprächspartner:innen erfahren wollen, was es mit dem schlechten Arbeitszeugnis auf sich hat. Gute Vorbereitung ist daher das A und O!
Versuche, im Bewerbungsgespräch das schlechte Arbeitszeugnis mit guten Leistungen abzuschwächen. Verweise auf ältere positive Arbeitszeugnisse. Trumpfe mit erfolgreichen Projekten auf, die du für frühere Arbeitgeber:innen oder in deiner letzten Firma erfolgreich umgesetzt hast. Du kannst Referenzen von Kund:innen einholen, die dir die gute Zusammenarbeit bestätigen.
Findige Personaler:innen werden ein schlechtes Arbeitszeugnis erkennen und dich darauf ansprechen. In diesem Fall solltest du mit offenen Karten spielen und erklären, wie es dazu gekommen ist. Lasse dich nicht dazu hinreißen, über dein ehemaliges Unternehmen oder frühere Vorgesetzte herzuziehen. Das wird von Personaler:innen als schlechter Stil eingestuft. Du kannst aber durchaus erläutern, dass es zum Beispiel in deiner alten Firma an Strukturen mangelte oder du vom Aufgabengebiet andere Vorstellungen hattest als die Geschäfts- oder Abteilungsleitung und du nun auf der Suche nach dem:der richtigen Arbeitgeber:in bist, wo du deine Fähigkeiten besser einbringen kannst.
Wenn du über schauspielerisches Talent und ein Pokerface verfügt, kannst du so tun, als ob du nicht gewusst hättest, dass das Arbeitszeugnis schlecht ist. Versichere glaubhaft, dass du das schlechte Arbeitszeugnis nochmals prüfen und gegebenenfalls korrigieren lässt. Diese Strategie ist etwas für Fortgeschrittene, denn gewiefte Personaler:innen könnten den Bluff durchschauen – und dann war es das mit dem neuen Job. Eher keine Option ist das zudem, wenn du schon ein paar berufliche Stationen durchlaufen hast und daher eigentlich wissen müsstest, was es mit Arbeitszeugnissen auf sich hat.
In der heutigen Arbeitswelt, die sich ständig weiterentwickelt, ist das Arbeitszeugnis oft nicht mehr der alleinige Maßstab für deine Qualifikationen. Besonders in schnelllebigen Branchen kann es vorkommen, dass dein Zeugnis nicht alle relevanten Fähigkeiten widerspiegelt. Statt dich nur auf dein Zeugnis zu verlassen, kannst du deine Bewerbung durch andere Nachweise ergänzen. Zum Beispiel können Praktika, Werkstudentenstellen oder ehrenamtliche Tätigkeiten viel über deine praktischen Fähigkeiten und dein Engagement aussagen. Auch Fort- und Weiterbildungen – etwa durch Online-Kurse – sind super Ergänzungen, die deine berufliche Entwicklung belegen. Zeig in deinem Lebenslauf und Bewerbungsschreiben, welche Skills du zusätzlich mitbringst, und stütze dich auf diese, um dein Profil zu schärfen. So kannst du sicherstellen, dass du als Bewerber:in in voller Breite wahrgenommen wirst.
Arbeitszeugnisse haben nach wie vor eine wichtige Funktion, aber sie haben auch ihre Schwächen. Oft spiegeln sie nur einen Teil deiner tatsächlichen Arbeit wider – vor allem, wenn sie von Vorgesetzten geschrieben werden, die nicht alle Aspekte deiner Tätigkeit im Blick hatten. Das kann dazu führen, dass dein Zeugnis durch subjektive Eindrücke oder persönliche Vorlieben beeinflusst wird. Noch problematischer wird es, wenn das Zeugnis in einer Branche ausgestellt wird, die sich ständig verändert. In schnelllebigen Bereichen, wie etwa in der IT oder digitalen Medien, spiegelt ein Arbeitszeugnis oft nicht mehr die neuesten Kompetenzen wider. Achte also darauf, dein Zeugnis kritisch zu prüfen. Falls du subjektive Verzerrungen bemerkst, solltest du darauf hinweisen und gegebenenfalls eine Korrektur verlangen.
Wie wichtig dein Arbeitszeugnis ist, hängt stark von der Branche und der Position ab. In traditionellen Bereichen, wie im öffentlichen Dienst oder in stark regulierten Berufen, bleibt das Zeugnis ein zentrales Dokument. In anderen Bereichen, besonders in kreativen oder technologiegetriebenen Branchen, wird oft weniger Wert auf formelle Zeugnisse gelegt. Hier kommt es mehr auf praktische Erfahrungen, Portfolios und konkrete Erfolge an. In Start-ups oder innovativen Unternehmen etwa zählen weniger die formalen Zeugnisse, sondern vielmehr, was du bisher erreicht hast und wie gut du in das Team und die Unternehmenskultur passt. Daher solltest du dir im Klaren sein, wie wichtig dein Zeugnis in der jeweiligen Branche ist, und deine Bewerbung entsprechend anpassen – mit Fokus auf das, was wirklich zählt.
Ein schlechtes Arbeitszeugnis kann sich als Stolperstein für das weitere Berufsleben erweisen – Personaler:innen sortieren deine Bewerbung aus und auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch kannst du lange warten. Am besten also, es kommt erst gar nicht so weit und du lässt dein Arbeitszeugnis sofort nach Erhalt von Expert:innen überprüfen und gegebenenfalls korrigieren.
Hast du das versäumt, bleibt dir nichts anderes übrig, als offen und ehrlich damit umzugehen – im Anschreiben, im Lebenslauf und im Bewerbungsgespräch. Versuche nicht oder nur im Notfall, das schlechte Arbeitszeugnis unter den Tisch fallen zu lassen. In den meisten Fällen kommt das ans Tageslicht, zum Beispiel, weil Personaler:innen im Vorstellungsgespräch nach dem Arbeitszeugnis fragen oder weil dein LinkedIn-Profil die Beschäftigung ausweist. Stelle stattdessen deine Vorzüge und beruflichen Erfolge ins Rampenlicht. Dann ist ein schlechtes Arbeitszeugnis oft kein Drama mehr.
Ja, ein schlechtes Arbeitszeugnis ist grundsätzlich erlaubt, solange es die Wahrheit widerspiegelt und nicht gegen die Wohlwollenspflicht verstößt. Arbeitgeber:innen sind verpflichtet, ein Zeugnis wohlwollend zu formulieren, aber sie dürfen auch negative Bewertungen anmerken, wenn diese gerechtfertigt sind. Jedoch muss die Formulierung immer so gewählt sein, dass die negative Kritik nicht direkt oder verletzend ausfällt, sondern in einer formellen, diplomatischen Weise abgegeben wird.
Ein schlechtes Arbeitszeugnis kann ein Hindernis bei der Jobsuche darstellen, besonders wenn es schwerwiegende Mängel aufzeigt. Personaler:innen könnten annehmen, dass du bei deiner letzten Stelle nicht gut gearbeitet hast. Doch es bedeutet nicht das Ende deiner Karriere. Du kannst das Zeugnis anfechten und Verbesserungen verlangen oder deine Bewerbung anderweitig stärken, indem du auf andere Qualifikationen und Erfolge hinweist. In vielen Fällen lässt sich das Zeugnis so erklären, dass es kein Hindernis darstellt.
Ja, du kannst ein besseres Arbeitszeugnis verlangen, wenn du der Meinung bist, dass die Bewertung nicht gerechtfertigt oder unvollständig ist. Ein Arbeitszeugnis muss sowohl die Leistungen als auch das Verhalten der Mitarbeiter:innen fair und wohlwollend widerspiegeln. Sollte das Zeugnis Schwächen aufweisen – etwa durch ungerechtfertigte negative Formulierungen oder fehlende Erfolge –, kannst du den Arbeitgeber bitten, das Zeugnis zu überarbeiten. In manchen Fällen ist es auch sinnvoll, rechtliche Unterstützung einzuholen.
Ein Arbeitszeugnis ist nicht gut, wenn es unklar oder widersprüchlich formuliert ist, oder wenn es kritische Formulierungen enthält, die negativ interpretiert werden können. Merkmale eines schlechten Zeugnisses sind etwa:
Ein schlechtes Zeugnis muss nicht immer das Ende bedeuten, aber es ist wichtig, solche Punkte zu erkennen und gegebenenfalls eine Korrektur zu verlangen.