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Möglichkeiten für Zuschüsse zur Ausbildung

Zuschüsse für Azubis: von Bafög bis Wohngeld

Bild Zuschüsse für Azubis: von Bafög bis Wohngeld

Zuschüsse zur Ausbildung sind für manch einen Azubi die letzte Rettung. Nur wenige Lehrlinge verdienen nämlich schon genug zum Leben. Das liegt noch nicht einmal an übersteigerten Ansprüchen - es reicht schlicht hinten und vorn nicht. Doch ihr müsst das nicht einfach so hinnehmen: Wir erklären euch, welche Zuschüsse zur Ausbildung es gibt und ob sie für euch infrage kommen.

Möglichkeiten für Zuschüsse zur Ausbildung:

+ Kindergeld
+ Berufsausbildungsbeihilfe (BAB)
+ BAföG
+ Wohngeld
+ Stipendium vom Staat
+ Bildungskredit der KfW
+ Sonstige

Zuschüsse für Azubis: von Bafög bis Wohngeld Foto: joelvalve / unsplash

Zuschüsse für Azubis: von Bafög bis Wohngeld Foto: joelvalve / unsplash

Zuschüsse zur Ausbildung 1: Kindergeld

Das steht euch zu, falls ihr noch nicht 25 Jahre alt seid. Wirklich euch - und nicht euren Eltern! Ihr dürft die recht ansehnlichen Beträge darum zur Not sogar von ihnen einfordern. Je nach Anzahl der Kinder im Haushalt schwanken die Beträge, bewegen sich aber immer um die zweihundert Euro pro Monat. Wie ihr an der folgenden Übersicht seht, erhöhen sich ab Juli 2019 die Zahlungen.

Pro Monat erhaltet ihr ...

als erstes und zweites Kind: je 194 Euro (ab 1.7.2019 = 204 Euro)
als drittes Kind: 200 Euro (ab 1.7.2019 = 210 Euro)
viertes Kind und mehr: 225 Euro (ab 1.7.2019 = 235 Euro)

Wohnt ihr nicht mehr daheim und geben die Eltern es euch nicht weiter, lasst euch das Geld doch einfach direkt auszahlen! Stellt dazu einen Antrag bei der Familienkasse der Arbeitsagentur.

 

Zuschüsse zur Ausbildung 2: Berufsausbildungsbeihilfe (BAB)

Dies betrifft alle, deren Ausbildungsstätte weit vom Wohnort der Eltern entfernt liegt. Sie müssen dann zu Hause ausziehen, um ihre Ausbildung antreten zu können. Weil das Gehalt eines Azubis häufig nicht für einen eigenen Hausstand ausreicht, greift euch der Staat hier unter die Arme.

Derzeit bekommt ihr monatlich folgende Zuschüsse nach dem BAB:

+ Grundbedarf: 372 Euro
+ Pauschale für Miete: 166 Euro
+ Mietzuschuss, nur unter bestimmten Voraussetzungen: 84 Euro
+ Pauschale für Arbeitskleidung: 13 Euro

Aber Achtung: Hier wird der Verdienst eurer Eltern mit herangezogen. Es wird also gegengerechnet, wie sie euch unterstützen können. Wollt ihr es genau wissen, nutzt einen der BAB-Rechner im Internet. Dort erfahrt ihr, ob ihr beihilfeberechtigt seid.

Zuschüsse zur Ausbildung 3: BAföG / Bundesausbildungsförderungsgesetz

Das gibts doch nur für Schüler und Studenten? Falsch. Unter bestimmten Voraussetzungen bekommt ihr es auch. Ihr müsst es später nicht zurückzahlen!

Anspruch auf Bafög habt ihr, wenn ihr in eurer Ausbildung diese Schulen besucht:

  • Berufsfachschulen
  • Berufsaufbauschulen
  • Fachschul- und Fachoberschulklassen

Ihr beantragt das BAföG beim zuständigen Amt für Ausbildungsförderung. Auch hier prüft das Amt genau, wie viel eure Eltern verdienen - oder auch ein schon vorhandener Lebenspartner. Von diesen Voraussetzungen ist auch die Höhe dessen abhängig, was ihr erhaltet. Maximal sind es derzeit 738 Euro.

 

Zuschüsse zur Ausbildung 4: Wohngeld

Wenn ihr kein BAB erhaltet und nicht mehr bei den Eltern wohnt, habt ihr vielleicht Anspruch auf Wohngeld. Beantragt es beim zuständigen Bürgeramt eurer Stadt oder Gemeinde. Dafür braucht ihr vor allem den Ablehnungsbescheid des BAB!

Voraussetzungen Wohngeld:

  • Volljährigkeit
  • Nachweis eigener Wohnung
  • Ablehnung BAB
     

Zuschüsse zur Ausbildung 5: Stipendium

Es gibt einige Stipendien, die auch euch als Azubis betreffen können, zum Beispiel das "Querdenker"-Stipendium. Hier könnt ihr zum Beispiel für ein USA-Stipendium 2000 Euro erhalten. Klingt gut? Ist es auch, und darum heiß begehrt. Aus diesem Grund ist ein Stipendium meist nicht ohne Weiteres zu bekommen.

Klärt also zunächst ab, ob ihr für ein Stipendium überhaupt infrage kommt. Datenbanken wie Stipendienlotse.de helfen euch dabei. Und bedenkt stets, dass der Aufwand sich lohnen sollte. Schließlich habt ihr noch eine Ausbildung zu absolvieren!

Ein Stipendium erfordert viel Eigeninitiative. Mit einem Motivationsschreiben müsst ihr die vergebende Kommission von euch überzeugen. Die Zahlungen sind meist Ratenzahlungen, eine Rückzahlung wird nicht verlangt.

 

Möglichkeiten für Zuschüsse zur Ausbildung / Foto: sharon mccutcheon / unsplash

Möglichkeiten für Zuschüsse zur Ausbildung / Foto: sharon mccutcheon / unsplash

 

Zuschüsse zur Ausbildung 6: Bildungskredit

Ihn vergibt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Zwar muss er wie jeder Kredit zurückgezahlt werden. Er ist aber besonders zinsgünstig und damit auch für Azubis geeignet. Ihr beantragt ihn direkt bei der KfW. Voraussetzung ist lediglich, dass ihr schon volljährig seid.

Üblicherweise nutzt man ihn für Praktika im In- oder Ausland. Auch eine Zweitausbildung lässt sich so bezuschussen. Monatlich erhaltet ihr dann 100 bis 300 Euro, maximal jedoch 7.200 Euro. Wer das möchte, kann auch einmalig 3.600 Euro für teure Arbeitsmaterialien oder ähnliche Aufwendungen beantragen, die mit eurer Ausbildung unmittelbar zusammenhängen.

 

Weitere Möglichkeiten: Nebenjob

Es gibt weitere Möglichkeiten, die allerdings weniger erfolgversprechend sind - oder schlicht schwieriger umzusetzen. Hier steht an erster Stelle der Nebenjob. Der kann euch aber wirklich Ärger einbringen, wenn ihr einfach so eine weitere Arbeit annehmt. Vor allem dann, wenn ihr noch nicht volljährig seid. Der Grund: Der Jugendschutz macht Unter-Achtzehnjährigen strenge Vorschriften! Und ihr solltet dem Chef Bescheid sagen. Mit einem Nebenjob nämlich dürft ihr eurem Hauptjob keine Konkurrenz machen.

Das heißt: Der Ausbildungsbetrieb darf euch - unter bestimmten Voraussetzungen - euren Nebenjob sogar verbieten. Hier gilt aber sowieso: Eine Ausbildung fordert eure ganze Kraft. Wer wirklich etwas lernen will, sollte sich nicht verzetteln, sondern sich darauf konzentrieren!

Gehalt passt immer noch nicht? Nachverhandeln!

Eine weitere Alternative ist wesentlich interessanter. Denn Ausbildungsverträge sind nicht in Stein gemeißelt. Nachverhandeln um eine Gehaltserhöhung während der Ausbildung geht darum immer - auch wenn Chefs das vielleicht nicht so gern sehen. Traut euch - verlieren könnt ihr dabei nichts!

 

Fazit Zuschüsse zur Ausbildung

Seid ihr in der Ausbildung, reicht das Gehalt oft vorn und hinten nicht. Besonders eng wird es, wenn ihr schon eine eigene Wohnung habt. Dann greift euch aber der Staat unter die Arme: Mit der Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) könnt ihr euer Gehalt aufstocken. Wer noch nicht 25 Jahre alt ist, hat zudem Anspruch auf Kindergeld. Wenn die Eltern das aus irgendeinem Grund verweigern, lasst es euch direkt auszahlen!

Weitere Zuschüsse und Beihilfen gibt es durchaus. Sie sind aber schwerer zu bekommen oder erfordern mehr Eigeninitiative. An erster Stelle steht hier das Wohngeld, welches ihr jederzeit beantragen könnt, vorausgesetzt, ihr seid volljährig und habt die Ablehnung von BAB schriftlich vorliegen. Auch Stipendien können schon weiterhelfen - sie sind allerdings rar und sehr begehrt, sodass sich hier oft der Aufwand kaum lohnt.

Wenn alle Stricke reißen und keiner dieser Zuschüsse zur Ausbildung auf euch passt, dann gibt es noch den Kredit via KfW. Er ist zinsgünstig, muss aber später zurückgezahlt werden. Und er kann die Höchstgrenze von 7.200 Euro nie überschreiten. Die Raten von bis zu 300 Euro sind tatsächlich nur ein Zuschuss zu eurem Gehalt. Passt all das nicht für euch, versucht etwas ganz Einfaches: Verhandelt euren Ausbildungsvertrag nach! Zwar hängen die Erfolgschancen stark von eurem Verhandlungsgeschick ab. Doch wer nicht wagt, gewinnt nicht!

 

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