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Prüfungsanfechtung: Diese Möglichkeiten habt ihr bei unfairer Bewertung

Zahlreiche Gründe zur Prüfungsanfechtung

Bild Zahlreiche Gründe zur Prüfungsanfechtung

Ihr geht mit einem tollen Gefühl aus der Prüfung und habt eine richtig gute Leistung abgelegt. Nach Gesprächen mit euren Kommilitonen seid ihr euch sicher, dass es für diese Prüfung nur eine gute Note geben kann. Nach einigen Wochen dann die pure Ernüchterung: Bei der Notenvergabe kommt die große Überraschung, denn ihr habt schlecht abgeschnitten oder seid gar durchgefallen. Wer kennt diese Situation nicht? Doch was gilt es nun zu tun? Zahlt es sich aus, gegen die Ungerechtigkeit anzugehen? Lohnt sich eine Prüfungsanfechtung? Wir geben euch einen Überblick.

Zahlreiche Gründe zur Prüfungsanfechtung

Zunächst betrachten wir den Sachverhalt der Prüfungsanfechtung und stellen klar, worum es sich dabei genau handelt. Das Anfechten einer Prüfung ist ein juristischer Schritt, der somit ganz offiziellen Charakter hat und daher nicht aus einer Emotion oder Laune heraus gemacht werden sollte. Bei einer Prüfungsanfechtung geht ihr gegen Verfahrens- und Bewertungsfehler vor, die letztendlich in einer Notenverbesserung oder in einem Bestehen der jeweiligen Prüfung münden sollen. Schauen wir, welche Gründe ihr für eure Anfechtung nutzen könnt und blicken zunächst auf die Verfahrensfehler:

  • Unzulässige Rahmenbedingungen: Die Umwelteinflüsse auf den Prüfling sind unzumutbar, durch beispielsweise Lärm, Geruch, Temperatur oder Licht.
  • Unzulässiges Prüfungspersonal: Die Prüfer sind fachlich oder menschlich nicht in der Lage eine Prüfung abzunehmen. Oder die Prüfer sind schlicht nicht zuständig für die Prüfung.
  • Nichteinhalten der Prüfungszeit: Der Prüfling wird daran gehindert, pünktlich anzufangen oder die vorgesehene Zeit bis zum Ende zu nutzen.
  • Prüfungsfähigkeit nicht gegeben: Der Prüfling ist unfähig die Prüfung abzulegen. Insbesondere durch bis dato unerkannte Krankheiten.
  • Verstoß gegen Chancengleichheit: Nach Artikel 3 Grundgesetz sind alle Menschen vor dem Gesetz gleich. Chancengleichheit für alle muss daher auch bei Prüfungen herrschen.
     

Wichtig beim Verfahrensfehler ist die Beweislast, da der Prüfling den Sachverhalt darlegen und beweisen muss. Auf der anderen Seite stehen die Bewertungsfehler, die auch im Nachhinein überprüft werden können.

  • Falschbewertung: Eine Antwort ist fachlich richtig und kann zumindest teilweise als vertretbar betrachtet werden. Der Prüfer sieht die Antwort aber als falsch an.
  • Sachfremde Erwägung: Eine Antwort auf eine Frage muss für sich gesehen werden. Äußere Einflüsse dürfen in die Benotung nicht einfließen
  • Befangenheit des Prüfers: Die Prüfer müssen unabhängig und frei von Einflüssen benoten.
  • Unzulässiger Prüfungsstoff: Die Prüfer fragen Sachverhalte ab, die nicht Bestandteil der Prüfung sein dürfen.
  • Unzulässige Fragestellung: Häufig der Fall bei Multiple Choice, wenn es Diskussionsspielraum in den Antwortmöglichkeiten gibt.
  • Sachfehler in der Bewertung: Antworten wurden von den Prüfern vertauscht oder nicht vollständig beachtet.
  • Folgefehler wurden nicht berücksichtig.
  • Kein Zwei-Prüfer-Prinzip beim letzten Wiederholungsversuch einer Prüfung.

Wird einer Prüfungsanfechtung zugestimmt, so wird je nach Fehlerart vorgegangen. Ein Verfahrensfehler während der Prüfungsabnahme hat grundsätzlich eine Wiederholung unter den gleichen Umständen zu folgen, wobei nur der eigentliche Verfahrensfehler ausgetauscht wird. Somit bleibt es auch bei dem gleichen Prüfer, wenn dieser nicht Grund des Verfahrensfehlers war. Bei einer Prüfungsanfechtung gegen einen Sachverhalt erfolgt immer eine Neubewertung der bereits abgelegten Prüfung durch neue Prüfer.

 

Prüfungsanfechtung: Diese Möglichkeiten habt ihr bei unfairer Bewertung / Foto: kai pilger / unsplash

Prüfungsanfechtung: Diese Möglichkeiten habt ihr bei unfairer Bewertung / Foto: kai pilger / unsplash

Ablauf der Prüfungsanfechtung

Habt ihr euch nach reiflicher Überprüfung der Gründe für eine Prüfungsanfechtung entschieden, gilt es, einem geregelten Ablauf zu folgen. Zunächst ist es bei einem Verfahrensfehler wichtig, dass der Prüfling eine Rüge ausspricht und somit zur Nachbesserung auffordert. Dies kann beispielsweise im einfachen Fall dadurch geschehen, dass der Prüfling fordert, die Heizung anzustellen, weil die Temperatur unzumutbar ist. Die Rüge sollte schriftlich ins Prüfungsprotokoll aufgenommen werden. Bei einer mündlichen Prüfung darf diese Rüge nach Abschluss der Befragung stattfinden, damit der Prüfling sich nicht unbeliebt macht und seine Note in Gefahr bringt.

Bei einer klassischen Prüfungsanfechtung solltet ihr nach Bekanntgabe der Note Akteneinsicht gegenüber der Prüfungsbehörde anmelden und euch eure Prüfung mit den Bemerkungen der Prüfer anschauen. Da die Bemerkungen meist nicht ausreichend sind, meldet ihr im nächsten Schritt die schriftliche Begründung der Prüfungsergebnisse an. Die Prüfer werden hierdurch aufgefordert wird, ihre Benotung detailliert zu begründen und machen sich dadurch angreifbarer. Anschließend stellt ihr eure Gegendarstellung aus und begründet den Sachverhalt der Anfechtung gegenüber der Prüfungsstelle. Bei dieser offiziellen Gegendarstellung handelt es sich um die eigentliche Anfechtung und daher gilt hier die Form und Frist. In den meisten Fällen hat der Widerspruch innerhalb von vier Wochen in schriftlicher Form zu erfolgen, kann aber in Einzelfällen abweichen.

 

Nicht gegen jede Note vorgehen / Foto: eliott reyna / unsplash

Nicht gegen jede Note vorgehen / Foto: eliott reyna / unsplash

Nicht gegen jede Note vorgehen

Eine Prüfungsanfechtung ist eine nervenaufreibende und eventuell auch kostspielige Aktion. Ihr solltet euch daher die Sinnhaftigkeit der jeweiligen Anfechtung reichlich überlegen. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass ihr jede Prüfung anfechten könnt, die vom Staat oder von Trägern hoheitlicher Gewalt durchgeführt werden. Darunter fallen Universitäten, alle Schulformen, aber auch die Kammern. Das bedeutet, gegen nahezu jede Prüfung könnt ihr Widerspruch einlegen, wobei ihr es nicht bei jeder Prüfung tun solltet. Eine Anfechtung macht Sinn, wenn die jeweilige Prüfung eure schulische oder berufliche Zukunft deutlich beeinflusst. Hierunter fallen Abschlussprüfungen von Ausbildungen, Klausuren an der Universität, die über ein Weiterführen des Studiums entscheiden oder Abiturprüfungen, bei denen ein Numerus Clausus für die spätere Universität unbedingt erreicht werden muss. In solchen Fällen solltet ihr bei einer ungerechten Behandlung den Weg der Prüfungsanfechtung gehen und dadurch eine bessere Note oder ein Bestehen der Prüfung anstreben.

Für und Wider abwägen

Nicht jede Prüfungsanfechtung hat gleich gute Chancen auf einen Erfolg. Eine unbekannte Krankheit, die erst nach der Prüfung diagnostiziert werden konnte, ist ein guter Grund für eine Anfechtung. Ein etwas zu kühler Raum, der von euch während der Prüfung in keiner Weise beanstandet wurde, wird als Grund schnell durchfallen. Außerdem solltet ihr euch über das Ziel eurer Anfechtung im Klaren sein. Bei einer Anfechtung wegen Verfahrensfehlern kommt es zu einer Nachprüfung, bei der ihr mit einer schlechteren Note bewertet werden könnt, als es beim ersten Versuch unter schlechten Bedingungen der Fall war. Bei einer Anfechtung durch Bewertungsfehler ist dies nicht möglich, weshalb hier eher gesagt werden kann, dass der Prüfling nichts zu verlieren hat. Eine schlechtere Note in einer Nachbewertung darf es nicht geben.

Eine weitere Entscheidung, die von euch getroffen werden muss, ist die nach dem rechtlichen Beistand. Ein Anwalt kostet Geld, ist aber ein gutes Mittel für die Prüfungsanfechtung. Da ihr selbst durch die Situation befangen und häufig auch emotional gesteuert seid, wird ein Anwalt euch sachlich beraten können. Außerdem kennt er sich mit Fristen und Formen aus, sodass ihr keine Verfahrensfehler in eure Anfechtung einbauen könnt. Die Kosten für den Anwalt berechnen sich klassisch nach den Bestimmungen des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes und sind klar festgelegt. Dennoch kann ein Rechtsstreit zeitlich ausufern, was auch die Kosten für den Anwalt ansteigen lässt.

Prüfungsanfechtung als Chance sehen

Eine Prüfungsanfechtung sollte reichlich überlegt sein, kann dann aber ein wichtiger Schritt für die eigene Zukunft bedeuten. Glücklicherweise sind Prüflinge nicht der Willkür ihrer Prüfer ausgesetzt und haben eigene Rechte. Durch die Anfechtung eurer Prüfung habt ihr die Chance, Rechtswidrigkeiten gerade zu rücken. Da es häufig um Entscheidungen geht, die euer Leben beeinflussen, solltet ihr nach einer Abwägung eurer Chancen die Anfechtung einer Prüfung nicht scheuen. Ein Anwalt wird euch auf Wunsch mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ungerechtigkeiten bei der Prüfungsbewertung müssen nicht sein und gehören durch Anfechtungen der Vergangenheit an.

 

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