Kennt ihr eure Team-Persönlichkeit?

Jetzt herausfinden mit dem Riemann-Thomann-Modell

Bild Jetzt herausfinden mit dem Riemann-Thomann-Modell

Projekte und Teamarbeit gehören zu eurem Leben dazu und ihr habt beobachtet, dass es nicht in jedem Team gleich gut funktioniert? Das liegt daran, dass jedes Teammitglied andere Bedürfnisse hat und sich entsprechend anders verhält. Das Riemann-Thomann-Modell hilft dabei, eure eigene Team-Persönlichkeit zu analysieren und andere Teammitglieder besser zu verstehen. Wir zeigen euch, wie es funktioniert.

Was ist das Riemann-Thomann-Modell?

Das Riemann-Thomann-Modell beschreibt menschliches Verhalten von Team-Mitgliedern und Teams. Es basiert auf den Erkenntnissen des Psychoanalytikers Fritz Riemann, die der Psychologe Christoph Thomann weiterentwickelt hat. Das Modell besteht aus zwei Achsen, auf denen sich jeweils zwei Pole befinden. Dabei ergibt sich die Dauer-Wechsel-Achse und die Nähe-Distanz-Achse. Jeder Mensch trägt die Aspekte Dauer, Wechsel, Nähe und Distanz in sich, sie sind jedoch unterschiedlich stark ausgeprägt und jeder hat seine ganz individuelle Komfortzone. Grundsätzlich können vier Persönlichkeitstypen unterschieden werden:

Typ Dauer: Menschen mit einer starken Ausprägung Richtung Dauer mögen Beständigkeit, Regeln und Struktur. Sie sehnen sich nach einem strukturierten Plan und wollen bei der Projektarbeit wissen was, wie, wo und wann. Ihre Stärken sind Organisationssinn, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit.

Typ Wechsel: Menschen, die stark Richtung Wechsel tendieren, schätzen das Abenteuer, suchen das Neue und sind kreativ. Sie wollen abwechslungsreiche Aufgaben, sind spontan und hassen Routine.

Typ Nähe: Menschen mit der ausgeprägten Tendenz Nähe legen Wert auf persönlichen Kontakt und brauchen das Gruppengefühl. Nähe-affinen sind Harmonie und Vertrauen besonders wichtig, ihre Stärken sind Empathie, Hilfsbereitschaft und Kommunikation.

Typ Distanz: Menschen mit starker Ausprägung Richtung Distanz wollen Unabhängigkeit, gehen intellektuell an Probleme ran, sind sachlicher und kritischer.

Das Riemann-Thomann-Modell ist rein deskriptiv und nicht wertend - auch wenn ihr beim Lesen wahrscheinlich einige Typen als besonders sympathisch empfunden habt und andere euch eher unsympathisch waren. Ausgehend von den Typen lassen sich allerdings Rückschlüsse auf Verhaltensweisen von Teammitgliedern gewinnen, die Einfluss auf die Gruppendynamik nehmen.

 

Jetzt herausfinden mit dem Riemann-Thomann-Modell / Foto: tyler nix / unsplash

Jetzt herausfinden mit dem Riemann-Thomann-Modell / Foto: tyler nix / unsplash

Gutes Team, schlechtes Team

Vielleicht habt ihr es euch schon gedacht, dass nicht alle Typen aus dem Riemann-Thomann-Modell gleich gut zusammenarbeiten. Da es sich um Gegensätze handelt, kommt nicht jeder mit jedem klar. Nehmen wir als Beispiel ein Zweier-Team aus Dauer-Typ und Wechsel-Typ. Der Dauerorientierte wird auf den Wechselorientierten festgefahren und langweilig wirken, während der Wechsel-Typ dem Dauer-Typen geradezu chaotisch und unberechenbar scheint. Eine fruchtbare Zusammenarbeit gestaltet sich schwierig und Teamgeist kann nicht entstehen.

Aus dem Modell lässt sich also ableiten, dass sich bei Menschen mit gegensätzlichen Tendenzen eine eher holprige Zusammenarbeit ergeben wird. Menschen mit ähnlichen Grundbestrebungen kommen hingegen besonders gut miteinander aus. Aber auch gemischte Gruppen haben Teamerfolg, vier Teams sind möglich (bei größeren Teams setzen sich die beiden am häufigsten vertretenen Ausprägungen durch):

Dauer-Nähe Teams: In einem Dauer-Nähe Team dominieren Beständigkeit, Harmonie, Hilfsbereitschaft und Struktur. Die Kollegen sind eng befreundet, sehen sich fast als eine Art Familie, die an einem Strang zieht. Die harmonische Zusammenarbeit hat aber auch Tücken: Wenn sich zu viel Nähe entwickelt, kann die Produktivität leiden. Zudem findet kritisches Hinterfragen kaum statt.

Dauer-Distanz Teams: Ein von den Polen Dauer und Distanz geprägtes Team arbeitet diszipliniert, sachlich und ist bestens organisiert. Die Arbeit ist durch ein systematisches und logisches Vorgehen geprägt. Was nicht so recht entstehen will, sind das Wir-Gefühl und der Zusammenhalt.

Wechsel-Nähe Teams: Beim Wechsel-Nähe Team herrscht eine ausgewogene Mischung aus Hilfsbereitschaft und Teamgefühl auf der einen Seite, und Flexibilität und Kreativität auf der anderen Seite. Die Gefahr besteht allerdings darin, dass sich beide Ausprägungen bei der Arbeit behindern.

Wechsel-Distanz Teams: In einem Wechsel-Distanz Team werden Individualität und Eigenständigkeit großgeschrieben, in der Regel haben in diesen Teams alle einen klar abgegrenzten Arbeitsbereich und es entstehen viele innovative Ideen. Was oft fehlt, sind Beständigkeit und Bindung. Das kann sich negativ auf die längerfristige Verfolgung von Ideen und Zielen auswirken.

Aus dem Riemann-Thomann-Modell lässt sich insgesamt ableiten, dass jedes Team alle Ausprägungen braucht und extrem einseitige Teams nicht sonderlich gut sind. Auf die Balance kommt es an.

Fazit

Habt ihr euch in einer der Persönlichkeiten aus dem Riemann-Thomann-Modell wiedererkannt? Wenn ihr eure eigene Ausprägung kennt und versteht, wie andere in eurem Team ticken, lässt sich die Zusammenarbeit besser gestalten. Wenn ihr ein Team wählt oder zusammenstellt, kombiniert eure eigenen Schwächen mit den Stärken der anderen, und achtet darauf, dass die Schwächen anderer Team-Mitglieder möglichst durch eure Stärken ausgeglichen werden.

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