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Cheffing

Wie du deinen unfähigen Chef heimlich unter Kontrolle bringst

Bild Wie du deinen unfähigen Chef heimlich unter Kontrolle bringst

Euer Vorgesetzter ist nicht in der Lage eigene Entscheidung zu treffen, die Kommunikation lässt zu wünschen übrig und die Arbeitsvorgänge sind stark verbesserungswürdig? Im schlimmsten Fall haben Mitarbeiter das Gefühl, ihr Chef ist nicht nur mit seiner Aufgabe als Führungskraft überfordert, sondern fachlich nicht kompetent genug. Anstatt zu kündigen, könnte Cheffing für euch die Lösung sein.
 

Cheffing: Einen unfähigen Chef heimlich unter Kontrolle bringen / Foto: ross findon / unsplash

Cheffing: Einen unfähigen Chef heimlich unter Kontrolle bringen / Foto: ross findon / unsplash

Was ist Cheffing?

"Cheffing" ist ein Kunstwort und steht für "Führung von unten". Das Ziel vom Cheffing ist es, den Vorgesetzten so zu beeinflussen, dass er das macht, was für die Gruppe am besten ist. Es geht nicht darum, die Hierarchie im Unternehmen zu kippen und den eigenen Chef abzusägen. Die Voraussetzung für korrektes Cheffing ist es, dass euer unfähiger Chef von euch nicht an der Nase herumgeführt wird.

Wichtig ist, den Vorgesetzten subtil und positiv zu beeinflussen. Manipulation ist nicht der richtige Weg, ebenso sollte der Chef nicht vor der obersten Führungsebene, anderen Mitarbeitern und Führungskräften bloßgestellt werden. Gutes Cheffing funktioniert über eine verbesserte Kommunikation und profitiert von einer Analyse der Problematiken - mit der Voraussetzung, dass der Vorgesetzte nicht merkt, dass die Mitarbeiter stellenweise seinen Job übernehmen. Ist das Cheffing effektiv, profitieren Mitarbeiter und der Chef selbst von den veränderten Arbeitsprozessen.

 

Die Risiken

Cheffing ist immer ein schmaler Grat. Geht ihr geschickt vor, verbessert sich die Atmosphäre und die Produktivität innerhalb der Gruppe oder des Unternehmens. Im besten Falle wird euer unfähiger Chef von euch allen subtil beeinflusst und kein einzelner Mitarbeiter sticht heraus. Die Gefahr beim Cheffing ist immer, dass ein Mitarbeiter mit der Zeit zu dominant auftritt. Das kann verschiedene Gründe haben. Möglicherweise möchte er selbst die Führungsposition für sich einnehmen und den Chef verdrängen. Das hat oft zur Folge, dass der Mitarbeiter seine eigenen Aufgaben vernachlässigt und bei euch anderen Kollegen für Unmut sorgt. Nicht selten wird mit Neid auf den führenden Mitarbeiter reagiert. Auch Angst spielt eine zentrale Rolle. Es ist schwer abzusehen, welche Folgen das Cheffing mit einem dominanten Mitarbeiter auf die gesamte Unternehmensstruktur haben könnte.

Selbst ein unfähiger Chef wird früher oder später merken, dass ein Mitarbeiter ihn manipuliert und seine Kompetenz in Frage stellt. Das kann für Unruhe im gesamten Unternehmen sorgen und das Arbeitsklima drastisch verschlechtern - das Cheffing ist nach hinten losgegangen und nun hat man schlimmsten Falls ernsthafte Probleme mit dem Chef.

Selbst wenn das Cheffing über einen längeren Zeitraum gut funktioniert, ist das kein Garant dafür, dass euer Chef nicht wieder in alte Muster verfällt. Besonders bei dominanten und charakterlich speziellen Vorgesetzten kann es passieren, dass das Cheffing von Beginn an nach hinten losgeht. In so einem Fall ist ein Gespräch mit der obersten Führungsebene oder sogar ein Chef- beziehungsweise Jobwechsel die einzige Alternative.

Wie euer unfähiger Chef macht, was ihr wollt

Die Grundvoraussetzung für das Cheffing: die Analyse des Vorgesetzten. Überlegt euch, welche Stärken und Schwächen euer unfähiger Chef hat. Welche Gewohnheiten hat er und wo liegen seine größten Defizite, die euren Arbeitsalltag erschweren?
Fällt es ihm schwer Prioritäten zu setzen? Was wollt ihr langfristig erreichen, welche Probleme seht ihr im Arbeitsalltag und welche Lösungsvorschläge habt ihr, um bestimmte Prozesse verbessern zu können?

Das weitere Vorgehen hängt von der Persönlichkeit eures Chefs ab. Ist euer unfähiger Chef zu locker und nett oder fällt er eher durch einen autoritären Führungsstil auf und lässt nur schwer mit sich reden?

Ein lockerer und netter- wenn auch unfähiger - Chef ist eine gute Voraussetzung, um in einem Gespräch gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Hier bietet sich zudem die Möglichkeit, euren Chef vorsichtig darauf hinzuweisen, welche Eigenheiten in seinem Führungsstil bei euch für Verwirrung sorgen und was ihr euch in Zukunft von ihm wünschen würdet - beispielsweise eindeutigere Arbeitsanweisungen.

Ist euer unfähiger Chef von der autoritären Sorte, erfordert es eine Menge Feingefühl, das Cheffing umzusetzen. Wichtig ist es, freundlich und höflich zu bleiben und mittels gezielter Nachfragen Unklarheiten zu beseitigen. Lasst euch aus Höflichkeit nicht abwimmeln. Ähnlich penetrant müsst ihr bei dem Abwinken eurer Ideen und Vorschläge sein. Einen autoritären Chef überzeugt ihr am besten mit Fakten und Argumenten.

 

Wie euer unfähiger Chef macht, was ihr wollt / Foto: joshua rawson harris / unsplash

Wie euer unfähiger Chef macht, was ihr wollt / Foto: joshua rawson harris / unsplash

Gutes Cheffing an einigen Beispielen

1. Ihr vermisst Prioritäten

Ein unfähiger Chef zeichnet sich nicht selten dadurch aus, dass er nicht in der Lage ist, Prioritäten zu setzen. Viele Chefs ordnen jede delegierte Aufgabe als wichtig ein, was Mitarbeiter verwirren kann und für Unklarheit sorgt. Gibt er euch beispielsweise eine neue Aufgabe, obwohl ihr noch ein altes Projekt bearbeitet? In diesem Fall fragt einfach nach, ob Projekt X für einen bestimmten Zeitraum nicht bearbeitet werden soll und welche Aufgabe die oberste Priorität genießen soll. Ist euer unfähiger Chef nicht in der Lage, Prioritäten für die Aufgaben zu setzen, ist es gut, wenn ihr bereits im Vorfeld wisst, welche Konsequenzen es hätte, ein bestimmtes Projekt oder eine Aufgabe auf Eis zu legen. Weist euren Chef vorsichtig auf diese Konsequenzen hin: hier ist Diplomatie und Feingefühl gefragt!

2. Dem Chef Anerkennung zollen

Euer Chef mag vielleicht ein unfähiger Chef sein, er ist gleichzeitig aber auch ein Mensch und verdient hin und wieder etwas Anerkennung. Hat er für euer Team beispielsweise ein tolles Projekt an Land gezogen, zollt euren Respekt und dass ihr euch schon auf die neuen Aufgaben freut. Zwischenmenschliche Interaktionen, die euch positiv auffallen und die einen guten Führungsstil ausmachen, solltet ihr ebenfalls positiv kritisieren. Auch hier ist eine Portion Feingefühl erforderlich. Bleibt authentisch, sonst wirkt ehrliches Feedback schnell wie Schleimen beim Boss.

3. Sich in den Chef hineinversetzen

Zugegeben, ein Punkt der vielen Mitarbeiter schwerfällt. Oft ist es aber hilfreich, sich in die Rolle des Chefs hineinzuversetzen und zu verstehen, dass er keine Maschine ist. Termine werden so eingeplant, dass es in seinen Tagesrhythmus und Terminkalender passt. Zudem hilft es, Vereinbarungen und Vorschläge schriftlich vorzutragen. Schließlich kann sich ein Chef nicht alles merken.

Fazit: ein unfähiger Chef muss kein Grund zur Kündigung sein

Selbst wenn der Führungsstil eures Chefs nicht perfekt ist, müsst ihr deshalb nicht die Flinte ins Korn werfen. Führt euch vor Augen, dass er euch mit seinem Verhalten aller Wahrscheinlichkeit nach nicht ärgern möchte. Zudem könnt ihr von einem schlechten Chef lernen, wie ihr es besser macht, falls ihr selbst einmal Chef werdet. Defizite in der Fähigkeit korrekt zu delegieren erschweren eure Arbeit, können aber durch das Cheffing unauffällig verbessert werden.

 

 

Weiterführende Links

Hier könnt ihr euch den zusammengefassten Beitrag anhören:

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