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„Du hast genau 20 Sekunden“

Daran erkennst du, ob du zu viel laberst

Foto: ocean biggshott / unsplash
Foto: ocean biggshott / unsplash

Manche Menschen halten endlos lange Dialoge, und obwohl du schon mehrfach erwähnt hast, dass du auf dem Weg zur Toilette warst, hört das Gegenüber nicht auf zu reden. Monologe können nervig und anstrengend sein. Warum wir so gerne reden und welche Redezeit angemessen ist, erfährst du hier.

Warum reden manche Menschen so lange?

Warum passiert das, dass wir manchmal lange Monologe halten, bis sich unser Gesprächspartner genervt abwendet? Dafür kann es mehrere Gründe geben:

  • Wir sind soziale Wesen. Wir sehnen uns danach, beachtet zu werden und Anerkennung zu bekommen. Hört uns jemand zu, können wir uns kaum stoppen. Ein aufmerksamer Zuhörer stärkt unser Selbstbewusstsein. Aus dieser Perspektive ist es verständlich, dass du dir so viel Redezeit wie möglich wünschst.
  • Die Wissenschaft sagt dazu: Der Körper schüttet Dopamin aus, wenn wir über uns sprechen. Dopamin ist ein Glückshormon. Lange über uns selbst zu reden, steigert das Wohlbefinden.

Studien haben ergeben, dass ein Gespräch als besonders angenehm und wertvoll von demjenigen empfunden wurde, der die meiste Redezeit hatte. Je mehr du sprichst, desto besser erscheint dir das Gespräch. Diesen Umstand kannst du für dich nutzen: Bring andere zum Reden und sei ein guter Zuhörer, dann wird das Gespräch mit dir als besonders positiv bewertet.

Redezeit kürzen, das schont die Nerven beim Gegenüber / Foto: omar lopez / unsplash

Redezeit kürzen, das schont die Nerven beim Gegenüber / Foto: omar lopez / unsplash

Lange Monologe und wie das mit dem Alter zusammenhängt

Manchmal wird beobachtet, dass Menschen länger und mehr reden, wenn sie älter sind. Beliebte Themen sind die eigenen Befindlichkeiten, Krankheiten, Politik oder die Vergangenheit. Hier kann der Eindruck entstehen, dass Menschen mit zunehmendem Alter in ihrer Persönlichkeit und in ihren Ansichten starr und unflexibel werden. Es wird nur wenig hinterfragt. Junge und junggebliebene Menschen sind dagegen oftmals offen und neugierig. Menschen, die gerne Neues lernen und sich für andere interessieren, laufen weniger Gefahr, lange Monologe zu halten.

Monologe – das sind die typischen Phasen

Monologe lassen sich in mehrere Phasen einteilen. In der ersten Phase ist das Gegenüber noch interessiert, doch dieses Interesse lässt schnell nach. So können die Phasen eines Monologs aussehen:

  • Mitteilung: In der ersten Phase geht es darum, sich mitzuteilen. Du stellst dich vor, sprichst begeistert von einem Hobby oder Erlebnis und bist prägnant und fokussiert. Das Gesagte ist relevant. Mit der Zeit wirst du entspannter, weil du spürst, dass das Gesagte beim Gegenüber gut ankommt und Interesse da ist. In der ersten Phase ist noch Interesse spürbar.
  • Monolog: Die zweite Phase wird zum Monolog. Der Redende genießt die Aufmerksamkeit und hat sich warm geredet. Es fühlt sich gut an, viel Redezeit zu haben. Irgendwann bekommt der Redende nicht mehr mit, dass das Gegenüber sein Interesse verliert und abwesender wird.
  • Missstimmung: In der dritten Phase kippt die Stimmung deutlich. Wer den Monolog hält, hat in dieser Phase zumeist schon lange den Faden verloren und redet und redet trotzdem weiter. Wer zumindest ein bisschen empathisch ist, wird spüren, dass er zu lange redet, und sich entschuldigen. Jetzt kann der Redende versuchen, noch ein Gespräch, einen Dialog aufzubauen, wenn das Gegenüber das überhaupt noch möchte.

Nice to know: Häufig halten die sogenannten HIPPOs im Übrigen die meisten Monologe. HIPPO ist ein Akronym und steht für "Highest Paid Person Opinion".

Lange Monologe und wie das mit dem Alter zusammenhängt / Foto: priscilla du preez / unsplash

Lange Monologe und wie das mit dem Alter zusammenhängt / Foto: priscilla du preez / unsplash

Nach wie vielen Sekunden droht Langeweile?

Der amerikanische Coach Marty Nemko hat die sogenannte Ampel-Regel erfunden. Die Ampel-Regel soll dabei helfen, nicht zu viel oder zu lange zu sprechen. Wir können die Ampel-Regel nicht wissenschaftlich belegen, aber das Prinzip ist klar: Sie soll uns und andere vor endlosen Monologen bewahren. So simpel ist die Ampel-Regel:

  • Die Ampel steht auf Grün. Das gilt für die ersten 20 Sekunden. Das, was du zu sagen hast, ist relevant, und dir wird aufmerksam zugehört. Diese 20 Sekunden sind nicht als ultimativer Richtwert zu sehen. Dir wird auch länger zugehört, solange das, was du sagst, für dein Gegenüber relevant ist.
  • Die Ampel wechselt auf Gelb. Wenn du kein begnadeter Geschichtenerzähler mit Gespür für Pointen bist, kommt nach etwa 30 Sekunden Langeweile bei deinem Gegenüber auf. Hast du wirklich noch etwas Wichtiges zu sagen? Wenn nein, dann beende deine Redezeit, bevor du deinem Gesprächspartner auf die Nerven gehst und Sympathien verspielst.
  • Die Ampel steht auf Rot. Du hast die Redezeit von 40 Sekunden überschritten und jetzt wird es Zeit, dass du deinen Monolog beendest und deinen Gesprächspartner wieder zum Dialog einlädst. Das kannst du machen, indem du deinem Gegenüber eine Frage stellst oder zum Ende deiner Erzählung kommst und das Gesagte mit einer Pointe abschließt.

Um es knapp zu sagen: Die Ampel-Regel gibt dir Orientierung, wie du Gespräche mit anderen gestalten kannst. Es kommt nicht auf die Sekunde genau an. Du musst deine Sätze nicht mithilfe einer Stoppuhr planen. Allerdings ist es sinnvoll, gedanklich beim Gegenüber zu bleiben und empathisch zu sein. Du spürst, dass dein Gesprächspartner auch zu Wort kommen möchte? Dann spiel ihm den Ball zu.

Fazit

Monologe sind nicht die beste Art, um bei anderen einen guten Eindruck zu hinterlassen. Versuche, dich möglichst kurzzufassen und relevante Informationen zu teilen. Die Ampel-Regel von Marty Nemko ist eine gute Möglichkeit, um sich zu orientieren und den Dialog am Laufen zu halten.

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