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Kompromisse und Konsens

Ein Leitfaden für Beruf und Karriere

Foto: hannah skelly / unsplash
Foto: hannah skelly / unsplash

Ärger im Ausbildungsbetrieb, Frust während des Praktikums oder Konflikte am Arbeitsplatz? Solche Situationen sind unangenehm und rauben uns nachhaltig die Energie im Job. Die gute Nachricht: Wir Menschen sind auf Kooperation eingestellt. Lest wie ihr selbst aktiv Frieden und Konsens im Beruf stiftet.

Kompromisse finden Schritt für Schritt

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Nichts anderes bedeutet es, Kompromisse zu schließen. Sie sind zwischen zwei scheinbar gegensätzlichen Seiten die goldene Mitte, die zwar nicht alles bietet, aber zumindest so annehmbar ist, dass wir ein Gefühl von Verhältnismäßigkeit empfinden.

Diese Schritte führen euch dorthin:

Schritt 1 - Sammeln. Jede Seite kommt zu Wort und darf alles auf den Tisch legen - oder in die Waagschale werfen: Argumente, Erwartungen, Gefühle, ungefiltert und ehrlich.

Schritt 2 - Ordnen. Nun wird analysiert: Stimmen die Fakten?, Sind die Erwartungen grundsätzlich erfüllbar?, Woher kommen die Gefühle?

Schritt 3. Durchatmen. Auseinander gehen und sich Zeit zum Nachdenken geben. Wichtig bei diesem Schritt ist, beide Positionen als gegeben anzunehmen und nichts persönlich zu nehmen, denn dann gelingt der nächste Schritt.

Schritt 4. Lösen. Das ist die eigentliche, die harte Arbeit. Jetzt geht es darum, Positionen ein Stück weit zu verlassen, Vorstellungen aufzugeben oder zugunsten ehrlicher Kompromisse auf etwas zu verzichten.

Schritt 5. Zusammenkommen. Eine neue Position kann gemeinsam gefunden werden. Kompromisse sind perfekt, wenn beide Seiten guten Gewissens zustimmen können. Sollte dies nicht der Fall sein, dann ohne schlechtes Gewissen wieder zurück zu 3. Echte Kompromisse dürfen einen längeren Prozess durchlaufen.

Kompromisse und Konsens - Ein Leitfaden für Beruf und Karriere / Foto: aziz acharki / unsplash

Kompromisse und Konsens - Ein Leitfaden für Beruf und Karriere / Foto: aziz acharki / unsplash

Anwendungsbeispiel – Kompromisse mit einer Situation schließen

Vielleicht habt ihr den tollen Job, aber der Fahrtweg ist zu weit oder ihr verdient gut, aber langweilt euch. Kompromisse im Beruf bedeuten manchmal auch, unangenehme Situationen aufzulösen. Der Vorteil: Im Selbstgespräch könnt ihr das Kompromisse schließen ohne große Hürden üben. Zum Beispiel so:

Schritt 1 - Jede Seite kommt zu Wort – das geht in diesem Fall am besten mit der klassischen Pro-und-Contra-Liste. Schreibt auf, was euch einfällt.

Schritt 2 - Was sind die Fakten, woher kommen die Gefühle? Muss noch etwas recherchiert werden?

Schritt 3 - Legt die Liste erstmal weg und lasst sie ruhen. Wenn euch noch Sachen einfallen, schreibt sie dazu.

Schritt 4 - Wo steckt die Lösung? Überlegt, von was ihr euch trennen könntet. So wird erkennbar, welche eurer Interessen mehr wiegen und was eure Prioritäten sind.

Schritt 5 - Lösung finden und anprobieren wie ein Paar neue Schuhe. Fühlt sich das, wofür ihr euch entschieden habt gut an? Wenn nicht, habt keine Angst, zu Schritt 3 zurückzukehren.

Herausforderung 1 – Konsens mit Kollegen

Es braucht Mut, um Konflikte mit anderen zu lösen. Aktiv Kompromisse im Beruf zu erreichen, kostet Kraft. Deshalb ist es sinnvoll, sich zuvor selbst mit der Situation, wie oben beschrieben, auseinanderzusetzen. Sollte sich dabei zeigen, dass ein Wechsel des Teams die Lösung ist, müsst ihr eure Energie nicht unnötig für Kompromisse einsetzen. Aber wenn für euch eine Klärung die Arbeit wert ist, dann zögert nicht länger!

Schritt 1 - Findet eine Möglichkeit für ein ungestörtes Gespräch, bei dem ihr euch zunächst auf das Zuhören konzentriert. Notizen helfen, verschiedene Positionen sichtbar zu machen.

Schritt 2 - Fragt nach, woher die Vorstellungen eures Gegenübers kommen. Erklärt eure eigenen Interessen. Hierfür eignen sich am besten W-Fragen.

Schritt 3 - Geht auseinander in dem Wissen, dass ihr euch für die Lösung bald wieder zusammensetzt. Widersteht der Versuchung sofort zu einem Konsens zu kommen. Spontane Ideen dürfen gern für jeden zum Mitnehmen festgehalten werden.

Schritt 4 - Denkt über eine echte Lösung nach. Ideal ist, wenn das jeder Beteiligte tut und dabei für sich Klarheit über das gewinnt, was er loslassen könnte.

Schritt 5 - Kommt wieder zusammen und besprecht Ideen und Vorschläge. Diskutiert und bleibt im Gespräch bis alle Seiten sich gehört und verstanden fühlen. Der Kompromiss ist gefunden, wenn alle zustimmen können. Und wenn nicht? Geht nochmal auseinander und gebt euch Zeit bis zum nächsten Gespräch.

Kompromisse mit einer Situation schließen / Foto: wes hicks / unsplash

Kompromisse mit einer Situation schließen / Foto: wes hicks / unsplash

Herausforderung 2 - Kompromisse verhandeln mit dem Chef

Kommen wir zur Königsdisziplin. Kompromisse im Beruf mit dem Chef oder anderen Personen auf einer höheren Ebene benötigen natürlicherweise eine größere Portion Mut und Vorbereitung. Unterm Strich lassen sich die fünf Schritt aber auch hier der Reihenfolge nach anwenden:

Schritt 1 – Bittet um einen Gesprächstermin, um Ruhe für die Verhandlung zu haben. Seid euch auf jeden Fall über eure Position klar und formuliert diese sachlich. Danach kommt es darauf an, gut zuzuhören, um die eures Chefs zu erkennen. Notizen sind auch hier eine gute Idee.

Schritt 2 – Versucht schon im Gespräch eurem Vorgesetzten zu zeigen, worin sich eure Position begründet. Für die Analyse seiner oder ihrer Ansichten beschränkt ihr euch zunächst auf Nachfragen. Genauer darüber nachdenken könnt ihr nach dem Gespräch. Beendet diesen Schritt mit der Vereinbarung eines weiteren Termins für endgültige Entscheidungen.

Schritt 3 – Lasst die Eindrücke des Gesprächs nachwirken und einen Tag darüber vergehen. Nachhaltige Kompromisse im Beruf brauchen Denkzeit. Ergänzt eure Notizen, wenn euch wichtige Erkenntnisse kommen.

Schritt 4 – Erarbeitet euch die Lösung zunächst auf eurer Seite. Von welchen Vorstellungen könntet ihr Abschied nehmen und welche sind für euch nicht verhandelbar? Für Letztere sucht ihr dann nach überzeugenden Argumenten, indem ihr sie zu den Interessen eurer Vorgesetzten ordnet.

Schritt 5 – Jetzt wird verhandelt. Im zweiten Gespräch formuliert ihr eure Position und zeigt, dass und wie eure Ziele zu denen eures Chefs passen, sodass ihr ein Win-Win für beide schaffen könnt.

Fazit

Kompromisse im Büro sind unabdingbar. Lösungen sollten zusammen erarbeitet werden und schlichten Streitigkeiten. Am besten man schafft Situationen, in denen keine der beiden Seiten verliert. Unterschieden muss man dabei auch mit wem gerade „verhandelt“, denn es macht einen Unterschied, ob ihr mit euren Kollegen sprecht oder einen Kompromiss mit eurem Chef finden müsst.

Noch mehr Infos findet ihr in unseren weiterführenden Links:

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