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Krank ins Büro schleppen?

Warum ihr das besser nicht tun solltet!

Foto: kelly sikkema / unsplash
Foto: kelly sikkema / unsplash

Gehört ihr auch zu den Arbeitstieren, die sich krank ins Büro schleppen? Was manche als typisch Deutsch verschreien, solltet Ihr per se aber sein lassen: Vor allem während einer Pandemie! Allerdings gibt es einiges, das Arbeitnehmer beachten müssen, wenn sie sich bei ihrem Arbeitgeber krankmelden müssen.

Krank – wann muss ich mich bei meinem Arbeitgeber melden?

Ihr seid krank, fühlt euch total schlapp und auf ein Gespräch mit eurem Vorgesetzten habt ihr in der jetzigen Situation absolut keinen Bock. Auch wenn sich euer Kopf schwer anfühlt und ihr am liebsten unter die Decke kriechen und weiterschlafen würdet, ihr müsst euch unverzüglich bei eurem Arbeitgeber melden. Seid ihr krank und arbeitsunfähig, meldet ihr euch im Idealfall noch vor Arbeitsbeginn bei eurem Vorgesetzten. Hier teilt ihr mit, dass ihr krank seid und auch wie lange ihr voraussichtlich arbeitsunfähig sein werdet. Je früher euer Arbeitgeber Bescheid weiß, umso besser. Schließlich muss er euren Ausfall berücksichtigen und entsprechend planen.

Wie muss ich mich im Krankheitsfall bei meinem Arbeitgeber melden?

Klar, wenn ihr krank seid, müsst ihr das eurem Arbeitgeber umgehend mitteilen. Wie eure Krankmeldung aussehen muss, hängt von den Gepflogenheiten in eurem Unternehmen ab. Was ist denn üblich? In vielen Unternehmen wird erwartet, dass man sich telefonisch krankmeldet. Auch eine E-Mail kann hier ausreichen. Vielleicht handhabt ihr es in eurem Unternehmen so, dass man sich auch per SMS oder Whatsapp krankmelden kann. Achtet darauf, was in eurem Unternehmen so üblich ist und haltet euch daran. Zu beachten ist auch, dass ihr laut Gesetz eine ärztliche Bescheinigung braucht, wenn ihr drei Tage oder länger krank sein werdet. Diese ärztliche Bescheinigung muss dem Arbeitgeber als Original vorgelegt werden.

Krank ins Büro schleppen? Warum ihr das besser nicht tun solltet! Foto: david mao / unsplash

Krank ins Büro schleppen? Warum ihr das besser nicht tun solltet! Foto: david mao / unsplash

Wann muss ich die ärztliche Bescheinigung beim Arbeitgeber abgeben?

Ihr müsst euer ärztliches Attest laut Gesetz nach dem dritten Tag, also am vierten Tag, bei eurem Arbeitgeber abgeben. Das Wochenende zählt hier ebenfalls. Wenn ihr beispielsweise am Freitag krank seid und nicht zur Arbeit könnt, müsst ihr eure ärztliche Bescheinigung am Montag bei eurem Arbeitgeber vorlegen. Hier gilt es allerdings zu beachten: Euer Boss darf auch schon ab dem ersten Tag eine ärztliche Bescheinigung verlangen. Prüft euren Arbeitsvertrag, ob hier eine von der gesetzlichen Regelung abweichende Frist angegeben ist.

Ärztliche Bescheinigung zu spät abgegeben – mit was muss ich rechnen?

Wenn ihr eurem Arbeitgeber die ärztliche Bescheinigung nicht rechtzeitig vorlegen könnt, dann darf dieser die Lohnfortzahlung verweigern. Seid ihr zu krank, um selbst die Bescheinigung bei eurem Arbeitgeber einzuwerfen, dann solltet ihr einen Boten schicken. Ein Verwandter oder Freund kann die ärztliche Bescheinigung dann überbringen. Kommt es zum Streitfall, kann euer Bote zudem bezeugen, dass die ärztliche Bescheinigung rechtzeitig abgegeben wurde.

Was darf ich eigentlich, wenn ich krankgeschrieben bin?

Wenn ihr euch bei eurem Chef krank gemeldet habt und zufällig einem Kollegen im Supermarkt begegnet, müsst ihr euch nicht hinter dem nächstbesten Regal verstecken. Ihr dürft im Grunde alles tun, was nicht zu einer Verzögerung eurer Genesung führt. Es muss eurer Krankheit angemessen sein. Ihr dürft im Krankheitsfall daher natürlich Einkäufe erledigen, bei der Apotheke vorbeigehen oder einen Spaziergang machen. Eine Krankschreibung bedeutet nicht, dass ihr ans Bett gefesselt seid.

Muss ich meinem Arbeitgeber mitteilen, was genau ich habe?

Ihr seid krank und euer Arbeitgeber will ganz genau wissen, was ihr habt? Ihr müsst nicht im Detail erklären, warum ihr nicht zur Arbeit kommen könnt. Bekommt ihr eine Bescheinigung vom Arzt, dass ihr nicht arbeiten könnt, steht in der Ausfertigung für den Arbeitgeber in der Regel auch keine Diagnose. Ihr solltet eurem Arbeitgeber aber durchaus mitteilen, wann ihr voraussichtlich wieder einsatzfähig sein werdet.

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Arbeitsunfähig - werde ich nun gekündigt?

Arbeitsunfähigkeit kann grundsätzlich zu einer Kündigung führen. Allerdings müsst ihr euch jetzt nicht trotz hämmernder Kopfschmerzen und starkem Husten ins Büro kämpfen. Viele glauben zwar, dass man aufgrund von Arbeitsunfähigkeit nicht gekündigt werden kann, hierbei handelt es sich jedoch um einen weit verbreiteten Irrtum. Ihr könnt auch während oder wegen einer Erkrankung gekündigt werden. Allerdings ist das nur unter bestimmten Umständen möglich. So muss es für den Arbeitgeber unzumutbar sein, den erkrankten Arbeitnehmer weiter zu beschäftigen. In der Regel wird gerichtlich geklärt, ob diese Grenze der Zumutbarkeit überschritten worden ist. Gerichte sehen die Grenze der Zumutbarkeit häufig erst dann erreicht, wenn ein Arbeitnehmer mehr als sechs Wochen im Jahr nicht arbeiten kann und das drei Jahre in Folge.

Krank im Urlaub - was passiert jetzt?

Natürlich kann man auch im Urlaub krank werden. Ob ihr zu Hause bleibt oder wegfahrt, wenn ihr im Urlaub krank werdet, müsst ihr unverzüglich handeln. Folgende Dinge solltet ihr dann tun:

  • Im ersten Schritt solltet ihr umgehend einen Arzt aufsuchen. Das gilt auch dann, wenn ihr im Ausland seid. Ihr lasst euch untersuchen und erhaltet im Krankheitsfall ein ärztliches Attest, aus dem hervorgeht, dass ihr arbeitsunfähig seid. Im Idealfall holt ihr euch die ärztliche Bescheinigung direkt am ersten Tag, an dem ihr im Urlaub krank werdet. Das gilt auch dann, wenn ihr laut Gesetz beziehungsweise Arbeitsvertrag erst an einem späteren Zeitpunkt dazu verpflichtet wärt.
  • Im zweiten Schritt informiert ihr euren Arbeitgeber über eure Erkrankung im Urlaub. Diesem müsst ihr eure Krankmeldung innerhalb der vertraglich vereinbarten beziehungsweise gesetzlichen Frist zukommen lassen.

Auch wenn ihr euch im Urlaub krank meldet, müsst ihr nicht umgehend nach Hause fahren. Es kann sein, dass ihr zu krank seid und euch erst vor Ort erholen müsst. Ihr müsst euch dennoch von einem Arzt krankschreiben lassen und eurem Chef eure Krankmeldung mitteilen. Nur wenn ihr euch krankschreiben lasst und eurem Chef dies mitteilt, könnt ihr die durch eure Erkrankung verlorenen Urlaubstage später nachholen. Dann verfällt euer Anspruch auf eure Urlaubstage auch nicht.

Wie muss ich mich im Krankheitsfall bei meinem Arbeitgeber melden? Foto: anh nguyen / unsplash

Wie muss ich mich im Krankheitsfall bei meinem Arbeitgeber melden? Foto: anh nguyen / unsplash

Ich bin im Urlaub erkrankt - kann ich die verlorenen Urlaubstage einfach anhängen?

Mal angenommen ihr fahrt für zwei Wochen nach Italien an den Strand und irgendwann im Laufe der 14 Tage werdet ihr krank und müsst drei Tage lang das Bett hüten. Auch wenn euer Reiseveranstalter möglicherweise kein Problem darin sieht, an den Urlaub noch drei weitere Tage dran zu hängen, wenn euch euer Chef nach diesen 14 Tagen im Büro erwartet, müsst ihr auch zur Arbeit antreten. Ihr dürft euch nicht selbst beurlauben und euren Urlaub eigenmächtig verlängern. Verlängert ihr euren Urlaub einfach ohne die Zustimmung eures Chefs, riskiert ihr eine Abmahnung. Macht ihr das sogar mehrfach, kann euch die Kündigung auf den Schreibtisch flattern. Stimmt euer Chef einer Verlängerung zu, dann lasst euch diese Zustimmung auf jeden Fall schriftlich geben. Stimmt euer Chef nicht zu, dann endet euer Urlaub ganz einfach zum vereinbarten Zeitpunkt. Habt ihr euch krankgemeldet und von einem Arzt krankschreiben lassen, dann werden euch die Urlaubstage, an denen ihr krank wart, jedoch gutgeschrieben. Das heißt, ihr könnt zu einem späteren Zeitpunkt auf eure Urlaubstage zurückgreifen. Sie verfallen nicht.

Ich bin krankgeschrieben, fühl mich aber besser - darf ich wieder zur Arbeit?

Wenn ihr eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt bekommen habt, dann steht dort in der Regel auch ein Zeitraum. Dabei handelt es sich um die vom Arzt erwartete Dauer der Erkrankung. Solltet ihr euch schon früher wieder fit fühlen, dann könnt ihr auch früher wieder zur Arbeit gehen. Ihr müsst dann nicht erneut zum Arzt, um euch bestätigen zu lassen, dass ihr wieder arbeiten gehen könnt.

Mein Kind ist krank - darf ich zu Hause bleiben?

Wenn das Kind erkrankt, dann dürfen Eltern zu Hause bleiben und sich um das Kind kümmern. Doch das ist nicht uneingeschränkt möglich. Es gibt einige Regeln, die es zu beachten gilt, wenn Eltern wegen eines kranken Kindes nicht zur Arbeit kommen können. Für Eltern haben Betreuung und Fürsorge eines kranken Kindes oberste Priorität. Auch laut Bürgerlichem Gesetzbuch steht das über den arbeitsrechtlichen Verpflichtungen. Wird ein Kind krank, ist das eine vorübergehende Verhinderung. Der Arbeitnehmer hat das nicht verschuldet und muss von seinem Arbeitgeber freigestellt werden. Im Krankheitsfall eures eigenen Kindes habt ihr jedoch die Pflicht, euren Arbeitgeber zu informieren. Teilt eurem Arbeitgeber am besten so früh wie möglich mit, dass ihr aufgrund einer Erkrankung eures Kindes verhindert seid und nicht zur Arbeit kommen könnt. Euer Arbeitgeber kann zudem verlangen, dass ihr ein Attest vom Kinderarzt vorlegt.

Wie viele Tage darf ich zu Hause bleiben, wenn mein Kind krank ist?

In der Regel sind Kinder nicht nur einen Tag krank. Oftmals dauert eine Erkrankung länger und Eltern müssen bei ihrem Kind bleiben bis diese ausgestanden ist. Wer gesetzlich krankenversichert ist, hat Anspruch auf freie Tage, um das Kind zu betreuen. Zudem besteht ein Anspruch auf Krankengeld, wenn ein entsprechendes ärztliches Zeugnis vorliegt. Sind Eltern berufstätig, so ist die Dauer der Tage, die sie sich für die Betreuung und Pflege eines Kindes freistellen lassen können, genau festgelegt. Die Dauer wird unter anderem durch den Familienstand beeinflusst. So sieht das aus:

  • Für verheiratete Paare gilt, dass jedem Elternteil zehn Kinderkrankentage pro Kind zustehen. Das gilt immer für das Kalenderjahr. Hat ein Paar zwei Kinder, sind jeweils 20 Tage pro Elternteil möglich. Gibt es weitere Kinder, so ist der Anspruch auf höchstens 25 Tage im Jahr beschränkt.
  • Wer alleinerziehend ist, hat Anspruch auf 20 Tage pro Kind. Haben Alleinerziehende mehr als zwei Kinder, so liegt der maximale Anspruch auf Kinderkrankentage bei 50 Tagen pro Kalenderjahr.

Die Corona-Krise hat allerdings dafür gesorgt, dass verheiratete Elternteile jeweils fünf weitere Krankentage für die Betreuung und Pflege eines kranken Kindes in Anspruch nehmen können. Alleinerziehende haben Anspruch auf zehn zusätzliche Kinderkrankentage. Wichtig zu wissen: Verheiratete Paare, bei denen beide berufstätig sind, können den eigenen Anspruch auf Kinderkrankentage an den Partner abtreten. Dies ist allerdings nur nach Absprache mit den jeweiligen Arbeitgebern möglich.

Hab ich Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall?

Wer gesetzlich versichert und berufstätig ist, hat Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Das heißt, der Arbeitgeber zahlt dem Arbeitnehmer weiterhin sein Gehalt bei Arbeitsunfähigkeit oder Krankheit. Der Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall besteht jedoch für maximal sechs Wochen. Allerdings darf die Erkrankung beziehungsweise Verletzung nicht selbst verschuldet sein. Arbeitnehmer haben so die Sicherheit, dass sie auch im Krankheitsfall finanziell abgesichert sind und sich nicht um ihre Existenz sorgen müssen. Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist somit ein besonders wichtiges Element, wenn es um den Schutz der Arbeitnehmer in Deutschland geht. Es gibt ein Entgeltfortzahlungsgesetz, welches besagt, dass jeder Arbeitnehmer, der ein reguläres, sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis hat, Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall hat. Erfüllt sein müssen folgende Punkte:

  • Das Arbeitsverhältnis muss länger als vier Wochen bestehen
  • Verletzung beziehungsweise Erkrankung dürfen nicht selbstverschuldet sein
  • Der Arbeitnehmer muss während der regulären Arbeitszeit bestehen
  • Es muss eine Arbeitsunfähigkeit bestehen

Fazit

Wenn ihr berufstätig seid und krank werdet, müsst ihr euch auf jeden Fall so schnell wie möglich bei eurem Arbeitgeber melden. Fallt ihr längere Zeit aus, besorgt ihr euch eine ärztliche Bescheinigung und gebt diese spätestens am vierten Tag eurer Erkrankung bei eurem Arbeitgeber ab. Ihr habt zudem Anspruch auf Kinderkrankentage und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Beachtet stets, welche Regelungen in eurem Unternehmen gelten und was im Arbeitsvertrag vereinbart ist.

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