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SCHLECHTES ARBEITSZEUGNIS

Verschweigen oder begründen?

Foto: tamara bellis / unsplash
Foto: tamara bellis / unsplash

Cholerischer Chef, miese Stimmung im Team oder fehlende Strukturen: Es gibt viele Gründe, einer Arbeitsstelle den Rücken zu kehren und sich nach einem neuen Job umzusehen. Doch was tun, wenn das Zeugnis der letzten Arbeitsstelle negativ ausgefallen ist? Wird es sich bei der Bewerbung um eine neue Stelle möglicherweise als Karrierekiller erweisen? Wir sagen dir, wie du erkennst, ob du wirklich ein schlechtes Arbeitszeugnis hast und wie du damit Bewerbung und Vorstellungsgespräch erfolgreich meisterst.

Kann der Arbeitgeber ein schlechtes Arbeitszeugnis ausstellen?

Als Arbeitnehmer hast du Anspruch auf ein Arbeitszeugnis, wenn deine Tätigkeit endet. Der Arbeitgeber muss dir laut Gesetz anschließend ein Arbeitszeugnis ausstellen und er hat die Pflicht, dieses wohlwollend und wahrheitsgemäß zu formulieren. Was er zu schreiben hat, ist nicht festgelegt. Auch bei der Vergabe der Noten ist der Arbeitgeber frei. Ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts hat dazu geführt, dass Arbeitszeugnisse mindestens die Note "befriedigend" erhalten müssen. Für die Notenvergabe bei einem Arbeitszeugnis bedeutet das:

  • Bei durchschnittlichen Leistungen muss der Arbeitgeber mindestens die Note "befriedigend" vergeben.
  • Will der Arbeitgeber eine schlechtere Note erteilen, so liegt die Beweislast bei ihm. Das bedeutet, er muss seine Entscheidung begründen und belegen.
  • Hat der Arbeitnehmer für seine Arbeit ein "befriedigend" erhalten, ist aber der Meinung ein "gutes" oder "sehr gutes" Zeugnis verdient zu haben, liegt die Beweislast wiederum bei ihm. Er muss beweisen, dass er bessere Leistungen erbracht hat.

Wie erkenne ich, ob mein Arbeitszeugnis gut oder schlecht ist?

Es gibt verschiedene Merkmale, die auf ein schlechtes Arbeitszeugnis hinweisen können. Folgende Merkmale sollten dich aufhorchen lassen:

  • Dein Arbeitszeugnis fällt relativ kurz aus. Das Arbeitszeugnis muss hinsichtlich des Umfangs zur Beschäftigungsdauer und dem Umfang deiner Tätigkeit passen. Du warst fünf Jahre im Betrieb, aber dein Zeugnis ist nur eine halbe Seite lang? Das könnte ein Hinweis auf ein schlechtes Arbeitszeugnis sein.
  • Es wimmelt von Passivsätzen. Es ist z. B. die Rede von "wurde beauftragt" oder "war beschäftigt".
  • Es ergeben sich Widersprüche. Deine Note ist "gut", aber inhaltlich weist das Arbeitszeugnis auf Schwächen im Sozialverhalten oder der Zuverlässigkeit hin.
  • Das Arbeitszeugnis ist wenig aussagekräftig. Das Unternehmen wird eingehend beschrieben, aber die Beschreibung der Tätigkeit wird fast stichpunktartig abgehandelt.
  • Das Arbeitszeugnis ist oberflächlich. Über dich werden keine individuellen Aussagen getroffen. Es fehlen die beruflichen Erfolge und einzigartige Leistungen, die dich als Mitarbeiter auszeichnen.

Welche Wörter sollten in einem Arbeitszeugnis nicht stehen?

Dein Arbeitgeber darf dir kein gutes oder sehr gutes Arbeitszeugnis ausstellen, wenn deine Leistungen nicht gut waren. Die Aussagen in einem Arbeitszeugnis müssen wahr sein. Dein Arbeitgeber unterzeichnet das Arbeitszeugnis und gibt damit seine Unterschrift dafür, dass der Inhalt der Wahrheit entspricht. Allerdings besteht für Mitarbeiter der Anspruch, mindestens die Note 3 zu erhalten. In der Regel werden schlechte Leistungen im Arbeitszeugnis nicht konkret genannt. Das heißt, im Arbeitszeugnis wirst du nicht lesen: "XY war ständig unkonzentriert und hat Fehler gemacht." Solche Aussagen sind unzulässig. Auch bei einem schlechten Arbeitszeugnis muss der Arbeitgeber schlechte Leistungen umschreiben. Für einen Laien ist es daher schwer zu erkennen, ob es sich um eine positive oder negative Aussage handelt. Folgende Wörter und Ausdrücke können Hinweise auf ein schlechtes Arbeitszeugnis sein:

  • Mit Interesse
  • In der Regel
  • Ausreichend
  • Im Großen und Ganzen
  • Bemühte sich
  • Im Allgemeinen

Es kann auch ein Hinweis auf ein schlechtes Arbeitszeugnis sein, wenn ein bestimmtes Bewertungskriterium fehlt. In der Regel sind Bewertungskriterien wie Fachkenntnisse, Sozialverhalten, Weiterbildungsbereitschaft, Arbeitsbefähigung, Arbeitsmotivation und zusammenfassende Leistungsbeurteilung im Zeugnis enthalten. Auch die Schlussformulierung kann auf ein schlechtes Arbeitszeugnis hinweisen. Ist die Schlussformulierung schlecht, wertet diese ein eigentlich gutes Zeugnis ab.

Schlechtes Arbeitszeugnis – so gehst du damit um / Foto: chase chappell / unsplash

Schlechtes Arbeitszeugnis – so gehst du damit um / Foto: chase chappell / unsplash

Wie schlecht darf ein Arbeitszeugnis ausfallen?

Der Arbeitgeber darf ein schlechtes Arbeitszeugnis ausstellen. Er muss dem Arbeitgeber aber mindestens die Note "befriedigend" erteilen. Möchte er eine schlechtere Note erteilen, muss er dafür Gründe angeben und diese belegen können.

Schlechtes Arbeitszeugnis was tun?

Du hast ein schlechtes Arbeitszeugnis bekommen und fragst dich, was du jetzt tun sollst? Es ist einfach ärgerlich, wenn das Arbeitszeugnis schlecht ausfällt. Zudem kann es sich auf deine Karriere auswirken und deine Jobsuche erschweren. Du kannst etwas dagegen unternehmen und so vorgehen:

  • Sprich deinen Boss an. Manchmal fällt das Zeugnis aus Unwissenheit schlecht aus, ohne dass es beabsichtigt war. Such das direkte Gespräch und bitte um Korrektur.
  • Du kannst Widerspruch einlegen. Möchte dein Arbeitgeber das Arbeitszeugnis nicht korrigieren oder dauert die Korrektur zu lange, lege Widerspruch ein.
  • Du kannst vor Gericht klagen. Zeigt dein Arbeitgeber keine Einsicht, kannst du in letzter Instanz vor Gericht ziehen. Beachte: Du musst Fristen einhalten. Informiere dich vorab, bis wann du die Klage einreichen und was du beachten musst.

Handelt es sich wirklich um ein schlechtes Arbeitszeugnis?

Bevor du deine berufliche Laufbahn in düsteren Farben malst, solltest du prüfen lassen, ob es sich tatsächlich um ein schlechtes Arbeitszeugnis handelt. Denn: Für Laien ist es nicht so einfach, die klassischen Formulierungen in Arbeitszeugnissen richtig zu deuten. So manches vermeintlich schlechte Arbeitszeugnis entpuppt sich als ganz okay. Personaler hingegen sind in der Lage, bestimmte Codes auf den ersten Blick zu erkennen und ihre Schlüsse daraus zu ziehen. Im Internet findest du die gängigen Formulierungen und ihre Übersetzung. So erhältst du zumindest eine grobe Vorstellung davon, mit welcher Gesamtnote dich dein Ex-Chef bewertet hat. Wer auf Nummer sichergehen will, zieht einen Profi hinzu, zum Beispiel einen Personaler oder einen Anwalt für Arbeitsrecht. Idealerweise kümmerst du dich darum, sobald dir das vermeintlich schlechte Arbeitszeugnis vorliegt.

Kann man gegen Arbeitszeugnis Widerspruch einlegen?

Ja, du kannst gegen ein schlechtes Arbeitszeugnis Widerspruch einlegen. Der Widerspruch sollte schriftlich erfolgen und du solltest die Textstellen, die du anfechten willst, aufführen. Du kannst zudem alternative Formulierungen vorschlagen. Halte im Widerspruch fest, dass dein ehemaliger Arbeitgeber zwei Wochen Zeit hat, die beanstandeten Passagen zu korrigieren. Hole dir Unterstützung von einem Anwalt für Arbeitsrecht, wenn innerhalb der genannten Frist keine Korrektur erfolgt.

Kann der Arbeitgeber ein schlechtes Arbeitszeugnis ausstellen? / Foto: brooke cagle / unsplash

Kann der Arbeitgeber ein schlechtes Arbeitszeugnis ausstellen? / Foto: brooke cagle / unsplash

Wie wichtig ist das Arbeitszeugnis für die Bewerbung?

Wenn in Stellenausschreibungen von "vollständigen Bewerbungsunterlagen" die Rede ist, setzen Chefs und Personaler grundsätzlich voraus, dass das Zeugnis der letzten Arbeitsstelle enthalten ist. Du kannst davon ausgehen, dass sich das Unternehmen dieses Schriftstück genau durchlesen wird – schließlich will der potenzielle neue Chef zum einen etwas über deinen beruflichen Werdegang erfahren und sich zum anderen ein Bild darüber machen, ob du dich in deinem vorherigen Job bewährt hast. Gibt es mehrere geeignete Bewerber für eine Position, kann es vorkommen, dass das Arbeitszeugnis ausschlaggebend dafür ist, sich für oder eben gegen einen Kandidaten zu entscheiden. Unterschätze die Bedeutung des Arbeitszeugnisses daher nicht!

Darf man ein schlechtes Arbeitszeugnis in der Bewerbung weglassen?

Ein schlechtes Arbeitszeugnis in der Bewerbung einfach zu unterschlagen, ist keine besonders gute Idee. Verlangen Arbeitgeber in der Stellenausschreibung explizit nach "vollständigen Bewerbungsunterlagen" (womit alle Arbeitszeugnisse eingeschlossen sind) und das letzte Arbeitszeugnis fehlt, wird ein cleverer Personaler diese Lücke sofort entdecken. Deine Bewerbung wandert höchstwahrscheinlich direkt in den Papierkorb. Spätestens im Vorstellungsgespräch wirft das fehlende Arbeitszeugnis peinliche Fragen auf.

Das schlecht bewertete Arbeitsverhältnis war nur von sehr kurzer Dauer? In einem solchen Fall raten Bewerbungs-Experten dazu, das schlechte Arbeitszeugnis unter den Tisch fallen zu lassen – und das unglückliche Zwischenspiel unbedingt aus dem Lebenslauf zu streichen. Für den einen oder anderen mag das vielleicht eine Option sein. Gleichwohl gilt im Job immer noch "Ehrlich währt am längsten".

Sollte man ein schlechtes Arbeitszeugnis in der Bewerbung thematisieren?

Wenn du über einen längeren Zeitraum bei einem Arbeitgeber beschäftigt warst, der dir ein schlechtes Zeugnis ausgestellt hat, kommst du nicht drumherum, es deinen Bewerbungsunterlagen beizulegen. Damit es nicht dazu führt, dass deine Bewerbung sofort aussortiert wird, empfehlen Personal-Profis, schon im Anschreiben mit offenen Karten zu spielen.

Das ist sicher nicht jedermanns Ding, dennoch kann diese offensive Vorgehensweise unter Umständen zu einer Einladung zum Vorstellungsgespräch führen. Du kannst die eher negativen Stellen im Arbeitszeugnis direkt ansprechen und zumindest ein wenig "geraderücken". Allerdings solltest du dich nicht in Rechtfertigungen ergehen oder in eine Opferrolle verfallen. Schlecht über den ehemaligen Chef zu sprechen, ist ebenfalls tabu!

Wie geht man mit einem schlechten Arbeitszeugnis ins Bewerbungsgespräch?

Du hast eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten – Gratulation! Ein schlechtes Arbeitszeugnis ist damit noch nicht aus der Welt, aber zumindest gibt dir deine Wunschfirma die Chance, dich persönlich vorzustellen und die negative Bewertung geradezurücken. Stell dich darauf ein, dass dein Gesprächspartner erfahren will, was es mit dem schlechten Arbeitszeugnis auf sich hat. Gute Vorbereitung ist daher das A und O!

Strategie 1: Mit anderen guten Leistungen und Referenzen punkten

Versuche, im Bewerbungsgespräch das schlechte Arbeitszeugnis mit guten Leistungen abzuschwächen. Verweise auf ältere positive Arbeitszeugnisse. Trumpfe mit erfolgreichen Projekten auf, die du für frühere Arbeitgeber oder in deiner letzten Firma erfolgreich umgesetzt hast. Du kannst Referenzen von Kunden oder Lieferanten einholen, die dir die gute Zusammenarbeit bestätigen.

Strategie 2: Ein schlechtes Arbeitszeugnis erklären

Findige Personaler werden ein schlechtes Arbeitszeugnis erkennen und dich darauf ansprechen. In diesem Fall solltest du mit offenen Karten spielen und erklären, wie es dazu gekommen ist. Lasse dich nicht dazu hinreißen, über deinen ehemaligen Arbeitgeber oder Vorgesetzten herzuziehen. Das wird von Personalern als schlechter Stil eingestuft. Du kannst aber durchaus erläutern, dass es zum Beispiel in deiner alten Firma an Strukturen mangelte oder du vom Aufgabengebiet andere Vorstellungen hattest als die Geschäfts- oder Abteilungsleitung.

Strategie 3: Den Ahnungslosen spielen

Wer über schauspielerisches Talent und ein Pokerface verfügt, kann so tun, als ob er nicht gewusst habe, dass das Arbeitszeugnis schlecht ist. Versichere glaubhaft, dass du das schlechte Arbeitszeugnis nochmals prüfen und gegebenenfalls korrigieren lässt. Diese Strategie ist etwas für Fortgeschrittene, denn gewiefte Personaler könnten den Bluff durchschauen – und dann war's das mit dem neuen Job.

Fazit: Schlechtes Arbeitszeugnis – ärgerlich, aber kein Drama

Ein schlechtes Arbeitszeugnis kann sich manchmal als Stolperstein für das weitere Berufsleben erweisen – Personaler sortieren deine Bewerbung aus und auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch kannst du lange warten. Am besten also, es kommt erst gar nicht so weit und du lässt dein Arbeitszeugnis sofort nach Erhalt von einem Experten überprüfen und gegebenenfalls korrigieren.

Hast du das versäumt, bleibt dir nichts anderes übrig, als offen und ehrlich damit umzugehen – im Anschreiben, im Lebenslauf und im Bewerbungsgespräch. Versuche nicht, das schlechte Arbeitszeugnis unter den Tisch fallen zu lassen. In den meisten Fällen kommt das ans Tageslicht, zum Beispiel, weil der Personaler im Vorstellungsgespräch nach dem Arbeitszeugnis fragt oder sich bei deinem Ex-Arbeitgeber danach erkundigt. Stelle stattdessen deine Vorzüge und beruflichen Erfolge ins Rampenlicht. Dann ist oft ein schlechtes Arbeitszeugnis kein Drama mehr.

 

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