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Mündliches Abitur

So meistert ihr die letzte Hürde vor eurem Schulabschluss

Bild So meistert ihr die letzte Hürde vor eurem Schulabschluss

Bald habt ihr es geschafft und das Abitur in der Tasche: Das Lernen für die schriftlichen Klausuren liegt hinter euch, doch als nächstes kommt das mündliche Abitur an die Reihe. Das ist wirklich etwas Besonderes, denn in dieser Prüfung wird nicht bloß gelerntes Wissen abgefragt. Man muss die Lösung gestellter Aufgaben überzeugend vortragen und auch Nachfragen oder Einwänden der Prüfer begegnen können.

Viele von euch beschleicht dabei ein ungutes Gefühl. Einen kurzen Vortrag zu halten, wäre in Ordnung. Aber vielleicht, so denkt ihr, seid ihr in der Prüfung besonders nervös, weil es um nichts Geringeres als eine gute Abiturnote geht. Doch gemach: Eine gute Vorbereitung und die richtige Einstellung sind die halbe Miete. Wir verraten euch, wie ihr am besten vorgeht.
 

Mündliches Abitur - So meistert ihr die letzte Hürde vorm Abschluss / Foto: sydney rae / unsplash

Mündliches Abitur - So meistert ihr die letzte Hürde vorm Abschluss / Foto: sydney rae / unsplash

1. Mündliches Abitur: Ablauf der Prüfung feststellen

Das mündliche Abitur unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. Deshalb solltet ihr zunächst herausfinden, sofern ihr das nicht längst wisst, wie das mündliche Abitur bei euch abläuft. Sitzt ihr einem Prüfer gegenüber oder mehreren Personen? In einigen Bundesländern, z.B. in Hamburg, bekommt ihr ein Thema gestellt und dürft euch zwei Wochen lang auf die Präsentation vorbereiten. Aber die meisten Bundesländer sind nicht so großzügig. Dort erhaltet ihr erst zu Beginn der Prüfung eine Aufgabe oder mehrere, aus denen ihr in einigen Fächern eine auswählen dürft. Wieviel Zeit habt ihr nach Empfang und Auswahl der Aufgaben zur Vorbereitung? Ist es eine halbe Stunde oder mehr? Dürft ihr in Mathe einen Taschenrechner oder in sprachlichen Fächern ein Wörterbuch benutzen? Wie lange soll euer Einleitungsvortrag dauern? Sind es 15 Minuten oder mehr? Diese Fragen solltet ihr klären.

2. Themen systematisch lernen

Vor dem Beginn des Lernens sollte euch klar sein, welcher Stoff im mündlichen Abitur tatsächlich aufgerufen werden kann. Ist es der gesamte Oberstufenstoff des Faches oder setzen sich die Prüfungsaufgaben anders zusammen? Auch das hängt von den Regeln in eurem Bundesland ab.

Schon bevor ihr euch über die Prüfungssituation und den Ablauf restlos im Klaren seid, könnt ihr mit dem Lernen und Wiederholen des Abiturstoffes beginnen. Im Leben gilt häufig der Grundsatz "Mut zur Lücke". Das heißt, dass man einfach nicht alles bis in die kleinsten Details wissen kann. Das mag sein. Aber der Satz darf niemals als Ausrede dafür dienen, sich zu wenig Vorbereitungszeit zu nehmen und deshalb das nötige Pensum nicht zu schaffen.

Über die Themen, die beim mündlichen Abitur eine Rolle spielen können, solltet ihr euch Zusammenfassungen schreiben. Das Niederschreiben selbst besitzt einen wertvollen Lerneffekt. Das effektive Lernen könnt ihr noch steigern, wenn ihr den Stoff nicht nur einmal durcharbeitet, sondern mindestens zweimal wiederholt. Der Zweck besteht darin, den Inhalt ins Langzeitgedächtnis zu überführen.

Wichtig ist auch, die Themen nicht bloß auswendig zu lernen oder die Zusammenfassungen wörtlich aus Büchern oder dem Internet zu übernehmen. Ihr solltet versuchen, den jeweiligen Gegenstand wirklich zu verstehen. Die Prüfer legen in der Regel Wert auf die Fähigkeit, ein Thema in eigenen Worten darlegen zu können. Reines Auswendiglernen wäre da nicht genug. Außerdem können die Prüfer Rückfragen stellen.
 

Mündliches Abitur: Ablauf der Prüfung feststellen / Foto: hannah busing / unsplash

Mündliches Abitur: Ablauf der Prüfung feststellen / Foto: hannah busing / unsplash

3. In Gruppen lernen

Vielleicht habt ihr Schwierigkeiten damit, so viel Stoff allein "zu pauken" und zu verstehen. Was hindert euch daran, für das gemeinsame Lernen Mitschüler oder Mitschülerinnen zu suchen, die sich für die gleiche mündliche Abiturprüfung vorbereiten? Am besten für konzentriertes Arbeiten sind Zweier- oder Dreiergruppen. Bei größeren Gruppen ist die Gefahr der Ablenkung zu hoch. Gruppen haben den Vorteil, dass ihr Fragen gemeinsam bearbeiten und klären könnt. Zwei oder drei Personen wissen einfach mehr als nur eine.

Eure Zusammenfassungen könnt ihr den anderen Gruppenmitgliedern vortragen und von ihnen inhaltliche Kritik bekommen. Auf diese Weise kann man die Darstellung seiner Themen kontinuierlich verbessern. Wer sich nicht in einer Gruppe von Mitschülern vorbereiten will, kann für das Feedback auch Familienangehörige zu Hilfe nehmen. Die Kritik sollte aber immer konstruktiv sein und machbare Verbesserungsvorschläge enthalten.

Das mehrmalige Vortragen von thematischen Zusammenfassungen in der Gruppe führt zwangsläufig zum wiederholten Referieren der Zusammenfassungen. Das ist gut, denn jede Wiederholung verankert den Stoff besser im Langzeitgedächtnis.

4. Selbstsicheres Auftreten üben

Ihr werdet euch vielleicht an viele schulische Situationen erinnern, in denen ihr Lampenfieber hattet. Bei der Vorbereitung zum mündlichen Abitur soll es unter anderem darum gehen, der Nervosität Herr zu werden. Ein bisschen Lampenfieber zu haben, ist sogar gut, denn es vermeidet, die Prüfungsvorbereitung auf die leichte Schulter zu nehmen.

Bei der Vorbereitung zum mündlichen Abitur gilt es darum nicht nur, sich die notwendigen Inhalte anzueignen. Ziel sollte auch sein, die Selbstsicherheit beim Präsentieren und Vortragen zu steigern. Denn eine sicher vorgetragene Präsentation ist für die Benotung meistens vorteilhaft. Wenn ihr zwar inhaltlich sattelfest seid, aber das gelernte Wissen zu unsicher vortragt, bleibt bei den Prüfern häufig kein günstiger Eindruck hängen.

Ihr werdet euch daran erinnern, dass ihr während eurer Schullaufbahn nicht nur schriftliche Prüfungen absolviert habt, sondern auch viele (PowerPoint-) Präsentationen im Unterricht vorgetragen habt. Ihr habt also durchaus Erfahrung mit mündlichen Vorträgen. Aber vielleicht war früher die Vorbereitung nicht optimal. Für das mündliche Abitur könnt ihr das ändern.

Selbstsicherheit kann man ein Stück weit trainieren, indem man in Kleingruppen vorträgt, die anderen Gruppenmitglieder um Feedback bittet und den Vortrag wiederholt, bis er "sitzt". Der Zweck der Übung besteht nicht darin, euch zum geschliffen sprechenden Festredner auszubilden. Aber durch das wiederholte Vortragen vor Mitschülern und deren konstruktive Kritik gewinnt ihr Routine. Und wer darauf aufbauen kann, erhöht seine Selbstsicherheit.

5. Mit dem Smartphone aufzeichnen

Feedback zu erhalten zum Inhalt der Zusammenfassungen und zur Art der Präsentation, ist äußerst wertvoll. Häufig ist man aber selbst sein härtester Kritiker. Deshalb wäre es noch hilfreicher, wenn ihr euren Vortrag selbst sehen und beurteilen könntet. Nichts einfacher als das. Bittet einfach ein anderes Gruppenmitglied, euren Vortrag mit dem Smartphone aufzuzeichnen.

Bei der anschließenden Wiedergabe seht ihr, was ihr vorgetragen habt. Ihr könnt dann selbst beurteilen, was ihr richtig oder falsch gemacht habt, ob ihr die Inhalte in die treffenden Worte gepackt habt, ob ihr die Schwerpunkte richtig gesetzt habt, ob ihr zu nervös gewirkt habt und womöglich zu viele kurze Sätze im Stakkatotakt abgefeuert habt. Profis nennen diesen Selbstkontrollvorgang auch Selbstreflexion. Auch hier gilt wieder: Mit Wiederholungen gelangt ihr zu kontinuierlichen Verbesserungen, und die verschaffen euch wiederum mehr Selbstsicherheit.

6. Prüfungssituation mit Ruhe meistern

In der Prüfung selbst heißt es, vor allem Ruhe zu bewahren. Ihr solltet die Aufgabenstellung gründlich lesen und euch nicht scheuen, an die Prüfer gegebenenfalls Verständnisfragen zu richten. Fertigt euch zur Vorbereitung des mündlichen Vortrags Notizen an und legt euch eine Struktur für die Antwort zurecht. Beantwortet die Fragestellung dann nicht überstürzt, sondern nehmt euch Zeit und geht die Bestandteile der Antwort im Kopf durch, bevor ihr loslegt.

Nach eurem Vortrag stellen die Prüfer Nachfragen, auf die ihr auch überzeugend eingehen müsst. In der Regel findet dann kein kurzatmiges Frage- und Antwort-Pingpong, sondern ein Gespräch statt, bei dem ihr eure Position begründen sollt. Die allermeisten Prüfer sind fair und bemühen sich um eine angenehme Atmosphäre.

Gerade in sprachlichen oder sozialwissenschaftlichen Fächern dürft ihr auch eine klare eigene Meinung zum gestellten Thema vertreten, die ihr aber begründen müsst. Die meisten Prüfer schätzen es, wenn ihr in der Lage seid, eine gut begründete eigene Meinung vorzubringen.

Fazit

Nach der gesamten Prozedur werdet ihr feststellen: Die Vorbereitungen haben sich gelohnt! Ihr habt die richtigen Inhalte systematisch und mit ausreichenden Wiederholungen gelernt. Ihr habt euch mit anderen Mitschülern gegenseitig unterstützt und euch von ihnen wertvolles Feedback geben lassen. Ihr habt gezielt am selbstsicheren Auftritt gearbeitet. Das alles war die Grundlage für ein erfolgreiches, mündliches Abitur. Herzlichen Glückwunsch!

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