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Waldorf war gestern: Freinet, Jenaplan oder Club-of-Rome Schulen als Alternative

Alternative Schulformen im Überblick

Bild Alternative Schulformen im Überblick

Ihr besucht eine ganz normale Realschule oder ein Gymnasium? Vielleicht haben eure Eltern für euch auch eine Schule eines privaten Trägers ausgewählt. Die meisten Eltern wollen, dass sich ihr Kind in der Schule wohlfühlt und entsprechend seiner Fähigkeiten gefördert wird. Die Eltern, die nicht in erster Linie auf Leistungsdruck setzen, sondern mehr auf Individualität und das soziale Miteinander achten, entscheiden sich oft für eine alternative Schulform. Interessiert ihr euch dafür, welche alternativen Schulformen es gibt, und denkt ihr daran, eventuell selbst eine alternative Schulform zu wählen? Erfahrt hier, welche Möglichkeiten es gibt und was die Besonderheiten sind.

Alternative Schulformen im Überblick

Zu starr, zu stark auf Leistung getrimmt, nicht individuell genug und zu konservativ: Das sind Argumente vieler Eltern, um für ihr Kind eine alternative Schulform auszuwählen. Die meisten denken dabei an eine Waldorf- oder eine Montessori-Schule. Es gibt jedoch noch mehr alternative Möglichkeiten. Alle diese alternativen Schulen folgen dem deutschen Grundkonzept, doch steht die Selbstbestimmung der Schüler mehr im Vordergrund. Die Schulen können sich in freier oder in staatlicher Trägerschaft befinden. Es gibt Grundschulen, doch gibt es viele alternative Schulen auch als weiterführende Schulen. In Deutschland können diese alternativen Schulformen gewählt werden:

  • Waldorfschule
  • Montessorischule
  • Freinetschule
  • Jenaplan-Schule
  • Club-of-Rome-Schule
  • Demokratische Schule
  • Daltonplan-Schule
  • Mehlhornschule

Darüber hinaus gibt es noch einige weitere alternative Schulen, die in Deutschland jedoch so selten sind, dass sie nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Waldorf-Schule - keine Zensuren und kein Sitzenbleiben

Die Waldorfschulen sind wahrscheinlich die bekannteste alternative Schulform und werden nach ihrem Begründer auch Rudolf-Steiner-Schulen genannt. Prinzip der Waldorfschulen ist die Entwicklung praktischer, künstlerischer, kreativer und sozialer Fähigkeiten. Als Leitsatz gilt: "Das Kind in Ehrfurcht aufnehmen, in Liebe erziehen und in Freiheit entlassen." Auf Noten wird verzichtet, keiner bleibt sitzen. Von der ersten Klasse an besuchen Schüler die Waldorfschule 12 Jahre lang. Der Abschluss ist nicht staatlich anerkannt. Waldorf-Schüler können nach der 12. Klasse vor einem externen Prüfer einen Real- oder Hauptschulabschluss erhalten. Wer das Abitur machen möchte, muss noch ein Jahr länger die Schulbank drücken. Die Waldorfschule setzt auf das Engagement der Eltern und eignet sich für Kinder, die sensibel sind und unter dem Leistungsdruck an anderen Schulen leiden.

 

Waldorf war gestern: Freinet- oder Jenaplan-Schulen als Alternative / Foto: court-prather / unsplash

Waldorf war gestern: Freinet- oder Jenaplan-Schulen als Alternative / Foto: court-prather / unsplash

Montessori-Schule - selbstbestimmtes Lernen fördern

Die italienische Ärztin Maria Montessori entwickelte Ende des 19. Jahrhunderts den pädagogischen Ansatz für diese alternative Schulform. Nach dem Leitsatz "Hilf mir, es selbst zu tun" gilt es, das selbstständige Handeln und Entscheiden von Kindern zu fördern. Im Vordergrund steht der kindliche Forschungsdrang. Schüler können entscheiden, welches Thema sie wie lange und in welchem Umfang behandeln wollen. Neben Freiarbeit und Projektarbeit findet Gruppenarbeit in gemischten Altersgruppen statt. In der Montessori-Schule können Kinder spielerisch lernen. Neben Grund- und Förderschulen gibt es weiterführende Schulen, sodass Schüler jeden Abschluss erwerben können. Der Wechsel zu Realschule oder Gymnasium ist mit einer Aufnahmeprüfung möglich.

Freinetschule - Individualität der Kinder fördern

In der Freinetschule bilden Schüler und Lehrer einen Klassenrat, um gemeinsame Entscheidungen zu treffen. Im Mittelpunkt steht die kritische Auseinandersetzung der Kinder mit ihrer Umwelt. In persönlichen Arbeitsplänen müssen Schüler festlegen, was sie in der nächsten Zeit lernen möchten. In der wöchentlichen Klassenversammlung wird festgestellt, ob der Arbeitsplan eingehalten wurde. Die individuelle Förderung der Schüler basiert auf den Grundsätzen der Persönlichkeitsentfaltung, Umweltbewusstsein, Selbstverantwortung und Zusammenarbeit. Schüler sammeln praktische Erfahrungen im Alltag und bei Erkundungen. Da es sich um Grundschulen handelt, erhalten die Kinder eine Empfehlung für eine weiterführende Schule. Noten bekommen die Schüler nur vor dem Schulwechsel.

Jenaplan-Schule - die Schule wird zur Lebensstätte

Auf der Basis der vier Säulen Gespräch, Spiel, Arbeit und Feier soll die Schule zur Lebensstätte werden. Diese alternative Schulform vermittelt den Pflichtlehrstoff im Kursunterricht. Im Stammunterricht, zu dem Schüler aus drei Klassenstufen zusammenkommen, werden die Inhalte des Kursunterrichts vertieft. In Gesprächskreisen diskutieren die Schüler Probleme und treffen demokratische Entscheidungen. Das Gemeinschaftsgefühl spielt eine wichtige Rolle und wird durch gemeinsames Frühstück, Mittagessen und wöchentliche Feste vertieft. Bei den Festen können gemeinsame Projekte vorgestellt und prämiert werden. Diese alternative Schulform vergibt bis zur 7. Klasse keine Noten. Kinder, die sich an staatlichen Schulen nicht wohlfühlen, aber mit dem Unterrichtsstoff keine Probleme haben, sind mit der Jenaplan-Schule angesprochen. Die Schüler können jeden Schulabschluss erwerben.

Club-of-Rome-Schule - Fokus auf nachhaltige Zukunft der Menschheit

Diese alternative Schulform setzt sich für die nachhaltige Zukunft der Menschheit ein. Wichtige Themen sind die nachhaltige Entwicklung und der Schutz der Ökosysteme. Ganzheitliche Bildungskonzepte und das Lernen über den Schulhorizont hinaus spielen eine wichtige Rolle. Kinder sollen mit ihren Stärken und Schwächen gefördert und in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt werden. Zum ganzheitlichen Konzept gehören Teamarbeit, Lernlabore, Respekt, Selbstverantwortung, musikalische Förderung und viel Bewegung. Deutschlandweit gibt es 15 solcher Schulen. Es gibt Gemeinschaftsschulen, Grundschulen, Gesamtschulen und Gymnasien, sodass jeder Abschluss möglich ist. Diese alternative Schulform eignet sich für Schüler, die an staatlichen Schulen gut zurechtkommen, aber nachhaltige Erfahrungen sammeln wollen.

 

Waldorf-Schule - keine Zensuren und kein Sitzenbleiben / Foto: priscilla du preez / unsplash

Waldorf-Schule - keine Zensuren und kein Sitzenbleiben / Foto: priscilla du preez / unsplash

Demokratische Schule - Mitbestimmung der Kinder gefördert

Diese alternative Schulform ist dadurch gekennzeichnet, dass es keinen festen Lehrplan gibt und die Schüler ihren Tagesablauf nach ihren Interessen gestalten können. Die Schüler können verschiedene Projekte, Kurse und Aktivitäten wählen und auch außerschulische Lernorte besuchen. Das selbstbestimmte Lernen mit ganzem Herzen, ohne Druck, ist gefragt. So chaotisch das erscheinen mag, so strukturiert ist es. Lehrer und Schüler haben in einer wöchentlichen Schulversammlung gleiches Stimmrecht und treffen gemeinsame Entscheidungen. Ziel der demokratischen Schule ist ein mittlerer Schulabschluss, für den die Schüler auf eine externe Prüfung vorbereitet werden. Wer aufs Gymnasium gehen und das Abitur machen möchte, muss diese Prüfung gut bestehen. Diese alternative Schulform ist nicht auf Noten und Abschlüsse fokussiert. Sie eignet sich für alle Kinder, doch haben einige Eltern Schwierigkeiten mit der Akzeptanz des selbstbestimmten Konzepts.

 

 

Daltonplan-Schule - besser lernen durch selber machen

Selbstständigkeit steht in der Daltonplan-Schule im Vordergrund. Das Konzept für diese alternative Schulform stammt von Helen Parkhurst, die Anfang des 20. Jahrhunderts eng mit Maria Montessori zusammenarbeitete. Kinder bekommen Zeit zur freien Gestaltung eingeräumt. Sie bekommen zu Beginn eines jeden Schuljahres ein Arbeitspaket, das sie eigenständig in wöchentlichen Schritten bis zum Schuljahresende abarbeiten müssen. Noten bekommen die Kinder auf der Grundlage der Ergebnisse ihrer schriftlichen Arbeit. Die Lehrer stehen den Kindern als Lernhelfer zur Verfügung. In Deutschland gibt es noch keine reinen Daltonplan-Schulen. Das Konzept wird jedoch von einigen Regelschulen angewendet. Da diese Schulen stark auf schriftliches Arbeiten fokussiert sind, müssen Kinder über viel Selbstdisziplin verfügen.

 

Mehlhornschule - Kreativität ist gefragt

Das Konzept für diese alternative Schulform ist noch recht neu, denn die erste Schule wurde erst 1997 von Hans-Georg und Gerlinde Mehlhorn gegründet. Auf der Grundlage der drei Säulen Begabung, Intelligenz und Persönlichkeit wird diese alternative Schulform auch als BIP-Kreativitätsschule bezeichnet. Ab der ersten Klasse müssen Kinder außerhalb der Schule ein Musikinstrument spielen lernen. Zusätzlich zum staatlichen Lehrplan stehen die Fächer

  • Englisch
  • zwei weitere Fremdsprachen, davon eine nichteuropäische
  • Schach
  • Informatik
  • sprachliches Gestalten
  • darstellendes Spiel
  • musikalisches Gestalten
  • bildkünstlerisches Gestalten
  • Tanz/Bewegung

auf dem Stundenplan. Es gibt ab dem ersten Schuljahr Noten. Ist eine Note schlechter als 2, erhalten die Kinder Fördermaßnahmen. Es handelt sich um Ganztagsschulen. Der angestrebte Schulabschluss ist das Abitur. Diese alternative Schulform eignet sich nur für wissbegierige und ausdauernde Kinder mit der entsprechenden Begabung.

Fazit: Eine Vielzahl an Alternativen

Ihr seht, dass es zahlreiche alternative Schulformen gibt und dass es für Eltern und Kinder schwierig sein könnte, die richtige alternative Schulform auszuwählen. Bei den meisten Alternativen steht die Selbstständigkeit, die Selbstbestimmung und die individuelle Förderung im Mittelpunkt. Viele Schulen sprechen die Kinder an, die sich in den Regelschulen nicht wohlfühlen.

 

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