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Bossing

Wenn der Chef euch mobbt

Foto: nik shuliahin / unsplash
Foto: nik shuliahin / unsplash

Mobbing von oben gehört zu den schlimmsten Erfahrungen für Mitarbeiter eines Unternehmens. Oft brauchen die Betroffenen eine ganze Weile bis sie erkennen, dass ihr Boss Bullying gegen sie betreibt. Wie ihr die Ausgrenzungsversuche durch den Chef erkennt und was ihr dagegen tun könnt:

Warum Firmenchefs Bossing betreiben

Die Ursache für das zerstörerische Verhalten des Chefs ist eindeutig. Wenn ihr von Mobbing durch den Chef betroffen seid, will er euch loswerden. Mit den unfairen Methoden versucht der Boss euch aus dem Betrieb zu drängen. Warum er das so hinterhältig angeht? Vielleicht genießt ihr einen Kündigungsschutz oder eure Entlassung brächte das Unternehmen in Schwierigkeiten. Also versucht der Firmenleiter zu erreichen, dass ihr von euch aus geht. Dafür wird zu miesen Taktiken gegriffen. Einschüchterungsversuche, das Bloßstellen vor Kollegen oder das offensichtliche Vermeiden von Kontakt gehören dazu. Viele halten das Mobbing von oben auf die Dauer nicht mehr aus und gehen. In diesem Fall triumphiert leider der Chef.

Wie ihr die Anzeichen für das Bullying erkennt

Die gezielten Schikanen und Untergriffe beginnen in den meisten Fällen lange vor dem Zeitpunkt, an dem der oder die Betroffene sie als solche wahrnimmt. Der Chef lässt immer wieder abwertende Bemerkungen in eure Richtung los? Er macht euch vor den Kollegen lächerlich oder entzieht euch nach und nach wichtige Aufgaben? Höchst wahrscheinlich seid ihr in diesem Fall von Bossing betroffen. Statt verantwortungsvolle Tätigkeiten zu übernehmen, seid ihr immer öfter für Hilfsaufgaben zuständig oder ihr werdet auf einmal nicht mehr in relevante Entscheidungsprozesse miteinbezogen. Spätestens dann sollten bei euch alle Alarmglocken schrillen. Ein weiteres typisches Anzeichen für Bossing ist der Versuch, euch sozial zu isolieren. Geht es in den Arbeitspausen lockerer zu, ignoriert euch der Chef, schart seine Vertrauten um sich und dreht euch demonstrativ den Rücken zu. All diese Signale deuten darauf hin, dass der Boss euch zum freiwilligen Kündigen bewegen will.

Anzeichen für Bossing im Überblick

  • der Chef ignoriert euch
  • wichtige Aufgaben werden entzogen
  • gute Leistungen werden nicht honoriert
  • der Chef macht abwertende Bemerkungen über euch
  • kleinste Fehler werden aufgebauscht
  • ihr werdet schikaniert und sozial isoliert
Bossing und seine Folgen für das berufliche und private Leben / Foto: jeshoots com / unsplash

Bossing und seine Folgen für das berufliche und private Leben / Foto: jeshoots com / unsplash

Bossing hat meist nichts mit schlechten Leistungen zu tun

Das Schlimmste für die Betroffenen ist meist die Tatsache, dass ihre Leistungen nicht nachgelassen haben. Viele bemühen sich im Gegenteil in einer ersten Reaktion noch intensiver zu arbeiten und keine Fehler zu machen. Passiert euch dann trotz allem einmal ein Malheur, wird es vom Chef aufgebauscht. Aus der sprichwörtlichen Fliege macht er beim Bossing gerne mal den Elefanten. Der Chef unterstellt euch, unfähig oder unverantwortlich zu sein. Dabei hat das unfaire Verhalten selten etwas mit euren Fähigkeiten zu tun. Oft spielen auch persönliche Gründe eine Rolle dabei, warum der Chef plötzlich Bossing gegen euch betreibt.

Wo ihr euch im Fall von Bossing Hilfe holen könnt

Ein schlechter Rat ist es, sich beim Mobbing durch den Boss an seine Kollegen zu wenden. Aus Furcht, selbst unter die Räder zu kommen und ihren Job zu riskieren, werden sie euch kaum helfen. Dass ihr dem mobbenden Boss aber nicht alleine gegenübertreten solltet, ist auch klar. Schließlich hat er deutlich mehr Macht und sitzt daher am längeren Ast. Holt euch bei eurer Familie und euren Freunden moralische Unterstützung, sucht eine Rechtsberatung auf oder wendet euch an die Gewerkschaft. Auch ein auf das Thema spezialisierter Psychologe oder Coach kann euch helfen, mit der belastenden Situation fertig zu werden. In jedem Fall gilt: Geht auf keinen Fall alleine gegen das Bossing an. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, bei dem ihr ohne Hilfe aller Wahrscheinlichkeit nach den Kürzeren zieht.

 

Warum Firmenchefs Bossing betreiben / Foto: headway / unsplash

Warum Firmenchefs Bossing betreiben / Foto: headway / unsplash

Die seelische Belastung durch Bullying ist groß

Durch euren Beruf bekommt ihr in der Regel Anerkennung und Bestätigung. Wird dies durch den Boss gezielt unterbunden, kann das zu massiven seelischen Verletzungen führen. Nicht selten schlittern die Opfer des mobbenden Chefs in eine Depression, ziehen sich auch privat immer mehr zurück oder stehen kurz vor dem Burn-Out. Aus diesem Grund solltet ihr euch bereits bei den ersten Anzeichen für Bossing Hilfe holen. Am Anfang reicht es vielleicht, sich von einem Spezialisten beraten zu lassen. Er kann euch dabei unterstützen und zusammen mit euch analysieren, ob ihr tatsächlich von dem unangenehmen Phänomen betroffen seid. Ist dies der Fall, könnt ihr euch mit Menschen austauschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Habt ihr durch das fiese Verhalten bereits Existenzängste, sucht eine Beratungsstelle auf und lasst euch genauestens zum Thema Kündigungsschutz aufklären.

Welche Konsequenzen ihr aus dem Bossing ziehen sollt

Die Frage nach dem Kapitulieren oder Weiterkämpfen kann nicht pauschal beantwortet werden. Je nach Persönlichkeit und spezieller Situation ist das Eine oder das Andere die bessere Lösung. Wer sich durch das Bullying bereits so zermürbt fühlt, dass kein Weg zurück mehr möglich scheint, sollte versuchen andere Pfade zu beschreiten. Von vielen Betroffenen wird der Schritt aus der Firma letztendlich als große Befreiung empfunden. Seid ihr dagegen eine Kämpfernatur und wollt euch nicht so leicht geschlagen geben, kann es sich auszahlen, eine Weile dagegen zu halten. Für die Offensive braucht ihr allerdings ein starkes Nervenkostüm und eine engagierte Unterstützung von außen. Lasst euch aber nicht zu lange auf das Spiel mit dem Feuer ein. Irgendwann sind auch die Kraftreserven des mutigsten Fighters aufgebraucht und er geht unter Umständen doppelt gedemütigt in die Knie.

 

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