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Dramadreiecke! Oder der Krimi im Büro

Seid ihr Verfolger, Opfer oder Retter?

Foto: bastian pudill / unsplash
Foto: bastian pudill / unsplash

Wir Menschen streben nach Harmonie und vermeiden Konflikte gerne. Allerdings ist das nicht immer möglich. So sehr wir uns auch vornehmen, jedem Tag mit der Gelassenheit von Buddha zu begegnen, spätestens am nächsten Tag ist es damit vorbei. Noch vor dem ersten Kaffee fliegt uns die Kritik des Chefs um die Ohren oder wir können einfach nicht mehr ertragen, dass unser Büronachbar sich ständig vom Boss zur Schnecke machen lässt. Kurzum, es gibt wieder Drama am Arbeitsplatz. Viele zwischenmenschliche Probleme rühren daher, dass wir in Konflikte geraten, weil wir gerne in "Drama-Rollen" schlüpfen. Wichtig zu wissen: Diese Rollen, das sind wir nicht. Und wir können diese Rollen ständig wechseln. Sind wir zu Beginn des Dramas noch Angreifer, sind wir am Schluss vielleicht das Opfer. Wir sind uns im Übrigen zumeist nicht einmal bewusst, dass wir gerade eine Rolle spielen. Man nennt das auch Dramadreiecke. Wie sich diese auf uns und unser privates und berufliches Leben auswirken können, erfahrt ihr hier.

Krimi im Büro - Seid ihr Verfolger, Opfer oder Retter? Foto: hunters race mybhn8kaaec / unsplash

Krimi im Büro - Seid ihr Verfolger, Opfer oder Retter? Foto: hunters race mybhn8kaaec / unsplash

Dramadreiecke fungieren als Erklärungsmodell

Beim Dramadreieck handelt es sich um ein Erklärungsmodell, das auf den Psychologen Stephan Karpman zurückgeht. Mit diesem Erklärungsmodell, das Teil der Transaktionsanalyse ist, wird versucht zu erklären, was zwischenmenschlich nicht ganz optimal läuft. Dramadreiecke bestehen aus drei Rollen. Es gibt den Verfolger, das Opfer und den Retter. Auch wenn sich diese drei Rollen grundsätzlich unterscheiden, haben sie doch eines gemeinsam. Retter, Verfolger und Opfer sind angstgesteuert und nach außen gerichtet. Ihnen allen ist das Bedürfnis nach Anerkennung und Aufmerksamkeit gemeinsam. Wer in eine dieser Rollen schlüpft, versucht, die Kontrolle zu übernehmen und damit die eigene Angst im Zaum zu halten. Es gibt keine bessere oder schlechtere Rolle. Alle drei Rollen bedingen sich gegenseitig und sorgen dafür, dass Dramadreiecke überhaupt funktionieren. Das macht die drei Rollen aus:

  • Der Verfolger (manchmal auch Täter genannt) wirkt nach außen hin so als hätte er am meisten Macht. Er klagt an, beschuldigt, kontrolliert, hetzt, droht und demütigt. Und er weiß alles besser. Er steuert zielsicher auf seine Opfer zu oder weiß zumindest, wie er andere in die Opferrolle drängen kann. Er kann wütend und aggressiv werden, wenn etwas nicht nach seiner Vorstellung läuft.
  • Das Opfer nimmt im Dramadreieck die vermeintlich schwächste Position ein. In diesem Rollenspiel bekommt das Opfer alle Vorwürfe ab und es fühlt sich macht- und hilflos. Allerdings wird dem Opfer auch am meisten Aufmerksamkeit geschenkt. Gleichzeitig muss man in dieser Rolle weder Konsequenzen tragen noch Verantwortung für sich oder andere übernehmen. Das Opfer weist gerne jegliche Schuld von sich, zeigt mit dem Finger auf andere und fühlt sich ungerecht behandelt. Andere geraten nahezu automatisch in die Verfolger-Rolle. Wer sich gerne in die Opferrolle begibt, macht anderen ein schlechtes Gewissen. Allerdings hat das Opfer häufig ein Gefühl von Ohnmacht und meint, dass es gar nicht anders kann als zu jammern und um Hilfe zu betteln.
  • Der Retter eilt sofort herbei, sobald er den Hilferuf des Opfers vernommen hat. Er erscheint quasi mit glänzender Rüstung auf der Bühne und präsentiert seinen ganzen Edelmut. Er schlichtet den Streit, vermittelt zwischen den Fronten, verteidigt das vermeintlich schwache Opfer und darf sich dabei mächtig und wichtig fühlen. Der Retter richtet seine ganze Aufmerksamkeit auf seine Umgebung. Wie geht es seinen Mitmenschen? Wie ist deren Befinden? Dabei macht er das nicht vollkommen uneigennützig. Auch der Retter hat das Bedürfnis, Aufmerksamkeit zu bekommen und versucht dies durch seine Rolle zu generieren. Oft schießt der Retter über das Ziel hinaus, überschreitet Grenzen und drängt seine Hilfe auf. Er übertreibt es mit seiner Hilfe und dadurch fühlt sich das Opfer noch kleiner und hilfloser. Auch der Retter scheitert mit seiner Rolle und bleibt am Ende nur mit einem Gefühl der Leere zurück. Die ersehnte Wertschätzung bleibt aus.

So könnte ein Dramadreieck beispielsweise aussehen:

  • Euer Boss wirft eurem Büronachbarn vor aller Augen vor, dass dieser die Unternehmensziele sabotiert, indem er ständig mangelnde Ergebnisse abliefert. Euer Boss wäre hier der Verfolger, euer Büronachbar das Opfer.
  • Ihr springt ein und verteidigt euren Büronachbarn, indem ihr sagt, dass die schlechten Ergebnisse nichts mit seiner Arbeit zu tun hätten. Ihr seid der Retter in diesem Dramadreieck.
  • Daraufhin sagt euer Chef, dass es egal sei wer Schuld habe, er müsse trotzdem für diese Ergebnisse geradestehen und Leute entlassen, wenn das so weitergehe. Nun ist er das Opfer.
  • Darauf sagt euer Büronachbar, dass es nicht dazu kommen müsse, wenn er endlich einmal das Ganze in die Hand nehmen und Ordnung in den Laden bringen könne.
  • Jetzt springen eurem Boss andere Mitarbeiter zur Seite und verteidigen ihn. Er gebe ja wohl sein Bestes. Sie sind die Retter.

Wie ihr seht, sind die Rollen nicht festgelegt. Es gibt für Dramadreiecke weder feste Anfänge noch definitive Enden. Auch die Rollen können ständig gewechselt werden. Das Problematische an Dramadreiecken ist, dass alle nur Rollen spielen und niemand authentisch ist. Es handelt sich um ein manipulatives System, in dem Verantwortung weggeschoben wird. Stattdessen gibt es Schuldzuweisungen und jede Menge Enttäuschungen.

Dramadreiecke fungieren als Erklärungsmodell / Foto: ahmed zayan / unsplash

Dramadreiecke fungieren als Erklärungsmodell / Foto: ahmed zayan / unsplash

Dramadreiecke auflösen – endlich weniger Drama, Baby

Ihr habt genug davon, dass sich an eurem Arbeitsplatz immer wieder die gleichen Dramen abspielen? Ihr wollt Dramadreiecke auflösen und nicht schon wieder in irgendeiner Rolle gefangen sein? Der wichtigste Schritt ist, dass ihr euch die Situation bewusst macht. Ihr müsst hinter die Fassade blicken und die Muster erkennen, die sich hinter den alltäglichen Konflikten am Arbeitsplatz verbergen. Wenn sich mal wieder so ein Drama abspielt, dann fragt euch:

  • Welche Rollen werden da gerade eingenommen?
  • Welche Rolle nehmt ihr selbst am häufigsten ein?
  • Welche Rolle hattet ihr als Kind? Welche Rolle ist euch aus eurer Kindheit besonders vertraut?
  • Welche Rolle haben die anderen Familienmitglieder übernommen?
  • Welche Rollen erkennt ihr bei einem Konflikt im Büro?

Erst wenn ihr eure Muster kennt, könnt ihr diese auflösen. Ihr müsst in das Drama aus Verfolger, Retter und Opfer auch nicht einsteigen. Ihr könnt Dramadreiecke auflösen, indem ihr einfach bei euch selbst bleibt. Kommen Konflikte auf, dann fragt euch, was ihr damit zu tun habt. Ist es eure Angelegenheit? Vielleicht nehmt ihr besonders häufig die Rolle des Verfolgers ein. In diesem Fall solltet ihr niemandem die Leviten lesen oder mit diesem ein ernstes Wörtchen reden. Wenn ihr Kritik üben müsst, dann bleibt wohlwollend und konstruktiv. Und wenn es sich gar nicht um eure Angelegenheit handelt, dann haltet euch raus. Verfallt ihr besonders häufig in die Rolle des Opfers? Dann besinnt euch auf eure Unabhängigkeit. Ihr seid unabhängig und ihr dürft Verantwortung für euch, euer Handeln und eure Gefühle übernehmen. Vielleicht schlüpft ihr auch gerne ins Superman- oder Superwoman-Kostüm und rettet eure Schreibtischnachbarn in Strumpfhosen und wehendem Umhang. Schlüpft ihr häufig in die Rolle des Retters? Dann bemüht euch darum, mit anderen gemeinsam Lösungen zu finden. Und wenn es euch nichts angeht, dann überlasst es den anderen, Verantwortung für sich und das eigene Handeln zu übernehmen.

Fazit

In eurem Büro spielt sich jeden Tag ein Krimi ab? Ihr wisst gar nicht mehr wohin mit den ganzen Schuldzuweisungen, dem Gejammer, den Drohungen und den ganzen Rettern in glänzender Rüstung? Dann ist es Zeit, Dramadreiecke aufzulösen und sich auf die eigenen, echten Gefühle und Gedanken zu besinnen.

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