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Inklusion am Arbeitsplatz

So sieht die schockierende Realität aus!

Foto: cliff booth / Pexels
Foto: cliff booth / Pexels

Menschen mit Behinderung sind oft gut qualifiziert und können genau so viel leisten wie Menschen ohne Einschränkung. Viele Unternehmen geben Menschen mit Behinderung trotz allem keine Arbeitsstelle – aus Angst, Unsicherheit oder Unwissen. Inklusion am Arbeitsplatz ist wichtig, damit diese Gründe ausgelöscht werden und stattdessen alle die gleichen Chancen am Arbeitsmarkt haben. Wir zeigen, wie Inklusion am Arbeitsplatz gelingen kann.

Was ist mit Inklusion gemeint?

Inklusion bedeutet, dass Menschen mit Behinderung sich nicht eingeschränkt fühlen müssen. Im Privatleben und auf der Arbeit sollen sie die gleichen Chancen haben wie jeder andere auch.

Inklusion am Arbeitsplatz - und warum sie so wichtig ist / Foto: marcus aurelius / Pexels

Inklusion am Arbeitsplatz - und warum sie so wichtig ist / Foto: marcus aurelius / Pexels

Inklusion am Arbeitsplatz: Die aktuelle Situation

Laut dem Inklusionsbarometer der Aktion Mensch sind im Moment 1,27 Millionen Menschen mit einer Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt aktiv. Das ist ein Rekord, denn noch nie gab es so viele Menschen mit Behinderung, die eine Arbeitsstelle hatten. Das reicht aber nicht.

Leider ist die Arbeitslosenquote bei Menschen mit Behinderungen nach wie vor mehr als doppelt so hoch wie bei Menschen ohne Behinderung. Besonders problematisch ist die Langzeitarbeitslosigkeit: Behinderte Personen sind etwa 100 Tage länger arbeitslos als der Durchschnitt. Das ist ein großes Problem, weil sie oft genau die gleichen Leistungen erbringen könnten wie ihre gesunden Kollegen, wenn man sie nur ließe.

Warum wollen Arbeitgeber Behinderte nicht einstellen?

Bei über zwanzig Arbeitsplätzen ist ein Unternehmen verpflichtet, fünf Prozent davon mit Schwerbehinderten zu besetzen. Tun sie das nicht, müssen sie eine sogenannte Ausgleichsabgabe zahlen. Das ist Geld, das zum Beispiel dem Integrationsamt zugutekommt. Viele Arbeitgeber machen das aber trotzdem noch lieber, als Behinderte einzustellen.

Oft liegt das Problem in der Unsicherheit der Arbeitgeber: Sie wissen nicht genug über Behinderungen und haben Angst davor, im Umgang mit den Betroffenen etwas falsch zu machen. Außerdem haben viele Arbeitgeber Vorurteile und glauben, Menschen mit Behinderung würden schlechtere Leistungen erbringen.

Zuletzt gibt es noch die besonderen Rechte, die viele Arbeitgeber umgehen wollen: Behinderte Personen haben zum Beispiel das Recht auf fünf Tage mehr Urlaub. Und möchte das Unternehmen einen Behinderten entlassen, ist vorher die Zustimmung des Integrationsamts nötig. Das ist vielen Arbeitgebern zu viel, denn sie haben Angst, dass sie den Angestellten nicht wieder kündigen können, wenn die Zusammenarbeit nicht funktioniert. Tatsächlich stimmt das Integrationsamt meistens zu, sodass es keine Probleme gibt – die Firmen wissen das aber nicht.

Integration oder Inklusion: Was ist der Unterschied?

Integration bedeutet, dass sich Personen mit einer Behinderung in ein bestehendes System einfügen. Das heißt, dass das System bereits funktioniert und die Betroffenen sich daran anpassen müssen. Sie übernehmen zum Beispiel Regeln und Werte und nehmen in Kauf, dass sie bei manchen Dingen nicht mitmachen können. Die Inklusion sieht anders aus: Hier geht es darum, dass die Umgebung sich an die Menschen mit ihren Einschränkungen und Bedürfnissen anpasst.

Das Ziel von Inklusion am Arbeitsplatz ist, dass alle sich barrierefrei und selbstbestimmt im Arbeitsleben bewegen können. Auch, wenn sie unter einer Behinderung leiden, sollen sie die gleichen Chancen haben wie Gesunde. Wenn dieses Prinzip konsequent umgesetzt wird, würde das bedeuten, dass zwischen behinderten und nicht behinderten Personen nicht mehr unterschieden wird – denn alle können das Gleiche tun.

Wie funktioniert Inklusion am Arbeitsplatz?

Wenn ein Unternehmen noch nie eine Person mit Behinderung eingestellt hat, kann es sich langsam herantasten. Dafür gibt es Beratungsstellen, zum Beispiel die Integrationsämter oder die Agenturen für Arbeit. Sie erklären, woher der Arbeitgeber finanzielle Unterstützung bekommt, wie der Kündigungsschutz funktioniert, und beantworten weitere Fragen.

Wer unsicher ist, kann durch Praktika und Probearbeiten herausfinden, wie es sich anfühlt, mit eingeschränkten Personen zu arbeiten. Behinderte Schüler können dann für ein Schülerpraktikum oder einen Berufsorientierungstag in die Firma kommen. Sie lernen, wie das Arbeitsleben funktioniert, und die Arbeitgeber lernen, was die Beschäftigung eines Behinderten für sie bedeutet.

Außerdem ist der Arbeitsplatz barrierefrei zu gestalten. Dabei geht es nicht nur um Rollstuhlrampen, sondern auch um Kommunikation und Information. Und natürlich müssen sich alle einig sein: Inklusion am Arbeitsplatz funktioniert nur, wenn jeder weiß, worauf er sich einlässt, und das ganze Kollegium mitmacht.

Inklusion am Arbeitsplatz / Foto: ricardo esquivel / Pexels

Inklusion am Arbeitsplatz / Foto: ricardo esquivel / Pexels

Was Barrierefreiheit am Arbeitsplatz bedeutet

Barrierefreiheit am Arbeitsplatz bedeutet, dass alles für jeden zugänglich ist. Das gilt für die Räumlichkeiten, Formulare, Leistungen und Gegenstände. Je nach Einschränkung einer Person kann Barrierefreiheit Verschiedenes bedeuten, zum Beispiel:

  • Ergonomische und verstellbare Möbel und Maschinen
  • Zugänge über Rampen und Aufzüge
  • Gebärdendolmetscher bei Vorträgen und Meetings
  • Brailleschrift und Bildschirmlesegeräte für eine bessere Kommunikation
  • Formulare und Mails in Leichter Sprache sowie
  • Anlaufstellen zur Beratung und Förderung.

Wenn sich alle Arbeitgeber und Mitarbeiter einig sind, dass sie den Arbeitsplatz barrierefrei gestalten möchten, kann sich die Unternehmensstruktur nachhaltig ändern. Dann können sich Menschen mit Behinderungen ohne Probleme am Arbeitsleben beteiligen.

Fazit

Viele Unternehmen sind verunsichert und unwissend, was die Zusammenarbeit mit Menschen mit Behinderung angeht. Leider führt das oft dazu, dass sie lieber die sogenannte Ausgleichsabgabe zahlen, statt einen Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. Das führt zu einer hohen Arbeitslosigkeit bei Menschen mit Behinderung sowie einem Gefühl, dass sie nicht gut genug sind und nicht genug leisten können. Dass das nicht stimmt, zeigen Studien und Unternehmen, in denen die Zusammenarbeit hervorragend funktioniert. Mit ein paar Tipps und mehr Wissen könnten Unternehmen zukünftig lernen, wie einfach Inklusion am Arbeitsplatz umzusetzen ist, und hoffentlich die Scheu und Angst vor der Zusammenarbeit mit Menschen mit Behinderung verlieren.

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