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Kinder im Büro

Ist das eine Lösung und wie setzt man sie um?

Foto: sai de silva / unsplash
Foto: sai de silva / unsplash

Ihr seid schon in der Berufswelt angekommen, oder der Berufseinstieg ist in greifbarer Nähe? Dann macht euch auf eines gefasst: Nicht alle, aber viele Frauen (und durchaus auch ein paar Männer) stellen sich irgendwann die Frage, was sie mit ihren Kindern machen sollen, während sie arbeiten gehen oder eigentlich arbeiten wollen. Eine Lösung könnte sein, dass Eltern ihre Kinder im Büro beaufsichtigen. Auch wenn ihr selbst keine Kinder wollt, könnte sich das in eurem Leben bemerkbar machen. Etwa wenn die Kollegin plötzlich nicht mehr allein in ihrem Büroraum ist.

Das Problem für viele Eltern

Kinder, die nicht in Kita, Kindergarten oder Schule gehen, müssen den ganzen Tag beaufsichtigt werden. Das passt in Deutschland aber nicht so recht zur Arbeitswelt. Nur sehr wenige Unternehmen bieten die Möglichkeit eines firmeninternen Kindergartens, denn das ist sehr teuer. In den meisten Fällen muss ein Elternteil dann leider zu Hause bleiben und dort auf den Nachwuchs aufpassen. In der Regel sind das die Mütter.

In der Folge müssen Mütter deswegen mit deutlich weniger Geld auskommen und schlechtere Karriereaussichten hinnehmen als die meisten Männer oder kinderlose Frauen. Hinzu kommt, dass die Betroffenen ihren Alltag wie "auf dem Abstellgleis" wahrnehmen. Selbst wenn die Kinder später zeitweise außer Haus sind, geht es dann häufig nur in Teilzeit weiter. Und sogar ganztagsbetreute Kinder können auf die Elternbetreuung angewiesen sein, wenn Ferien oder Krankheitsausfälle einmal dazwischenkommen. Das ist ein echtes Problem und zwar nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Wirtschaft.

Kinder im Büro: Ist das eine Lösung und wie setzt man sie um? Foto: charles deluvio / unsplash

Kinder im Büro: Ist das eine Lösung und wie setzt man sie um? Foto: charles deluvio / unsplash

Das Problem für die Unternehmen

Was passiert aber mit uns und der Wirtschaft, wenn so viele Eltern monate- oder sogar jahrelang aus der Arbeitswelt ausgeschlossen werden? Die Unternehmen verschenken Potential – und das nicht zu knapp. Die betroffenen Mütter und Väter haben nämlich oft eine exzellente Ausbildung und richtig was auf dem Kasten. Hinzu kommt der Aspekt des Fachkräftemangels: Die Wirtschaft hat nicht die Auswahl an BewerberInnen, die sie eigentlich gern hätte. Es hat für sie spürbare Nachteile, wenn sie Menschen ausschließen, die arbeitsfähig und motiviert sind, aber allein wegen ihrer Kinder nicht arbeiten können.

Da deutsche Unternehmen aber durchaus mit ausländischen in Konkurrenz stehen, können sie das Problem immer seltener ignorieren. Während hierzulande den Männern sogar teilweise noch ein deutlich größerer Wert zugesprochen wird, da sie ja nicht schwanger werden können, hat man anderswo längst Lösungen gefunden. Mit dem Ergebnis einer stark gesteigerten Produktivität. Eine dieser Lösungen ist es, Kinder im Büro zu beaufsichtigen. Aber wie kann das funktionieren?

Wir stellen vor: Das Eltern-Kind-Büro

Wenn Eltern ihre Kinder im Büro beaufsichtigen dürfen, spricht man von einem Eltern-Kind-Büro. Damit ist übrigens nicht das Home Office gemeint, also das Arbeiten von zu Hause aus. Die Mütter oder Väter gehen trotzdem ins Büro an den regulären Arbeitsplatz, an dem sie sonst auch arbeiten würden. Nur, dass sich eben auch die Kinder im Büro aufhalten. Die Möglichkeit gibt es schon seit über einem Jahrzehnt in Deutschland, doch weit verbreitet ist sie nicht. Außerdem ist das Konzept meist darauf beschränkt, dass die Kinder im Büro maximal zwischen zwei und sechs Jahre alt sein dürfen. Davor und danach müssen andere Lösungen her.

Doch wie kann ein solches Büro aussehen? Es gibt natürlich verschiedene Konzepte. Klassischerweise handelt es sich um einen Raum mit einem einzelnen Arbeitsplatz. Die Kinder im Büro halten sich im selben Raum auf, allerdings lassen sich die Bereiche für Elternteile und Kinder räumlich abteilen, zum Beispiel mit einem Vorhang. Die Kinder im Büro haben dann einen eigenen Spielbereich, ein Bücherregal, eine Sitzecke oder sogar ein Bett für den Mittagsschlaf. Arbeitgeber müssen also Einzelbüros zur Verfügung stellen oder gewährleisten, dass sich verschiedene Eltern einen Raum teilen. Außerdem bietet es sich natürlich an, wenn sie auch die räumliche Einrichtung für die Kinder im Büro finanzieren.

Das Problem mit Kindern im Büro für die Unternehmen / Foto: charles deluvio / unsplash

Das Problem mit Kindern im Büro für die Unternehmen / Foto: charles deluvio / unsplash

Was noch besser werden muss

Eltern-Kind-Büros sind meistens nicht auf dauerhafte Belegung ausgerichtet, sondern kommen nur übergangsweise zum Einsatz. Damit erfüllen sie noch nicht die Anforderungen der Realität. Diese Art von Büros müssen so weiterentwickelt werden, dass sie langfristig helfen. Warum sollten sie nicht schon zur Verfügung stehen, wenn das Beschäftigungsverbot im Mutterschutz endet? Oder noch dann, wenn das Kind schon die Schulbank drückt, aber am Nachmittag keinen Babysitter hat?

Leider sind die Unternehmen bisher noch nicht überzeugt. Nur wenige glauben daran, dass sich Arbeit und Kinder in einem Büro miteinander verbinden lassen. Dabei beweisen viele selbstständige und freiberuflich tätige Mütter in Home Office, dass sie trotzdem leistungsfähig sind. Kinder im Büro haben viele Vorteile:

  • keine Kosten für Babysitter
  • Öffnungszeiten von Kita und Kindergarten sind egal
  • Kinder dürfen bei ihren Eltern aufwachsen
  • betroffene Elternteile halten Anschluss an die Arbeitswelt
  • Dankbarkeit für die Möglichkeit erhöht die Leistungsbereitschaft
  • gutes Image für das Unternehmen
  • Mitarbeiter werden dauerhaft an das Unternehmen gebunden
  • Linderung des Fachkräftemangels
  • kein "Verspielen" teurer Ausbildungen
  • und vieles mehr

Wir brauchen mehr Eltern-Kind-Büros

Vielleicht steht ihr selbst einmal vor der Frage: Wohin mit dem Kind, wenn ich arbeiten will? Falls eure Arbeitgeber das Konzept noch nicht kennen, sprecht sie doch einfach mal darauf an. Mit etwas Glück sind eure Unternehmen offen für einen Versuch. Dann liegt es natürlich an euch, das Beste daraus zu machen. Wir wünschen viel Erfolg!

 

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