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Lästern

warum üble Nachrede kein Kavaliersdelikt ist

Foto: ben white / unsplash
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Lästern gehört in vielen Unternehmen zum guten Ton. Kaum im Pausenraum angekommen, werden nicht nur Brötchen und Salate ausgepackt, sondern auch der neueste Klatsch und Tratsch. Dann unterhalten wir uns über die neue Kollegin und ihren fragwürdigen Kleidungsstil, über den Kollegen, der immer zu spät kommt und über den unfähigen Chef. Der Flurfunk funktioniert in vielen Unternehmen ganz einwandfrei. Dem offenen, fairen Umgang miteinander wird dagegen weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Warum wir lästern, was man dagegen tun kann und warum es so schädlich ist, erfahrt ihr hier.

 

Lästern – warum üble Nachrede kein Kavaliersdelikt ist / Foto: kristina flour / unsplash

Lästern – warum üble Nachrede kein Kavaliersdelikt ist / Foto: kristina flour / unsplash

Lästern – warum machen wir das eigentlich?

Der Mensch ist ein soziales Wesen und irgendwie kommt es immer wieder dazu, dass wir nicht nur miteinander, sondern auch übereinander reden. Manchmal sagen wir nette Dinge über andere, aber ganz oft ist auch das Gegenteil der Fall. Wir reden über nicht anwesende Personen und finden nicht nur freundliche Worte. Lästern am Arbeitsplatz dient nicht nur einfach der Unterhaltung, es erfüllt auch andere Funktionen. So entwickeln Kollegen gemeinsame Feindbilder, gegenseitiges Vertrauen wird aufgebaut und Bindungen gestärkt. Hinzukommt, dass Lästern identitätsstiftend wirkt. Das heißt, wir machen klar, wer wir sind und was uns wichtig ist. Gemeinsames Lästern kann also das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Es trägt aber auch zur Grüppchenbildung bei und das ist – insbesondere am Arbeitsplatz – nicht immer von Vorteil. Ein weiterer wichtiger Grund für Lästereien am Arbeitsplatz ist, dass wir uns selbst besser fühlen, wenn wir schlecht über andere reden. Wir wollen unser Ego aufpolieren, uns selbst auf ein Podest stellen und unser Selbstwertgefühl puschen. Allerdings gibt es kaum einen effektiveren Weg in eine toxische Arbeitsatmosphäre als das Lästern. Wer sicherstellen möchte, dass das Betriebsklima garantiert unter die Nullgradgrenze fällt, sollte den Flurfunk unbedingt am Laufen halten.

Opfer von Lästereien kann im Übrigen jeder werden. Ob neuer Kollege oder langjähriger Mitarbeiter, jeder kann zum Mittelpunkt der üblen Nachrede werden. Manchmal gehen den Lästereien Konflikte voraus. Kleine Streitereien, Uneinigkeit bei bestimmten fachlichen Themen oder andere Meinungsverschiedenheiten können beispielsweise die Grundlage für im Untergrund schwelende Konflikte sein. In manchen Bereichen wie dem Sport werden kleine Sticheleien häufig genutzt, um den Gegner aus der Fassung zu bringen und zu verunsichern. Studien haben jedoch gezeigt, dass diese Sticheleien auch eine vollkommen gegenteilige Wirkung haben können. Das Gegenüber fühlt sich angestachelt und wird zu Höchstleistungen getrieben. Jetzt erst recht, lautet dann das Motto. Wenn ihr also über andere lästert, kann das bewirken, dass diese sich im Gegenzug besonders motiviert fühlen, euch durch eigene Leistung zu übertrumpfen.

Lästern kann schnell zu Mobbing werden

Auch wenn es vielen noch so harmlos erscheint, beim Lästern handelt es sich nicht um ein Kavaliersdelikt. Gerne werden Lästereien mit Sätzen wie "Wir reden hier halt so.", "Das ist einfach unsere Art hier im Büro." Oder "So ist der Humor hier eben." verharmlost. Dabei wird gerne übersehen, dass die Grenze zum Mobbing schnell überschritten ist. Wenn sich Grüppchen bilden und immer wieder über die gleiche Person schlecht geredet wird, dann hat das Auswirkungen. Die betroffene Person wird sich dadurch an ihrem Arbeitsplatz womöglich stark eingeschränkt fühlen und der Tratsch hat direkt und indirekt große Auswirkungen auf deren Leben. Dann spricht man nicht mehr von harmlosem Getuschel, dann handelt es sich um Mobbing. Mobbing am Arbeitsplatz sieht niemand gerne. Ein Kavaliersdelikt ist darin auch nicht zu sehen. Spätestens jetzt hat der Arbeitgeber die Pflicht einzuschreiten.

 

Lästern – warum machen wir das eigentlich? Foto: mika baumeister / unsplash

Lästern – warum machen wir das eigentlich? Foto: mika baumeister / unsplash

Mobbing am Arbeitsplatz kann arbeitsrechtliche Konsequenzen haben

Am Arbeitsplatz haben Lästereien nichts zu suchen. Eigentlich sollte man das Lästern komplett unterlassen. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass in vielen Unternehmen Lästereien an der Tagesordnung stehen. Die Flure und Kaffeeküchen werden genutzt, um den neuesten Klatsch und Tratsch auszutauschen. Am Arbeitsplatz kann ein solches Verhalten jedoch große Nachteile haben. Wer immer wieder über einen Kollegen oder Vorgesetzten lästert, kann schnell der üblen Nachrede bezichtigt werden. Der Ruf des anderen wird geschädigt, wenn Unwahrheiten und Gerüchte verbreitet werden. Und üble Nachrede kann auch für den, der lästert, gravierende Folgen haben. Lästereien werden in vielen Unternehmen nicht gerne gesehen und Vorgesetzte müssen einschreiten, um für ein gutes Betriebsklima zu sorgen und die Interessen des Unternehmens zu wahren. Wer das Lästern trotzdem nicht lassen kann, muss mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Verleumdung, Rufmord und üble Nachrede können zu psychischen und körperlichen Problemen beim Opfer führen. Dadurch kann nicht nur der Ruf des Opfers nachhaltig geschädigt werden und auch die Karriere des Täters ist in Gefahr. Niemand sollte Lästereien und Mobbing daher einfach so hinnehmen. Der Arbeitgeber kann folgende Schritte gegen das Lästern im eigenen Unternehmen vornehmen:

  • Im ersten Schritt werden Vorgesetzte über das Geschehen informiert. Das Opfer sollte klarmachen, dass es sich bei den Gerüchten nicht um Tatsachen handelt und den Arbeitgeber um Beistand bitten. Dieser muss seinen Fürsorgepflichten nachkommen.
  • Im nächsten Schritt wird das offene Gespräch gesucht. Wer lästert und falsche Informationen verbreitet, muss sich erklären. Das Gespräch sollte sachlich sein. Es muss jedoch deutlich werden, dass Lästereien und Mobbing am Arbeitsplatz nicht geduldet werden.
  • Bringt ein offenes Gespräch nicht den gewünschten Erfolg, kann der Arbeitgeber den Täter abmahnen. In besonders schwerwiegenden Fällen und bei wiederholtem Mobbing kann es sogar zu einer fristlosen Kündigung des Täters kommen.

Man sollte sich also genau überlegen, ob diese Lästereien es wert sind, der eigenen Karriere und auch dem Unternehmen, für das man arbeitet, zu schaden. Täter können ihren Job verlieren und schaden durch ihren Tratsch nicht nur anderen, sondern in letzter Konsequenz auch sich selbst.

Lästern im Büro – wie sollte ich mich verhalten?

  • Wenn euch das Lästern am Arbeitsplatz unangenehm ist und ihr solche Situationen vermeiden möchtet, könnt ihr es mit folgenden Lösungsansätzen probieren:
  • Ihr könnt sagen, dass ihr nicht über Personen sprechen möchtet, die nicht anwesend sind.
  • Ihr könnt euren Kollegen fragen, ob er das Problem der betroffenen Person gegenüber bereits erwähnt hat. Ihr könnt darauf hinweisen, dass ein offenes Gespräch zur Klärung beitragen kann.
  • Wenn ihr zu den Führungskräften eines Unternehmens gehört, müsst ihr bei Lästereien sofort einschreiten. Ihr dürft euch daran nicht beteiligen und diese auch nicht ignorieren. Im Idealfall führt man die Person, die lästert, mit der Person, über die gelästert wird, für ein gemeinsames Gespräch zusammen und klärt das Problem.

 

Wenn ihr hört, dass Gerüchte über andere im Umlauf sind, könnt ihr die betroffene Person darauf ansprechen. Fragt vorab, ob sie über die Gerüchte, die gerade verbreitet werden, sprechen möchte. Sind Gerüchte über euch selbst im Umlauf, sprecht das direkt an. Ihr hört, wie jemand etwas über euch erzählt, das nicht korrekt ist? Geht direkt dazwischen und klärt auf, dass es sich um ein Gerücht und keine Tatsache handelt. Verkriechen stoppt die Gerüchteküche nicht. Wird über euch gelästert und ihr hört das, könnt ihr ebenfalls direkt sein und darum bitten, dass mit euch direkt über das Problem gesprochen wird. Das offene Gespräch zu suchen ist besser, als den Lästereien über sich selbst den Rücken zuzukehren.

Grundsätzlich gilt: Es ist immer besser, das offene Gespräch zu suchen. Ob ihr selbst lästert, oder ob über euch gelästert wird, in beiden Fällen solltet ihr den Konflikt lieber klären und das Problem offen ansprechen. Ein unter der Oberfläche schwelendes Problem kann mit der Zeit zu einem gravierenden Konflikt werden. Solche Konflikte können das Betriebsklima und die Zusammenarbeit in einem Unternehmen massiv beeinträchtigen. Sich für ein gutes Betriebsklima einzusetzen, liegt daher immer auch im eigenen Interesse.

Fazit

Lästern ist kein Kavaliersdelikt. Am Arbeitsplatz nicht und im Privatleben auch nicht. Es kann hin und wieder vorkommen, dass wir uns Luft verschaffen müssen, aber wir sollten uns stets darüber bewusst sein, dass sich Konflikte dadurch nicht lösen lassen. Besser ist es, das offene Gespräch zu suchen und Probleme umgehend zu klären. Üble Nachrede im Beruf kann arbeitsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Wird ein Kollege gezielt gemobbt, können darauf Abmahnungen und sogar Kündigungen folgen. Für ein gutes Betriebsklima und ein angenehmes Miteinander lohnt es sich, sich das Lästern abzugewöhnen und an einem angemessenen Umgang mit Konflikten zu arbeiten.

 

 

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